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Sabrina Schmatz: München 1945 – Band 2: Konstanze

München, April 1945. Der Zweite Weltkrieg ist für die Deutschen verloren und die Amerikaner sind in München eingetroffen. Im Nachkriegsdeutschland mangelt es an Vielem und langsam werden die Münchener mit dem Grauen der Diktatur konfrontiert. Konzentrationslager und Krematorien werden nicht ausgespart. Und irgendwie muss der Alltag wieder Einzug halten.

Sabrina Schmatz: München 1945 – Band 2: Konstanze

Bei der Arbeit kommen sich die 21-jährige Krankenschwester Konstanze Hofer und der 25-jährige amerikanische Sanitäter Daniel Stevens näher. Die packende Lovestory „München 1945“ nimmt weiter Fahrt auf und ersten Bewährungsproben müssen bestanden werden. Die Dialoge zwischen den beiden nehmen sehr viel Raum ein und verleihen der Geschichte Tiefe.

Sabrina Schmatz: München 1945 – Band 2: Konstanze

Liebevoll und prägnant charakterisiert Sabrina Schmatz die handelnden Personen. Ihre Bleistift-Zeichnungen wirken skizzenhaft, passen aber einfach zu Zeit und Stimmung, geben Dynamik und Lebendigkeit. Im Comic sprechen die Amerikaner tatsächlich Englisch – eine Übersetzung gibt es nicht, fehlt aber auch nicht, sondern verleiht Authentizität.

Sabrina Schmatz: München 1945 – Band 2: Konstanze

Ein, in allen Belangen überzeugendes Erstlingswerk von Schmatz; das Cover zieht einen von Anfang an in seinen Bann und der Inhalt lässt einen nicht los. Spannend ist, wie es weitergehen wird, der dritte Band ist für 2017 angekündigt.

Norbert Elbers

Klappenbroschur • 64 Seiten • € 8,00 • Verlag Schwarzer Turm • ISBN 978-3-934167-80-3

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COMICIADE 2016

COMICIADE 2016Vom 9. bis 11. September fand im Aachener Ludwig Forum zum zweiten Mal die COMICIADE statt.

COMICIADE 2016

Ein gewaltiges Wandgemälde mit Charlie Brown und seinen Freunden wurde exklusiv für die Comiciade von der in Aachen anwesenden Peanuts Zeichnerin Vicki Scott entworfen und wird auch weiterhin das Stadtbild der Kaiserstadt beleben.

ICIADE

Auch viele der anwesenden Zeichner erwiesen den Peanuts ihren Tribut!

COMICIADE 2016

Besonders gut gefallen hat mir der Beitrag von Timo Wuerz (Aaron und Baruch).

COMICIADE

Viele der Motive gab es auch als Klebe-Bilder zum Sammeln.

COMICIADE 2016

Haupt-Austragungsort war wieder das Ludwig Forum.

COMICIADE 2016

Bereits  bei der Eröffnung herrschte gute Stimmung bei den Gästen und beim COMICIADE-Team.

COMICIADE 2016

Eine Ausstellung war dem neuen Vater und Sohn Team Ulf K. und Marc Lizano gewidmet.

Ein weiterer Schwerpunkt waren Kinderbücher.

COMICIADE 2016

Anwesend waren Jörg Hilbert der Schöpfer von Ritter Rost

COMICIADE

… und Silvio Neuendorf, der Erfinder von Käpt’n Sharky.

COMICIADE

Zu Gast war auch YPS-Zeichner Oliver Gerke.

Ein weiterer Veranstaltungsort war die ehemalige St. Elisabeth Kirche.

COMICIADE

Dort fand Cosplay statt.  Hier im Bild: Lani von Riddle Costumes.

COMICIADE

Die Kirche ist jetzt ein Hotel und dort wo früher der Altar war, ist nun ein Altar.

COMICIADE

Natürlich war auch Spider-Man anwesend.

COMICIADE

Einer der vielen Höhepunkte war der mitreißende Auftritt von Kai Havaii & Stefan Kleinkrieg. Die beiden EXTRABREIT-Musiker begeisterten mit einer konzertanten Lesung.

COMICIADE

Kein Besucher musste hungern, denn es gab jede Menge Karl-der- Kleine-Printen.

2018 geht es weiter mit der COMICIADE!

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James Bond: VARGR

Mit der aus sechs Heften bestehenden Mini-Serie VARGR wird nach einer Pause von 20 Jahren wieder ein Comic mit James Bond veröffentlicht. Bei uns erscheint die Serie gebündelt bei Splitter als reguläre und als limitierte, mit viel Bonusmaterial angereicherte, Vorzugsausgabe.

James Bond: VARGR
Normal-Ausgabe

Der Geheimagent ihrer Majestät sieht im Comic in keinster Weise wie Daniel Craig aus. Doch genau wie in den letzten Kinofilmen hat Miss Moneypenny dunkle Hautfarbe, genau wie diesmal auch ihr Vorgesetzter M.

James Bond: VARGR

Die Geschichte stammt vom britischen Comic-Autor Warren Ellis, der bereits in seinem erfolgreich verfilmten Comic “R.E.D. – Älter, Härter, Besser“ seine Liebe zum Geheimagenten-Genre zum Ausdruck brachte.

James Bond: VARGR
Vorzugs-Ausgabe

Ellis hat anscheinend nicht nur die 007-Filme gesehen, sondern auch Ian Fleming gelesen. Genau wie in dessen Büchern mag James Bond im Comic Bourbon lieber als Scotch und verschmäht Tee, den er für “braunen Schlamm“ hält. Bei einem sich über ein ganzes Heft hinziehenden ohne viele Worte auskommenden Showdown in Helsinki bringt James Bond den Mörder von 006 zur Strecke. Der Zeichner Jason Masters setzt die Action in großen Panels mitreißend in Szene und wenn es besonders brutal wird, unterlegt der Kolorist Guy Major die Bilder mit blutroten Farbtönen.

James Bond: VARGR
In der deutschen Fasung ist Angela Merkel nich „bloody“.

Einen Großteil des Abenteuers hat James Bond diesmal in Berlin zu bestehen. Hier sorgt er für Abwechslung im Alltag der britischen Botschaft, deren Angestellten sich dabei langweilen, jeden Tag die Mails von Angela Merkel lesen zu müssen. Doch mit dem Industriellen (und Drogenproduzenten) Slaven Kurjak und dessen mit tödliche Prothesen ausgestatteten Killer ist nicht zu spaßen. Der Comic-007 macht mehr Spaß als Daniel Craigs letzter Kino-Auftritt in “Spectre“ . Pro Heft gibt es mindestens einen brutal-genüsslich zelebrierten Fight und die Dialoge atmen den Geist von Fleming.

James Bond: VARGR

Das ganze Buch liest sich so schnell weg wie ein Manga. Doch keine Sorge, James Bond, Warren Ellis and Jason Masters will be back with “Eidolon”.

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Hokusai x Manga

Das direkt am Hamburger Hauptbahnhof gelegene Museum für Kunst und Gewerbe verfügt über eine große – nach eigenen Angaben “international einmalige“ – Sammlung von japanischen Farbholzschnitten und Holzschnittbüchern. Darunter befinden sich auch viele Werke von Katsushika Hokusai (1760 – 1849), wie etwa ein Exemplar von dessen wohl bekanntesten Farbholzschnitt “Die große Welle vor Kanagawa“.

Hokusai x Manga

Wenn das Haus eine Ausstellung dieser Holzschnitte zeigt und diese noch um Mangas von Keiji Nakazawa (“Barfuß durch Hiroshima“) oder Jiro Taniguchi (“Vertraute Fremde“) ergänzt, dann wirkt dies auf den ersten Blick so, als wenn hier versucht wird Dinge zu kombinieren, die wenig gemeinsam haben. Auch der schön aufgemachte Katalog zur Ausstellung, der im Hirmer Verlag erschienen ist, bestätigt die Vermutung, dass mit populären Manga-Elementen versucht wird, Klassiker aufzumotzen. Den Abbildungen der Holzschnitte wird im Buch deutlich mehr Raum eingeräumt als den japanischen Comics.

Hokusai x Manga

Doch auf den zweiten Blick ergibt sich ein faszinierendes Ganzes, denn bei einigen der Holzschnitte, die im 17. Jahrhundert entstanden sind, handelt es sich zweifelsohne bereits um Comics. Der Katalog dokumentiert ausführlich Hishikawa Moronobus aus 19 Blättern bestehende Geschichte “Die Legende vom Dämon Shuten-doji“ (1680), die noch ohne Text auskommt, was sich jedoch schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ändern sollte. Wichtiger aber noch ist eine Serie von Mallehr-Büchern, in denen Katsushika Hokusai unter dem Titel “Hokusai manga“ (“Zufällige Skizzen von Hokusai“) ab 1814 Skizzen veröffentlichte. Hier werden zwar keine Geschichten erzählt, aber dennoch wurde Hokusai durch diese Reihe zum Paten des Mangas.

Hokusai x Manga
Kobayashi Kiyochika, „Die Jōō- und Manji-Periode, Japan, Tōkyō, 1896 © MKG

Natürlich kann weder die Ausstellung “Hokusai x Manga“ noch der Katalog das ganze Spektrum der japanischen Comics abdecken. Doch mit Nakazawa, Taniguchi, Kiriko Nananan und Inio Asano wurden einige interessante japanische Künstler porträtiert. Den Abschluss des Buchs bildet der interessanter Text “Manga im Wandel: Abrücken von der Popkultur“ von Jaqueline Berndt, die u. a. versucht zu erklären, warum manche aus westlicher Sicht skandalös wirkenden japanischen Comics (Stichwort: “Boys Love“) eigentlich eher harmlos sind.

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Jiro Taniguchi: Ihr Name war Tomoji

Wenn Jiro Taniguchi („Die Sicht der Dinge„) aus dem Leben einer buddhistischen Religionsstifterin erzählt, dann ist das Resultat kein religiöser Erbauungsroman, sondern eher das japanische Gegenstück zu Anna Wimschneiders Erfolgsroman “Herbstmilch – Lebenserinnerungen einer Bäuerin“. Im Zentrum des Comics stehen die Jugendjahre von Tomoji Uchida, die nachdem sie 1932 ihren Cousin Fumaki Ito heiratete, gemeinsam mit diesem die Religionsgemeinschaft Shinnyo-En gründete.

Jiro Taniguchi: Ihr Name war Tomoji

Tomoji wurde 1912 in einfachen Verhältnissen in einem kleinen Bergdorf westlich von Tokyo geboren. Dort wuchs sie im Kreise einer weit verzweigten Familie zwar relativ behütet auf, wurde aber dennoch mit zahlreichen Schicksalsschlägen, wie dem Tod ihres Vaters und einiger Geschwister, konfrontiert. Sie kam damit besser klar als ihre Mutter, die eines Tages einfach aus dem Leben ihrer Kinder verschwand.

Jiro Taniguchi: Ihr Name war Tomoji

Taniguchi realisierte diesen Comic im Auftrag einer buddhistischen Religionsgemeinschaft. Er akzeptierte das Angebot unter der Bedingung, dass er sich bei der Erzählung Freiheiten erlauben und fiktive Ereignisse mit einbauen durfte. Gemeinsam mit der Autorin Miwako Ogihara zeigte sich Taniguchi stärker daran interessiert von den Härten eines arbeitsreichen Lebens auf dem Lande, als von den möglicherweise daraus resultierenden spirituellen Erkenntnissen zu erzählen.

Jiro Taniguchi: Ihr Name war Tomoji

Ganz ohne mystische Elemente kommt die Geschichte jedoch nicht aus. Der Aufhänger der Story ist eine nicht stattgefundene Begegnung zwischen Tomoji und ihrem späteren Ehemann Fumaki. Die Beiden verpassten sich 1925 knapp, als Fumaki auf dem Lande als Fotograf unterwegs war. Doch die manchmal etwas seltsam verschachtelt erzählte Geschichte vermittelt den Eindruck, dass das Paar, allen Widrigkeiten zum Trotz, füreinander bestimmt ist.

Jiro Taniguchi: Ihr Name war Tomoji

Doch in erster Linie erfreut auch dieses Werk von Taniguchi durch die Akribie mit der nur scheinbar banale Alltäglichkeiten nachfühlbar geschildert werden. Die deutsche Ausgabe von Carlsen erscheint in westlicher Leserichtung und enthält als Anhang ein aufschlussreiches Gespräch mit Taniguchi. Sehr schön ist auch, dass die jeweils ersten Seiten der sechs Kapitel in Farbe zum Abdruck kommen.

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Sabrina Schmatz: München 1945

Die Türme der Frauenkirche stehen 1945 noch, doch ansonsten liegt München großteils in Trümmern. Vom Himmel fallen Flugblätter, auf denen die US-amerikanischen Truppen ihren Einmarsch in die Stadt ankündigen und die Bürger dazu auffordern Vernunft zu bewahren und keinen Widerstand zu leisten. Dadurch soll den Fanatikern “das Heft aus der Hand“ genommen werden.

Sabrina Schmatz: München 1945

Vor diesem Hintergrund empfindet das junge Mädchen Konstanze den Einmarsch der US-Truppen durchaus als Befreiung. Sie ist jedoch entsetzt, als die Wohnung ihrer Freundin Franziska von den Militärs beschlagnahmt und diese zusammen mit ihrem kleinen Sohn einfach auf die Straße gesetzt wird. Zugleich fragt sich Konstanze ob die Deutschen „diese Verluste nicht irgendwie verdient haben“. Sie freundet sich ein wenig mit dem jungen amerikanischen Sanitätssoldaten Daniel an, was nicht nur bei ihrem aus dem Krieg heimkehrenden Cousin Roman auf wenig Verständnis stößt…

Sabrina Schmatz: München 1945

Sabrina Schmatz hat “München 1945“ in einem skizzenhaften Stil veröffentlicht, da sie “leider kein gutes Händchen“ hat, “was tuschen betrifft“ und befürchtet “alle Dynamik einfach tot“ zu inken. In der Tat sah schon so manche Comic-Erzählung sehr viel lebendiger aus, bevor sie dann mit dicken Umrisslinien und üppiger Farbgebung zum Drucker geschickt wurde.

Sabrina Schmatz: München 1945

Die Postkarten mit den Protagonisten aus “München 1945“, die Sabrina Schmatz auf dem Comic-Salon in Erlangen im Angebot hatte, zeigen jedoch, dass sie sehr gut mit Farben und konkreten Konturen klar kommt. Der skizzenhafte Stil mit dem sie “München 1945“ realisiert hat, passt jedoch sehr gut zu den unsicheren Verhältnissen am Ende des Zweiten Weltkriegs, aber auch zur Geschichte, deren Ausrichtung sich erst in den Fortsetzungsbänden erschließen wird.

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Taniguchi & Moebius: Ikarus

Lange hat es gedauert bis diese Zusammenarbeit zweier auch bei uns sehr populärer Comickünstler endlich als deutsche Ausgabe vorliegt. In den 90er Jahren bemühten sich japanische Comic-Verlage darum mit westlichen Künstlern zusammenzuarbeiten. So erlebte Barus 1996 auf dem Comic-Salon in Angoulême als bestes Album prämiert Comic-Meisterwerk “Autoroute Du Soleil“ seine Premiere zwei Jahre zuvor im Manga-Magazin “Morning“ des Verlags Kōdansha.

Taniguchi & Moebius: Ikarus

Dort erschien 1997 ebenfalls als Fortsetzung-Serie der Comic “Ikarus“. Dieser entstand nach einer Geschichte, die Jean Giraud alias Moebius (“Sternenwanderer“) gemeinsam mit Jean Annestay entwickelte. Den ursprünglich für einen Umfang von 10.000 Seiten (!) konzipierten Comic setzte Jiro Taniguchi (“Vertraute Fremde“) in Szene.

Taniguchi & Moebius: Ikarus

“Ikarus“ spielt in einem zukünftigen Japan, das von einer sadomasochistischen Diktatorin beherrscht wird. Hier kommt ein kleiner Junge zur Welt, der bereits als Säugling schweben kann. Icaro wird sofort von der Mutter getrennt, auf einer Insel eingesperrt und dort Experimenten unterzogen. Als er zum jungen Mann heranreift, verliebt Icaro sich in die Wissenschaftlerin Yukiko. Dem Paar gelingt die Flucht…

Taniguchi & Moebius: IkarusDie Serie kam bei ihrer Erstveröffentlichung nicht allzu gut bei den japanischen Lesern an und schloss bereits nach 280 Seiten mit einem eher offenen Ende ab. Taniguchi setzte sich erfolglos für eine Fortführung von „Ikarus“ ein. Immerhin fand er einen japanischen Verlag, der 2000 eine Gesamtausgabe veröffentlichte. Internationale Veröffentlichungen folgten und “Ikarus“ erhielt dadurch endlich die verdiente Aufmerksamkeit.

Taniguchi & Moebius: Ikarus

Bei Schreiber & Leser liegt eine gebundene Gesamtausgabe von „Ikarus“ vor, die zudem noch ein sehr interessantes und aufschlussreiches Interview mit Moebius enthält, das Numa Sadoul im April 2004 führte. Hier ist zu erfahren, dass Taniguchi dem Comic nicht nur durch die Zeichnungen, sondern auch durch seine Freiheit beim Inszenieren der Geschichte seinen Stempel aufgedrückt hat.

Taniguchi & Moebius: Ikarus

Die Wucht mit der hier eine futuristische aber auch zutiefst emotionale Geschichte ohne viele Worte doch mit großartigen oft auch großformatigen Bildern in Szene gesetzt wird, lässt immer wieder an Katsuhiro Otomos Manga-Klassiker “Akira“ denken. Doch “Ikarus“ ist zugleich etwas ganz eigenes. Schade, dass es mit der Geschichte nicht weiterging, doch großartig, dass „Ikarus“ endlich erschienen ist.

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Baru: Autoroute Du Soleil

Karim Kemal, ein Franzose nordafrikanischer Abstammung, schläft mit der Frau eines höchst nationalistischen Franzosen. Dieser trommelt seine Neonazi-Bande zusammen und macht Jagd auf Karim, der von seinem Freund Alexandre Babiéri begleitet wird. Auf diesem Trip von Nancy nach Marseille erleben sie haufenweise haarsträubende Situation.

Baru: Autoroute Du Soleil Hervé Barulea alias Baru („Die Sputnik Jahre“, „Wut im Bauch“) zeichnete diesen Comic ursprünglich für den japanischen Markt. Die Geschichte wurde zunächst 1994 als Fortsetzungs-Serie im Manga-Magazin “Morning“ des Verlags Kōdansha veröffentlicht. Dort erschien drei Jahre später der von Moebius geschriebene und von Jiro Taniguchi gezeichnete Comic “Ikarus“.

Baru: Autoroute Du Soleil

Mit “Autoroute Du Soleil“ gelang Baru ein für das eher Album-fixierte Europa sehr ungewöhnliches Werk. Der Comic verzichtet komplett auf Farbe und ausführliche Dialoge. Die Geschichte wirkt dadurch eher filmisch und der 430 Seiten starke Schmöker ist schneller weggelesen, als so manches stärker durch Worte als durch Bilder erzähltes 48-seitige Comic-Album.

Baru: Autoroute Du Soleil

Abgesehen von einigen kolorierten einführenden Seiten, die so nur in Japan veröffentlicht wurden, verzichtet der Comic komplett auf Farbe. Ausführliche Dialoge sind Mangelware. Die Geschichte wirkt dadurch eher filmisch und der 430 Seiten starke Schmöker ist schneller weggelesen, als so manches stärker durch Worte als durch Bilder erzähltes 48-seitige Comic-Album.

Baru: Autoroute Du Soleil

Formal handelt es sich bei „Autoroute Du Soleil“ zwar um einen Manga, inhaltlich ist das Werk aber zutiefst europäisch und wurde 1996 auf dem Comic-Salon in Angoulême als bestes Album prämiert. Während die Figuren in “Autoroute Du Soleil“ genau wie im japanischen Comic mal realistisch und mal überzeichnet als Karikaturen dargestellt werden, sind Landschaft, Gebäude und Autos immer sehr exakt der Realität nachempfunden.

Baru: Autoroute Du Soleil

Bei aller Action in der Handlung ist der Comic zugleich aber auch die teilweise sehr bittere Beschreibung einer Welt voller Hass, Rassismus und verratener Ideale. Formal und inhaltlich ist „Autoroute Du Soleil“ ohne Zweifel ein absolutes Meisterwerk.

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Enrico Marini: Gipsy

Der wilde Sinti-Trucker Tsagoi zigeunerd von Verlag zu Verlag. Die Serie startete einst bei Ehapa, danach übernahm Carlsen und brachte in einem etwas großformatigeren Format alle sechs Bände heraus. Splitter setzt noch einen drauf und veröffentlicht zum fairen Preis in chronologischer Reihenfolge eine edle sechsbändige Hardcover-Gesamtausgabe mit Bonusmaterial.

Enrico Marini: Gipsy

Beim Blick aufs Cover des ersten Bands „Der Stern des Zigeuners“ fällt auf, dass die Signatur von Enrico Marini aus dem Jahre 1992 stammt. Es ist erstaunlich. wie gut sich diese leicht futuristische Serie gehalten hat und mit welch einem ausgereiften Stil der damals erst 23-jährige Enrico Marini sie in Szene setzte. Während der gebürtige Schweizer heute – etwa in “Die Adler Roms“ – farbenprächtige Couleur-Directe-Orgien feiert, sind es bei “Gipsy“ (zunächst) noch klare vom Manga-Style beeinflusste Zeichnungen, die eher flächig koloriert wurden.

Enrico Marini: Gipsy

Doch nicht nur Marinis opulente Zeichnungen und sein klares Figurendesign sprechen für die Serie. Auch die Geschichten überzeugen, denn der Belgier Thierry Smolderen ist ein mitreißender Erzähler. Ihm gelingen farbige Charaktere voller menschlicher Schwächen, allen voran die ihre Herzensgüte sehr erfolgreich hinter einer ultrarauen Schale verbergende Hauptfigur. Der Zigeuner-Macho Tsagoi greift zwar schnell zum Messer, aber für seine kleine Schwester Oblivia opfert er sich auf. Er arbeitete hart als Trucker, um ihr so lange wie möglich eine gute Erziehung in einem Schweizer Internat zu bieten.

Enrico Marini: Gipsy
Angesiedelt ist die Geschichte in einer nahen Zukunft mit Klimakatastrophen und Flugverbot. Hier wird der Fernverkehr überlebenswichtig, und die Autobahn C3C (Circumpolar 3 Continental) umspannt fast die komplette nördliche Halbkugel, wodurch Güter in westlicher Richtung von New York bis Paris transportiert werden können. Die “Gipsy“-Ausgabe von Splitter lässt den Leser noch tiefer in diese Welt eintauchen. Neben Skizzen enthält sie u. a. eine Weltkarte mit den Transport-Routen der C3C und einen fiktiven Zeitungsartikel über den Schlüsselroman „Der Tag des Zaren“.

Enrico Marini: Gipsy

Hier schreibt Oblivia nicht nur über den tragischen Ausgang ihrer Liebesgeschichte mit  dem frisch gekrönten Zaren von Russland, aber auch über ihre problematische Beziehung zu ihren Bruder. Die ersten drei Bände von “Gipsy“ erzählen zwar in sich abgeschlossene Geschichten, setzen sich aber zugleich auch zu einer mitreißend erzählten Trilogie zusammen.

Enrico Marini: Gipsy

Der vierte Band „Die schwarzen Augen“ spielt vor dem Hintergrund eines fußballbesessenen Deutschlands. Smolderens Geschichte ist auch eine derbe Satire auf deutsche Gepflogenheiten, beleuchtet zugleich aber auch ein wichtiges Kapitel aus der Kindheit des Gipsy. Leider bleiben Marinis Zeichnungen hier oftmals ein wenig  hinter den tollen Bildern der ersten drei Bände zurück und sehen manchmal erschreckend grob aus. In den beiden letzten Bänden der Serie läuft Marini jedoch wieder zur alten Hochform auf.

Enrico Marini: Gipsy

Doch im fünften Band „Die weiße Schwinge“ kehrt der Hyper-Macho Tsagoi wieder in alter Frische zurück. Er zeigt diesmal sogar einen weichen Kern und liest das Buch „Intelligente Konversation für Dummies“, denn er hat eine Verabredung mit zwei Frauen.

Enrico Marini: Gipsy

Eine davon ist seine Schwester Oblivia und diese hat gerade jenen Bestseller geschrieben, in dem sie ungeniert über ihren Bruder herzieht. In Oblivias Begleitung befindet sich noch die blonde Verlegerin Eva Darfold.

Enrico Marini: Gipsy

Dass sich diese gleich an Tsagoi ranschmeißt trägt nicht gerade zur Stabilisierung der ohnehin schon stark angeschlagenen geschwisterlichen Bindung bei. Doch keine Angst, das war auch schon alles was auf der psychologischen Ebene abgeht. Ansonsten gibt es Action satt, wobei sowohl japanische Manga-Comics als auch der erste „Indiana Jones„-Film als Inspiration dienten.

Enrico Marini: Gipsy

Im sechsten Band “Das Lachen der Azteken“ tauchen viele alte Bekannte des Gipsys wieder auf. Trotzdem ist die Geschichte nicht das große Serien-Finale, sondern ein weiteres wildes Abenteuer, das dem Leser noch einmal alle Stärken dieser außergewöhnlichen leicht futuristischen Trucker-Serie vor Augen führt. Schauplatz ist diesmal das fiktive an Mexiko erinnernde Land Parador.

Enrico Marini: Gipsy

Hier bekommt es der Gipsy mit einem Virus zu tun, das Menschen in irre grinsende Mordmaschinen verwandelt. Doch natürlich spielen auch schöne Frauen, wilde Action-Szenen, überraschende Gags und schnelle Fahrzeuge – in diesem Falle sogar Seifenkisten – eine große Rolle. Dieser in allen Belangen überzeugende Comic macht es dem Leser nicht leicht Abschied vom charmanten, sich oftmals nicht ohne guten Grund selbst überschätzenden Macho Tsagoi zu nehmen.

Enrico Marini: Gipsy

Besser als in der Splitter-Gesamtausgabe kann eine Serie nicht präsentiert werden, und “Gipsy“ hat diese edle Veröffentlichung auch wirklich verdient! Der einzige Wermutstropfen ist, dass seit 2002 keine weiteren Bände der Serie erschienen sind.

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Vertraute Fremde

Als er von einer Geschäftsreise zurückkehrt steigt der Comiczeichner und Familienvater Thomas scheinbar zufällig in den falschen Zug und landet in einem Dorf in den französischen Bergen. Hierbei handelt es sich um seinen Geburtsort. Thomas sucht dort erstmals seit Jahren wieder das Grab seiner Mutter auf und fällt in Ohnmacht. Als er wieder erwacht, ist er plötzlich 14 Jahre alt und befindet sich plötzlich in den 60er Jahren. Er trifft auf seine Mutter und seinen Vater, der kurz darauf die Familie verlassen hat. Thomas setzt alles daran dies zu verhindern…

Vertraute Fremde

Als erster japanischer Comic überhaupt wurde Jiro Taniguchis “Vertraute Fremde“ 2003 auf dem französischen Comicfestival in Angouleme mit einem Preis für das beste Szenario ausgezeichnet. Noch erstaunlicher ist jedoch, dass sechs Jahre später der belgische Regisseur Sam Garbarski (“Irina Palm“) den Manga mit Alexandra Maria Lara in einer der Hauptrollen verfilmte und die Handlung nach Frankreich verlegte. Darüber hinaus machte er aus der Hauptfigur, die in Taniguchis Manga Architekt war, auch noch einen Comiczeichner und heuerte den populären Comickünstler Frank Pé (“Jonas Valentin“, „Zoo“) an um hierfür das nötige Artwork anzufertigen. Außerdem hatte Jiro Taniguchi noch einen Gastauftritt in Garbarskis Film.

Vertraute Fremde
Das Resultat ist jedoch weniger das Wunschprojekt eines Comic-Nerds, sondern transportiert erstaunlich gut ebenso kompakt wie sensibel Inhalt und Grundaussage von Taniguchis Manga. Auch vor europäischen Hintergrund funktioniert die Geschichte vom Mann, der noch einmal seine Jugend durchlebt, und vom Vater, der das Recht auf ein zweites Leben einfordert.

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