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Musicals: Geschichte – Shows – Komponisten

Ähnlich wie in “Das Film Buch” hat auch hier der Dorling Kindersley Verlag versucht, ein Thema so übersichtlich und interessant bebildert wie möglich aufzuarbeiten. Doch während es unmöglich ist, alle wichtigen Filme zwischen zwei Buchdeckeln aufzuarbeiten, sieht es im Genre Musical etwas anders aus.

Musicals: Geschichte – Shows – Komponisten

Ein Musical, das nach seiner Premiere beim Publikum nicht ankommt, verschwindet schnell vom Spielplan, wird nicht in anderen Städten aufgeführt und natürlich auch nicht verfilmt. Von daher ist die Anzahl von immer wieder neu inszenierten Dauerbrennern natürlich übersichtlich.

Musicals: Geschichte – Shows – Komponisten

Als erstes “richtiges“ Musical definiert das Buch die am 27. Dezember 1927 im New Yorker Ziegfeld Theater gestartete Bühnenshow “Show Boat“, die dreimal verfilmt und bis hinein in die 90er Jahre immer wieder neu inszeniert wurde. In diesem Musical wurden nicht nur zu Evergreens gewordene Songs wie “Ol‘ Man River“ geschmettert, sondern “Show Boat“ erzählte eine auch interessante dramatische Geschichte gezählt, in der es u. a. um eine “gemischtrassige“ Beziehungen ging. Wie brisant dies Thema war, zeigte sich daran, dass es sehr lange dauern sollte, bis schwarze Darsteller in den Hauptrollen “Show Boat“zu sehen waren.

Musicals: Geschichte – Shows – Komponisten

Das Buch beschreibt chronologisch geordnet bis hinein in die Gegenwart die erfolg- und einflussreichsten Musicals wie “Porgy und Bess“, “The Wizard of Oz“, “Singin‘ in the Rain“, “My Fair Lady“, “West Side Story“, “Mary Poppins“, “Hair“, “The Rocky Horror Picture Show“, “Cats“, “Billy Elliot“, “Mathilda“, aber auch “Die Drei-Groschenoper“ findet Berücksichtigung.

Musicals: Geschichte – Shows – Komponisten

Dabei geht es um Bühnen- wie auch um Film-Musicals. Ein Anhang bietet noch Kurzinfos zu weiteren Musicals. Besonders interessant sind die Doppelseiten auf denen die Strukturen einzelner Musicals übersichtlich dargestellt werden. Hier ist zu sehen, wie die Handlung verläuft und wann die einzelnen Songs zum Einsatz kommen.

Musicals: Geschichte – Shows – Komponisten

Außerdem gibt es noch Biographien zu Persönlichkeiten wie George und Ira Gershwin, Fred Astaire, Irving Berlin, Cole Porter, Andrew Lloyd Webber, Julie Taymor oder Elton John. Leider sind die von mehreren Autoren verfassten Texte oft etwas trocken und nur selten so amüsant wie im Falle der Beschreibung von “Mamma Mia!“. Hier wird auch eine Kritik zum zugehörigen Film zitiert, in der es heißt, dass man: “so schnell nicht wieder hautnah erleben kann, wie erstklassige Schauspieler betrunken Karaoke singen.“

Musicals: Geschichte – Shows – Komponisten

Für das Buch spricht auch, dass es für die deutsche Ausgabe noch ergänzt wurde. Aufnahme fanden hier auch einheimische Produktionen wie “Linie 1“ oder “Elisabeth“ und ein Anhang beschreibt deutsche Musicals wie “Heiße Ecke“, “Rocky“, “Hinterm Horizont“ oder den DDR-Erfolg “Mein Freund Bunbury“. Abschließend sei auch noch das thematisch passende schlichte aber ergreifende Glitzer-Cover erwähnt.

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Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett

So ziemlich jeder kennt das verrückte Zeichentrick-Fußballspiel der Tiere, das immer wieder gerne zur Auflockerung von Sportsendungen hergenommen wird. Längst nicht jeder weiß jedoch, dass es aus dem Film „Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett“ stammt.

Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett

In einer Mischung aus Real- und Zeichentrick-Film wird hier eine zauberhafte Geschichte über drei englische Kinder erzählt. Als London im Zweiten Weltkrieg Bomben auf London fielen, wurde das Trio aufs Land geschickt und landeten bei Hexe, die von Angela Lansbury sehr schrullig verkörpert wurde. Eglantine Price befand sich noch in Ausbildung, doch im großen Finale setzt sie ihre Kräfte erfolgreich gegen deutsche Invasions-Truppen ein.

Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett

Als sich Walt Disney Anfang der sechziger Jahre daran machte „Mary Poppins“ zu verfilmen, war er nicht sicher ob er auch die Genehmigung der Autorin P. L. Travers bekommen würde (siehe auch “Saving Mr. Banks“). Daher erarbeitete Disney mit dem selben Team ein Alternativ-Projekt. Dieses wurde, nachdem es doch grünes Licht für „Mary Poppins“ gab, erst einmal beiseite gelegt.

Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett
10 Jahre später, nach dem Tod von Walt Disney, wurde dann mit großem Ehrgeiz versucht den Erfolg von „Mary Poppins“ zu wiederholen. Leider enttäuschte „Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett“ an der Kinokasse. Ich persönlich schätze den phantasievoll gestalteten Film, sowie die zugehörigen Songs der Gebrüder Richard M. und Robert B. Sherman wie “Portobello Road“ oder „The Age of Not Believing“, weit mehr als die stilistisch und musikalisch recht ähnliche Gouvernanten-Schnulze “Mary Poppins“, mit ihren viel zu vielen Löffeln voller Zucker.

Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett

Dass „Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett“ nicht zum großen Erfolg wurde, lag mit Sicherheit daran, dass nur eine gekürzte Version des zunächst fast 3-stündigen Films in die Kinos gelangte. Bei Wiederaufführungen und für die Videoveröffentlichung wurde der Film sogar noch weiter verstümmelt.

Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett
Diese DVD enthält die Langfassung

Während bei uns auf DVD nur eine 89-minütige oft ziemlich plump gekürzte Fassung veröffentlicht wurde, liegt in den USA zum Glück eine sorgsam restaurierte 148-minütige Version auf DVD vor, die jedoch nicht auf die danach erschienene Blu-ray übernommen wurde! Diese Langfassung zeigt, dass sich der Film nicht hinter „Mary Poppins“ verstecken muss. Auch „Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett“ hat mitreißende Songs, tolle Tricks und eine Geschichte mit viel Herz.

Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett

Extras der deutschen DVD: “Music Magic“, eine sehr informative Dokumentation über die Dreharbeiten (11:27 min, mit eingesprochenen deutschem Kommentar); “A Step In The Right Direction“, ein nicht verwendeter Song mit Fotos von den Dreharbeiten  (3:48 min, mit eingesprochenen deutschem Kommentar); Galerie mit 38 sehr schönen Fotos und Entwürfen; Die Zeichentrick-Kurzfilme “Magican Mickey“ (Mickey, Donald und Goofy, 1936) und “Trick or Treat“ (Donald Duck, 1942)

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Mary Poppins

1910 in London: Kein Kindermädchen hält es allzu lange aus bei Jane und Michael, den Kindern des gestrengen Bankangestellten Georg Banks. Doch dann kommt Mary Poppins, mit ihrem Regenschirm in der Hand, direkt vom Himmel hoch geflogen und alles wird ganz anders. Mit Gesang und Zauberei mischt sie die Familie Banks zunächst auf und ermöglicht dieser gerade dadurch ein glücklicheres Zusammenleben.

Mary Poppins

Mit „Mary Poppins“ produzierte Walt Disney 1964 nicht nur seinen seinerzeit größten Erfolg, sondern er schuf auch einen unverwüstlichen Klassiker, der vier Oscars erhielt. Wer will kann an Mary Poppins Methoden bittere Erziehungs-Medizin mit „einem Teelöffel Zucker“ zu verabreichen, sicherlich einiges aussetzten, doch die Evergreens der Gebrüder Sherman wie „Supercalifragilisticexpialigetisch“ oder eben „A Spoonful of Sugar“ gehen trotzdem ins Ohr.

Mary Poppins
Ausschnitt aus „Saving Mr. Banks“

Die literarische Vorlage stammt aus dem Jahre 1934 und erschien bei uns unter dem tollen Titel „Jungfer Putzig„. Die Autorin P. L. Travers war zunächst skeptisch bezüglich einer Verfilmung. Diese schwierige Entstehungsgeschichte von „Mary Poppins“ wurde 2013 sehr mitreißend nacherzählt im Kinofilm “Saving Mr. Banks“ mit Emma Thompson als P. L. Travers und Tom Hanks als Walt Disney. Da sich die Verhandlungen mit der Autorin so kompliziert gestalteten, plante Disney ein Parallelprojekt, das später als „Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett“ in die Kinos kam. Bemerkenswert an „Mary Poppins“ ist die heute immer noch beeindruckende Kombination von Zeichentrick und Realszenen.

Mary Poppins

Für Julie Andrews war Mary Poppins die erste Filmrolle. Zeitgleich entstand die Verfilmung von „My Fair Lady„, in der Audrey Hepburn die Titelrolle spielte, obwohl Julie Andrews als Eliza Doolittle am Broadway glänzte. „My Fair Lady“ wurde 1964 zwar als „bester Film“ ausgezeichnet, den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle erhielt dennoch Julie Andrews für ihre Leistung als Mary Poppins und Audrey Hepburn ging leer aus.

Mary Poppins

Lange hat es gedauert bis endlich – pünktlich zum 50. Geburtstag des Filmes und zum Kinostart von Kinofilm “Saving Mr. Banks“ – eine Blu-ray-Edition von “Mary Poppins“ erschienen ist. Auch hierfür wurde zum Glück keine Neusynchronisation veranstaltet und es erklingen weiterhin die sonoren Stimmen von Harry Wüstenhagen und Friedrich Schoenfelder, sowie die Lieder der deutsche Musical-Queen Monika Dahlberg, die auf der Bühne über 1000 Mal die Eliza Doolittle im Musical „My Fair Lady“ verkörperte.

Mary Poppins

Bezüglich des Bonusmaterial sind weitestgehend die Extras der alten DVD-Edition enthalten. Es fehlt die Option sich mehr oder weniger Wissenswertes als Pop Ups einblenden zu können, sowie – was sehr viel bedauerlicher ist – die Galerie mit 263 Fotos und Entwurfszeichnungen. Neu hinzugekommen ist neben “Mary-Oke“ noch ein netter Bericht über Komponist Richard M. Sherman im Zusammenhang mit den Dreharbeiten zu “Saving Mr. Banks„.

Mary Poppins

Extras der Blu-ray: Audiokommentar von Julie Andrews, Dick Van Dyke, Richard Sherman und Karen Dotrice, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln; So wird man Mr. Sherman (14:01 min), Richard M. Sherman bei den Dreharbeiten zu “Saving Mr. Banks“; “Mary-Oke“ – Vier Songs aus dem Film zum Mitsingen mit animierten Buchstaben; Ein sehr ausführliches Making Of (50:46 min);“Movie Magic“: Ein kurzes 7-minütiges Making Of zu den Spezialeffekten; Anatomie einer Szene: Fröhlicher Ferientag (13:03 min); Eine verblüffend schlaue Katze“, ein neuer Kurzfilm nach einer Geschichte von P. L. Travers mit Julie Andrews und Zeichentrickelementen (9:52 min), wahlweise in englischer oder spanischer Sprache (die DVD enthielt auch eine deutsche Synchronfassung); Rekonstruktion der Welt-Premiere (17:45 min) und der Party danach (6:25 min); Ein musikalischer Bummel mit Richard M. Sherman durch den Film (20:50 min). Hier werden nicht verwendete Musikstücke vorgestellt, darunter auch der Song „Chimpanzoo“ (1:32 min), den es auch noch als zusätzliches separates Extra gibt; Make-Up-Test von Dick Van Dyke als alter Bankdirektor (1:07 min); 5 Trailer, 2 TV-Spots und eine Anmoderation von Julie Andrews; Wiederbegegnung zwischen Julie Andrews, Dick Van Dyke und Richard Sherman (17:20 min); Disney am Broadway – Einige Berichte zum Mary Poppins Bühnen-Musical : Making Of (48:06 min), Schritt und Tritt (7:09 min), Direktzugriff auf die Lieder (nur in Englisch)

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Saving Mr. Banks

Es wurde immer wieder überliefert, dass Walt Disney ein mitreißender Erzähler gewesen sein soll und die von ihm persönlich vorgetragenen Geschichten häufig besser waren, als die auf dieser Basis entstandenen Filme. Daher ist es verwunderlich, dass es so lange gedauert hat, bis Walt Disney selbst einmal im Zentrum eines Spielfilms steht.

Saving Mr. Banks

Hauptfigur in “Saving Mr. Banks“ ist jedoch die Autorin P.  L. Travers, deren “Mary Poppins“-Bücher zur Lieblingslektüre der Töchter von Walt Disney gehörten. Seit 1940 bemühte sich dieser daher die Rechte für eine Verfilmung von Travers zu erhalten. Doch diese wollte auf keinen Fall, dass aus ihrer Mary Poppins eine singende Zeichentrick-Figur wurde. Doch weil sie in finanziellen Schwierigkeiten steckte, gelang es Walt Disney die Autorin aus ihrer Londoner Wohnung in seine Hollywood-Studios zu locken. Die streitbare Dame machte es dem erfolgreichen Film-Mogul nicht eben leicht. Sie war immun gegen dessen Charme und auch durch einen Gala-Besuch in Disneyland nicht korrumpierbar.

Saving Mr. Banks

“Saving Mr. Banks“ erzählt auch von der harten Jugend von Travers Familie in Australien, wobei Colin Farrell als Vater und unglücklicher Bankangestellter eine sehr gute Leistung abliefert.

Saving Mr. Banks

Doch sehr viel spannender ist das Duell, das sich Travers und Disney 1961 in Kalifornien lieferten. Der Film orientiert sich dabei so nah wie möglich an den tatsächlichen Ereignissen. Emma Thompson ist köstlich, wenn sie als P.  L. Travers angewidert die ganzen Micky-Maus-Plüschtiere, mit denen sie Walt Disney bei ihrer Ankunft in Los Angeles erfreuen wollte, vom Bett ihres Hotelzimmers wirft.

Saving Mr. Banks

Tom Hanks, der eigentlich gar keine Ähnlichkeit mit Walt Disney hat, geht völlig in der Rolle auf. Gelegentlich, etwa wenn er routiniert mit sonorer Stimme spricht und Jovialität vortäuscht, wirkt er fast wie eine Karikatur des Märchenonkels der Nation. Es war auch Hanks, der durchsetzte, dass Walt Disney in dieser Disney-Produktion – zumindest ganz kurz – wahrheitsgemäß trinkend und rauchend gezeigt wird.

Saving Mr. Banks

Ebenfalls sehr beeindruckend ist die Darstellung des Kreativ-Prozesses in den Disney-Studios. Gezeigt wird wie die unermüdlich schaffensfrohen Komponisten-Brüder Richard M. und Robert B. Sherman sowie der zuvor als Animator tätige Drehbuchautor Don DaGradi es schließlich schafften P.  L. Travers weich zu kochen und durch den neu komponierten Song „Let’s Go Fly A Kite“ sogar zum Tanzen brachten. “Saving Mr. Banks“ könnte die erste verfilmte Entstehungsgeschichte eines Filmklassikers sein, die selbst einmal ein Filmklassiker wird.

Saving Mr. Banks

Die Blu-ray enthält als Bonusmaterial noch drei nicht verwenderte Szenen (insgesamt 7:24 min), den Bericht „Die Walt Disney Studios gestern und heute“ (14:35 min) sowie eine kurze knapp 2-minütige Impression vom letzten Drehtag als das gesamte Team gemeinsam den Song „Let’s Go Fly A Kite“ schmettert.

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