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Udo Lindenberg: Stärker als die Zeit

Mit dem Album “Stark wie Zwei“ feierte Udo Lindenberg 2008 ein unerwartetes Comeback. Dies setzte sich 2011 fort mit der Scheibe “MTV Unplugged – Live aus dem Hotel Atlantic“ und dem im Berliner Theater am Potsdamer Platz erfolgreich laufenden Musical “Hinterm Horizont“. Doch es sollte acht Jahre dauern, bis Udo überpünktlich zu seinem 70. Geburtstag sein 36. Studio-Album einspielte.

Udo Lindenberg: Stärker als die Zeit

Diesmal hat er auf Gastauftritte von befreundeten Musikern verzichtet. Einzig “Der Pate“ gastiert am Ende des Albums. In den legendären Londoner Abbey Road Studios ließ Udo die nicht minder legendäre Erkennungsmelodie aus Francis Ford Coppolas Filmklassiker mit großem Orchester einspielen. Dazu singt er im Titelsong “Stärker als die Zeit“ davon, wie er mit seiner Panik-Familie allen Widrigkeiten trotzt.

Udo Lindenberg: Stärker als die Zeit

Unter den übrigen 14 Songs befinden sich mehr Balladen als rockig abgehende Nummern, wie “Coole Socke“, “Dr. Feel Good“, “Blaues Auge“ oder die Grundsatzerklärung “Einer muss den Job ja machen“. Überflüssige Songs sind Fehlanzeige. “Der einsamste Moment“ beschreibt gut nachvollziehbar, die leichten Selbstzweifel vor dem großen Auftritt. Mit “Mein Body und ich“ entschuldigt sich Udo bei seinem Körper dafür, dass er diesen “superhart geschunden“ hat. Anschließend macht er sich Gedanken, darüber, wie es ist, “Wenn die Nachtigall verstummt“.

Udo Lindenberg: Stärker als die Zeit

Doch zum Glück ist es noch nicht so weit, denn wohl kein deutschsprachiger Interpret singt so mitreißend wie Udo vom Finden und Scheitern der Liebe. Dass dies immer noch so ist, beweisen die Sofort-Ohrwürmer “Kosmosliebe“ und “Wenn Du gehst“ aufs Allerschönste.

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Udo Lindenberg: MTV Unplugged – Live aus dem Hotel Atlantic

Der Titel dieser Scheibe verwundert etwas. Erstens nahm Udo Lindenberg diese CD nicht etwa – wie die Worte und das Lindenberg Gemälde auf dem Klappcover vermuten lassen – in seinem Domizil dem Hamburger Hotel Atlantic auf, sondern auf dem Kampnagelgelände. Zweitens täuscht auch das Label MTV Unplugged, denn “Live aus dem Hotel Atlantic“ ist kein auf Effekte verzichtendes zurückgenommenes intimes (Hand-)Werk, sondern wurde mit großen Aufwand an (natürlich nicht elektrischen) Instrumenten und mit Beteiligung zahlreicher Gaststars eingespielt.

Udo Lindenberg: MTV Unplugged - Live aus dem Hotel Atlantic

Doch Lindenberg, der drei Jahre zuvor mit “Stark wie Zwei“ und in Berlin mit der Premiere des lange laufenden Musicals “Hinterm Horizont“ große Erfolge feierte, legte dennoch ein ziemlich entspanntes Werk hin. Er präsentiert eine interessante Best-Of-Auswahl (wobei die Neuinstrumentierungen natürlich Geschmackssache sind), aber auch die schöne neue Eröffnungsnummer “Die Bühne ist angerichtet“.

Udo Lindenberg: MTV Unplugged - Live aus dem Hotel Atlantic

Benjamin von Stuckrad-Barre hat in seinem etwas zu jubelnden Booklet-Text “Udo zieht den Stecker“ nicht völlig unrecht, wenn er ausführt, dass Lindenbergs Stimme “jetzt viel weniger will und viel mehr kann als früher“. Sein Gesang klingt entspannt und nicht mehr wie eine Selbstparodie. Dies kommt besonders gut zur Geltung wenn er sich zurücknimmt in den Duetten mit Inga Humpe (“Ein Herz kann man nicht reparieren“), Clueso (“Cello“), dem ausnahmsweise sehr unauffälligen Stefan Raab (“Johnny Controlletti“) oder Jan Delay (“Reeperbahn“), der sich freut, einmal mehr mit seinem “musikalischen Papa“ singen zu dürfen.

Udo Lindenberg: MTV Unplugged - Live aus dem Hotel Atlantic

“Live aus dem Hotel Atlantic“ gibt es als Einzel-CD bzw. Einzelzimmer Edition und Doppel-Album. Wir empfehlen die Doppelzimmer Edition, denn keines der 24 Stücke ist entbehrlich.

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Udo Lindenberg: Hinterm Horizont- Das Musical über das Mädchen aus Ostberlin

Udo Lindenberg hat wohl tatsächlich jenes von ihm besungene “Mädchen aus Ostberlin“ getroffen, mit dem er gerne “vielleicht auch mal etwas länger, vielleicht auch mal etwas enger“ zusammen gewesen wäre. Doch leider hatte er nur ein Tagesvisum für die Hauptstadt der DDR. Ganz gewiss hat er das ostdeutsche Mädchen nicht am 25. Oktober 1983 kennengelernt, auf jenem legendären Konzert im Palast der Republik in dem er sich mit dem Aufruf zu beidseitiger Abrüstung die Chancen auf eine DDR-Tournee mit einer „Rock-Arena in Jena“ verbaute.

Udo Lindenberg: Hinterm Horizont- Das Musical über das Mädchen aus Ostberlin

Doch auf der Musical-Bühne im Theater am Potsdamer Platz, fast direkt an der ehemaligen Berliner Mauer, ist ein Udo Lindenberg zu sehen, der die Jungpionierin Jenny während jenes Konzerts als Mitglied eines FDJ-Chores kennen und lieben lernt. Es kommt zu einer zweiten Begegnung in der “Wahnsinns Hully Gully Stadt “ Moskau, was schließlich zur Geburt eines Sohnes führt. Jenny verschweigt Udo dies und verweigert der Stasi die Mitarbeit, wird aber trotzdem in den Akten als IM geführt, was Udo zu Ohren kommt. Doch etliche Jahre später kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung im Hamburger Hotel Atlantik.

Udo Lindenberg: Hinterm Horizont- Das Musical über das Mädchen aus Ostberlin

Natürlich wird Udo Lindenberg nicht von Udo Lindenberg gespielt, aber er gab dem Musical “Hinter dem Horizont“ seinen Segen und (was noch wichtiger ist!) seine Songs. Thomas Brussig, der Drehbuchautor von “Sonnenallee“ und Ulli Waller vom Hamburger St. Pauli Theater bastelten aus mehr als zwanzig Lindenberg-Liedern eine eher heitere, manchmal auch etwas alberne Geschichte, mit gelegentlichen Schnittpunkten zur Realität.

Udo Lindenberg: Hinterm Horizont- Das Musical über das Mädchen aus Ostberlin

Der bühnentechnische Aufwand ist gewaltig, immer wieder schwebt vom Bühnenhimmel ein überdimensionaler Lindenberg-Hut herab, während im Hintergrund Hammer und Zirkel prangen oder ein ostdeutsches Wohnzimmer herein geschoben wird. Der Sinn einiger choreographischer Darbietung will sich nicht so recht erschließen und so mancher Song wird etwas übereilt zu Ende gebracht. Doch insgesamt ist “Hinter dem Horizont“ eine äußerst gelungene Veranstaltung, die den einzigen gesamtdeutschen Rockstar gebührend und mitreißend feiert.

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Udo Lindenberg: Stark wie Zwei

In den Jahren zuvor beschäftigte er sich hauptsächlich damit seine alten Hits in neuen Zusammenstellungen zu präsentieren oder mit Likör Bilder zu malen. Doch nach 10 Monaten Produktionszeit unter der Aufsicht von Andreas Herbig präsentiert Udo Lindenberg 2008 erstmals nach 8 Jahren wieder ein Album mit neuen Kompositionen. Schon die ersten beiden Stücke “Ich zieh´ meinen Hut“ und “Wenn Du durchhängst“ wecken angenehme Erinnerungen an seine früheren meisterlichen Balladen wie “Hinterm Horizont geht’s weiter“ oder “Ich lieb Dich überhaupt nicht mehr“.

Udo Lindenberg: Stark wie Zwei

Unter dem Motto “Stark wie Zwei“ folgen Zulieferungen von Annette Humpe (kein einziger Song stammt komplett von Lindenberg), Duette mit Jan Delay, Annette Kloß von “Silbermond“ und die Mördernummer “Chubby Checker“, die Lindenberg ganz locker gemeinsam mit Helge Schneider runterreißt. All dies passt seltsamerweise hervorragend zusammen und übertrifft fast alles was Lindenberg in den 20 Jahren zuvor einspielte.

Udo Lindenberg: Stark wie Zwei

Im letzten Drittel der Platte sind dann doch noch einige Nichtigkeiten versteckt wie z. B. die “Saufen macht kreativ“-Hymne “Nasses Gold“, das allzu vertraut wirkende “Interview mit Gott“ (mit tollen Fragen wie: “Ey, wieso lässt Du uns so hängen?“) der seltsame Astronauten-Song “Woody Woody Wodka“ und jene “Je oller desto doller“-Nummer, deren Titel allerdings zugleich das Programm dieser CD ist: “Der Greis ist heiß!“

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Das Dschungelbuch – Soundtrack

Überraschenderweise fand sich in der eher finsteren Neu-Inszenierung, die “Iron Man“-Regisseur Jon Favreau dem Disney-Klassiker “Das Dschungelbuch“ unterzog, noch Platz für zwei unvergessliche Songs aus dem Originalfilm. 1967 sang in der deutschen Fassung  Edgar Ott die Entspannungs-Hymne “Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ und Klaus Havenstein ließ es bei “Ich wäre gern wie Du“ kräftig swingen. Die deutschen Versionen waren sehr nah dran an den Original-Filmsongs “The Bare Necessities“ und “I Wanna Be Like You“, die von den US-Entertainern Phil Harris und Louis Prima interpretiert wurden.

Das Dschungelbuch - Soundtrack

Die neuen 2016er Versionen der Lieder sind allerdings auch nicht zu verachten. Als Synchronsprecher für den am Computer animierten Bären Balu konnte die Idealbesetzung verpflichtet werden. Bill Murray ist zwar eher ein Fan der Dschungelbücher des englischen Autors Rudyard Kipling als vom Zeichentrickfilm. Doch seine Interpretation von “The Bare Necessities“ ist ebenso entspannt wie das Original.

Walt Disney: Das Dschungelbuch (2016)

Der neue King Louie erinnert im Kino stärker an King Kong, als an den irgendwie doch sympathischen (aber nicht wirklich in den indischen Dschungel gehörenden) Zeichentrick-Orang-Utan. Daher wurde der auf finsterere Charaktere abonnierte Christopher Walken als Sprecher verpflichtet. Dieser ist bisher noch nicht als Sänger aufgefallen, wurde aber immerhin für seine tänzerischen Fähigkeiten im Musical-Flop “Tanz in den Wolken“ gelobt. Walkens bringt seine Version von “I Wanna Be Like You“ halbwegs unpeinlich über die Runden. Bemerkenswert ist, dass Richard M. Sherman für den Song einige neue Textzeilen geschrieben hat. Dieser hatte zusammen mit seinem mitlerweile verstorbenen Bruder Robert B. die Musik zu “Mary Poppins“ sowie viele weitere unvergessliche Disney-Songs geschrieben.

Walt Disney: Das Dschungelbuch (2016)

In der deutschen Version lassen sich die Gesangseinlagen von Armin Rohde bei “Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ und Christian Berkel bei “Ich wäre gern wie Du“ ebenfalls gut anhören. Auch die übrigen Songs und Melodien aus dem Zeichentrick-Klassiker hat der Komponist John Debney in seinen Soundtrack mit einfließen lassen. Debney schrieb bereits den Soundtrack zum Disney-Zeichentrickfilm “Ein Königreich für ein Lama“.

Das Dschungelbuch - Soundtrack

Die  CD mit der Filmmusik zum neuen Dschungelbuch enthält sowohl die deutschen als auch die englischen Versionen der Lieder. Hinzu kommt noch das von Scarlett Johansson als Sprechgesang interpretierte Schlangen-Lied “Trust in me“, sowie Dr. Johns Mardi-Gras-kompatible Cajun-Version von “The Bare Necessities“. Somit dürfte diese Scheibe in jede gut sortierte Disney-Soundtrack-Sammlung gehören.

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Andrea Bocelli: My Christmas

Wenn Menschen mit hochgezüchteten Stimme plötzlich (bzw. genau zur “richtigen“ Zeit bzw. Season) anfangen Weihnachtslieder zu gurgeln, dann ist das meist sehr viel peinlicher als wenn eine Familie einmal im Jahr versucht gemeinsam im Angesicht des Christbaums halbwegs erkennbar “Oh Tannenbaum“ zu singen. In diesem Sinne sind Star-Tenor Andrea Bocellis überproduzierte Versionen von “White Cristmas“ und vor allem vom ohnehin schon schrecklichen “Angel we have heard on High“ (auch als “Ohhhohhhohhoohho!“ bekannt) ebenso unangenehm wie ein von Süßwaren überfressener Magen.

Andrea Bocelli: My Christmas

Doch dann – you better watch out! – wird einem doch noch weihnachtlich ums Herz, denn “Santa Claus is coming to Town”. Trotz Kinderchor-Begleitung und dank interessanter leicht jazziger Instrumentierung bringt Bocelli diese (ja, ich gebe es zu!) sehr schöne Nummer nicht nur erstaunlich unpeinlich sondern eigentlich sogar richtig beschwingt über die Runden. In die selbe Kerbe haut „Blue Christmas“ sowie das “The Christmas Song“-Duett mit Natalie Cole, während das sehr sakral gehaltene “The Lord´s Prayer“ mit dem “Mormon Tabernacle Choir“ (häh?) in die falsche weil schmierig-schmalzige Richtung geht. Wenn Bocelli danach noch bei “What Child ist this“ mit Mary J. Blige um die Wette knödelt sind die Tiefpunkte aber auch schon überstanden.

Andrea Bocelli: My Christmas

Die Standards “Adeste Fideles“, „Silent Night“ und die mehrsprachige Version von “Oh Tannenbaum“ kommen recht schön rüber. Ein Highlight ist die turbulente Version von “Jingle Bells“ in Begleitung mit The Muppets, die wirklich Spaß und durchaus Sinn macht. Denn während Bocelli den ebenfalls auf dieser CD enthaltenen von Alan Silvestri komponierten Song “God Bless Us Everyone“ zum von Robert Zemeckis inszenierten Animationsfilm  “Disneys Eine Weihnachtsgeschichte“ besteuerte, traten die Muppets traten 2002 – gemeinsam mit Michael Caine – in einer Kinoversion der selben Geschichte von Charles Dickens auf.

Andrea Bocelli: My Christmas

Insgesamt ist dieses Weihnachtsalbum ein bunter Teller mit großteils bekömmlichen Süßwaren.

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James Bond Soundtracks

1962 war es für den englischen Musical-Komponisten Monty Norman keine besondere Ehre den Soundtrack zu einem James Bond Film zu schreiben, er musste mit dem Angebot geködert werden bei den Dreharbeiten auf Jamaika dabei zu sein. Von dort aus versorgte er „James Bond jagt Dr. No“ mit allerlei flotter Calypso-Musik wie den Song “Under the Mango Tree“, der im Film auch kurz von Sean Connery gesungen wird, für Norman aber nicht als Main-Theme taugte. Hierfür grub er eine seiner alten Musical-Kompositionen aus, die John Barry mit  großem Orchester sehr dynamisch einspielte und die sich gut mit den psychedelischen Vorspann-Spielereien von Maurice Binder zusammenfügte.

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John Barry versorgte einen Großteil der folgenden 007-Filme mit eingängigen Leitmotiven. In „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963) wurde erstmals die sogenannte Pre-Title-Sequence eingeführt, die schon vor dem eigentlichen Vorspann für Spannung sorgte. Der Song “From Russia with Love“ von Lionel Bart war im Vorspann nur in einer von John Barry sehr flott instrumentierten Version und erst sehr viel später gesungen von Matt Monro zu hören.

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Das Konzept einen James-Bond-Titelsong zum werbeträchtigen Hit zu machen, wurde erstmals bei „Goldfinger“ (1964) erfolgreich umgesetzt. John Barrys pompös instrumentierter und von Shirley Bassey mit viel Power interpretierter Titelsong verkaufte sich als Single millionenfach. Daher kam die Sängerin auch bei “Diamantenfieber“ und “Moonraker“ wieder zum Einsatz.

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Die Titelsongs zu den beiden nächsten Bond-Filmen waren weniger erinnerungswürdig. “Thunderball“ wurde von Tom Jones recht gradlinig und ganz ohne dessen lustige Manierismen runtergesungen, sehr viel witziger ist da eine powervolle Coverversion von Adriano Celentano namens “Il mio amico James Bond“.  Alternativ wurde für „Feuerball“ (1965) der im Film instrumental eingesetzte Titel “Mr. Kiss Kiss Bang Bang“ von Shirley Bassey und auch von Dionne Warwick eingesungen, was genauso verworfen wurde wie ein von Johnny Cash angebotener Song. Nach „Man lebt nur zweimal“ (1966) hatte Sean Connery genug davon James Bond zu spielen, auch der mittelprächtige von Nancy Sinatra interpretierte Titelsong konnte ihn nicht zurückhalten.

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Sehr viel interessanter geriet die lustige Musik, die Burt Bacharach 1967 zur chaotischen mit David Niven, Peter Sellers und Woody Allen besetzten 007-Parodie „Casino Royale“ beisteuerte. Darunter befindet sich auch das von Dusty Springfield unvergesslich hingehauchte “The Look of Love“. Für die deutsche Synchronfassung wurde davon die grottige Cover-Version “Ein Blick von Dir“ mit Mireille Mathieu aufgenommen.

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Dass sich George Lazenby nicht als offizieller Nachfolger von Sean Connery in der Rolle des James Bond durchsetzten konnte, lag ganz gewiss nicht am Soundtrack von „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (1969). Selbst das im Film nur kurz zu hörende Weihnachtslied “Do you know how Christmas Trees are grown?“ ist so schön, dass es für die deutsche Fassung des Filmes von Katja Epstein als “Wovon träumt ein Weihnachtsbaum im Mai?“ neu eingesungen wurde. John Barrys im Vorspann verwendetes instrumentales Titelthema hat Drive, und der von Louis Armstrong interpretierte Lovesong “We have all the Time in the World“ ist das wundervollste Musikstück aus einem James Bondfilm ever!

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Für viel Geld kehrte Sean Connery 1971 ein erstes Mal zu seiner verhassten Paraderolle zurück und sorgte auch durch seine lustlose Darstellung dafür, dass “Diamantenfieber“ zum schlechtesten 007-Film wurde. Danach pausierten Sean Connery und John Barry erst einmal, denn Roger Moore betrat die Leinwand. Damit dieser als neuer James Bond nicht andauernd mit Connery verglichen wird, wurde versucht vieles anders zu machen. Der Moore-Bond trank keinen Wodka Martini sondern Bourbon und der Soundtrack zu „Leben und sterben lassen“ (1973) stammte von George Martin, der schon den Song “Goldfinger“ produziert hatte. Dem “fünften Beatle“ Martin gelang es Paul McCartney nicht nur als Komponisten sondern gemeinsam mit seinen Wings auch als Interpreten des Titelsongs zu verpflichten, was etwas Flower Power in einen Film mit rassistischen Untertönen brachte.

0000Bei „Der Mann mit dem goldenen Colt“ (1974) war wieder einmal John Barry mit an Bord auch als Komponist eines durchschnittlichen Titelsongs, der sich als einzige 007-Eröffnungsnummer nicht in den Charts platzieren konnte. „Der Spion, der mich liebte“ (1977) ist die Quintessenz aller vorherigen Bond-Filme und hat die beste Pre-Title-Sequence der ganzen Reihe: Bond stürzt scheinbar hilflos auf Skiern eine gewaltige Schlucht hinunter und erst im letzten Moment öffnet sich ein mit dem Union Jack bedruckter Fallschirm. Diese Szene geht direkt über in Carly Simons „Nobody does it better“, erstmals bei Bond waren hier Song- und Filmtitel nicht identisch. Genau wie der Titelsong stammte auch der Soundtrack von Marvin Hamlisch, der sich dabei an der Musik der Bee Gees orientierte.

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Danach übernahm wieder John Barry, der James Bond mit seiner Musik zu „Moonraker – Streng geheim“ (1979) in den Weltraum schickte. Für „In tödlicher Mission“ (1981) wurde der “Rocky“-Komponist Bill Conti verpflichtet und Sheena Easton, war als erster Interpret eines 007-Titelsongs auch auf der Leinwand zu sehen.

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John Barry beendete in „Octopussy“ (1983, Titelsong von Rita Coolidge) und „Im Angesicht des Todes“ (1985, mit einem markanten Song von Duran Duran) die 007-Ära von Roger Moore zumindest musikalisch halbwegs würdevoll. Zwischendrin kehrte Sean Connery im “inoffiziellen“ 007-Film „Sag niemals nie“ (1983) als James Bond zurück. Aus rechtlichen Gründen durfte nur die selbe Geschichte wie fast 20 Jahre zuvor in “Feuerball“ erzählt und nicht auf Monty Normans “The James Bond Theme“ zurückgegriffen werden. Der französische Komponist Michel Legrand schrieb einen abwechslungsreichen entspannt jazzigen Soundtrack mit einem mittelprächtigen von Lani Hall (ursprünglich war Bonnie Tyler vorgesehen) interpretierten Titelsong und einem grandiosen “Tango of Death“. Die Komponisten Stephen Forsyth und Jim Ryan hatten einen alternativen Titelsong namens „Never Say Never Again“ komponiert, der von Phyllis Hyman interpretiert aber nicht verwendet wurde.

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John Barry half  mit seinem letzten 007-Soundtrack Timothy Dalton in „Der Hauch des Todes“ (1987, Titelsong von a-ha) die Nachfolge von Roger Moore anzutreten und schuf eine besonders romantische Filmmusik. Daltons zweiter und letzter Bond-Film stellte einen radikalen Richtungswechsel dar. „Lizenz zum Töten“ musste 1989 mit US-amerikanische Action-Filmen konkurrieren, und daher wurde der “Stirb Langsam“- und “Lethal Weapon“-Komponist Michael Kamen verpflichtet. Den zugehörigen Titelsong interpretierte dann nicht wie zunächst geplant Eric Clapton, sondern Gladys Knight schmetterte ihn in bester Shirley-Bassey-Tradition.

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Erst 1995 startete mit „GoldenEye“ ein neuer Bondfilm und mit Pierce Brosnan ein neuer Bond. Auch bei der Wahl des Komponisten hatten die Produzenten ein glückliches Händchen. Der Franzose Eric Serra (“Im Rausch der Tiefe“) veredelte den Film mit neuen interessanten Klängen und Geräuschen. Leider war er mit der Abmischung seines Soundtracks sehr unzufrieden und sicher auch mit der Tatsache, dass er nicht den von Tina Turner gesungenen Titelsong komponieren durfte. Serra beschloss künftig nur noch exklusiv für seinen Freund Luc Besson zu arbeiten. Womit bei 007 eine neue musikalische Ära begann.

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David Arnold schrieb die Soundtracks zu den Roland Emmerich-Filmen „Star Gate“ und „Independence Day“. Für den 007-Job qualifizierte er sich besonders durch das von ihm produzierte Album „Shaken and Stirred“, auf dem zahlreiche namhafte Musiker wie Iggy Pop, Pulp oder Propellerheads klassische Bond-Titelsongs neu interpretierten. Arnold übernahm auch das Komponieren für die drei folgenden Filme mit Pierce Brosnan: „Der Morgen stirbt nie“ (1997, Titelsong von Sheryl Crow), „Die Welt ist nicht genug„, (1999, Titelsong von Garbage) und „Stirb an einem anderen Tag“ (2002, Titelsong von Madonna).

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Nicht nur durch den neuen Hauptdarsteller Daniel Craig sondern auch inhaltlich wurde danach bei „Casino Royale“ (2006, Titelsong von Chris Cornell) Neuland betreten. David Arnold untermalte die Lehr- und Wanderjahren des Geheimdienstlers ihrer Majestät mit wuchtigen Orchesterklängen. Thematisch passend setzt er das markante James Bond Theme erst am Ende des Films ein, als Craigs Bond-Werdung fast vollzogen war. Auch die sehr direkte Fortsetzung „Ein Quantum Trost“ (2008, Titelsong von Jack White und Alicia Keys) betreute David Arnold musikalisch.

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Genau wie schon beim von Danny Boyle inszenierten Londoner Olympia-Eröffnungsfilm „Happy and Glorious“, in dem Daniel Craig zusammen mit der Queen auftrat (hier komponierte Rick Smith), war David Arnold beim nächsten James Bond Film „Skyfall“ nicht mehr dabei. Der Regisseur Sam Mendes brachte seinen Hauskomponisten Thomas Newman mit, und der im klassischen Stil gehaltene Titelsong stammte von Adele.

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Zum selben Zeitpunkt erschien zum 50. Jubiläum der Kino-Reihe die Compilation „Best Of Bond… James Bond“, die erstmals alle Titelsongs der ersten 22 offiziellen 007-Filme enthielt. Es gibt diese Zusammenstellung auch als Doppel-CD mit allerlei interessanten Bonus-Tracks wie “Do you know how Christmas Trees are grown?“ oder “Mr. Kiss Kiss Bang Bang“ gesungen von Shirley Bassey.

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Zum neusten James Bond Film “Spectre“ schrieb Sam Smith den nur bedingt mitreißenden Titelsong “Writing’s on the Wall“. Da Smith das Lied auch persönlich singt, ist er – nach Matt Munro und Tom Jones, die Anno 1963 und 1965 die Titelsongs “From Russia with Love“ und “Thunderball“ schmetterten – erst der dritte männliche Solo-Interpret, der während eines 007-Vorspanns zu hören ist.

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Der Soundtrack zu “Spectre“ stammt wieder von Thomas Newman. Im Zeitalter von iTunes, Spotify und YouTube ist es nicht mehr zu verstehen, dass die für teures Geld angebotene CD mit Newmans “Spectre“-Soundtrack nur eine instrumentale Version von Sam Smiths bereits einen Monat zuvor im Internet veröffentlichten Song enthält.

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