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Mathieu: Gott höchstselbst

Die schwarzweiße Grafik von Marc-Antoine Mathieu lässt meist jede Lebendigkeit vermissen. Seine Bilder wirken unterkühlt und wie am Reißbrett konstruiert. Mathieus Comics begeistern eher durch ungewöhnliche Ideen und die hat er – vor allem in den vier Geschichten um seinen Antihelden, den kleinen Angestellten Julius Corentin Acquefacques – nicht zu knapp.

Mathieu: Gott höchstselbst

So konfrontierte er diesen in Der Ursprung mit Comicseiten, die seine eigene Zukunft und Vergangenheit darstellen. In Die vier F… wurde eine schwarzweiße Geschichte plötzlich farbig. Das Album Der Anfang vom Ende ließ sich tatsächlich von vorne und von hinten lesen. Der Wirbel springt dem Leser aus dem gleichnamigen Comic tatsächlich entgegen und für Die 2,333. Dimension wird eine 3-D-Brille benötigt.

Mathieu: Gott höchstselbst

Bei Gott höchstselbst hingegen sind die Geschichte und die geistreichen Dialoge der Gimmick. In episodenhafter Struktur erzählt Mathieu davon, was passieren würde, wenn Gott plötzlich auf die Erde käme. Mathieus Gott ist nur nahezu perfekt, er trägt sogar einen Ohrhörer und jemand gibt ihm möglicherweise Anweisungen. Daher glaubt die Menschheit Gott für das Elend der Welt verantwortlich und den Prozess machen zu dürfen.

Mathieu: Gott höchstselbst

Konsequent wie er ist, vermeidet es Mathieu das Antlitz Gottes darzustellen, was weniger mit religiöser Pietät, sondern damit zusammenhängt, dass dessen Verteidiger Anklage gegen die Welt wegen “visueller Belästigung“ erhoben haben und Gottes Gesicht gesetzlich schützten.

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Mathieu: Die 2,333. Dimension

Marc-Antoine Mathieu (Gott höchstselbst) ist ganz sicher nicht der begnadetste Comiczeichner der Welt, doch seine Ideen sind einzigartig. Alles begann 1990 mit Der Ursprung. Hier erlebte Julius Corentin Acquefacques sein erstes surreales Abenteuer als kleiner Angestellter im Ministerium für Humor. Mathieu spielte schon hier gekonnt mit dem Medium Comic und konfrontierte seinen eher unscheinbaren Helden mit seiner eigenen Zukunft und Vergangenheit, die dieser in Form von Comicseiten zugeschickt bekam.

Mathieu: Die 2,333. Dimension

Noch extravaganter waren die nächsten Erlebnisse von J. C. Acquefacques. In Die vier F… (1991) setzte Mathieu am Ende des schwarzweißen Albums plötzlich Farbe ein. Der Anfang vom Ende hingegen lässt sich tatsächlich von vorne und von hinten lesen und Der Wirbel (1993) setzt Fotos und Stanzungen kunstvoll ein. 2003 schließlich setzte Mathieu seine Reihe endlich fort und die neue Geschichte mit Julius Corentin wimmelt nur so voller origineller Ideen.

Mathieu: Die 2,333. Dimension

In einem Traum kommt Acquefacques ein Fluchtpunkt abhanden und nach dem Aufwachen ist seine ganze Welt nahezu flach, denn er befindet sich in der 2,333. Dimension. Mittels einer Kanone wird Acquefacques in eine Zwischenwelt geschossen um den fehlenden Fluchtpunkt zu suchen. Er entdeckt Parallelwelten zu seinem Comic (die entsprechenden Zeichnungen stammen von Francois Schuiten und Lewis Trondheim). Nach einer kurzen Visite in der Welt der Entwürfe landet Acquefacques schließlich beim Direktor der Distribution diverser Dekors.

Mathieu: Die 2,333. Dimension

Hier wird das ganze Gerümpel gelagert, das übrigbleibt, wenn die Comicfiguren zum nächsten Panel gewechselt haben. Der Leser muss jetzt die beiliegende 3-D-Brille aufsetzen und der Wahnsinn geht plastisch und bunt flimmernd weiter. Wenn das Album dann ausgelesen und die Brille wieder abgesetzt ist, entsteht ein ähnliches Gefühl wie es Julius Corentin Acquefacques wohl auch hat, wenn er aus einem seiner abgefahrenen Träume erwacht.

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Die Ignoranten – Wenn Wein und Comic sich begegnen

Sicher ist jeder auf irgendeinem Gebiet ein absoluter Ignorant. Während der Comic-Zeichner Étienne Davodeau (Lulu – Die nackte Frau, Der schielende Hund) kaum etwas über die Wein-Produktion weiß, kennt sich der Winzer Richard Leroy überhaupt nicht mit Comics aus. Das Konzept diese beiden „Ignoranten“ zusammenzubringen, sich über ihre Arbeitsmethoden austauschen zu lassen und dies zu einem von Davodeau gezeichneten Comicalbum zu verarbeiten, klingt nur bedingt prickelnd. Doch das Resultat kann sich wahrhaft lesen lassen.

Étienne Davodeau: Die Ignoranten - Wenn Wein und Comic sich begegnen

Das liegt sicher auch daran, dass Richard Leroy kein typischer Weinbauer ist. Der ehemalige Bankangestellte produziert in seinen Weinbergen einen fast schon legendären trockenen Weiswein in sehr viel kleineren Mengen als er verkaufen könnte. Seine Produkte sind bei den französischen aber auch internationalen Gastronomen und in amerikanischen Weinführern schon mehr als ein Geheimtipp. Es hat schon fast etwas Mystisches wenn Leroy seine Reben beschneidet, seinen Weinberg frühmorgens mit seltsamen Substanzen dünkt, versucht genau die richtigen Holzfässer auszuwählen und bei der Gärung darauf verzichtet Schwefel oder ähnliches zu verwenden, sondern den “Traubensaft sich selbst überlässt“.

Étienne Davodeau: Die Ignoranten - Wenn Wein und Comic sich begegnen

Doch auch über Comics erfährt der Leser so einiges. Während Davodeau nicht immer erfolgreich versucht Leroy beim Winzern zu helfen, empfiehlt er seinem Freund auch einige Comics zur Bettlektüre. Während dieser bei Watchmen von Alan Moore und Dave Gibbons recht bald eingenickt ist, haben ihm Comics wie Art Spiegelmans Maus oder Der Fotograf von Emmanuel Guibert und Frederic Lemercier schlaflose Nächte bereitet. Da Davodeau gut in der französischen Comic-Szene verdrahtet ist, besucht er gemeinsam mit Leroy neben den Festivals in Saint Melo oder in Bastia auf Korsika auch Zeichner-Kumpels wie Jean-Pierre Gibrat (Der Aufschub) oder Marc-Antoine Mathieu (Gott höchstselbst). Die daraus resultierenden Gespräche hat Davodeau äußerst lebendig in lässigen schwarzweißen Zeichnungen zu Papier gebracht.

Étienne Davodeau: Die Ignoranten - Wenn Wein und Comic sich begegnen
Eine Rolle spielen auch die Produktionsmethoden in der französischen Comic-Industrie. Davodeau besucht gemeinsam mit Leroy seine Druckerei in Belgien um zu überprüfen wie seine Farben auf dem ausgewählten Papier zur Geltung kommen oder seinen Verlag Futuropolis in Paris. Hier bekommt der Leser einen Eindruck in die Sorgfalt mit der in Frankreich nicht nur Weine produziert sondern auch Comicprojekte angeschoben und begleitet werden, was Früchte trägt in originellen Werken wie Die Ignoranten.

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