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Der gebrochene Flügel

Unter dem Titel Die Kunst zu fliegen erzählte Antonio Altarriba in einem fast schon epischen Comic das Leben seines Vaters. Als Rahmenhandlung fungierte dessen Selbstmord. “Obwohl es nur wenige Sekunden zu dauern schien“ brauchte sein Vater für den “Sturz aus dem vierten Stock neunzig Jahre.“ Als Altarriba seinen Comic vorstellte, der auch neun Jahrzehnte spanische Geschichte erzählte, fragte eine Zuhörerin: “Und ihre Mutter?“

Der gebrochene Flügel

Die Frage war berechtigt, denn Petra Altarriba taucht erst auf Seite 136 des 200-seitigen Comics auf und spielt für die Handlung keine große Rolle. Es erscheint sogar fast so, als wenn ihre frömmelnde Art der Selbstverwirklichung des Freigeistes Antonio Altarriba Senior im Wege steht. Dass dies keineswegs so war, zeigt jetzt Petras Biografie Der gebrochene Flügel, die genau wie Die Kunst zu fliegen vom spanischen Zeichner Kim in beeindruckenden schwarzweißen Bildern in Szene gesetzt wurde.

Der gebrochene Flügel

Kurz nach der Geburt von Petra Altrarriba starb deren Mutter. Dies machte ihren Vater so wütend, dass er sie fast umgebracht hatte. Ihre Schwester Florentina rettete ihr das Leben, doch dabei wurde sie so stark verletzt, dass sie zeitlebens ihren linken Arm nicht bewegen konnte. Sie tarnte dies jedoch so gut, dass weder ihr Ehemann oder ihr Sohn es bemerkten.

Der gebrochene Flügel

Ihr starker Glaube ermöglichte es Petra ihren oft ungerechten Vater zu ertragen und später auch zu pflegen. Bei allen Schwächen muss Altarribas Großvater ein interessanter Mann gewesen sein, der wann immer es möglich war, seinen Tabakladen zusperrte und mit einer Wanderbühne meist erfolglos durch die Nachbardörfer zog. Als willensstarke Frau überstand Petra zunächst als Dienstmädchen und dann als Gouvernante die Franco-Diktatur im Hause eines Generals, dem sein Traum die Monarchie wieder einzuführen zum Verhängnis wurde.

Die Kunst zu fliegen

Genau wie Die Kunst zu fliegen erzählt auch Der gebrochene Flügel Geschichte im Großen wie im Kleinen so souverän und mitreißend wie kaum ein Werk der Weltliteratur!

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Die Kunst zu fliegen

Im Mai 2001 stürzte sich Antonio Altarriba Lopes aus dem vierten Stock seines Altersheims. Er hinterließ einen Sohn, der ebenfalls Antonio heißt, sowie einige beschriebene Blätter mit seinen Lebenserinnerungen. Antonio Altarriba jr. (Ich, der Mörder) verarbeitete die Trauer über den Tod seines Vaters zu einem Comic-Skript, welches der Zeichner Kim in ebenso detaillierte wie inspirierte schwarzweiße Bilder umsetzte.

Die Kunst zu fliegen

Im Comic schlüpft Antonio Altarriba in die Haut seines Vaters, weil er “schon immer in ihm gewesen war, denn ein Vater besteht aus seinen möglichen Kindern“ und er “war das einzige Kind, das meinem Vater möglich war.“ Er kommt dabei zu der Erkenntnis, dass “obwohl es nur wenige Sekunden zu dauern schien“ sein Vater für den “Sturz aus dem vierten Stock neunzig Jahre brauchte.“

Die Kunst zu fliegen

Daher stellte Altarriba den Kapiteln, in denen er chronologisch aus dem Leben seines Vaters erzählt, Bilder voran, die zeigen wie dieser langsam an der Fassade des Altersheims entlang in die Tiefe stürzt. Dieses Gleichnis macht durchaus Sinn, denn die Biografie von Altarribas Vater ist alles andere als die Erfolgsstory eines Aufsteigers. Nach vergeblichen Versuchen das freundlose Dorf seiner Jugend zu verlassen, kämpft Antonio Senior in den Wirren des Spanischen Bürgerkriegs zunächst auf der Seite Francos und wechselt dann zu den Anarchisten, landet in einem französischen Lager, entkam den Deutschen und verzweifelte schließlich an der drögen Tristesse des Nachkriegs-Spanien.

Die Kunst zu fliegen
Doch ganz ohne Hoffnung verläuft das Leben nicht, auch wenn die erfreulichen Momente, die für den dringend benötigten Lebensmut sorgen, nur von kurzer Dauer sind. Altarriba schöpfte auch Kraft daraus, dass es ihm – trotz seiner frömmelnden Ehefrau – gelang, seinem Sohn einige anarchistische Tugenden mit auf den Lebensweg zu geben.

Die Kunst zu fliegen
Die Kunst zu fliegen erzählt Geschichte im Großen wie im Kleinen so souverän und mitreißend wie kaum ein Werk der Weltliteratur.

Die Kunst zu fliegen

Dies gilt auch für die „Fortsetzung“ Der gebrochene Flügel, die von Altarribas Mutter handelt.

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