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Paco Roca: La Casa

Nach dem Tod des Vaters treffen sich drei Geschwister im Ferienhaus der Familie, um den Besitz zu veräußern. Die notwendige Beschäftigung mit dem Haus, spanisch „la casa“, ruft in jedem von ihnen Erinnerungen an die verstorbenen Eltern und ihre gegenseitigen Beziehungen hervor.

Paco Roca: La Casa

Längst vergessene Ereignisse tauchen aus dem Nebel der Zeit auf und wirken noch nach Jahrzehnten nach. In schönen klaren Bildern, und mit dem Mut der Verlangsamung, zeichnet Paco Roca („Der Winter des Zeichners„, „Die Heimatlosen„) eine scheinbar belanglose Erzählung über den gnadenlosen Einfluss der Familie auf die Menschwerdung, deren Unterschiede und was sie letztendlich doch vereint.

Paco Roca: La Casa

Momentan zählt Roca zu den angesehensten Vertretern des zeitgenössischen Comics, sicher aber wird er irgendwann als einer der Großmeister gelten, als ein Angehöriger der seltenen Spezies, deren Genie und Einfluss die Zeiten überdauern. Seine zeichnerischen und erzählerischen Fähigkeiten ergänzen sich zu weit mehr als der Summe aus beiden Teilen und schaffen in der Verbindung eine zauberhafte, seltene Qualität.

Paco Roca: La Casa

Kurioserweise hat ein anderer bedeutender spanischer Zeichner und Autor, Daniel Torres, fast zeitgleich ein fulminantes Magnum Opus vorgelegt, das ebenfalls den Titel „la casa“ trägt. Ein gänzlich unterschiedliches, weit aufwändigeres Werk, das sich der Geschichte und Bedeutung des Hauses an sich widmet. Beiden eigen ist die Auseinandersetzung mit der Zeit, wenn auch in unterschiedlichen Ansätzen. Trotzdem … kurios. Oder ist es etwa doch Koinzidenz?

Rainer Schneider

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Paco Roca: Die Heimatlosen

Paco Roca („La Casa„, “Kopf in den Wolken“) beschrieb in “Der Winter des Zeichners“ vor dem Hintergrund der Comicszene das Leben im Spanien Ende der Fünfziger Jahre unter Franco. Seinerzeit ließ es sich materiell gar nicht so schlecht leben, persönliche oder künstlerische Freiheit hingegen war Mangelware. Rocas “Die Heimatlosen“ ist eine interessante Ergänzung zu “Der Winter des Zeichners“, denn hier geht es um jene Spanier, die durch Franco entwurzelt wurden.

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Im Zentrum von Paco Rocas nah an tatsächlichen Ereignissen orientierter Geschichte stehen spanische Soldaten, die den Bürgerkrieg gegen Franco verloren haben, aber dennoch weiter gegen den Faschismus kämpften. Die erste Brigade, die 1944 im von den Nazis befreiten Paris das Rathaus zurück eroberte, bestand überwiegend aus Spaniern. Auch ansonsten kämpften spanische Soldaten an vielen Fronten des Zweiten Weltkriegs gegen die Deutsche Wehrmacht. Doch für sie ging der Krieg 1945 nicht wirklich siegreich zu Ende, denn Franco sollte in Spanien noch bis zu seinem Tode im November 1975 herrschen.

PACO ROCA
PACO ROCA AUF DEM COMICFESTIVAL MÜNCHEN 2015 © Marion Strencioch

Paco Roca hat mit einigen jener Soldaten gesprochen, die nach dem Ende des Krieges nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten und nicht wussten wo sie hingehören. Diese Gespräche haben ihn zur Geschichte seines Comics “Die Heimatlosen“ inspiriert, aber auch zur Rahmenhandlung, die in blassen Bildern davon erzählt, wie Paco Roca als Comicfigur einen verschlossenen alten Mann namens Miquel Ruiz in einem kleinen französischen Ort besucht.

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Nach und nach gewinnt Paco das Vertrauen von Ruiz. Dieser erzählt von seiner Odyssee, die ihn von Alicante nach Marokko, zur Ausbildung nach England und schließlich mitten hinein ins umkämpfte Frankreich führte.

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Diesen Teil seines Comics setzte Roca farbig in Szene und informiert zwischendrin in Form von Landkarten aber auch darüber, wohin es viele Spanier nach Ende des Bürgerkriegs verschlagen hat. Im Finale der Comicgeschichte kommt heraus, wieso Miquel Ruiz ausgerechnet in dem französischen Kaff hängen geblieben ist. Der Grund, warum Miquel Ruiz dort eine Ersatz-Heimat gefunden hat, ist traurig, aber menschlich genauso anrührend wie Paco Rocas gesamter Comic.

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Paco Roca: Der Winter des Zeichners

Paco Rocas („Die Heimatlosen„, „La Casa„) preisgekrönter und bereits als Zeichentrick verfilmter Comic “Arrugas“ (“Kopf in den Wolken“) über die Freundschaft zweier Bewohner eines Altersheims im Schatten einer Alzheimer-Erkrankung, kam bei uns erst sehr viel später heraus. Daher verwundert es, dass es sich bei der ersten deutschen Veröffentlichung des spanischen Comickünstlers um ein sehr stark regional geprägtes Werk handelt.

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Basierend auf tatsächlichen Ereignissen erzählt “Der Winter des Zeichners“ von fünf spanischen Lohn-Zeichnern, die im unfreien Franco-Spanien des Jahres 1957 den Schritt in die Freiheit wagten. Beim auf junge Leser spezialisierten Verlagshaus Bruguera hatte sie zwar ein gesichertes Einkommen, aber keinerlei Rechte an den von ihnen gezeichneten und getexteten Comics. Auch künstlerische Freiheit galt dort nichts, denn es herrschte Angst vor der Zensur. Daher gründete das Quintett ein eigenes Comicmagazin namens “Tio Vivo“, das sich an ein erwachsenes Publikum richtete. Das Projekt scheiterte, weil Brugera seine Beziehungen spielen ließ und Vertriebswege blockierte. Die Zeichner kehrten wieder an ihre ungeliebten Arbeitsplätze zurück oder veröffentlichten nur noch im Ausland. Eine kleine Rolle innerhalb der Geschichte spielt der junge Newcomer Francisco Ibáñez, dessen Serie “Mortadelo y Filemón“ in Deutschland als “Clever & Smart“ ein großer Erfolg wurde.

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Paco Rocas Bilder der Straßen und Bars von Barcelona sowie der Verlagsräumlichkeiten sind ebenso akkurat wie atmosphärisch ausgeführt. Die Figuren, die diese Szenerien bevölkern, wirken hingegen etwas steif und emotionslos. Doch diese Schwäche gleicht Roca durch einen originellen Einfall aus: Um zu verdeutlichen wie zwischen den ineinander verschachtelten Zeitebenen seiner Geschichte die Jahreszeiten wechseln, verwendet er verschiedenfarbiges Papier. Der hoffnungsvolle Frühling des Aufbruchs schimmert rötlich, der Winter in dem die Zeichner zurück in die Verlags-Knechtschaft kehren, ist mit einem kalten Blau unterlegt, während die Erlebnisse im Sommer und Herbst auf gelben bzw. brauen Papier gedruckt wurden.

PACO ROCA
PACO ROCA AUF DEM COMICFESTIVAL MÜNCHEN 2015 © Marion Strencioch

Der Winter des Zeichners“ richtet sich nicht nur an eingefleischte Comicfans. Die mit vielen Zwischentönen versehene Geschichte zeichnet gut nachvollziehbar das Bild eines Nachkriegs-Spaniens in dem relativer Wohlstand und das beständige Aufsuchen von Bars nicht wirklich helfen, damit klarzukommen in einer Diktatur zu leben. Zugleich erzählt Paco Roca wie wichtig es ist eine Sache gewagt zu haben, selbst wenn sie am Ende scheitern wird.

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