Schlagwort-Archive: Moebius

Jijé: Jerry Spring

Auch wenn es etwas zynisch klingt, die frankobelgische Comicszene profitierte davon, dass während des Zweiten Weltkriegs der Import von US-Serien immer schwieriger wurde. Ende der 30er-Jahre kämpfte auch im Spirou-Magazin Superman für „Truth, Justice and the American Way“ und der Red Ryder versuchte den Wilden Westen zu bändigen. Als der Nachschub aus den USA ausblieb, übernahm der vielseitige Joseph Gillain alias Jijé das Zeichnen des Red Ryder und konnte hier für sein ab 1954 Spirou-Magazin erschienenes Western-Meisterwerk üben.

Jijé: Jerry Spring

Mit Jerry Spring startet Ehapa nach Jeff Jordan, Lucky Luke, Isnogud, Tanguy und Laverdure (diese Flieger-Serie übernahm Jijé nach einigen Alben von Albert Uderzo) und Blueberry (hier sprang gelegentlich als Ersatzzeichner ein, während Jean Giraud alias Moebius einen großen Teil des Jerry Spring-Alben Unterwegs nach Coronado zeichnete) eine weitere Gesamtausgabe eines frankobelgischen Comicklassikers. Der erste Band enthält neben gleich vier albenlangen Geschichten ein 30-seitiges hochinteressantes und exquisit bebildertes Vorwort.

Jijé: Jerry Spring

Die an B-Movies erinnernden Western-Abenteuer die Jerry Spring zu bestehen hat, mögen heute etwas altbacken wirken, doch Jijés Artwork ist zeitlos modern. Dies zeigt besonders gut in diese in Schwarzweiß abgedruckten Gesamtausgabe. Der Verzicht auf Farbe war Jijés Wunsch, denn beim Zeichnen orientierte er sich an US-Zeitungscomics wie Steve Canyon und geizte nicht mit schwarz ausgemalten Flächen. Das Kolorieren hingegen langweilte Jijé und wurde nach wenigen Alben auch nicht mehr von ihm ausgeführt.

Jijé: Jerry Spring

Auch wer nicht sonderlich beeindruckt von den bei uns bei Bastei, Condor und Carlsen veröffentlichten Jerry Spring-Alben war, dürfte in dieser sehr schön aufgemachten Gesamtausgabe einen meisterlichen Zeichner mit einem enorm lässigen Strich neu entdecken.

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Pierre Christin: Ost-West

Im Vorwort schreibt Pierre Christin, dass er sich selbst versprochen hat “niemals eine Autobiografie zu schreiben“, denn er hütet sich “vor all diesen Verherrlichungsmechanismen, seien sie auch noch so bescheiden“. Was er schließlich in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Philippe Aymond (Lady S.) schuf, ist nur sehr am Rande eine Biografie.

Pierre Christin: Ost-West

Christin ist u. a. der Autor von Comic-Meisterwerken wie Bilals Legenden der Gegenwart oder Annie Goetzingers Das Fräulein von der Ehrenlegion. Seine Geschichten, auch die seiner Science-Fiction-Serie Valerian und Veronique, basieren auf Beobachtungen die Christin auf seinen zahlreichen Reisen gemacht hat.

Pierre Christin: Ost-West
© DUPUIS 2018, by Aymond (Philippe), Christin (Pierre)

Das erste Kapitel des Comics Ost-West beginnt damit, in strahlenden Farben zu erzählen, wie Christin die USA erlebte, als er dort ab 1965 als Professor für französische Literatur an der Universität von Salt Lake City arbeitete. Plötzlich befindet er sich in der prächtigen Welt des Wilden Westen, die ihm in den Pariser Kinos seine triste Nachkriegsjugend versüßte. In den USA trifft er auch seinen Jugendfreund Jean-Claude Mézières, der dort tatsächlich als Cowboy arbeitet und später Zeichner von Valerian und Veronique werden sollte.

Pierre Christin: Ost-West
© DUPUIS 2018, by Aymond (Philippe), Christin (Pierre)

In Salt Lake City lebt er allerdings auch in einer Welt voller religiösen Wahn und offenen Rassismus. Auch mit der Gegenkultur der Hippies konnte sich Christin nicht identifizieren und so kehrte er nach Frankreich zurück. Kapitel 2 und 3 des Buchs erzählen, wie Christin Frankreich vor und nach seiner USA-Reise erlebte.

Pierre Christin: Ost-West
© DUPUIS 2018, by Aymond (Philippe), Christin (Pierre)

Beeindruckend von Philippe Aymond in Szene gesetzt, wird hier dargestellt, wie begeistert Christin und Mézières von der Kunst des jungen Jean Giraud alias Moebius sind. Sehr interessant ist auch die Schilderung der ersten Begegnung mit René Goscinny und Jean-Michel Charlier, die Christin zeigen, wie sie Comics texten.

Pierre Christin: Ost-West
© DUPUIS 2018, by Aymond (Philippe), Christin (Pierre)

Doch das Kernstück des Buchs ist das letzte Kapitel, dass detailreich die Beobachtungen darstellt, die Christin – zuerst mit Mézières dann alleine – auf Reisen durch die osteuropäische Welt des real existierenden Sozialismus machte. Er erlebt, wie sich viele der dortigen Bewohner trotz katastrophaler Lebensumstände ihre Menschlichkeit bewahrt haben.

Pierre Christin: Ost-West
© DUPUIS 2018, by Aymond (Philippe), Christin (Pierre)

Nach der Rückkehr ins schillernde West-Berlin folgt ein “Gegenschock“ und Christin fragt sich (und uns): “Diese geballte Ladung an Fleisch, an Metall, an Lärm, an unnützer Hektik und an Geld – ist das unsere unübertreffliche Zukunft?“

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Moebius Opus

Es ist erstaunlich wie produktiv Jean Giraud alias Moebius etwa mit seiner epischen Western-Serie Leutnant Blueberry, John Difools abgefahrenen Incal-Abenteuern oder den Sternenwanderern war. Einige seiner wichtigsten Werke veröffentlichte er in den 70er Jahren im bahnbrechenden Magazin Metal Hurlant, das bei uns – ergänzt um deutsche Beiträge – als Schwermetall veröffentlicht wurde.

Moebius Opus
Viele der Beiträge des meisterhaften Zeichners, die in Metal Hurlant erschienen sind, hat Cross Cult in diesen sechs Bänden als Moebius Collection veröffentlicht: The Long Tomorrow, Die blinde Zitadelle, Die Ferien des Majors, Arzach, Die hermetische Garage und Zwischenlandung auf Pharagonescia. Alle diese Comics sind mittlerweile vergriffen und werden hoch gehandelt.

Moebius Opus

Es ist durchaus eine Überlegung wert, diese Einzelbände gegen den prachtvollen Band Moebius Opus einzutauschen, der – soweit ich es beurteilen kann (leider fehlen in Buch angaben, wann die einzelnen Comics erschienen sind)  – auf 446 Seiten in chronologischer Reihenfolge alle Beiträge enthält, die Moebius für Metal Hurlant gezeichnet hat. Splitter veröffentlicht das schön aufgemachte Buch im Format 23 x 32 cm als elften Band seiner interessant zusammengestellten Jubiläums-Edition, in der auch eine Gesamtausgabe von Jean Girauds Serie Jim Cutlass erschienen ist.

Moebius Opus

Obwohl die Auflage 1.111 Exemplare beträgt, war das Buch zu seinem Erscheinungstermin schon fast komplett ausverkauft. Mittlerweile wird es teilweise bereits recht hochpreisig angeboten. Seinen Coverpreis von 99,80 Euro ist diese Wahnsinnsreise durch die phantastischen Welten von Moebius auf alle Fälle wert!

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XIII, Bd. 18: Die Kelly-Brian-Story

Jean van Hamme erzählt diesmal eine Jugendepisode aus dem (mittlerweile auch verfilmten) Leben von Jason Fly, der später zum geheimnisvollen Mannes mit zahllosen Namen und geheimnisvoller XIII-Tätowierung wurde. Das Album wurde ausnahmsweise einmal nicht von William Vance (Bruno Brazil, Bruce J. Hawker) gezeichnet, sondern von Jean Giraud alias Moebius. Dies ist auch insofern bemerkenswert, weil Vance zuvor zwei Bände von Girauds Serie Blueberry zeichnete. XIII, Bd. 18: Die Kelly-Brian-Story

Der Autor Jean van Hamme (Thorgal, Largo Winch) liefert als Vorwort eine kurze Übersicht zur Geschichte Irlands, was recht hilfreich beim Verständnis der Erzählung ist. Hauptfigur ist der noch sehr junge Seamus O´Neil, der bereits eine äußerst bewegte Vergangenheit hat. Vorbelastet durch seinen Vater, der in englischer Haft starb, will Seamus unbedingt für die IRA kämpfen. Doch er macht die sehr blutige Erfahrung – u. a. starb eine Frau, in die er sich verliebt hatte, und er wurde gezwungen seinen angeblich verräterischen Geschichtslehrer zu erschießen – dass Gewalt nicht die Lösung sondern das Problem ist.

XIII, Bd. 18: Die Kelly-Brian-Story

Doch da ist es schon zu spät und Seamus entgeht seiner Verhaftung dadurch, dass er in die USA geschmuggelt wird. Als Kelly Brian verlebt er dort einige sorglose Jahre bevor ihn die Vergangenheit wieder einholt. Seamus soll wieder für die IRA aktiviert werden, doch es wird vorher noch erwartet, dass er seinen Kumpel Jason Fly umbringt.

XIII, Bd. 18: Die Kelly-Brian-Story

Nachdem Giraud seine letzten Blueberry-Alben im Alleingang sehr schwach textete und gewohnt großartig zeichnete, tut es gut, wenn er seine ausgereifte Kunstfertigkeit endlich wieder in den Dienst einer wirklich gut durchdachten und mitreißend-spannenden Geschichte stellt, die zudem auch noch ohne Kenntnis der übrigen XIII-Bände bestens unterhält.

XIII, Bd. 18: Die Kelly-Brian-Story

Mittlerweile ist bei Carlsen der erste Band der Reihe XIII mystery erschienen, in der sich weitere Autoren und Zeichner mit Figuren aus der Serie beschäftigen. Zum Auftakt erzählen Ralph Meyer (Autor von Long John Silver und Xavier Dorison (Zeichner von Tödliches Wiegenlied) mit dem Profikiller La Mangouse beschäftigen. Anschließend folgten Bände zur russischen Killerin Irina (Text: Éric Corbeyran, Zeichnungen: Philippe Berthet) sowie zu Little Jones und Colonel Amos.

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Moebius: The Long Tomorrow

Jean Giraud alias Moebius ist zwar am 10. März 2012 gestorben, aber seine Comics leben auch bei uns weiter! Bei Ehapa erschien sein letztes Werk Arzak in einer sehr schönen großformatigen Ausgabe, Splitter schloss seine optimal aufgemachte sechsbändige Incal-Reihe ab und Cross Cult stockt seine bisher aus den Bänden Die hermetische Garage und Arzach bestehende Moebius Collection noch gewaltig auf.

Moebius: The Long Tomorrow

Im selben Format erschienen gleichzeitig fünf Bände mit teilweise bisher nur in Métal Hurant oder in Schwermetall aber noch nie im Albumformat veröffentlichten Comics. The Long Tomorrow ist möglicherweise das interessanteste Album dieser Reihe. Enthalten ist u. a. jene Short Story, die Ridley Scott zum Look von Blade Runner inspirierte sowie eine hochinteressante Einleitung von Moebius zum Zustandekommen dieses Comics.

Moebius: The Long Tomorrow

1975 arbeitete Moebius an einer Verfilmung von Frank Herberts Dune – Der Wüstenplanet unter der Regie von Alejandro Jodorowsky. Aus diesem leider gescheiterten Projekt resultierte nicht nur die einflussreiche Comicserie Der Incal, die Moebius nach Texten von Jodorowsky zeichnete. Wie sich herausstellte war auch der für die Spezialeffekte bei Dune angeheuerte Dan O’Bannon (Dark Star) ein guter Zeichner. Seine futuristische Detektiv-Geschichte The Long Tomorrow hatte er in Form von Storyboard-Zeichnungen entwickelt und Moebius machte daraus einen 16-seitigen ebenso spannenden wie opulent in Szene gesetzten Comic.

Moebius: The Long Tomorrow

Der Band enthält noch sechs weitere Comic-Kurzgeschichten von Moebius. Diese beeindruckenden eher durch das Artwork (bei Anflug auf Centauri arbeitete Moebius mit Philippe Druillet zusammen und kopierte perfekt dessen Zeichenstil) als durch die – auch nach der Lektüre der zugehörigen Passagen von Moebius’ Vorwort – nicht immer einleuchtenden Geschichten!

Moebius: The Long Tomorrow

In identischer Aufmachung erschienen bei Cross Cult zeitgleich außerdem noch diese Moebius-Collections: Der Mann von der Ciguri, Die blinde Zitadelle, Zwischenlandung auf Pharagonescia und Die Ferien des Majors.

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Achim Schnurrer: Das war Schwermetall

Zweieinhalb Jahre nachdem die Edition Alfonz ihre Reihe “Texte zur graphischen Literatur“ mit dem von Detlef Lorenz verfassten Logbuch des Robinson Crusoe startete, folgt doch noch ein zweiter Band. Ursprünglich war ein von Peter Osteried verfasstes Buch über Das Phänomen Watchmen vorgesehen. Stattdessen präsentiert Achim Schnurrer Das war Schwermetall.

Achim Schnurrer: Das war Schwermetall

Schnurrer, der 1985 die Herausgabe des fünf Jahre zuvor vom schillernden Raymond Martin gestarteten Comic-Magazin Schwermetall übernommen hatte, bietet einen recht persönlichen Einblick in die wechselhafte Geschichte der Publikation. Genau wie beim 1977 in den USA gestarteten Heavy Metal waren auch im deutschen Schwermetall die Comics aus dem 1974 u. a. von den französischen Zeichnern Jean Giraud alias Moebius und Philippe Druillet ins Leben gerufenen Magazin Métal Hurlant die Grundlage der Veröffentlichung.

Achim Schnurrer: Das war Schwermetall

Comic-Meilensteine aus dem Bereich Science-Fiction und Fantasy wie Der Incal, Richard Corbens Den oder die phantastischen Bilderwelten von Bilal und Caza konnten hier erstmals in Deutschland bestaunt werden. Nach und nach hielten aber auch deutschsprachige Zeichner wie Chris Scheuer, Matthias Schultheiss, Rainer Laws oder Riccardo Rinaldi Einzug in das Comic-Magazin.

Achim Schnurrer: Das war Schwermetall

Das reich illustrierte Buch enthält die Titelbilder der Schwermetall Ausgaben 1 bis 99, sowie eine Übersicht aller darin jeweils zum Abdruck gekommenen Comic-Geschichten, Autoren und Zeichner. Die Texte von Schnurrer gehen manchmal auf die einzelnen Hefte ein, beschreiben aber auch immer wieder recht ausführlich seine eigenen Erlebnisse und Beobachtungen. Geboten wird ein ebenso spannender wie erfrischend subjektiver Rückblick auf eine Zeit, als sich in Westdeutschland langsam aber sicher eine Comic-Szene formierte.

Achim Schnurrer: Das war Schwermetall

Abgerundet wird das Buch durch ein Vorwort von Raymond Martin, kompakte Jahresrückblicke, sowie ausgewählte Biografien von Comic-Künstlern, die Schwermetall entscheidend prägten. Für 2019 ist ein zweiter Band vorgesehen. Hier beschäftigt sich Schnurrer mit der Zeit von 1990 bis zum Jahre 1999, als Schwermetall mit der Doppelnummer 219/220 leider eingestellt wurde.

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Blueberry Chroniken 19: Mann gegen Mann

Sechs Jahre nachdem der 18. Band der Blueberry Chroniken erschienen ist, wird die gebundene Gesamtausgabe des Western-Klassikers fortgeführt. Für den redaktionellen Teil ist jetzt nicht mehr Martin Jurgeit, sondern Wolfgang J. Fuchs zuständig. Auch dieser geht in seinem Vorwort weniger auf den Comic und stärker auf die Geschichte des Wilden Westen ein.

Blueberry Chroniken 19: Mann gegen Mann

Geboten werden zwei Alben, in denen Autor François Corteggiani und Zeichner Michel Blanc-Dumont Episoden aus der Jugend von Mike Steve Blueberry vor dem Hintergrund des amerikanischen Bürgerkriegs erzählen. Der auch als Zeichner tätige Corteggiani schreibt Die Jugend von Blueberry bereits seit 1990. Jean Giraud alias Moebius, der klassische Blueberry-Zeichner, erzählte einmal in einem Interview, dass die Vorzeichnungen von Corteggiani in einem “ziemlich drolligen Stil“ zu Papier gebracht wurden, die recht gut zu seinen Funny-Serie Bastos und Zakusky oder Smith & Weston passt, aber weniger zu einem realistischen Western. Vielleicht wirken deshalb Blanc-Dumonts Darstellungen von Kriegshandlungen so clean und harmlos.

Blueberry Chroniken 19: Mann gegen Mann
Die in diesem Band enthaltenen Comics Gettysburg und Der Konvoi der Verdammten sind in Frankreich 2012 und 2015 erschienen. Sie bieten solide Wild-West-Unterhaltung, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Blueberry Chroniken 19: Mann gegen Mann

Die Zeichnungen von Blanc-Dumont sind zwar recht detailfreudig aber auch etwas steril. Dass er sehr viel mehr kann, belegt die sehr viel lockerer gezeichnete Kurzgeschichte Yankee Blueberry, die ebenfalls in diesem Band enthalten ist.

Blueberry Chroniken 19: Mann gegen Mann
Christophe Blain

Demnächst kommt übrigens wieder etwas Bewegung in die Traditionsserie. Die beiden Comic-Chaoten Joann Sfar und Christophe Blain, die auch für eine Fortsetzung von Hugo Pratts Corto Maltese im Gespräch waren, arbeiten gerade an einem neuem Blueberry-Album.

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Jim Cutlass

Ende der 70er Jahren waren Autor Jean-Michel Charlier (Mick Tangy) und Zeichner Jean Giraud nach 13 Alben ihrer Serie Leutnant Blueberry etwas überdrüssig. Sie suchten nach einer Alternative und starteten eine zweite Westernserie. Im Zentrum stand mit Jim Cutlass wieder ein Mann aus den Südstaaten, der im Sezessionskrieg für den Norden gekämpft hatte.

Jim Cutlass

Die Geschichte spielt in nach dem Ende des Bürgerkriegs und beschreibt die unsicheren Verhältnisse im Süden der USA. Obwohl Cutlass gemeinsam mit seiner ebenso attraktiven wie wehrhaften Cousine Carolyn der rechtmäßige Eigentümer der Plantage Cyprus Lodge ist, wird es ihm nicht leicht gemacht sein Erbe anzutreten…

Jim Cutlass

Das erste Album Mississippi River ist ein gradlinig erzählter Western vor attraktiver Südstaaten-Kulisse. Einmal mehr zeigt sich hier die Meisterschaft des großen Comicautors Charlier den Leser in seinen Bann zu ziehen. Genau wie bei Blueberry wird er auch hier optimal ergänzt von dem mit sicheren Strich zu Papier gebrachten Bildern von Jean Giraud, der kurz zuvor damit begonnen hatte als Moebius mit Werken wie Arzach ein ganz eigenes Comic-Universum zu schaffen.

Jim Cutlass

Es sollte 10 Jahre dauern, bis Charlier und Giraud mit Der Mann aus New Orleans zu Jim Cutlass zurückkehrten. Die Zeichenarbeit hatte jetzt jedoch Christian Rossi übernommen, was dank dessen Talent jedoch kaum auffiel. Im weiteren Verlauf der Serie war jedoch immer stärker der Verlust von Charlier zu spüren, der am 10. Juli 1989 verstarb und das Szenario zu Der Mann aus New Orleans nicht mehr beenden konnte.

Jim Cutlass

Jean Giraud übernahm das Schreiben der Serie. Was ihm durch Interventionen der Familie von Charlier bei Blueberry nicht erlaubt wurde, konnte er bei Jim Cutlass voll ausleben. Die Serie wird von Band zu Band immer mystischer. Im Zentrum steht zwar auch – wie noch von Charlier vorgegeben – der Kampf gegen den Klu-Klux-Klan, doch dominanter in der Geschichte sind der Kult des weißen Albinos und des ebenfalls weißen Riesenalligators. Die Bilder Rossis sind weiterhin eine Pracht und lassen an Moebius denken, die abgefahrene Geschichte leider auch.

Jim Cutlass

Trotzdem ist es erfreulich, dass der Splitter Verlag eine wunderschön aufgemachte gebundene Gesamtausgabe von Jim Cutlass veröffentlicht hat. Enthalten sind im leichten Überformat von 23 x 32 cm auf 448 Seiten alle sieben Alben der Serie sowie einige Skizzen und Hintergrundinfos. Besser kann ein Comic nicht präsentiert werden!

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Leutnant Blueberry

Durch eine Verkettung widriger Umstände und Intrigen ist Mike S. Donavan, der arrogante Sohn eines reichen Plantagenbesitzers aus Georgia, gezwungen in den Norden zu flüchten. Er nennt sich fortan Blueberry und kämpft in der Armee der Nordstaaten gegen seine ehemaligen Landsleute aus dem Süden. Diese Geschichte erzählten Jean-Michel Charlier (Mick Tangy) und Jean Giraud erstmals 1968, doch ihre Erfolgsserie Leutnant Blueberry starteten sie bereits fünf Jahre zuvor.

Leutnant Blueberry

Trotzdem ist es sinnvoll, dass Ehapas Reihe Die Blueberry Chroniken mit Blueberrys Geheimnis von 1968 und sieben weiteren Kurzgeschichten gestartet wurde, die zunächst im kleinformatigen Super Pocket Pilote erschienen sind. Später wurden diese in einem sehr lockeren Stil gezeichneten Geschichten in den Zack Parade -Taschenbüchern und dann unter dem Titel Die Jugend von Blueberry veröffentlicht. (Zu diesen Kurzgeschichten gehört auch noch Donner über der Sierra, die jedoch zeitlich deutlich später spielt und daher in Band 6 der Blueberry Chroniken nachgereicht wird).

Leutnant Blueberry

Im zweiten Band der Blueberry Chroniken startet unter dem Motto Die Sierra bebt das eigentliche Epos. Die Geschichte beginnt 1866 in Arizona: Der junge und äußerst pflichtbewusste Leutnant Craig ist unterwegs nach Fort Navajo, einem mitten im Indianergebiet gelegenen Außenposten der Armee.

Leutnant Blueberry

Bei einer Rast in einem Saloon hilft er einem Glücksspieler aus einer selbstverschuldeten Notlage. Zu seiner Überraschung stellt Craig fest, dass es sich bei dem verantwortungslosen Burschen um Leutnant Mike S. Blueberry handelt und dieser ebenfalls seinen Dienst in Fort Navajo antreten will.

Leutnant Blueberry

Mit dieser Geschichte, die 1963 im Comicmagazin Pilote gestartet wurde und zwei Jahre später als Album Fort Navajo erschienen ist, begann die wohl beste Westernserie der Comicgeschichte.  Jean-Michel Charlier etablierte schon nach wenigen Seiten einen äußerst sympathischen Antihelden. Er verarbeitete bei Blueberrys Abenteuern immer wieder tatsächliche Ereignisse, wie etwa die Geschichte des Apachen-Häuptlings Cochise, der genau wie im Comic von einem Offizier namens Bascom bei angeblichen Friedensverhandlungen hereingelegt wurde und daraufhin einen erbitterten Kampf gegen die Weißen begann.

Leutnant Blueberry

Die Blueberry Chroniken enthält mit den drei zusammenhängenden Alben Fort Navajo, Aufruhr im Westen und Der einsame Adler jetzt den eigentlichen Auftakt der Serie. Ebenso spannend wie die Geschichte ist die künstlerische Entwicklung von Jean Giraud, der anfangs noch im etwas steifen Stile seines Lehrmeistes Jijé (Jerry Spring) zeichnete, dann aber immer lockerer wurde. Gelegentlich schimmert dabei schon etwas von jenen klaren Konstrukten durch, die zum Markenzeichen von Girauds Alterego Moebius (John Difool: Der Incal) werden sollten.

Leutnant Blueberry

Für die Blueberry Chroniken wurden die Geschichten sorgfältig neu übersetzt und frisch gelettert. Zusätzlich gibt es Bonusmaterial, das allerdings eher auf historische Fakten als auf die Entstehung der Comics eingeht. Mittlerweile liegt mit Mann gegen Mann bereits der 19. Band dieser Reihe vor!

Blueberry Chroniken 19: Mann gegen Mann
Christophe Blain

Demnächst kommt übrigens wieder etwas Bewegung in die Traditionsserie. Die beiden Comic-Chaoten Joann Sfar und Christophe Blain, die auch für eine Fortsetzung von Hugo Pratts Corto Maltese im Gespräch waren, arbeiten gerade an einem neuem Blueberry-Album.

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Moebius: Arzach

Mit seinen Arzach-Geschichten schuf Jean Giraud (Leutnant Blueberry) alias Moebius einen Klassiker des (wahrhaft) phantastischen Comics. Die wortlosen Geschichten, bei denen sich nicht nur der Titel ständig änderte (Harzack, Arzak, etc.), starteten 1975 im Magazin Métal Hurant und erzählen von den merkwürdigen Abenteuern eines spitzhütigen Drachenreiters.

Moebius: Arzach

Bemerkenswert ist die Virtuosität mit der Moebius seine in einer fremden Welt spielenden Storys ganz ohne Texte scheinbar mühelos an den Leser bringt.

Nachdem die Carlsen-Ausgabe von 1995 schon lange vergriffen ist, bringt Cross Cult (parallel zu einer schwarzweißen Ausgabe des anderen Moebius-Klassikers Die hermetische Garage) Arzach in einer Hardcoverausgabe neu heraus.

Moebius: Arzach

Neben interessanten Vorworten ist thematisch passend noch die Geschichte La Déviation (Der Umweg bzw. Die Umleitung) enthalten, die 1973 in Pilote erschien. Diese signierte der Künstler zwar mit “Gir“ aber die ebenso wilde wie wortlastige Odyssee durch ein Fantasy-Frankreich kann durchaus als Vorstufe zu den Arzach-Storys gedeutet werden.

Moebius: Arzach

Neben den klassischen Arzach-Abenteuern (darunter auch eine etwas fäkale schwarzweiße Story, die in der US-Ausgabe fehlt) und Illustrationen enthält der Band auch noch zwei neuere Geschichten mit dem Himmelsreiter, die graphisch zwar ebenfalls virtuos sind, aber schon dadurch abfallen, dass Moebius hier Texte einsetzt. Auf alle Fälle ist es schön, dass dieser Comicmeilenstein wieder lieferbar ist und das auch noch in einer so schön aufgemachten Ausgabe!

Cross Cult setze seine Moebius Collection mit fünf weiteren Bänden fort: Der Mann von der Ciguri (mit Major Gruber), Die blinde Zitadelle (acht Kurzgeschichten), Zwischenlandung auf Pharagonescia (ebenfalls acht Kurzgeschichten), The Long Tomorow (enthält jene Short Story, die Ridley Scott zum Look von Blade Runner inspirierte) und Die Ferien des Majors.

Moebius: Arzach

Enthalten ist teilweise bisher nur in Métal Hurant oder in Schwermetall aber noch nie im Albumformat veröffentlichtes Material. Jeder Band hat einen Umfang von 56 Seiten und kostet 16 Euro. Die meisten Alben enthalten zudem ausführliche Einleitungen von Moebius, die noch nie auf Deutsch erschienen sind.


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