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TITANIC – Das endgültige Titel-Buch

Noch bis zum 2. Februar 2020 ist im Caricatura Museum Frankfurt eine beeindruckende Ausstellung zu sehen. Hier werden die Cover des Satiremagazins TITANIC gefeiert, die Monat für Monat immer wieder für einen Aufreger gut sind.

TITANIC - Das endgültige Titel-Buch

Zu sehen sind jene geschmacklosen Titelbilder, die Zonen-Gabi im Glück, immer wieder den Papst in zweifelhaften Situationen, erstaunlich oft Adolf Hitler, aber auch Kanzler Kohl als Birne oder – kurz nach dem Selbstmord von Uwe Barschel – Björn Engholm in der Badewanne zeigen.

TITANIC - Das endgültige Titel-Buch

Mehr als ein Nebenprodukt zur Ausstellung ist der voluminöse im Kunstmann Verlag erschienene gebundene 400-seitige Katalog der sich nicht darauf beschränkt alle Titelbilder von November 1979 (“Die einzige Ausgabe, bei der keiner meinte, TITANIC war früher besser.“) bis Juli 2019 (“Habeck legt sich fest: Ich bumse auch im Kanzleramt“).

TITANIC - Das endgültige Titel-Buch

Hilke Raddatz, von der die die immer treffenden Karikaturen zur Rubrik “Briefe an die Leser“ stammen und die als einzige Künstlerin in jeder TITANIC-Ausgabe dabei war, hat eigens für Ausstellung und Katalog in ihrem unverwechselbaren Stil zu jedem Jahrzehnt ein Panorama-Bild zu Papier gebracht.

TITANIC - Das endgültige Titel-Buch

Otto Waalkes hat sein aus Fotos bestehendes Titelbild “Jugend ’83“ vom Juli 1983 mit der neuen Collage “Alter 2019“ fortgesetzt. Ebenso witzig wie aufschlussreich sind pointierte Textbeiträge, die z. B. erzählen, wie stolz der damals noch als Ministerpräsident von Niedersachsen tätige Gerhard Schröder war, als er im April 1996 auf einem TITANIC-Titelbild zu sehen war und vergeblich versuchte ein Freiexemplar oder gar ein Poster des Covers abzugreifen.

TITANIC - Das endgültige Titel-Buch

Witzig sind auch Dokumente, die belegen, dass in der TITANIC-Redaktion heftig um die Inhalte gerungen wird. So beschwerte sich Ex-Chefredakteur Oliver Maria Schmitt 2001 bei den “lieben Kollegen“ über ein rätselhaftes Titelbild und fragte “Wo ist der Witz?“

TITANIC - Das endgültige Titel-Buch

Auch Humor liegt im Auge des Betrachters und jede Ausgabe von TITANIC mag für sich ein “endgültiges Satiremagazin“ sein, doch die “Titelausstellung“ in Frankfurt ist nicht “endgültig“, denn die Verarsche geht zum Glück im Monatstakt weiter!

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TITANIC

Böse, oh so böse sein!

Bevor es die Titanic gab, war in der Bundesrepublik für Satire die Zeitschrift PARDON zuständig. Ab 1962 wurden hier aber auch Bereiche wie Literatur oder Philosophie beackert und die Beilage Slapstick brachte den Lesern sogar das Medium Comic näher. Besonders bemerkenswert war die als Provinz-Zeitung getarnte Rubrik “Welt im Spiegel – WimS“, in der Robert Gernhardt, F. W. Bernstein und F. K. Waechter ihre Texte veröffentlichten. Doch Ende der 70er Jahre war PARDON nach Meinung viele Mitarbeiter wie Peter Knorr “aus den lichten Höhen rational aufklärerischer Satire in die Schleimgruben esoterischer Weltsicht“ geraten.

TITANIC

Daher hatten sich im Laufe der Jahre viele PARDON-Mitarbeiter, wie neben Gernhardt, Bernstein und Waechter auch Clodwig Poth vom Magazin getrennt und suchten nach einer neuen Veröffentlichungsmöglichkeit. Zunächst sollte das neue Satiremagazin “Die Sonne“ heißen, denn dadurch waren Rubriken wie “Sonnenbrille“, “Sonne Unverschämtheit“ und vor allem “Sonne Scheiße“ möglich. Doch “Die Sonne“ ging unter, denn sie war urheberrechtlich geschützt und im November 1979 tauchte erstmals das endgültige Satiremagazin TITANIC auf.

TITANIC

Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Bewusst geschmacklose Titelbilder, die Zonen-Gabi im Glück oder – kurz nach dem Selbstmord von Uwe Barschel – Björn Engholm in der Badewanne zeigen, sind der garantierte Aufreger des Monats. In bitterbösen Texten und vor allem in ebenso kunstvollen wie komischen Zeichnungen werden Würdenträger und Wichtigtuer veralbert. Zu bremsen ist diese Maschinerie weder durch Gerichtsverfahren noch durch erboste Leserbriefe, für die es im Magazin keinen Platz gibt. Stattdessen schreibt TITANIC “Briefe an die Leser“, die besonders unangenehm aufgefallen sind.

TITANIC

Gleich in der ersten Ausgabe nutzte TITANIC diese Rubrik dazu sich zu positionieren. Den “lieben Genossen vom KBW“ schrieb die Redaktion, dass es dem Magazin in erster Linie darum ging “Reibach“, “Kies“ und “Riesenkohle“ zu machen. “Ideologie-Kritik und ästhetische Kommunikation“ dienten hingegen lediglich dem Zeitvertreib. Ganz anders fiel die Selbstdarstellung des Blatts im Brief an die “lieben Freunde im Unternehmer-Verband“ aus: “Nieder mit der Macht des Kapitals! Mit den Waffen der Satire die Multis bekämpfen! Den kritischen Intellekt als Faustpfand gegen Imperialismus undsoweiter einsetzen! Böse, oh so böse sein!“

Titanic

Die Wirkung dieser Schmähbriefe an die Leser wird zudem noch durch sehr treffsichere Karikaturen von Hilke Raddatz gesteigert. Nicht nur die Rubrik “Briefe an die Leser“ zeigt, dass zum Erfolg von TITANIC die richtige Mischung aus Wort und Bild beigetragen hat. Neben Wort-Akrobaten wie Max Goldt, Heinz Strunk, dem DDR-Agitator Karl-Eduard von Schnitzler (“Sudel-Ede“) oder dem kürzlich verstorbenen Wiglaf Droste haben sehr viele in völlig unterschiedliche Richtungen arbeitende Cartoonisten, Karikaturisten und Comic-Zeichner für TITANIC gearbeitet.

TITANIC
„Obwohl ich heute noch detailliert angeben kann, wie wir aussahen und was wir sprachen, vermag ich nicht mehr mit Bestimmtheit zu sagen, wer von den dreien ich war.“ – © 1989, Eugen Egner aus TITANIC

Man denke nur an Walter Moers, Gerhard Seyfried, Volker Reiche, Manfred Deix, Gerhard Haderer, Bernd Pfarr, Greser & Lenz, Gary Larson oder dem auf Bühne und Zeichenpapier gleichermaßen hochtalentierten Otto Waalkes.

Titanic Otto Waalkes

Dieser verdankte seinen Erfolg auch dem Wortwitz der TITANIC-Autoren Bernd Eilert, Peter Knorr und Robert Gernhardt. Letzterer brachte es auf den Punkt: “Unser Sechser im Lotto war Otto“, woraufhin der Ostfriese konterte: “Mein Überraschungs-Ei, das waren die Drei“.

Titanic das endgültige Titelbuch

Zum Jubiläum des Satiremagazins ist unter dem Motto “40 Jahre nur verarscht“ zur noch bis zum 2. Februar 2020 im Caricatura Museum Frankfurt gezeigten Ausstellung ein wuchtiger und interessant zusammengestellter Katalog mit allen Titelbildern erschienen.

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Der Schuh des Manitu

Bereits Erkan und Stefan war eine große Überraschung, denn der Film bot neben den durchaus soliden Gags eine mindestens ebenso solide Kriminalstory, an der sich die Prolo-Doubles reiben konnten. Doch bei Der Schuh des Manitu war der umtriebige Michael Bully Herbig nicht nur Drehbuchautor und Regisseur, sondern auch noch Produzent und Hauptdarsteller (natürlich in einer Doppelrolle). Solche Egotrips gehen bei Personen, die nicht gerade Charlie Chaplin heißen, meist ziemlich in die Hose. Doch der Schuh geht nicht in die Hose, sondern amüsiert auf eine sehr eigene und schwer zu beschreibende Weise.

Der Schuh des Manitu
Vordergründig handelt es sich um einen in Spanien gedrehten Western, der ungefähr genauso sorgfältig ausgestattet und inszeniert wurde, wie die Meisterwerke des Italo-Western und der Karl May-Reihe. Doch dann verwundert es schon ein wenig, wenn Bully als Apachen-Häuptling Apahachi und sein Blutsbruder Ranger sich am Marterpfahl in Münchener Mundart wie ein altes Ehepaar streiten. Doch seltsamerweise wird es dabei nie albern, selbst dann nicht, wenn der brillante Sky du Mont als eleganter Schurke Santa Maria sehr fürsorglich zu seiner Bande ruft: „Jetzt geht noch mal jeder aufs Klo und dann reiten wir los!“

Der Schuh des Manitu

Ebenso erfreulich wie der schräge und sehr eigene Humor dieses Filmes ist die Tatsache, dass dies sorgfältig produzierte Werk vom hiesigen Publikum, dass ja eigentlich die typischen deutschen Beziehungskomödien leid ist, auch noch mit offenen Armen aufgenommen wurde. Der Schuh des Manitu erreichte in unseren Kinos weit über 10 Millionen Zuschauer und wurde mit geringen Abstand zum ersten Kinofilm von Otto Waalkes zum zweiterfolgreichsten deutschen Film.

Der Schuh des Manitu

Um zu versuchen, Ottos Rekord zu brechen, ergänzte Bully seinen Film um 8 Minuten und brachte ihn als Der Schuh des Manitu – Extra Large erneut in die Kinos. Ergänzt wurde ein mäßig lustiger Prolog, der Menschen die den Film erstmals sehen eher verwirren wird. Halbwegs lustig ist dann Bullys Auftritt als Elvis-Indianer Grauer Star. Selbstverständlich wurde die verlängerte Fassung auch erneut auf DVD gestartet. Hierzu gab es zwar einige neue Extras, doch dafür fielen andere Spezial Features wie das Making Of oder die Interviews weg. Insgesamt ist die alte Schuh des Manitu-DVD deutlich besser ausgestattet.

Der Schuh des Manitu

Extras der ersten DVD-Edition: Extratonspur mit Kommentaren von Bully und Dimitri; Making Of zur Extra Large-Version (9:10 min); 17 entfallene Szenen (insgesamt 14:59 min); Outtakes (4:00 min); Winnetouchs neue Urlaubsdias (3:26 min); 3 Fernsehauftritte von Bully in diversen Sendungen (insgesamt 27:34 min); Zwei Berichte zum Makup (2:53 min und 5:26 min); 4 Texttafeln mit Presseberichten, Interview mit Bully, Winnetouch und Abahachi (3:26 min); Musikvideo „Do The Tomahawk-a-lula“ mit Grauer Star (3:02 min); Bullys Storyboard-Zeichnungen im Vergleich zu drei Filmszenen (insgesamt 3:40 min); 11 Produktiondesign-Entwürfe; “Ein Schuh geht um die Welt“: Synchronisationsgags in verschiedenen Sprachen (insgesamt 5:02 min), Zwei identische Trailer zur Extra Large Version (je 0:56 min, 16 : 9, nicht anamorph, Stereo 2.0), Zwei TV-Spots (0:27 min)

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Otto – 50 Jahre Bühnenjubiläum

Zum 50. Bühnenjubiläum von Otto Waalkes erschien eine Doppel-DVD, die Höhepunkte aus allen Schaffensjahren des Komikers präsentiert. Für meinen Geschmack kommt in dieser Zusammenstellung der “klassische“ Otto etwas kurz. Die 70er Jahre sind vertreten mit Die Otto Shows (20:50 min), die 80er Jahre mit Hilfe, Otto kommt! (10:35 min), Ein neues Programm von und mit Otto Waalkes (11:06 min). Diese insgesamt nur 42 Minuten sind immer noch sehr, sehr komisch. Hier ist zu sehen, wie amüsant aber auch wie musikalisch Otto bereits von Anfang an war und wie schnell er gelernt hat mit seinem Publikum zu spielen.

Otto - 50 Jahre Bühnenjubiläum

Weitere Schaffensperioden werden meiner Meinung nach dann im Verhältnis zu den ersten wirklich tollen Jahren ein wenig zu breit getreten. So komisch war dieser von Otto synchronisierte Schimpanse in Ronny’s Pop Show (18:01 min) nun auch wieder nicht. Dies gilt auch für die Trickfilmserie Ottifanten aus den 90er Jahren, deren erste Episode Rock’n‘ Roll und Schokoküsse (22:55 min) in dieser Sammlung enthalten ist. Besonders ausführlich eingegangen wird auf die letzten Jahre mit Heimatkunde Otto – Mein Ostfriesland und mehr (37:12 min), auf norddeutsch getrimmten Popsongs Otto und die Friesenjungs (17:38 min), sowie Führungen durch Dat Otto Huus in Emden: Geboren um zu blödeln (45:18 min) und Otto als Künstler – Malt was ganz anderes (28:59 min).

Otto - 50 Jahre Bühnenjubiläum

Interessant wären sicher noch Ausschnitte aus Otto – Die Serie gewesen, für die Szenen aus Edgar-Wallace-Filmen neu zu Sketchen zusammengestellt wurden, sowie natürlich eine richtig gut recherchierte Dokumentation über das komplette Leben des friesischen Götterboten. Wer mag kann diese Otto-DVDs auch noch mit allerlei Beigaben wie Kunstdrucken oder Plüschtieren als Luxus-Editionen beziehen.

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