Schlagwort-Archive: Leonardo DiCaprio

Aviator

Zwei Jahre nach seinem hart umkämpften Werk Gangs of New York legte Martin Scorsese 2004 einen kaum weniger ambitionierten Film nach. Diesmal geht es um den geheimnisvollen Milliardär Howard Hughes (1905 – 1976), der von der Fliegerei und dem Hollywood-Kino (sowie den zugehörigen weiblichen Stars) gleichermaßen besessen war.

Scorsese konzentriert sich auf die Zeit zwischen 1930 und 1950, die optisch am meisten hergibt. Hughes Jugend wird nur kurz angerissen und schon kurz danach befindet sich der Zuschauer mitten in den aufwändigen Dreharbeiten zum Kriegsdrama Hell’s Angels. Hughes setzte eine gewaltige Armada von Flugzeugen ein und stellte die Luftkämpfe des Ersten Weltkrieges filmisch nach. Als das Werk nach jahrelangen Dreharbeiten endlich fertiggestellt war, kam der Tonfilm dazwischen und Hughes ließ alles noch mal drehen. 

Weiter geht es in Aviator mit Hughes Beziehungen zu Hollywood-Stars wie Katherine Hepburn (Cate Blanchett) und Ava Gardner (Kate Beckinsdale), den halsbrecherischen Flugexperimenten, Hughes Kampf mit der Airline Pan Am um die internationalen Flugrechte und seine Flucht in die völlige Isolation.  

Auch ein dreistündiger Film kann einer komplexen Person wie Hughes nicht gerecht werden. Scorsese gelang eher ein Film über die Epoche in der Hughes lebte als ein Film über Hughes. Leonardo DiCaprio überzeugt in der Titelrolle durch Wandlungsfähigkeit. Cate Blanchett spielt die einzige Frau, die Hughes Paroli bieten konnte. Ihre Katherine Hepburn wirkt zunächst eher wie eine Karikatur, gewinnt erst im Verlauf des Filmes an Profil.

Während Scorsese zuvor bei Gangs of New York noch fast ganz auf Spezialeffekte verzichtete, kommt diesmal kaum eine Szene zumindest ohne farbliche Verzerrungen aus. Aviator ist in seinen Details und beeindruckenden Einzelepisoden sehr viel besser gelungen als im großen Ganzen. Dennoch handelt es sich um einen mutigen und kühnen Film, der in manchen Momenten scheitert, dadurch zugleich aber auch seiner Hauptfigur gerecht wird.

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Gangs of New York

Im März 2001 hatte Martin Scorsese sein Opus Gangs of New York abgedreht. Vor mehr als 30 Jahren hatte er erstmals das gleichnamige Sachbuch von Herbert Asbury gelesen und sich fest vorgenommen einen Film daraus zu machen. Im September 2001 führte er eine knapp vierstündige Schnittfassung vor und nach dem Anschlag am 11. September unterzog er seinen Film einer „neuerlichen strengen Prüfung“.

Wahrscheinlich hat es dem Film gut getan noch ein wenig zu reifen. Direkt nach dem 11. September hätte die US-Bevölkerung Bilder von konkurrierenden New Yorker Feuerwehrmännern, die sich um Hydranten prügeln und von einem Kanonenhagel, den die US-amerikanische Marine mitten in die Stadt feuert, unweigerlich in den falschen Hals bekommen. Als der Film in die Kinos kam verwundern gewisse Sequenzen, doch sie schmerzen nicht mehr.

Zunächst sieht es so aus, als wenn Scorsese einmal mehr von den Methoden des Gangstertums und von der Entstehung der Mafia erzählt. Die Geschichte wirkt dabei auch allzu vertraut. Im Jahre 1850 tötet in New York ein sehr böser egozentrischer Bandenführer (brillant: Daniel Day-Lewis als Bill the Butcher) einen etwas milderen religiös motivierten Bandenführer (Liam Neeson). Der Sohn des Opfers (Leonardo DiCaprio) schwört Rache, verfällt aber zunächst dem dunklen Charme des Bösewichts. Zwischen beiden Männern steht dann natürlich auch noch mit Cameron Diaz als trickreiche Taschendiebin eine Frau.



Anfangs ist dem Film deutlich anzumerken, dass Scorsese Kürzungen vorgenommen hat, manche Übergänge wirken holperig, während die Musikuntermalung oft etwas unpassend und penetrant erscheint. Doch die grandiosen Bilder und die unglaublich detailverliebte Ausstattung entschädigen mehr als reichlich. Das Ende überrascht wirklich und macht den Film doch noch zu einem Meisterwerk: Die beiden feindlichen Gangs wollen sich gerade eine weitere wüste Straßenschlacht liefern. Plötzlich marschiert die US-Army auf und schlägt mit brutaler Gewalt (die deutlich heftiger ausfällt als alles was der Film zuvor zeigte) einen gleichzeitig stattfindenden Aufstand gegen die allgemeine Wehrpflicht nieder.

In der Tat erhoben sich 1863 mehr als 70.000 New Yorker und wollten nicht an den Fronten des amerikanischen Bürgerkrieges sterben. Dieses blutige Ereignis setzt der Film in erschütternde Bilder um, die noch lange nachwirken. Gangs of New York mag seine Schwächen haben, aber schon die Tatsache, dass Scorsese bei der Erstellung seiner Endfassung nicht einknickte verdient Respekt. Dadurch wurde sein Film zu einer (leider wohl allgemeingültigen) Parabel auf die gnadenlose Funktionsweise unserer Gesellschaft.

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Shutter Island

2010 spielt Leonardo DiCaprio nach Gangs of New York, Aviator und Departed, bereits seine vierte Hauptrolle in einem Film von Martin Scorsese. Da die Romanvorlage zu Shutter Island auch noch vom Mystic River-Autor Dennis Lehane stammt, sind die Erwartungen recht hoch. Anfangs gelingt es Scorsese und DiCaprio beträchtliche Spannung aufzubauen.

Im Jahre 1954 reist der US-Marshall Teddy Daniels auf das auf einer abgelegenen Insel vor der Küste von Boston gelegenen Gefängnisinsel Shutter Island. Dort ist eine geisteskranke Mörderin entflohen. Der ärztliche Leiter Dr. Cawley (Ben Kingsley) und das Wachpersonal verhalten sich nicht sonderlich kooperativ.

Doch nicht nur die Zustände auf Shutter Island sondern auch die im Dachstübchen von Teddy Daniels sind mehr als befremdlich. Der Marshall leidet nicht nur schwer am Tod seiner Frau, sondern wird auch noch immer wieder von drastischen Erinnerungen an die Befreiung eines Konzentrationslagers heimgesucht, an der er als Soldat teilnahm.

Formal ist Shutter Island vor allem was die Ausstattung und die Kameraarbeit betrifft durchaus interessant. Doch die immer wieder reichlich penetrant eingestreuten Rückblenden lassen kaum Spannung aufkommen und das Ende des Films ist eher blödsinnig als überraschend.

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Departed – Unter Feinden

2006 erzählt nicht von der italienischen Mafia in New York, sondern von den irischen “Gangs of Boston“. Daher wird der Part, den ansonsten höchstwahrscheinlich Robert De Niro übernommen hätte, von Jack Nicholson verkörpert. Departed – Unter Feinden schildert zwar etliche nicht ganz unkomplizierte Verwicklungen und Beziehungen, doch das Grundgerüst der Story ist eher simpel.

Dem Undercover-Cop Billy Costigan (Leonardo DiCaprio) gelingt es in die Bande des völlig unberechenbaren Unterweltbosses Frank Costello (Nicholson) aufgenommen zu werden. Sein Polizei-Kollege Colin Sullivan (Matt Damon) hingegen steht im Sold von Costello und versucht mit allen Mitteln die Identität des Verräters in dessen Reihen aufzudecken. Außerdem haben Costigan und Sullivan auch noch ein Faible für die ohnehin auf Problemfälle spezialisierte Psychologin Madolyn (Vera Farmiga).

In der Regel sind es eher Fernost-Horrorfilme wie The Ring oder The Grudge die von Hollywood recycelt werden. Doch jetzt hat es auch den Hongkong-Thriller Infernal Affairs erwischt. Angeblich hat Autor William Monahan (Königreich der Himmel) sich diesen Film gar nicht erst angesehen, sondern zum Verfassen seines Drehbuchs lediglich eine Übersetzung des chinesischen Original-Skriptes benutzt. Das US-Remake lässt sich sehr viel mehr Zeit die Charaktere einzuführen, während in Infernal Affairs die Figuren flach blieben und die Geschichte gnaden- und atemlos vorangetrieben wurde. Monahan verpasste der Story zudem noch ein etwas moralischeres aber nicht minder blutiges Finale. Das solide Hongkong-Grundgerüst wurde noch mit zusätzlichen Story-Elementen ausgeschmückt und ergänzt um interessante Nebenfiguren, für die sehr interessante Darsteller verpflichtet werden konnten.

Martin Scorsese setzte als Hauptdarsteller nach Gangs of New York und Aviator zum dritten Mal Leonardo DiCaprio ein. Auch Matt Damon geht voll in seiner Rolle auf. Ebenso glaubhaft wie realitätsnah agiert er als angepasst wirkender Karriere-Cop, der jedoch von der Unterwelt ferngesteuert wird. Jack Nicholson bringt seine diesmal völlig passenden unberechenbaren Mätzchen gewinnbringend ins große Ganze ein. Markante Momente haben auch Martin Sheen und Mark Wahlberg als guter (väterlicher) und böser (aber moralisch intakter) Cop. Auch der bullige britische Darsteller Ray Winstone (Sexy Beast) hinterlässt in seinen kurzen Auftritten als Sullivans rohe rechte Hand Mr. French einen bleibenden Eindruck.

Auf der Tonspur passiert ebenfalls so einiges. Während Howard Shores Soundtrack eher unauffällig bleibt, überzeugt auch diesmal Scorseses pointierter Einsatz von Songs. Zu hören sind einmal mehr die Stones, aber bei romantischeren Momenten auch Pink Floyd und wenn die irische Mafia ausrückt kraftvoller Folk Rock. Nicht unerwähnt bleiben soll auch die Leistung von Kameramann Michael Ballhaus, der hier zum sechsten Mal mit Scorsese zusammenarbeitet. Seine grünlich-grauen Bilder lassen thematisch passend zugleich an TV-Doku und Film Noir denken.

Doch all dies wäre nichts ohne Scorseses meisterliche Bildsprache. Dies zeigt sich vor allen in intimeren Momenten, etwa, wenn Vera Farmiga langsam merkt, dass ihr Freund Colin sie belügt und ein düsteres Geheimnis hat. Eine ebenso knisternde Spannung verbreitet ein Telefonat zwischen Damon und DiCaprio, bei dem beide nicht miteinander reden aber ganz genau wissen wen sie jeweils am anderen Ende der Leitung haben. Departed ist eine gute Stunde (und zwar eine wirklich gute Stunde!) länger als Infernal Affairs und es ist unglaublich was ein wirklich guter Regisseur alles aus einer nur bedingt originellen Geschichte rausholen kann!

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Es war einmal in Hollywood – Film und Roman

Zwei Jahre nach der Premiere von Es war einmal in Hollywood erschien Quentin Tarantinos Romanfassung seines neunten Kinofilms.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Herausgekommen ist sehr viel mehr als ein “Buch zum Film“, sondern Tarantino liefert zahlreiche Details über seine Protagonisten und über das Hollywood der späten 60er-Jahre nach. Hier einige Anmerkungen zu den 24 Kapiteln des Buchs.

KAPITEL EINS: “Nennen Sie mich Marvin“

Es war einmal in Hollywood – Film und Roman

Der Roman beginnt mit dem Treffen zwischen dem Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und Marvin Schwarz (Al Pacino), das im Gegensatz zum Film im Büro des Agenten und nicht in einem Restaurant stattfinden. Beim Gespräch geht es weniger darum, wie sich Dalton sich für eine Filmrolle mit einem Flammenwerfer vertraut machte. Stattdessen wuchert Tarantino hier mit Anekdoten aus der Filmwelt. So ist zu erfahren, dass es Marvin Schwarz gelungen war, Sergio Leone davon zu überzeugen in Für ein paar Dollar mehr, anstelle eines betrunkenen Lee Marvins, einen “zwischenzeitlich mal trockenen Lee Van Cleef“ zu verpflichten. Im Roman beschreibt Schwarz noch gnadenloser den künftigen Verlauf von Rick Daltons Karriere, der in den USA nur noch jämmerliche Schurkenrollen spielen wird. Als einziger Ausweg bleiben ihm nur noch Auftritte in Italo Western. Angesichts dieser düsteren Aussicht beginnt Dalton vor Schwarz (nicht wie im Film erst nach dem Gespräch in Gegenwart von Cliff Booth) zu weinen und sich seiner Tränen zu schämen. Dies entlockt Schwarz die schöne Bemerkung: “Gar nichts muss Ihnen leidtun. Sie sind Schauspieler. Schauspieler müssen einen Zugang zu ihren Gefühlen haben.“

KAPITEL ZWEI: “Ich bin neugierig (Cliff)“

Die hier geschilderten Dinge kommen im Film gar nicht vor und liefern viele interessante Details zu Cliff Booth, dem Kumpel, Stuntdouble und Hausmeister von Rick Dalton. Während Cliff auf seinen Boss wartete, bändelt er im Vorzimmer des Büros von Marvin Schwarz mit dessen Sekretärin Fräulein Himmelsteen an. Zugleich wird geschildert, wie Cliff, der im Zweiten Weltkrieg “Zeuge der krassen Extreme der Menschheit geworden war“, Hollywood-Filme danach nichts mehr abgewinnen konnte. Stattdessen fand er Gefallen an fremdsprachigen Filmen, die er für sehr viel interessanter und überraschender hält. Hier scheint Tarantino Cliff dazu zu benutzen, um mit seinen umfassenden Filmwissen zu wuchern. So lobt er etwa die Filme von Akira Kurosawa, den Darsteller Jean-Paul Belmondo, aber auch Bernhard Wickis Die Brücke, während er über die Werke von Francois Truffaut durchaus fundiert ablästert…

KAPITEL DREI: “Gielo Drive“

Der film- und welterfahrene Cliff kann nicht verstehen, dass für Rick eine Welt untergeht, wenn er in Italien dreht. Dort gibt es die „beste Pasta und Pizza der Welt“, außerdem kann Rick „italienische Ladys knallen“,

Kapitel Vier: Brandy, Du bist ein feines Mädchen

Ein ganzes Kapitel mit 15 Seiten hat Tarantino Brand, dem Hund von Cliff gewidmet.

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Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Quentin Tarantinos neunter und maßgeblich vorletzter Film Once Upon a Time … in Hollywood war ein Geniestreich. Nun hat das Filmwunderkind die Romanfassung dazu nachgelegt- ergänzt diese um einige wertvolle Informationen und Innenansichten der Hauptfiguren- und debütiert damit als Autor. In einem Interview bekannte sich Tarantino dazu, ein Fan nachträglich verfasster „Bücher zum Film“ zu sein, da er noch die Zeit vor der VHS-Videokassette erlebt hat, in der Filmfans gezwungen waren, auf dieses Medium zurückzugreifen.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Um es vorwegzunehmen: Vor der Lektüre des Buchs sollte der Film gesehen werden. Tarantino setzt voraus, dass der Leser Figuren und Ereignisse kennt. Im Film ist so gut wie nichts über Charles Manson zu erfahren, obwohl dieser der Dreh- und Angelpunkt in der Geschichte ist. Im Buch gibt es zumindest ein Kapitel über den Sektenführer und späteren Massenmörder, dies beschäftigt sich mit dessen Freundschaft zum Beach-Boy-Mitglied Dennis Wilson und seinen verzweifelten Bemühungen beschäftigt, als Rockmusiker Erfolg zu haben.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Auch die Innenwelt der anderen Hauptfiguren nimmt Tarantino genauer unter die Lupe. Es ist mehr zu erfahren über den abgehalfterten, ehemaligen Westernserienstar Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) mit Alkoholproblemen, über sein Stuntdouble und Saufkumpanen Cliff Booth (Brad Pitt) sowie über Roman Polanskis Gattin Sharon Tate (Margot Robbie). Hierbei bedient Tarantino sich der Sicht des allwissenden Erzählers, der jeden Standpunkt einnehmen und in jede Person hineinsehen kann (zumindest letzteres ist eine Qualität, die dem Medium Film naturgegeben abgeht).

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Tarantinos Romandebüt liest sich wie ein Drehbuch und ist stets im Präsenz geschrieben. Es gibt teilweise überflüssige Anmerkungen zum Verhalten der Protagonisten, sowie natürlich geniale Dialogen. Ein Schwachpunkt ist, dass einige Charaktere und Handlungsstränge buchstäblich ins Leere aufen und nicht wieder aufgegriffen werden. So verwundert es, dass der Werdegang von Cliff Booths Kampfhündin Brandy und deren Verbindung mit Cliff Booth im Buch ausführlich geschildert wird, ansonsten jedoch keine Funktion hat.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Um nicht zu spoilern, werde ich zumindest über die Funktion der Manson-Morde (die ja im Film durch eine simple Hausverwechslung und der Wehrhaftigkeit derer Besitzer vereitelt werden) an dieser Stelle schweigen. Trotz einiger Schwächen muss hervorgehoben werden, dass Tarantinos erster Roman beste Unterhaltung liefert. Seine Beobachtungsgabe und sein Händchen für eindringliche Sequenzen ist auch in Buchform großes Kino und dürfte nicht nur für Fans erfreuen.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Vielleicht der größte Pluspunkt des Buches ist Tarantinos persönlicher Einblick in die Filmwelt und das Hollywood des Jahres 1969. Jede Seite pulsiert nur so von Informationen über echte und hinzugedichtete Filme, Anekdoten und Skandale. Wie immer schreibt Tarantino die Geschichte ein wenig um. Man spürt seine Liebe zum Kino und zum Filmemachen. Es darf sich auch auf Tarantinos Sachbuch über den Film der 70er-Jahre mit dem Titel „Film Speculation“ gefreut werden.

Matthias Schäfer

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Basquiat

Auf der Liste der teuersten Gemälde der Malerei, die offiziell mit Kaufvertrag verkauft wurden, steht aktuell auf Platz 12 ein Bild ohne Titel aus dem Jahr 1982, das am 18. Mai 2017 der japanische Milliardär Yusaku Maezawa bei Sotheby’s in New York kaufte. Der Name des Künstlers: Jean-Michel Basquiat. Seine Bilder spielen auf dem Kunstmarkt also eine wichtige Rolle.

Basquiat

Jean-Michel Basquiat wurde am 22. Dezember 1960 in New York City als zweiter Sohn von Matilda Basquiat, deren Familie aus Puerto Rico stammte, und Gerard Basquiat, der in den fünfziger Jahren Haiti verlassen hatte, geboren. Er war der erste afroamerikanische Künstler, der in der hauptsächlich weißen Kunstwelt den Durchbruch schaffte. Er starb am 12. August 1988 im Alter von 27 an einer Überdosis Heroin in New York. Seine Einordnung und sein Stellenwert sind bis heute schwierig und die Kritik über ihn reicht von „Basquiats Bedeutung ist so gering, dass sie praktisch null sei“ bis hin zu der Einschätzung, dass er die Kunst revolutionierte und eine neue Sicht auf Bilder, Zeichen und Kreativität ermöglichte.

Basquiat

Der in Münster geborene Julian Voloj ist ein sehr vielseitiger Comic-Autor. Claudia Ahlering illustrierte seine Geschichte Ghetto Brother: Bronx, NY (avant) und seine Adaption von Annette von Droste-Hülshoffs Erzählung Die Judenbuche (Knesebeck). Carlsen veröffentlichte seinen vom Australier Thomas Campi gezeichneter Comic Joe Shuster – Der Vater der Superhelden und die vom Polen Marcin Podolec in Szene gesetzte Biografie Ein Leben für den Fußball über Deutschlands ersten Profi-Kicker Oskar Rohr.

Basquiat

Voloj lebt seit 2002 in New York, genauer gesagt in Brooklyn, wo das Leben von Basquiat anfing und endete. Hier kam Voloj mit dem spannenden Werk des Künstlers näher in Berührung und ließ ihn nicht mehr los. Seine Biografie über Basquiat gibt einen ersten kurzen Abriss einiger Stationen wieder. In einem extremen Galopp kann miterlebt werden, wie Basquiat mit seinen SAMO-Graffitis in die New Yorker Kunstszene drängte, wie er noch rasanter porträtierte als Andy Warhol und sich dabei ganz selbstbewusst neben den Pop-Art-Meister platzierte. Klar, ist es nicht einfach, auf nur 136 Seiten  Basquiats Leben annähernd gerecht zu werden. Daher finden wichtige Ereignisse keine Erwähnung (documenta 7, 19. Juni bis 28. September 1982; seine Arbeit mit Joseph Beuys).

Basquiat

Der Autor nähert sich mehr poetisch und in kleinen Versatzstücken dem komplizierten Phänomen, was durchaus Charme hat. Nach dem Lesen des Comics könnte der Eindruck entstehen, Basquiats Leben bestand nur aus Arbeiten, das Einnehmen aller Arten von Drogen und das Gequält sein von Inneren Dämonen, die ihn unablässig begleiteten; er scherte sich einen Dreck um sein Umfeld und sich selbst und er war sexuell extrem aktiv, In seiner kurzen Karriere produzierte Basquiat rund 1500 Zeichnungen sowie rund 600 Gemälde und viele Skulpturen. Basquiat zeichnete ständig und benutzte oft Objekte um sich herum als Oberflächen, wenn Papier nicht sofort zur Hand war.

Basquiat

Zu den bekanntesten Sammlern seiner Werke gehören neben „professionellen“ Kunst-Mäzenen auch David Bowie, Johnny Depp, Dave Stewart, Dennis Hopper, John McEnroe,   Leonardo DiCaprio oder Madonna mit der Basquiat ein Verhältnis hatte. Ein Anhang mit Biografien von Basquiat-Weggefährten wie Keith Haring, Debbie Harry oder den Talking Heads vertiefen  die Lektüre des Comics.  Hilfreich ist auch das Nachwort von Voloj, in dem er u.a. erklärt, welch aktuelle politische Brisanz Basquiat hat und darlegt, was er im Comic-Teil aussagen wollte.

Basquiat

Das Artwork des Dänen Søren Glosimodt Mosdal ist bunt und wild. Zusammen mit dem Text eine gelungene Symbiose für solch ein spannendes Leben eines Ausnahmekünstlers. Die englische Ausgabe von Basquiat wurde 2019 vom renommierten The Comics Beat sowohl zu einem der besten Comics des Jahres als auch zu einem der 100 besten Comics des letzten Jahrzehnts ernannt.

Norbert Elbers

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Inception

Christopher Nolan (The Dark Knight, Interstellar) machte Hollywood mit 2010 mit Inception tatsächlich zur Traumfabrik. Im Stile von Mission: Impossible oder Oceans Eleven lässt er eine um den immer etwas verträumt guckenden Meister-Traumdieb Dominic Cobb (Leonardo DiCaprio) gruppierte Experten-Kombo in das Unterbewusstsein eines Industriellen (Cillian Murphy) eindringen, um diesen im Auftrag eines Konkurrenten (Ken Watanabe) auszuschalten.

Inception

So weit so simpel, doch was zunächst ein wenig wie die auf Sparflamme laufende arg verkopfte Version von Matrix wirkt und zunächst auf emotionaler Ebene nur bedingt mitreißt, kommt dann ganz schön in Fahrt. Nolan geht davon aus, dass die Zeit im Traum langsamer verläuft als in der Realität und dass es nicht nur möglich ist im Traum zu träumen, sondern auch im geträumten Traum. Nachdem in der ersten Hälfte des Filmes das Team (Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy) formiert, lässt es der Regisseur und Drehbuchautor danach auf etlichen Ebenen so richtig krachen.

Inception

Der Parallelmontage zwischen den vier oder fünf verschiedenen unterbewußten Welten kann der vom Regisseur entsprechend gebriefte Zuschauer mühelos folgen, um danach noch ewig über die Schlussszene nachzudenken. Während Nolans ähnlich anregend gestaltete Filme Memento und The Prestige eher Insiderhits blieben, gelang ihm mit Inception das Kunststück eines 148-minütigen Blockbusters, der nicht nur nahezu alle Sinne, sondern sogar das Hirn anregt.

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Once Upon a Time … in Hollywood

Vorab war wenig mehr zu erfahren, als dass sich der neunte Spielfilm von Quentin Tarantino mit dem brutalen Mord beschäftigten wird, den Mitgliedern der Sekte von Charles Manson 1969 an der Schauspielerin Sharon Tate begangen hatten. Es starben dabei auch  Tates ungeborenes Kind und vier weiteren Menschen, die sich zufällig in ihrem Haus am Cielo Drive in  Los Angeles aufhielten.

Once Upon a Time in Hollywood

Tarantinos Film versucht so detailreich wie möglich und mit viel Freude an Skurrilitäten, das damalige Hollywood zu rekonstruieren. Auch diesmal wird jener Zuschauer den meisten Spaß am neuen Tarantino haben, der so wenig wie möglich über die Handlung weiß. Der Titel des Films Once Upon a Time in Hollywood ist dabei sowohl eine Anspielung auf die Filme von Sergio Leone (Spiel mir das Lied vom Tod trägt in den USA den Titel Once Upon a Time in the West) als auch der dezente Hinweis darauf, dass uns hier vielleicht ein Märchen aufgetischt wird.

Once Upon a Time in Hollywood

Hauptfiguren sind keinesfalls die gewaltbereiten Hippies um Charles Manson. Sehr viel präsenter ist die recht aufregend von Margot Robbie (Suicide Squad, I, Tonya) verkörperte Sharon Tate, der in einer erinnerungswürdigen Szene zugesehen werden kann, wie sie im Kino einen ihrer Filme (Rollkommando mit Dean Martin) genießt und sich dabei auch an den Karate-Unterricht mit Bruce Lee erinnert.

Once Upon a Time in Hollywood

Doch im Zentrum der Geschichte stehen zwei fiktive Charaktere, die dem Filmfreak Tarantino die Möglichkeit geben, tief in die damaligen Produktionsmethoden von Film und Fernsehen einzutauchen.

Once Upon a Time in Hollywood

Recht großartig ist Leonardo DiCaprio als einstiger Western-Serienheld Rick Dalton, dessen Karriere sich auf dem Weg nach unten befindet. Als Ausweg empfieht ihm Al Pacino in einem furiosen Gastauftritt als Produzent in Europa Italo-Western zu drehen, womit wir bei Sergio Leone wären.

Once Upon a Time in Hollywood

So gut Leonardo DiCaprio auch ist – z. B. in einer Szene in der sein schon fast komplett dem Alkohol verfallene Rick Dalton entdeckt, dass doch ein begabter Schauspieler in ihm steckt – die besten Momente hat ohne Zweifel Brad Pitt. Dieser spielt Cliff Booth, den ehemaligen Stuntman von Dalton, der wegen seiner kompromisslosen Art in Hollywood keinen Job mehr findet. Stattdessen steht er im Sold von Rick Dalton als Mischung aus Chauffeur, Saufkumpan und Hausmeister für dessen Villa am  Cielo Drive.

Once Upon a Time in Hollywood

Ein Höhepunkte des Films ist, ein Besuch von Booth auf der Farm seines alten Kumpels George Spahn (Bruce Dern ist in dieser eigentlich für den verstorbenen Burt Reynolds vorgesehenen Rolle zu sehen). Diese einst als Drehort für Westernfilme verwendete Location wurde seinerzeit tatsächlich von der Manson-Sekte vereinnahmt. Booth legt sich mit einigen Sekten-Mitgliedern an und wittert Unrat. Die ganze Sequenz ist unglaublich spannend in Szene gesetzt, lebt aber in erster Linie von der geballten Star-Power Pitts, der in Once Upon a Time in Hollywood seine vielleicht beste Rolle spielt.

Once Upon a Time in Hollywood

Wer mag kann jetzt herummäkeln, dass das Gesamtresultat längst nicht so gut ist, wie die einzelnen Sequenzen. Doch bei mir kamen solche Überlegungen – zu denen auch die Frage nach dem Sinn des Ganzen gehört – erst nach dem Abspann auf. Wahrscheinlich ist es auch diesmal wieder die große Lässigkeit und scheinbare Planlosigkeit mit der Tarantino seine Geschichten erzählt, durch die auch Once Upon a Time in Hollywood zu einer knapp dreistündigen Wundertüte voller großartiger Momente geworden ist!

Once Upon a Time ... in Hollywood

Die Blu-ray enthält neben dem 161-minütigen Film noch  hochinteressantes Bonusmaterial. Neben den Dokus “Quentin Tarantinos Liebesbrief an Hollywood“ (5:00 min), „Bob Richardson – Für die Liebe zum Film“ (4:34 min), „Shop Talk – Die Autos des Jahres 1969“ (5:58 min), „Restoring Hollywood – Das Produktionsdesign von Once Upon a Time in… Hollywood“ (9:18 min) und „Die Mode des Jahres 1969“ (6:37 min) noch 25 Minuten mit unveröffentlichten Szenen. Zu sehen gibt es fiktive Werbespots zu Old Chattanooga Beer (0:49 min) und Red Apple Zigaretten (1:09 min), in letzterem ist nicht nur DiCaprio als Rick Dalton dabei, sondern James Marsden ist auch noch kurz als junger Burt Reynolds zu sehen. Außerdem gibt es längere Ausschnitte aus den Serien „Bounty Law“ (3:50 min) und „Lancer“ (4:46 min), sowie das komplette TV-Video „Green Door“ gesungen von DiCaprio (2:55 min).

Once Upon a Time ... in Hollywood

Etwas langatmig ist eine Konversation zwischen Rick Dalton und Sam Wanamaker während der Dreharbeiten zu „Lancer“ (6:53 min). Eine interessante Szene (4:57 min) zeigt etwas mehr von Charles Manson (Austin Butler), der zunächst von einem Musik-Manager an der Tür abgewiesen wird und dann noch den von Brad Pitt gespielten Cliff zuwinkt. Doch die Richtigkeit der Entscheidung von Tarantino sich nur sehr wenig mit Manson persönlich zu beschäftigen, bestätigt dieser Outtake. Seltsamerweise fehlt auch bei diesen nicht verwendeten Szenen jede Spur von Tim Roth, der als Butler von Sharon Tates Ex-Freund Jay Sebring vor der Kamera gestanden hat.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

2021 lieferte Quentin Tarantino quasi als Fußnote zu seinem Werk mit Es war einmal in Hollywood sehr viel mehr als die Romanfassung des Films.

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Django Unchained

Schon wieder ein Tarantino-Film mit Christoph Waltz, war mein erster Gedanke zu Django Unchained. Doch der gebürtige Wiener Waltz, der bereits für seine Rolle in Quentin Tarantinos Inglourious Basterds einen Oscar erhielt, ist das absolute Highlight der lange erwarteten Italowestern-Blaxploitation-Hommage des Kultregisseurs. Waltz, der für seine angebliche “Nebenrolle“ noch einen Oscar bekam, spielt einen gewissen Doktor King Schultz, der vorgibt Zahnarzt zu sein, aber in Wirklichkeit höchst erfolgreich mit seinem Pferd Fritz als Kopfgeldjäger durch den Wilden Westen reist.

Django Unchained

Aus rein geschäftlichen Gründen befreit Schultz den Sklaven Django, denn nur dieser kann drei seiner ehemaligen Aufseher identifizieren, auf die ein hohes Kopfgeld ausgesetzt ist. Die Zusammenarbeit zwischen Schultz und Django funktioniert so gut, dass sie eine Weile als Team auftreten, bevor der Doktor seinem Schützling dabei helfen will, dessen Ehefrau Broomhilda von Shaft aus Candyland, der berüchtigten Plantage von Calvin Candie, zu befreien.

Django Unchained

Leonardo DiCaprio versucht ähnlich wie Waltz seine Schurkenrolle “larger than life“ anzulegen, wirkt gegenüber dem coolen Österreicher jedoch wie ein billiger Schmierenkomödiant. Das passt zwar recht gut zu DiCaprios Rolle, doch mit weniger Leonardo und noch mehr Waltz wäre der nicht eben kurze Django Unchained noch kurzweiliger. Jamie Foxx hingegen macht als Django (“Das D bleibt stumm!“) eine gute Figur, während Samuel L. Jackson als schurkischer Haussklave hinter seinem Make Up kaum zu erkennen ist.

Django Unchained

Django Unchained (über)erfüllt alle an einen Tarantino-Film gerichteten Erwartungen. Es wimmelt nur so von Anspielungen, musikalischen Zitaten, Gastauftritten (natürlich auch vom Regisseur himself, sowie vom Ur-Django Franco Nero) sowie dem Wort Nigger in den Dialogen. Der Auftakt des Filmes ist grandios, im Mittelteil nervt Leonardo etwas und das Ende versöhnt alle Freunde sinnloser Gewalt mit dem ansonsten eher auf clevere Dialoge setzenden Film.

Django Unchained

Mittlerweile liegt übrigens auch eine sehr schöne Comic-Adaption von Django Unchained vor.

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