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Marvels

1994 unternahm der Comicautor Kurt Busiek (Astro City) ein höchst interessantes Experiment. Er verknüpfte die Geschichte der Marvel-Comics mit der tatsächlichen Geschichte.

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In seiner Story diskutieren die Bürger New Yorks im Jahre 1939 nicht nur über den aufziehenden Zweiten Weltkrieg, sondern auch über einen brennenden Superhelden namens The Human Torch. Kurz darauf steigt ein Unterwassermensch namens Namor aus dem Hudson River und Captain America sowie weitere bunt kostümierte Helden ziehen gegen die Nazis in den Krieg.

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In den 60er Jahren erleben die Bürger New Yorks dann wie sich die Fantastic Four formieren, zwei Mitglieder des Superhelden-Teams glamourös heiraten und das Quartett anschließend die Menschheit vor dem riesigen Weltenverschlinger Galactus rettet. Diese Ereignisse erlebt der Leser scheinbar hautnah durch die Augen des Fotoreporters Phil Sheldon, also quasi aus der Froschperspektive. Sheldon wird aber auch mit der panischen Angst seiner New Yorker Mitbürger konfrontiert, die in Lynchjustiz-Stimmung ausartet und erlebt schließlich hautnah den Tod von Spider-Mans Freundin Gwen Stacy.

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Ohne die ebenso hyperrealistischen wie kunstvollen plastischen Bilder von Alex Ross (der danach mit Kingdom Come ein ähnlich ambitioniertes Projekt für DC gestaltete) wäre die vierteilige Miniserie Marvels ganz gewiss nicht jener Klassiker geworden, der er heute zweifelsohne und verdientermaßen auch ist.

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Zum 10-jährigen Geburtstag von Marvels erschien in den USA ein prachtvoll ausgestatteter Jubiläumsband, der u. a. auch über viele kleine Anspielungen in den Bildern von Ross informiert. So hat dieser nicht nur Figuren aus Alan Moores Klassiker Watchmen  sondern auch die Reporter Lois Lane und Clark Kent sowie sogar Stan Lee und Jack Kirby in seinen Zeichnungen versteckt.

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Kingdom Come

Nachdem er 1994 in Marvels die Comicfans mit seinen plastisch dargestellten “realistischen“ Superheldengemälden von Spider-Man & Co. begeisterte, nahm sich Alex Ross zwei Jahre später die kostümierten Helden aus dem Hause DC vor.

Kingdom Come

Während die von Kurt Busiek (Astro City) geschriebene Miniserie Marvels noch eine recht interessante Angelegenheit war, die der Frage nachging, wie es sich aus der Froschperspektive eines normalen Bürgers “anfühlen“ würde, wenn es tatsächlich Superhelden gäbe, drohte Kingdom Come an der überambitionierten Story von Mark Waid zu ersticken.

Kingdom Come

Erzählt wird, wie sich Superman und seine Heldenkollegen vom Welten-Retten zurückgezogen haben und dem Nachwuchs eine Chance geben. Lediglich der schon leicht angegreiste Batman kann nicht loslassen. Er hat den Playboy-Smoking von Bruce Wayne komplett an den Nagel gehängt und kontrolliert Gotham City mit Erschreckungs-Robotern. Zugleich arbeitet er auch noch daran, dieses Konzept zu exportieren. Die neue junge Helden-Generation hingegen verrichtet ihre Tätigkeit so rücksichtslos, dass sich die alten Recken wieder in ihre (leicht modifizierten) Kostüme zwängen und einmal mehr für Recht und Ordnung (und den “American Way“) sorgen.

Kingdom Come

Doch Alex Ross übererfüllte in Kingdom Come die in ihn gesetzten Erwartungen und bietet eine Unmenge von detailverliebten Wimmelbildern. Besonders gelungen ist das Superhelden-Themenrestaurant Planet Krypton. Diesen Schauplatz hat Ross so liebevoll ausgestaltet (“Ich nehme amerikanische Werte mit Mayo“), dass es verwundert, dass Warner-DC diese Vision noch nicht verwirklicht hat.

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Insgesamt jedoch richtet sich Waids unnötig kompliziert erzählte Geschichte eher an Insider und erst bei seinen späteren Team-Ups mit Paul Dini wie wie Batman – Krieg dem Verbrechen oder JLA – Freiheit und Gerechtigkeit schuf Alex Ross Superhelden-Comics die auch Menschen ohne DC-Abitur verstehen.

Kingdom Come

Ein Comic-Meilenstein ist Kingdom Come trotz aller inhaltlicher Schwächen aber allemal und daher ist eine Neuauflage dieses Klassikers, der 1997 erstmals mit dem Untertitel Die Apocalypse bei Carlsen erschien, immer willkommen. Vor allem wenn diese Ausgabe neben den vier zusätzlichen Comicseiten, die Ross und Waid nachträglich eingefügt haben, auch noch “über 130 Seiten mit unveröffentlichten Bonus-Material“ enthält (und auf das entbehrliche Vorwort von Elliot S. Maggin verzichtet, der eine Romanversion zu Kingdom Come schrieb und durch die Hintertür Mitautorenschaft am Comic anmeldet).

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In der fetten Neuausgabe von Panini erklärt Alex Ross nicht nur noch ausführlicher die Modifizierungen, die er an DC-Ikonen wie Superman, Batman oder Wonder Woman vorgenommen hat, sondern liefert auch Informationen zu weniger bekannten Figuren wie Bloodlust, Demon Damsel oder Black Mongul. Außerdem bietet ein Index noch zusätzliche Anmerkungen zu Anspielungen auf Momente aus der reichhaltigen DC-Historie, die Waid und Ross auf fast jeder Seite von Kingdom Come platziert haben.

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