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Nicolas Mahler: Engelmann

Dass der Wiener Nicolas Mahler (Flaschko, der Mann in der Heizdecke), der sich sonst doch eher bei „elitären“ Verlagen wie Reprodukt oder der Edition Moderne herumdrückt, plötzlich zum „Global Player“ Carlsen wechselt und dort auch noch Superhelden-Comics produziert, erscheint wie ein Witz. Und das ist es auch, allerdings ein verdammt guter!

Nicolas Mahler: Engelmann

Mahlers Superheld heißt ENGELMANN und er wurde von der Firma Konzern Publishing konzipiert um auch kleine Mädchen für maskierte Rächer zu begeistern. Daher hat der geflügelte Knirps mit auch ganz besondere Superkräfte: Er ist tolerant, ambivalent und kann gut zuhören. Tagsüber arbeitet er als Redakteurin bei einer Frauenzeitschrift und nachts versucht er in der U-Bahn nicht beim Schwarzfahren erwischt zu werden, da eine Geldbörse sein rosarotes Kostüm ausbeulen würde.

Nicolas Mahler: Engelmann

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass ENGELMANN kein Riesenerfolg wurde. Daher bastelte das Story-Department von Konzern Publishing am Charakter des Helden herum und gab ihm ein Schwert, was allerdings die weibliche Leserschaft erschreckte. Auch der ENGELMANN-Kinofilm floppte überall (außer in Japan). Daher war es dem Carlsen Verlag möglich ganz billig die Rechte an ENGELMANN bei Konzern Publishing zu erwerben und eine “Art Sammelband“ mit den schönsten Momenten sowie wichtigen Hintergrundinfos zum “gefallenen Engel“ zu veröffentlichen.

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Flaschko, der Mann in der Heizdecke

Gleich am Anfang dieses wunderschönen gebundenen querformatigen Buches wird das „Flaschko-Universum“ vorgestellt. Das ist auch bitter nötig, denn wie leicht verliert der Leser hier den Überblick und diese Zutaten könnten verwechselt werden: Flaschko, Heizdecke, Sessel, Steckdose, Fernseher und Mutter.

Flaschko, der Mann in der Heizdecke

In den Flaschko-Comics von Nicolas Mahler (Alte Meister, Alice in Sussex, Engelmann) treten immer nur die ewige wohltemperierte Sessel-Kartoffel Flaschko und seine Mutter auf. Selten werden mehr als die Requisiten Heizdecke, Sessel, Steckdose und Fernseher verwendet. Auch Mahlers Zeichenstil vermeidet jegliche Experimente und wechselt niemals die Perspektive.

Flaschko, der Mann in der Heizdecke

Die mehr als 200 in diesem Band versammelten Strips nennt der Wiener Zeichner Sitzmelodramen. Er hat meist sechs bis neun davon zusammengefasst zu vielsagenden Themenkomplexen wie (achten Sie auf das Kleingedruckte) „ein mann, eine decke und deren wärme“, „kleiner tod frischluft“, “die lange sylvia-kristel-nacht“ oder „mein vater, der mann“.

Flaschko, der Mann in der Heizdecke

Für jede dieser tiefgreifenden Abhandlungen wählte Mahler auch noch eine andere Schmuckfarbe fürs Mobiliar. All dies wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn nicht Seite für Seite die Gags stimmen würden. Dies ist der Fall und immer wieder trotzt Mahler seiner eigentlich arg eingeschränkten Ausgangssituation einen unglaublichen Haufen skuriller Einfälle ab.

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Nicolas Mahler: Alice in Sussex

Sehr lange hat es gedauert, bis der Suhrkamp Verlag den zweiten Band seiner Graphic Novel Reihe herausgebracht hat. Fünfzehn Monate nachdem im traditionsreichen Verlagshaus Nicolas Mahlers amüsante Adaption von Thomas Bernhards Alte Meister erschien, folgt nicht etwa, wie angekündigt Marcel Beyers Flughunde gezeichnet von Ulli Lust (Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens), sondern ein weiterer Comic von Nicolas Mahler.

Nicolas Mahler: Alice in Sussex

Das ist zwar etwas verwunderlich, aber nicht weiter schlimm, denn ein Comic von Nicolas Mahler hat den Vorteil ein Comic von Nicolas Mahler zu sein. Das gilt auch dann, wenn er nicht wie in Flaschko, der  Mann in der Heizdecke oder Engelmann eigene Geschichten erzählt, sondern fremde Werken adaptiert. Mit “frei nach Lewis Carroll und H.C. Artmann“ ist in diesem Falle “sehr frei“ gemeint. Mahler folgt in groben Zügen Carrolls Alice im Wunderland, genau wie dies Anno 1968 sein österreichischer Landsmann Hans Carl Artmann in Frankenstein in Sussex tat. Doch er garniert die Geschichte mit Elementen aus weiteren literarischen Werken wie Herrmann Melvilles Moby Dick oder er zitiert besonders surreale Texte aus dem aktuellen “Vorlesungsverzeichnung der Universität Wien“.

Nicolas Mahler: Alice in Sussex

Ab November 2012 verwirrte Alice in Sussex zunächst als Fortsetzungs-Comic die Leser der FAZ (unten ist die erste Episode abgebildet und im Netzt ist immer noch der komplette Comic zu finden), für die Buchausgabe bei Suhrkamp hat Nicolas Mahler seinen Comic nicht nur mit der Schmuckfarbe blau garniert, sondern diesen außerdem noch ummontiert und um zusätzliche Zeichnungen und Texte ergänzt.

Nicolas Mahler: Alice in Sussex

Das Resultat ist herrlich abgefahrener Blödsinn, der sehr viel Vergnügen bei der Lektüre bereitet, auch ohne die Kenntnis der zitierten literarischen Passagen. Diese sind als Einzelnachweise im Anhang des Buches aufgeführt, denn so Mahler in seinem Comic: “EIN unüberlegtes Zitat und schon ist man einen Kopf kürzer!“


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