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Ray Harryhausen

Der heutige Kinogänger ist Spezialeffekte gewöhnt, die teilweise nicht einmal mehr wahrzunehmen sind. Am Computer erzeugte Dinosaurier bewegen sich mittlerweile “wie echt“. Doch trotz (oder gerade wegen) einer Überflutung mit optischen Reizen üben die handgemachten (und Einzelbild für Einzelbild fast immer persönlich ausgeführten) Trickeffekte von Ray Harryhausen eine Faszination aus, die locker bei dem Besuch einer brillanten Ballettaufführung oder eines spannenden Fußballspiels mithalten kann.

Ray Harryhausen
© CineFix

Das Frühwerk

Ray Harryhausen unternahm in einer Garage selbst Experimente mit Stop Motion. Es gelang ihm sogar diese Resultate Willis O`Brien vorzuführen, der 1933  für die genialen Tricks bei “King Kong und die weiße Frau“ verantwortlich war. O`Brien riet dem jungen Harryhausen sich zunächst einmal Kenntnisse der Anatomie und Zeichenkunst anzueignen, was dieser auch schleunigst nachholte.

Ray Harryhausen: The Early Years Collection

Gleichzeitig machte er einige Experimente mit Stop Motion. Viele dieser frühen (teilweise ganz schön wilden) Filme mit Sauriern und Monstern liegen mittlerweile auch auf DVD vor. In den USA erschien eine Doppel-DVD mit dem Titel “Ray Harryhausen: The Early Years Collection“, die für Fans eine wahre Fundgrube ist. In Deutschland gibt es diese Sammlung aus Filmen und Berichten als Beigabe einer “The Best of Ray Harryhausen“-Box mit sechs Filmen („Sindbads 7. Reise“, „Herr der drei Welten“, „Die geheimnisvolle Insel“, „Jason und die Argonauten“, „Sindbads gefährliche Abenteuer, „Sindbad und das Auge des Tigers“).

Inhalt der Doppel-DVD „Ray Harryhausen: The Early Years Collection“:

Stories and Tales (69:02 min): Mother Goose Stories: Little Miss Muffet, Old Mother Hubbard, The Queen of Hearts, Humpty Dumpty. Fairy Tales: Little Red Riding Hood, Hansel & Gretel, Rapunzel, King Midas, The Tortoise & The Hare (wurde 2002 fertiggestellt).

Hansel & Gretel

Early Films (22:25 min): How to Bridge a Gorge, Guadalcanal, Lucky Strike Commercial Demo, Lakewood Homes spots.

Tests & Experiments (15:44 min) Cave Bear & Dinosaurs, Color, Split Screen and Rear Projection, Evolution, Adventures of Baron Munchausen, War of the Worlds, The Elementals.

Special Features: The Making of The Tortoise & The Hare (13:21 min), Audio Commentary for Tortoise & The Hare (11:34 min), Alternate Ending for How to Bridge a Gorge (0:58 min)

Berichte: Harryhausen bekommt 2003 einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame (12:48 min), Harryhause hat für Glasgow eine heroische Statur von David Livingstone entworfen, da seine Frau mit dem Afrikaforscher verwand ist (4:27 min), The Clifton’s Cafeteria Reunion – Wiederbegegnung mit Ray Bradbury und “Forry“ Ackerman (22:26 min), In The Credits – Interview von 2004 (9:24 min), An Evening With Ray Harryhausen – Im Gespräch mit Leonard Maltin (9:17 min), Bericht über die Bronzestaturen die Harryhausen von seinen Lieblingsfiguren anfertigte (2:56 min), The Ted Newsom Interview (8:57 min), The Academy Archive Restoration (6:02 min), Bericht über die permanente Harryhausen-Ausstellung im Filmmuseum Berlin (3:06 min), Außerdem drei sehr lustige Tribute-Filme, Birthday Tributes, An Appreciation, David Allen Tribute und eine umfangreiche Bildergalerie.

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Mighty Joe Young

Harryhausen fand sogar einen Job als professioneller Puppenanimator. Allerdings entsprach die Arbeit mit den Märchenfiguren bei George Pals “Puppetoons“ nicht ganz seinen Erwartungen. Nachdem er im Zweiten Weltkrieg als Kameramann tätig war, kam 1946 Harryhausens ganz große Chance.

Mighty Joe Young

Gemeinsam mit Willis O`Brien war er für die Trickeffekte bei der Merian C. Cooper-Produktion “Mighty Joe Young“ (“Panik um King Kong“) verantwortlich. Harryhausen fertigte über 80 Prozent der äußerst sehenswerten oscar-prämierten Spezialeffekte an.

Mighty Joe Young

Der Film selbst kann trotz seiner sorgfältigen Machart in keinster Weise bei “King Kong“ mithalten und erzählt die eher rührselige Geschichte über die Freundschaft eines jungen Mädchen zu einem Riesengorilla (1998 entstand eine Neuverfilmung mit Charlize Theron in der Ray Harryhausen einen kleinen Gastauftritt hatte).

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Panik in New York

Sein nächster Film war wahrscheinlich auch Harryhausens wichtigster werden. “Panik in New York“ („The Beast From 20,000 Fathoms“) basiert auf einer Erzählung seines Kumpels Ray Bradbury. Dieser erfuhr davon allerdings erst später durch Zufall, als er als Berater das Drehbuch des Films durchlas und feststellte, dass hier einige seiner Ideen aus einer Kurzgeschichte, die zuvor in der “Saturday Evening Post“ erschien, geklaut wurden. Harryhausen erfand für den Film einen so genannten Rhedosaurier, der nach einem Atombombenversuch in der Antarktis aufgetaut wird und anschließend New York verwüstet.

Panik in New York

Anstatt kostspieliger Modellbauten wurden einfach Realaufnahmen von New York mit dem animierten Saurier gekoppelt. Daher (und sicher auch weil anstatt eines US-Stars der deutlich günstigere Schweizer Paul Hubschmidt als Paul Christian die Hauptrolle spielte) konnte der Film für 250.000 Dollar gedreht werden und spielte über fünf Millionen Dollar ein. Kurze Zeit später drehten die Japaner ihre eigene Version des Films unter dem Titel “Godzilla“. In Deutschland erschien “Panik in New York“ in guter Bildqualität und mit einigen interessanten Extras bei Warner auf DVD, allerdings unter dem irreführenden Titel “Dinosaurier in New York“.

Panik in New YorkExtras: Making Of (6:08 min), ein öffentlicher Auftritt von Ray Harryhausen und Ray Bradbury (16:51 min), US-Trailer zu „Panik in New York“, „Gwangis Rache“, „Kampf der Titanen“ und dem Willis O`Brien Film „The Black Scorpion“.

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It Came Form Beneath The Sea

Der große Erfolg von “Panik in New York“ qualifizierte Ray Harryhausen auch gleich für seinen nächsten Job. Der Produzent Charles H. Schneer wollte einen ähnlichen Film drehen. Statt New York sollte jetzt San Francisco Angriffsziel sein und anstatt eines Dinosauriers sollte ein riesiger Krake die Golden Gate Bridge angreifen. Um mit dem äußerst geringen Budget klar zu kommen hatte der Octopus bei Harryhausen nur fünf statt der üblichen acht Tentakel.

It Came Form Beneath The Sea
Da “It Came Form Beneath The Sea“ zu einem moderaten Erfolg wurde, kam es zu weiteren deutlich befriedigenderen Zusammenarbeiten zwischen Schneer und Harryhausen. Zuvor setzt Harryhause aber noch gemeinsam mit Willis O´Brien eine spektakuläre Dinosaurier-Sequenz für Irvin Allens “The Animal World“ (“Die Tierwelt ruft“) in Szene.

It Came Form Beneath The Sea

“It Came Form Beneath The Sea“ lief leider niemals in deutschen Kinos und wurde gelegentlich mal auf Festivals gezeigt. Daher bleibt leider nur der Griff zur englischen oder zur us-amerikanischen (mittlerweile auch kolorierten) Export-DVD oder Blu-ray.

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Fliegende Untertassen greifen an

Sein nächster Film war eine für Ray Harryhausen sehr untypische Produktion, denn in “Earth vs. The Flying Saucers“ war die Animation der eher schlicht gestalteten Invasoren aus dem Weltraum noch das kleinste Problem.

Fliegende Untertassen greifen an

Sehr viel schwieriger waren die ständig rotierenden Fliegenden Untertassen und ihre Luftkämpfe mit Militärflugzeugen zu tricksen. Am kompliziertesten waren jedoch jene Effekte, die den Film zu einem kleinen Klassiker machten. Für die Illusion der Zerstörung von bekannten Gebäuden in Washington musste Harryhausen teilweise die Bewegung einzelner Ziegelsteine animieren.

Fliegende Untertassen greifen an

Doch gerade die Aufnahmen von zerstörten Regierungsgebäuden machten den ansonsten recht trashigen Film zum Kultklassiker. 40 Jahre später griffen Roland Emmerich in “Independence Day“ (das Weiße Haus fliegt in die Luft) und Tim Burton in “Mars Attacks!“ (der umkippende Monolith, der Pfadfinger erschlägt) das Thema wieder auf.

Fliegende Untertassen greifen an

Extras: „The Harryhausen Chronicles“, eine 58-minütige Dokumentation von Richard Schickel über mit zahlreichen bisher unbekannten Ausschnitten aus seinen Frühwerken. Sprecher der Kommentare: Leonard Nimoy, Interview mit Ray Harryhausen und Joe Dante zu „Fliegende Untertassen greifen an“ (8:36 min), „This is Dynamation“ (3:27 min), US-Trailer (2:12 min) sowie eine Galerie mit 15 Fotos und Plakaten.

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Die Bestie aus dem Weltraum

In seinem letzten Schwarzweißfilm animierte Harryhausen eine seiner bekanntesten Figuren, den Ymir. Dieser stammt vom Planeten Venus und wird von einer US-Raumexpedition mitgebracht, die im Mittelmeer notlanden muss.

Die Bestie aus dem Weltraum

Der Ymir befindet sich zunächst in einem Container den italienische Fischer bergen. Das Tier (eine Art Tyrannosaurus mit menschlichen Zügen) wächst jedoch in kürzester Zeit zu gewaltiger Größe heran, wird von den Militärs verfolgt und stirbt einen tragischen Tod auf den Mauern des Kolosseums in Rom.

Die Bestie aus dem Weltraum
“Die Bestie aus dem Weltraum“ (“20 Million Miles To Earth”) ist einer der homogensten Harryhausen-Filme. Die Tricks und die Story bilden eine organische Einheit und im tragischen Finale erreicht der Film fast “King Kongsche“ Dimensionen.

Die Bestie aus dem Weltraum
Extras: „The Harryhausen Chronicles“, eine 58-minütige Dokumentation von Richard Schickel mit zahlreichen bisher unbekannten Ausschnitten aus den Frühwerken des Trickexperten.. Sprecher der Kommentare: Leonard Nimoy, „This is Dynamation“ (3:27 min), US-Trailer (1:58 min)

Mittlerweile sind in den USA auf DVD “Die Bestie aus dem Weltraum”, “Fliegende Untertassen greifen an” und “It Came From Beneath The Sea” in kolorierten Versionen erschienen. Diese Einfärbungen wurden sehr sorgfältig realisiert und entstanden mit Beteiligung von Ray Harryhausen. Auch das Bonusmaterial kann sich sehen lassen!

Ray Harryhausen Collection

In England erschien eine Box mit allen drei kolorierten Versionen, die auch deutsche Tonspuren enthält!

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Sindbads 7. Reise

Nachdem er New York, San Francisco, Washington und Rom verwüstet hatte, versuchte Ray Harryhausen etwas Neues.  1958 entstand sein erster Farbfilm. „Sindbads 7. Reise“ ist mit seinem märchenhaften Charme, den sympathischen Darstellern und der sehr gradlinigen Geschichte wahrscheinlich der insgesamt gelungenste Film von Harryhausen. „Sindbads 7. Reise“ fängt als erste Hollywood-Produktion die Märchenwelt aus „Tausendundeiner Nacht“ wirklich ein.

Sindbads 7. Reise

Der Film zeigt neben beeindruckenden Monstren, wie etwa einen Drachen, einen doppelköpfigen Adler oder einen gehörnten Zyklopen als Höhepunkt einen äußerst spannenden Fechtkampf zwischen einem Skelett und Sindbad. Harryhausen orientierte sich bei der Animation an den Bewegungen eines italienischen Fechtmeisters.

Sindbads 7. Reise

Der Film war so erfolgreich, dass ein konkurrierender Produzent mit nahezu der gleichen Besetzung, demselben Regisseur und dem Stop-Motion-Trickexperten Jim Danforth den ähnlich gelagerten Fantasy-Film “Der Herrscher von Cornwall“ drehte. Ray Harryhausen griff das Thema in den 70er Jahren mit “Sindbads gefährliche Abenteuer“ und “Sindbad und das Auge des Tigers“ wieder auf.

Sindbads 7. Reise
„Sindbads 7. Reise“ ist zum 50. Geburtstag des Filmes nochmals als DVD und Blu-ray in verbesserter Bild- und Tonqualität sowie mit neuen Extras erschienen. Im Audiokommentar und durch eine interessante Dokumentation wird auch der ansonsten sehr häufig für Alfred Hitchcock tätige Komponist Bernard Herrmann ausgiebig gewürdigt. Dessen beeindruckender Soundtrack – Herrmann sollte auch noch die Harryhausen Filme „Jason und die Argonauten“, “Herr der drei Welten“ und “Die geheimnisvolle Insel“ vertonen – steigerte noch die Wirkung der Trickeffekte und kommt auf der neuen Dolby 5.1-Tonspur besonders gut zur Geltung.

Sindbads 7. Reise

Extras: Audiokommentar mit Ray Harryhausen, Visuelle Effekte Experten Phil Tippett und Randall William Cook, Autor Steven Smith und Arnold Kunert, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln, Erinnerungen von Ray Harryhausen an „Sindbads 7. Reise“ (23:33 min), Trickexperten und Filmemacher würdigen Ray Harryhausen (25:33 min), Die Musik von Bernard Hermann (26:52 min), Fotogalerie (9:35 min), Werbesong: „Sinbad May Have Been Bad, But He’s Been Good To Me“ (3:08 min), Ein Blick hinter die Kulissen (11:47 min), Interview mit Ray Harryhausen und John Landis zu „Jason und die Argonauten“ (11:53 min), “This is Dynamation“ (3:26 min), US-Kinotrailer zu „Die Bestie aus dem Weltraum“ und “It Came Form Beneath The Sea“

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Die drei Welten des Gulliver

Der Film liefe bei uns auch unter dem Titel  “Herr der drei Welten“ und entstand 1961, direkt nach Ray Harryhausens erfolgreichsten und wohl auch besten Film “Sindbads 7. Reise“.

Die drei Welten des Gullivers

Der Hauptdarsteller Kerwin Mathews bekam auch die Hauptrolle des Lemuel Gulliver, da er nach Aussagen von Ray Harryhausen so gut auf die, während der Dreharbeiten noch nicht vorhandenen, Trickfiguren reagieren konnte.

Die drei Welten des Gullivers

Für Freunde der Stop-Motion-Effekte ist “Die drei Welten des Gulliver“ allerdings eher eine Enttäuschung. Während es in “Sindbads 7. Reise“ vor lauter magischen Wesen wie einem Drachen, Zyklopen oder einem fechtenden Skelett nur so wimmelt, hat der darauf folgende Harryhausen-Film animationstechnisch lediglich ein großes Eichhörnchen und einen immerhin halbwegs bedrohlichen Alligatoren zu bieten, mit dem sich Mathews einen wirklich spannenden Zweikampf liefert.

Die drei Welten des Gullivers

Als netter Film für einen verregneten Samstag-Nachmittag taugt “Die drei Welten des Gullivers“ allemal. Gullivers Begegnungen mit Liliputanern und Riesen kommen zwar ohne Stop-Motion aus, wurden aber achtbar getrickst in Szene gesetzt. Gelegentlich schimmert etwas von der Satire aus Jonathan Swifts Roman-Vorlage durch. Doch über alle Zweifel erhaben ist – neben dem Kampf mit dem Alligatoren – der Soundtrack von Alfred Hitchcocks Haus-Komponisten Bernard Hermann.

Die drei Welten des Gullivers

Die Blu-ray von Koch Media enthält neben dem 98-minütigen Hauptfilm noch “The Harryhausen Chronicles“, eine 58-minütige Dokumentation. Außerdem gibt es ebenfalls wahlweise deutsch untertitelt die Kurz-Doku “This is Dynamation“ (3:23 min), ein Statement von Ray Harryhausen zum Film (5:11 min), einen US-Trailer (3:19 min), einen deutschen Trailer (3:09 min), sowie eine Galerie mit Fotos und Plakaten (2:40 min) zu sehen.

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Die geheimnisvolle Insel

Während des amerikanischen Sezessionskriegs gelingt es einem bunt zusammengewürfelten Haufen von Häftlingen mit einem Heißluftballon aus einem Gefangenenlager in Richmont zu fliehen und auf einer geheimnisvollen Insel zu landen. Während die Gruppe versucht zu überleben, wird sie mit seltsamen Phänomenen konfrontiert. Dahinter steckt kein Geringer als der von Herbert Lom (“Inspektor Clouseau“) verkörperte mysteriöse U-Bootfahrer Kapitän Nemo.

Die geheimnisvolle Insel

Ursprünglich sollten Dinosaurier im Zentrum des Geschehens stehen, doch das wurde als zu wenig originell verworfen. Stattdesseen kamen künstlich vergrößerte Kreaturen zum Einsatz. Das Drehbuch lieferte hierfür halbweg glaubhaft die Erklärung, dass Kapitän Nemo versuchte den Welthunger durch riesige Spezialzüchtungen zu bekämpfen.

Die geheimnisvolle Insel

Dies war ein schöner Vorwand für Ray Harryhausen um neue Tätigkeitsfelder zu beackern und den menschengroßen Ur-Vogel Phorusrhacos, eine Biene, ein Unterwasser-Ungetüm sowie einen Riesenkrebs zu animieren. Letzeren musste er nicht einmal bauen, sondern es genügte einen Krebs in der Feinkostabteilung des Londoner Kaufhauses Harrods zu kaufen und dessen Panzer als Außenhülle für das Bild für Bild animierte Monster zu verwenden.

Die geheimnisvolle Insel

Dank der soliden Geschichten von Jules Verne und der putzigen Monster von Ray Harryhausen ist “Die geheimnisvolle Insel“ ohne Zweifel einer der schönsten Fantasy-Filme der 60er Jahre.

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Die Blu-ray von Koch Media enthält neben dem 101-minütigen Hauptfilm noch “The Harryhausen Chronicles“, eine 58-minütige Dokumentation von Richard Schickel. Außerdem gibt es ebenfalls wahlweise deutsch untertitel die Kurz-Doku “This is Dynamation“ (3:23 min), zwei US-Trailer (insgesamt 3:43 min), deutscher Trailer (2:31 min), Statements von Ray Harryhausen (0:49 min + 8:56 min), sowie eine Galerie mit Fotos und Plakaten (2:30 min) zu sehen.

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Jason und die Argonauten

Um seine Herrschaft über Iolkos zu sichern, macht sich Jason auf die Suche nach dem goldenen Vlies. Sein Onkel Pelias versucht einen erfolgreichen Ausgang der Reise zu verhindern. Es folgen mehrere Prüfungen, die Jason und seine Leute bestehen müssen. Darunter: Der Kampf gegen den Bronzegott Talos (einer Mischung aus dem überlieferten Talos und dem Koloss von Rhodos); das Einfangen von ein paar Harpyien, die seit Jahren einen blinden Mann quälen; das Töten der siebenköpfigen Hydra, die das Vlies bewacht und schließlich der berühmte Schlusskampf gegen die sieben Skelette.

Jason und die Argonauten

Mit “Jason und die Argonauten“ betrat Ray Harryhausen 1963 zum ersten Mal das Gebiet der griechischen Mythologie, welche fortan zu einem seiner Lieblingsthemen werden sollte (sein letzter Film “Kampf der Titanen“ nahm sich 1982 noch einmal in großem Ausmaß ihrer an). “Jason und die Argonauten“ hat die Filmlandschaft wie kein anderes Werk Harryhausens nachhaltig beeinflusst. Persönlichkeiten wie Steven Spielberg, James Cameron und John Landis zählen den Klassiker zu ihren Favoriten. Der Film hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass sie ihren Beruf ergriffen haben.

Jason und die Argonauten

Für Spezialeffekt-Experten ist der Film so etwas wie der heilige Gral: Allein die Sequenz in der Jason und seine Männer gegen sieben lebendige Skelette fechten, zählt zu den absoluten Highlights der Branche und ist wohl (neben der Lasso-Sequenz in “Gwangis Rache“) Harryhausens beste und komplexeste Arbeit. Allein die Animation daran dauerte vier Monate(!). Wenn alle Skelette im Bild waren, konnte Harryhausen oft nur 12 oder 13 Bilder am Tag knipsen (zur Erinnerung: 24 Bilder ergeben beim Film eine Sekunde Abspielzeit).

Jason und die Argonauten

Ruft man sich ins Gedächtnis, dass Harryhausen ohne jegliche Assistenten zu arbeiten pflegte, ist diese Leistung kaum vorstellbar.
Der Film bedient sich der Elemente der griechischen Mythologie dramaturgisch effektiv und schreckt auch nicht davor, sie zu verfälschen, weshalb er sich eher weniger zu Recherchezwecken in griechischer Sagengeschichte eignet. Ansonsten ist “Jason und die Argonauten“ erstklassig erzähltes Eventkino der alten Schule und sicherlich für viele DER Harryhausen- Klassiker schlechthin.

Matthias Schäfer

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Extras: Die schon lange vergriffene DVD enthält als Bonusmaterial: „The Harryhausen Chronicles“, eine 58-minütige Dokumentation von Richard Schickel, außerdem ein interessantes Interview mit Ray Harryhausen, geführt durch John Landis, der sich hier als huldvoller Fan des Meisters gibt (11:53 min), US-Trailer (1:25 min) und Filmografien

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Die erste Fahrt zum Mond

Nachdem er 1961 mit “Die geheimnisvolle Insel“ eins der bekanntesten Bücher von Jule Verne mit seinen Stop-Motion-Wesen angereichert hatte, versuchte Harryhausen drei Jahre später etwas Ähnliches mit einem Roman von H. G. Wells.

Die erste Fahrt zum Mond

Lange zuvor hatte er bereits Probeaufnahme von einem Alien für eine Adaption von Wells‘ Klassiker “Der Krieg der Welten“ angefertigt. Das Buch wurde jedoch 1953 von George Pal ohne Einsatz von Stop Motion verfilmt.

Die erste Fahrt zum Mond

“Die erste Fahrt zum Mond“ ist ein untypischer Harryhausen-Film, nicht nur weil es sein einziger in Panavision-Breitwandformat gedrehtes Werk ist. Bemerkenswert ist, dass hier die Geschichte eine mindestens ebenso große Rolle spielt, wie die Trickeffekte. Der Auftakt des Films zeigt eine in der damaligen Gegenwart (1964) angesiedelte internationale Raumfahrt-Mission, die in einer Mondlandung gipfelt. Zu ihrem Erstaunen finden die Astronauten dort eine britische Flagge und ein Dokument aus dem Jahre 1899 vor!

Die erste Fahrt zum Mond

Mit viel Humor erzählt der Film dann wie Professor Cabor (Lionel Jeffries) im vorletzten Jahrhundert ein Mittel zur Überwindung der Schwerkraft entwickelt und mit einem jungen Pärchen (Edward Judd und Martha Hyer) zum Mond aufbricht. Erst im letzten Drittel des Films treten Spezialeffekte (aber auch ein ernsthafterer Tonfall) in den Vordergrund.

Die erste Fahrt zum Mond

Im Inneren des Monds (daher auch der Originaltitel “First Men in the Moon“ entdecken die mit historischen Taucheranzügen bekleideten Astronauten ein fremdes Volk und die Begegnung verläuft nicht allzu friedlich.

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Während es sich bei einem Teil der Aliens um Statisten in Gummianzügen handelt, zählen das an eine Raupe erinnernde riesige “Mond-Kalb“ und der Anführer der Mondbewohner zu den schönsten Schöpfungen Harryhausens.

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Die Blu-ray von Koch Media enthält neben dem 103-minütigen Hauptfilm noch “The Harryhausen Chronicles“, eine 58-minütige Dokumentation von Richard Schickel Außerdem gibt es ebenfalls wahlweise deutsch untertitelt die Kurz-Doku “This is Dynamation“ (3:23 min), den US-Trailer (3:18 min), sowie eine Galerie mit Fotos und Plakaten (2:48 min) zu sehen.

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Eine Million Jahre vor unserer Zeit

Vor einer Million Jahre: Die Menschen leben in Form von primitiven Stämmen in einer rauen Welt mit feuerspeienden Vulkanen und allen Formen urzeitlicher Tiere. Tumak, der Probleme hat, sich gegen seinen Bruder durchzusetzen, wird während eines Streites fast umgebracht und überlebt nur durch ein Wunder. Von nun ist er heimatlos und streift durch eine prähistorische Welt, in der er sich gegen allerlei Monster zur Wehr setzen muss. Als er schließlich völlig entkräftet einem freundlicher gesinnten Stamm in die Hände fällt, beginnt für ihn ein neues Leben.

Eine Million Jahre vor unserer Zeit
Die Fülle der Saurier in diesem Film lässt wirklich jede Wundertüte vor Neid erblassen: Der kurzen Begegnung mit einem Brontosaurier folgt ein ausgedehnter Kampf mit einer Riesenschildkröte (Archelon). In einem kleinen Dorf sorgt ein Allosaurus für Wirbel. Ein Ceratosaurus und ein Triceratops nehmen sich gegenseitig auf die Hörner. Ein geflügelter Pterodaktylus pickt eine Stammesschönheit als Appetithappen für seine kleinen aus einem See, und, und, und…

Eine Million Jahre vor unserer Zeit
In die Stop-Motion-Geschichte eingegangen (wie einst der legendäre Showdown King Kongs auf dem Empire State Building dürfte auch die Pfahlsequenz in der ein Allosaurus von John Richardson auf einem Holzpflock aufgespießt wird (Stop-Motion-Kollege David Allen parodierte diese Sequenz in der Ringo-Starr-Steinzeitfilmklamotte „Caveman“ von 1982).

Eine Million Jahre vor unserer Zeit

Für Raquel Welch, die eine der Hauptrollen in dem Film spielt war der Film ein wichtiger Schritt in ihrer Karriere, wurde sie nach eher belanglosen Rollen wie in „König der heißen Rhythmen“ an der Seite von Elvis Presley mit diesem Film zum Weltstar und Sexsymbol der sechziger und siebziger Jahre. Bemerkenswert ist auch ihr Auftritt im hautengen Tauchanzug in “Die phantastische Reise“.

Eine Million Jahre vor unserer Zeit

„Eine Million Jahre vor unserer Zeit“ ist der erste große Dinosaurierfilm von Ray Harryhausen. Er enthält sehr viele Urtiere, dafür aber Grunzlaute statt Dialoge und ist wahrscheinlich DER Steinzeitfilm schlechthin. Es handelt sich hierbei um ein Remake von „Tumak, der Herr des Urwalds“ aus dem Jahre 1940. Die Neuverfilmung entstand für die britischen Hammer-Studios, die anschließend noch „Als Dinosaurier die Erde beherrschten“ folgen ließen. Hier sprang Jim Danforth ein und seine Animationen erreichten das Niveau und den Realismus von Harryhausens Arbeiten.

Matthias Schäfer

Eine Million Jahre vor unserer Zeit
Extras: Die schon lange vergriffene DVD enthält als Bonusmaterial nur einen englischsprachigen Trailer (2:59 min) und 5 Minuten mit “Restauration Comparison“-Filmausschnitten, die belegen sollen wie sorgfältig der Film 1996 für die Laser Disc restauriert wurde. Ganz nebenbei ist hier zu entdecken, wie stark für die 16:9-Fassung das Vollbildformat beschnitten wurde.

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Gwangis Rache

Ursprünglich war der Film ein Projekt des „King Kong“-Schöpfers und Harryhausen-Mentors Willis O`Brien und wurde ohne dessen Mitwirkung bereits schon einmal in den 50er Jahren unter dem Titel „Der Fluch von Monte Bravo“ realisiert (mit entsprechend enttäuschenden Tricks). Ende der sechziger entschloss sich Ray Harryhausen schließlich, sich der Sache selbst noch einmal ernsthaft anzunehmen. Herausgekommen ist eine interessante, einzigartige Mischung aus Western und Dino-Horror, ein Film, der optisch irgendwo zwischen akribischem Realismus und zeitgemäßer, surrealistischer Popart-Farbgebung angesiedelt ist.

Gwangis Rache

Zur Story: In einem versteckten Tal irgendwo in Mexico wird ein Eohippus also ein Urpferd entdeckt. Es soll die Attraktion in einem Zirkus werden. Doch wo ein exotisches Tier, da ist sicher noch mehr. Daher begibt sich bald eine Expedition in das abgeschlossene Tal, wo nicht nur weitere Urpferde, sondern gleich ein ganzer Zoo von Sauriern auf ihre verblüfften Entdecker wartet. Gwangi, ein Allosaurier wird schließlich in einem langen ausgedehnten Lassokampf von den Entdeckern überwältigt, in einen Käfig gesteckt und in die Stadt gebracht. Dort soll er als Zirkusattraktion das Eohippus noch übertreffen. Doch während der Vorstellung gelingt es Gwangi, aus dem Zirkus auszubrechen. Es folgt ein Amoklauf durch die Stadt, der schließlich in einer Kirche endet. Gwangi wird dort von den Bürgern eingeschlossen, die Kirche brennt bis auf ihre Grundmauern ab und der Saurier stirbt einen furchtbaren Tod.

Gwangis Rache

Besonders die Lasso-Szene zählt zum komplexesten und eindrucksvollsten, was je im Bereich Stop Motion gemacht wurde. Nicht umsonst war dieser Film erste Wahl, als die Digitalkünstler von ILM Anfang der Neunziger Jahre begannen, für den Film „Jurassic Park“ zu recherchieren.

Gwangis Rache
Fazit: Hat man alles schon einmal ähnlich gehabt, nämlich 1933 im Original „King Kong“ allerdings mit einem Affen. Aber das Crossover zweier Genres und die liebevolle Detailgetreue der animierten Tiere machen diesen Film wohl zum besten Harryhausen- Film, den Willis O´Brien nie drehen durfte. Einzig überflüssig sind bei dieser DVD sind das trashige Cover und der deutsche Verleihtitel „Die Rache der Dinosaurier“.

Matthias Schäfer

Gwangis Rache

Extras: Dokumentation „Return to the Valley“ (8:04 min), Trailer (2:37 min), Trailer zu „Panik in New York“, „The Black Scorpion“ und „Kampf der Titanen“

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Sindbad und das Auge des Tigers

In den 70er Jahren griff Ray Harryhausen die orientalische Märchenwelt wieder auf.

Sindbad und das Auge des Tigers

Nach “Sindbads gefährliche Abenteuer“ (1973) folgte 1977 “Sindbad und das Auge des Tigers“.

Sindbad und das Auge des Tigers

Seinerzeit tat sich der liebenswerte nostalgische Fantasy-Abenteuerfilm im Windschatten von “Star Wars“ etwas schwer, doch eine Blu-ray von Koch Media zeigt den Film in all seiner Pracht.

Sindbad und das Auge des Tigers

Nicht besonders charismatisch ist allerdings John Waynes Sohn Patrick, der als Sindbad in die Fußstapfen von Kerwin Mathews und John Philip Laws trat.

Sindbad und das Auge des Tigers

Doch dafür sind die weiblichen Hauptrollen mit Taryn Power und der durch “Leben und Sterben lassen“ zu Star-Ruhm gekommenen Jane Seymore attraktiv besetzt.

Sindbad und das Auge des Tigers

Auch Harryhausens Monster-Parade ist in diesem Film ganz gewiss nicht seine Schlechteste. Geboten werden fechtende Ghuls, ein Säbelzahntiger, ein Riesenwalross, ein gehörnter Ur-Mensch, ein Minotauros-Doppelgänger, sowie ein Prinz der in einen Pavian verwandelt wurde. Letzerer gilt als eine der Meisterleistungen Harryhausens.

Sindbad und das Auge des Tigers

Unter dem Label “Ray Harryhausen Effects Collection“ veröffentlicht Koch Media weitere Klassiker des phantastischen Films, wie “Die geheimnisvolle Insel“ , „Die drei Welten des Gulliver“ und „Die erste Fahrt zum Mond„. Das ist besonders erfreulich, da viele davon schon lange vergriffen und noch nie auf Blu-ray erschienen sind.

Sindbad und das Auge des Tigers

Die Blu-ray enthält neben dem 113-minütigen Hauptfilm noch “The Harryhausen Chronicles“, eine 58-minütige Dokumentation . Sprecher der Kommentare: Leonard Nimoy. Außerdem gibt es ebenfalls wahlweise deutsch untertitel die Kurz-Doku „This is Dynamation“ (3:23 min), den US-Trailer (2:08 min) sowie eine Galerie mit Fotos und Plakaten (2:10 min) zu sehen.

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Kampf der Titanen

1981, fast 20 Jahre nach “Jason und die Argonauten“, kehrte Ray Harryhausen zur griechischen Mythologie zurück. In seinem letzten Film gab es erstmals eine richtige Starbesetzung u. a. mit Lawrence Olivier, der obwohl gesundheitlich angeschlagen die Idealverkörperung von Zeus war. Das Zusammenspiel zwischen den göttlichen Intrigen auf dem Olymp und der Liebesgeschichte der menschlichen Helden Perseus und Andromeda funktionierte bestens.

Kampf der Titanen
Die mechanische Eule Bubo war ein etwas alberner Fremdkörper und manche der nicht per Stop Motion realisierten Tricks können nicht voll überzeugen.

Kampf der Titanen

Doch der ebenso spannende wie atmosphärisch dichte Kampf zwischen dem Halbgott Perseus und der schlangenhäuptigen Medusa sowie das scheinbar wirklich fliegende Pferd Pegasus (hier half Jim Danforth bei den Tricks) gehören zu den besten Filmszenen Harryhausens. Somit ist “Kampf der Titanen“ der durchaus krönende Abschluss seiner beeindruckenden Karriere und der Film war immerhin so erfolgreich, dass 2010 ein aufwändig produziertes Remake in die Kinos kam.

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Extras: „Eine Unterhaltung mit Ray Harryhausen“, eine 12-minütige recht interessante Ergänzung zum Film, die US-DVD enthält zusätzlich noch den Trailer und einige kurze Statements von Harryhausen zu den einzelnen Figuren.

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Gefahr aus dem Weltall

1953 drehte Jack Arnold den ersten 3D-Film der Universal Studios. Der ersten Drehbuchentwurf stammte vom renommierten Science-Fiction-Autor Ray Bradbury, der es genau wie Regisseur Arnold gerne vermieden hätte, die Außerirdischen zu zeigen, die in der Wüste von Arizona notlanden mussten. Doch die Produzenten bestanden auf einem Monster, das sich gut auf dem Plakat machen würde.

Gefahr aus dem Weltall

Daher wurde der bereits fertiggestellte Film noch um einige kurze Szenen mit einem einäugigen Monster ergänzt (das niemals in der Lage gewesen wäre einen 3D-Film zu sehen). Doch diese kurzen Momente konventionellen Horrors fügen sich recht gut ein, in einen Film von ansonsten eher subtiler Spannung.

Gefahr aus dem Weltall

Das liegt auch daran, dass der von Richard Carlson gespielte “Held“ des Film, genau wie die Aliens, ein Außenseiter und Fremdkörper in dem kleinen Wüstenkaff ist, in dessen Nähe er gezogen ist.

Gefahr aus dem Weltall

3D setzte Jack Arnold zwar auch bei einigen Effektszenen, wie dem abstürzenden Raumschiff oder er subjektiven Perspektive der Aliens, ein, doch in erster Linie vermittelt er damit einen Eindruck von der weiten Wüstenlandschaft und der engen Höhle in der die Aliens hausen. Zwar geht es auch um die in den USA (der 50er Jahre) vorherrschende Angst vor allem Fremden, doch diese wird hier nicht als etwas Berechtigtes, sondern eher als Verbohrtheit dargestellt.

Gefahr aus dem Weltall

Jack Arnold drehte anschließend mit “Der Schrecken vom Amazonas“ und der Fortsetzung “Die Rache des Ungeheuers“ zwei weitere 3D-Klassiker. Für den Riesenspinnen-Horror “Tarantula“ kehrte er danach 1955 in die Mojave-Wüste zurück und mit “Die unglaubliche Geschichte des Mister C.“ um einen immer kleiner werdenden US-Bürger gelang ihm ein Meisterwerk des phantastischen Films.

Gefahr aus dem Weltall

Für die Blu-ray-Premiere von “Gefahr aus dem Weltall“ hat sich Koch Media besonders viel Mühe gegeben. Der Film kann auf entsprechenden TV-Geräten mit einem perfekten 3D-Bild betrachtet werden (was seinerzeit im Kino nicht immer der Fall war). Wer keinen 3D-Fernseher hat, kann durch die beiliegende Brille einen Eindruck gewinnen, wie plastisch der Film seinerzeit gewirkt hatte.

Gefahr aus dem Weltall

Extras der Blu-ray: der Film in 3D, 2D und in rot-blauer anaglyphe 3-D Fassung Audiokommentar von Filmhistoriker Tom Weaver (ohne deutsche Untertitel), eine deutsche Super-8-Fassung in anaglyphen 3D (15:50), deutscher Super-8-Anfang und -Ende (1:13 min + 1:05 min), “Jack Arnold erzählt“ (13:36 min, wahlweise in deutsch oder englisch) Dokumentation “Das Universum laut Universal“ (31:36 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln) , diverse Trailer, teilweise in 3D, sowie eine Galerie mit Bildern, Werberatschlägen und Plakaten (8:43 min), eine 3D-Brille, Wendecover, Pappschuber

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Little Nemo – Abenteuer im Schlummerland

Die Liste der Beteiligten ist mehr als erstaunlich. Am Konzept arbeiteten sowohl die Science-Fiction-Legende Ray Bradbury, wie auch der Comic Guru Jean Giraud alias Moebius, sowie die Disneys Animations-Meister Frank Thomas und Ollie Johnston mit. Auch der Name von Robert Towne, der Roman Polanskis “Chinatown“ schrieb, findet sich im Vorspann. Das endgültige Drehbuch schrieb dann Chris Columbus, der später die ersten beiden “Harry Potter“-Filme inszenieren sollte. Die Musik stammt aus der Feder der “Mary Poppins“-Komponisten Richard M. und Robert B. Sherman, um nur einige Namen zu nennen.

Little Nemo - Abenteuer im Schlummerland

Doch trotzdem gelang es nicht aus Winsor McCays Comic-Klassiker “Little Nemo“ einen wirklich guten oder zumindest einen kommerziell erfolgreichen Zeichentrickfilm zu machen. Das Hauptproblem war McCays einseitige Shortstories zu einer durchgehenden Geschichte zusammenzufügen. Die beste Lösung ist es sicherlich nicht der kindlichen Hauptfigur mit dem nicht im Comic vorkommenden Flughörnchen Icarus eine lustig gemeinte (und in der deutschen Fassung auch noch sprechende) Nervensäge an die Seite zu stellen.

Little Nemo - Abenteuer im Schlummerland

Die japanisch-amerikanische Produktion erlebte ihre Premiere 1989 in Tokio und kam erst drei Jahre später in einer um 11 Minuten gekürzten “jugendfreieren“ 84-minütigen Fassung in die US-Kinos. Insgesamt konnte nur ein Drittel des Budgets von 30 Millionen Dollar wieder eingespielt werden. Der Film ist leider längst nicht so gut, wie er als Summe seiner gar nicht so wenigen ansprechenden Sequenzen eigentlich hätte sein müssen. Doch wer die oft ziemlich kitschige erste Hälfte durchgehalten hat, wird mit einem knalligen Finale belohnt.

Little Nemo - Abenteuer im Schlummerland

Es ist sehr erfreulich, dass Koch Media den komplett von Hand gezeichneten Film als interessant zusammengestellte DVD- und Blu-ray-Edition herausbringt. Enthalten ist auch die längere, etwas gruseligere und erwachsenere japanische Version, die wahlweise in der Originalfassung oder auch mit der (wo vorhanden) deutschen Synchronisation (und wo nicht vorhanden, in japanischer Sprache mit deutschen Untertiteln) betrachtet werden kann. Zur deutschen Kinofassung hingegen fehlen alternative Sprachfassungen.

Little Nemo - Abenteuer im Schlummerland

Das Bonusmaterial ist beachtlich. Enthalten sind jene zwei Kurzfilme die 1984 und 1987 in Japan entstanden sind und helfen sollten einen geeigneten Look zu finden. Sowohl der 4-minütige Testkurzfilm von Yoshifumi Kondō („Stimme des Herzens – Whisper of the heart„) als auch der 10-minütige Trickfilm von Osamu Dezaki sehen interessanter aus, als das wie ein auf Sparflamme in Szene gesetzter Disney-Film wirkende Werk, das dann in die Kinos kam.

Little Nemo - Abenteuer im Schlummerland

Außerdem sind neben dem japanischen und dem US-Trailer noch zwei Making Ofs (21:47 min + 14:44 min) enthalten, die sich allerdings hauptsächlich mit den Sprechern der US-Fassung (darunter befindet sich immerhin Mickey Rooney) beschäftigen. Interessanter sind die von Winsor McCay selbst produzierten „Little-Nemo“-Kurzfilme von 1911 (11:36 min) und 1921 (6:40 min), sowie eine Galerie mit 413 Werbematerial und Originalzeichnungen.

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MAD

MAD, das „vernünftigste Magazin der Welt“, hat unsere Kulturlandschaft nicht nur veralbert und kommentiert, sondern sie sogar stärker geprägt und auch verändert als jeder andere Comic. 

MAD Don Martin

Die Anfänge: Geschichten aus der Bibel und aus der Gruft

Es wird immer wieder gerne behauptet MAD wäre vom EC-Verlag herausgebracht worden, weil es durch drastische Zensurmaßnahmen in den USA nicht mehr möglich war Horrorheftchen wie “Tales from the Crypt“ zu veröffentlichen. Doch genaugenommen ist MAD eher eine Fortsetzung des Horrors der EC-Comics mit komischen Mitteln.

Max Gaines
Max Gaines

Um dies zu belegen muss etwas weiter ausgeholt werden. Max Gaines, der Vater des MAD-Gründers, war, übrigens ähnlich wie der Duck-Master Carl Barks, ein Mensch der es in allen möglichen Bereichen versuchte, dort immer wieder scheiterte und schließlich in der Comic-Branche landete. Wobei in den depressiven dreißiger Jahren von einer “Comic-Branche“ noch gar nicht die Rede sein konnte. Comics gab es eigentlich nur als tägliche Strips in den Tageszeitungen und als farbige Beilage am Wochenende. Max Gaines fragte sich nun, ob es nicht auch möglich wäre diese Beilagen auch ohne die störende Zeitung direkt am Kiosk zu verkaufen.

Famous Funnies
Er kam mit einer Firma namens Eastern Color Printing ins Geschäft. Dort wurden Unmengen von Comicheften als Gratiswerbegeschenke für Firmen produziert. Doch seltsamerweise hatte bisher niemand daran gedacht diese Hefte zu verkaufen. Gaines überzeugte die Firma indem er auf einige dieser Gratis-Hefte einen Preisaufdruck von 10 Cents stempelte. Da sich die Hefte prima verkauften, erhielt Gaines den Auftrag für Eastern ein Serie neuer Comichefte zusammenzustellen. Hierfür erfand Gaines auch noch ganz nebenbei das noch heute gültige Format für US-Comichefte. Im Mai 1934 erschien die erste Ausgabe von “Famous Funnies“ und diese 64-seitigen Farbhefte hatten sofort Erfolg. Gaines wurde für seine Bemühungen nicht gerade belohnt, denn eines Tages fand er ohne Angaben von Gründen seine Bürotür plötzlich verschlossen vor. Doch Gaines blieb in der Comicbranche und fand sofort wieder Arbeit. Er verlegte ein Heft namens “Popular Comics“, das ebenfalls Zeitungsstrips veröffentlichte und damit noch mehr Erfolg als “Famous Funnies“ hatte.

Popular Comics

Max Gaines tätigte auch Geschäfte mit DC, angeblich ist die Idee ein “Superman“-Comicheft  herauszubringen auch mit auf seinem Mist gewachsen. Gemeinsam mit DC entstanden arbeitete er an den “All American“ (AA) –Comics mit Helden wie Flash, Hawkman und später auch Wonder Woman. 1944 gründete Gaines schließlich als Tochter von DC und AA seinen eigenen Verlag namens E.C. Dieses Kürzel stand für “Educational Comics“ (also “Erzieherische Comics“), denn auch in den vierziger Jahren waren die Comics vielen Erziehern ein Dorn im Auge.

Picture Stories from the Bible

Daher verlegte Gaines Comics, die Wissen vermitteln sollten. Produkte wie diese trafen zwar nicht unbedingt den Geschmack der Zielgruppe, denn die Kinder benötigten mindestens 10 Ausgaben von “Picture Stories from the Bible“ um diese bei ihren Freunden gegen ein einziges Batman-Heft einzutauschen. Für das Image des Medium Comics waren Produkte wie “Picture Stories from Science“ jedoch ganz gewiss nicht schlecht und dem E. C. -Verlag ging es recht gut. Doch eine Katastrophe sollte alles ändern: 1947 kam Max Gaines bei einem Bootsunglück ums Leben und seine Witwe bat ihren damals 25-jährigen Sohn das Geschäft zu übernehmen.

Reddition
Empfehlenswert ist zum Thema auch die REDDITION 62

Im Gegensatz zu seinem Vater hatte es William M. Gaines nicht so mit Geschichten aus der Bibel. Er war eher ein Fan von spannenden und pointierten Radiohörspielen. Daher setzte er auf Kriminal-Comics. Gemeinsam mit dem gleichaltrigen Zeichner Al Feldstein, der eigentlich Teenie-Comics im Stile von Archie für EC zeichnen sollte, schuf er mit der Serie “Crime Suspense Stories“ ein erstes Highlight des Verlages. Zeichner wie Jack Davies, Graham Ingels, Bernard Krigstein und Wallace Wood setzten die Geschichten von Gaines und Feldman in beeindruckendes Artwork um.

Crime Suspense Stories

Es ging dabei meist um Kriminalfälle, die sich nicht in einer ominösen Unterwelt sondern in der Familie oder am Arbeitsplatz abspielten, also in einer dem Leser vertrauten Umgebung. Ganz wichtig war hierbei auch die überraschende Wendung am Ende der Geschichte, die in der Tradition großer amerikanischer Short Story-Autoren wie O. Henry stand und zu ECs Markenzeichen wurde.

Tales from the Crypt

1950 versuchten sich Gaines und Feldstein an zwei Horror-Stories namens “Crypt of Terror“ und “Vault of Horror“, die beide von einem gewissen modrigen Cryptkeeper anmoderiert wurden. Diese Geschichten wurden zunächst in zwei Ausgaben der EC-Krimi-Comicreihen “Crime Patrol“ und “War Against Crime“ versteckt. Doch Gaines und Feldstein waren so sehr vom Erfolg ihrer Stories überzeugt, dass sie gleich mit den Heftreihen “The Crypt of Terror“ (später umbenannt in “Tales from the Crypt“) und “The Vault of Horror“ starteten, ohne abzuwarten wie solche Sammlungen von Horror-Geschichten vom Publikum aufgenommen wurden. Der Erfolg sollte ihnen recht geben und Bill Gaines änderte den Verlagsnamen in “Entertaining Comics“.

Two-Fisted Tales
Schon bald mussten 10 andere Comichefte geopfert werden um diese gegen ein EC-Horrorcomic einzutauschen und ein Schriftsteller wie Stephen King gibt unumwunden zu, dass diese Comicreihen der Hauptinspirationsquelle seiner ersten Schreibversuche waren. (Später sollte er mit dem Film “Creepshow“ den E. C.-Comics Respekt erweisen). Gaines gelang es weitere talentierte Zeichner um sich zu versammeln und ermutigte diese dazu in ihrem eigenen Stil zu zeichnen. So entstanden neben den Horror-Heften auch Science Fiction-Comics, für die sogar eine anerkannte Genregröße wie Ray Bradbury schrieb (nachdem er sich zuvor darüber beschwert hatte, das Gaines einige seiner Stories plagiert hatte), und sehr realistische Kriegscomics. Diese Serien namens “Two-Fisted Tales“ und “Frontline Combat“ boten gut recherchierte Stories und glorifizierten den Krieg kein bisschen. Diese Hefte betreute ein gewisser Harvey Kurtzman.

Frontline Combat

Als sich Kurtzman eines Tages bei Gaines darüber beschwerte, das Al Feldstein mehr Gehalt bezieht als er, wies ihn Gaines darauf hin, dass Feldstein ja schließlich auch fünf Heftserien betreute, während Feldstein “nur“ für die beiden Serien mit Kriegscomics verantwortlich war. Zuvor war es Kurtzman bereits gelungen humoristische Comics u. a. inmitten von Marvels Superhelden-Heften unterzubringen und ähnliches war ihm auch schon bei EC gelungen. Gaines bot daher Kurtzman eine Gehaltserhöhung von 50% an, wenn dieser ihm in kürzester Zeit ein wirklich komisches Comicheft zusammenstellen würde. Kurtzman schlug den Titel “Tales calculated to drive you Mad“ vor.

MAD unter Kurtzman

Ab 1952 erschien MAD in Form eines Comicheftes. Die ersten drei Hefte enthielten jeweils 4 Stories, die alle von Harvey Kurtzman getextet und von Jack Davis, Wally Wood und Bill Elder gezeichnet wurden.

MAD

Den Auftakt machte die Geschichte “Hoohah!“ in der sich Kurtzman ausgiebig über den E. C.s Flaggschiff “The Crypt of Terror“ lustig machen konnte, denn er hat sich immer nur sehr widerwillig für E.C.s Horrorheftchen gearbeitet. Auch viele der meisten Geschichten in den ersten drei MAD-Heften parodierten andere E.C.-Comicreihen und der Erfolg hielt sich zunächst noch in Grenzen. Dies sollte sich ab der vierten Ausgabe ändern.

MAD

Hierfür zeichnete Wally Wood in beeindruckenden Wimmelbildern unter dem Titel “Superduperman!“ die erste direkte Parodie auf eine populäre Comicreihe, die nicht aus dem Hause E.C. stammt (wenn die Tarzan-Verarsche “Melvin!“ aus Heft 2 ignoriert wird). Gaines war zunächst skeptisch, denn er beschäftigte für seine Rechtsangelegenheiten den selben Anwalt wie DC, der Verlag bei dem Superman erscheint. Daher riet der Jurist Gaines in MAD auf eindeutige Parodien populärer Figuren zu verzichten, um sich dadurch lästige Schadensersatzklagen vom Hals zu halten. Kurtzman blieb jedoch stur, denn ohne die Möglichkeit sich auch über andere Comic-Reihen lustig machen zu dürfen, sah er keine Zukunft für MAD. Er fand einen Anwalt, der empfahl ganz einfach mit dem Parodieren weiterzumachen.

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Zum Glück für die gesamte westliche Kulturlandschaft hat sich Gaines im Sinne von Kurtzman entschieden und MAD verulkte in den nächsten Heften Comic-Reihen wie “Prinz Eisenherz, “Archie“ und auch die Disney-Comics blieben nicht verschont. Der “Maus“-Zeichner Art Spiegelman meint, das MAD die sechziger Jahre genauso stark geprägt hat “wie Gras und LSD“. Bewusstseinserweiternd war MAD schon, denn der respektlose Umgang mit Autoritäten, Ikonen und Klischees machte Schule und es selbsternannten Meinungsmachern und Moralaposteln nicht mehr so leicht Punkte bei der Bevölkerung zu machen. (Wenn man allerdings einmal den leidigen Rummel hierzulande um die Rechtmäßigkeit von Asterix-Parodien betrachtet, sieht es so aus, als wenn wir im Humor-Verständnis immer noch weit hinter den Amis der fünfziger Jahre herhinken).

Seduction of the Innocent
Doch ganz so weit waren auch die USA im April 1954 noch nicht. Zeitgleich mit der zehnten Ausgabe von MAD erschien Fredric Werthams Buch “Seduction of the Innocent“, das anhand von zahlreichen Illustrationen aus EC-Heften nachzuweisen versucht, dass Comics für die Verführung und Verrohung junger Menschen verantwortlich sind. Der “Erfolg“ des Buches war so gross, dass prompt Comic-Verbrennungen organisiert wurden. Etwas Öl in diese Feuer goss Gaines selber noch als er ebenso treffend wie verletzend ausführte: “Dr. Wertham das harmlose Vergnügen an einer Horror Story begreiflich zu machen, ist ebenso schwierig wie einer frigiden alten Jungfrau die Freuden der Liebe zu erklären.“

Comics Code

Auch Gaines Erklärungen, dass die Cover der EC-Comics durchaus noch schrecklicher und blutiger hätten ausfallen können, überzeugte nicht so recht. Nach und nach musste Gaines alle seine erfolgreichen Horror-Comicreihen einstellen, da diese ohne den Siegel des neu formulierten Comics Code von den meisten Händlern nicht mehr verkauft wurden.

MAD 20

MAD hingegen war bisher der Öffentlichkeit nur einmal unangenehm aufgefallen (bzw. in den Klassenzimmern gar nicht aufgefallen) als der Umschlag der Nummer 20 genau wie ein Schulheft gestaltet war. Um Kurtzman, dem ein lukrativer Job bei einem anderen Verlag angeboten wurde, zu halten schlug Gaines vor MAD künftig im Magazinformat herauszubringen. Kurtzman war begeistert und begann sofort den Markt abzuchecken. Er fand heraus, dass bei einem Magazin farbige Seiten nicht unbedingt erforderlich waren und trotzdem der Preis von 10 Cents auf 25 Cents angehoben werden konnte. Außerdem musste ein Magazin sich überhaupt nicht mit dem Comics Code herumärgern. Ein weiterer Vorteil war, dass nachdem schon so ziemlich jede populäre Comicreihe ihr Fett abbekommen hatte, jetzt noch zusätzlich alle möglichen Unarten des American Way of Life verulkt werden konnten.. Dafür war verzichtete MAD künftig auf Handlettering und setzte stattdessen Maschinensatz ein um den Magazin-Charakter und die Bedeutung des gedruckten Wortes zu betonen. Das MAD-Magazin entfernte sich also etwas vom Medium Comic und sprach dadurch ein größeres Publikum an.

MAD 24

So erschien im Sommer 1955 als Ausgabe 24 “The new MAD“ und die Legende will wissen, dass bereits die Arbeiter in der Druckerei Tränen lachten. Trotz des großen Erfolges brauchte der qualitätsbewusste Kurtzman deutlich länger zum Zusammenstellen des Magazins und MAD erschien meist nicht wie geplant alle zwei Monate sondern nur vierteljährlich. Dies machte die weitere Zusammenarbeit mit Gaines, dessen Verlag immer mehr den Bach runterging, nicht gerade leichter. Mit einem Angebot vom Hugh Hefner, dem Herausgeber des Playboys, in der Hinterhand forderte Kurtzman auch noch volle Kontrolle über das von ihm gegründete MAD-Magazin. Für seine Weiterarbeit forderte er, dass MAD ihm künftig zu 51% gehören solle. Gaines war entsetzt. Er entschied sich Kurtzman gehen zu lassen und seinem loyalen Freund Al Feldstein zum MAD-Herausgeber zu machen.

Harvey Kurtzman

Kurtzman brachte kurz darauf für Hugh Hefner das Satire-Magazin “Trump“ heraus. Trotz guter Resonanz und Verkaufszahlen stellte Hefner das Blatt bereits nach zwei Ausgaben wegen der hohen Produktionskosten wieder ein. Dies hinderte Kurtzman nicht daran gemeinsam mit Will Elder die prachtvoll gestaltete Serie “Little Annie Fanny“ für den Playboy zu gestalten. Von 1960 bis 1965 produzierte Kurtzman gemeinsam mit dem späteren Monty Python-Mitglied Terry Gilliam das Magazin “Help!“. Hier wurden die ersten Werke der späteren Underground-Stars Robert Crumb (“Fritz the Cat“) und Gilbert Sheldon (“Freak Brothers“) veröffentlicht. Bis zu seinem Tode im Jahre 1993 lehrte Kurtzman als Dozent für graphische Kunst an der New York School of Visual Arts.

Die übrige Gang von Idioten

Viele der Künstler des alten Teams hatten das Magazin gemeinsam mit Kurtzman verlassen und Hugh Hefner promotete sein neues Satire-Blatt im “Time Magazin“ sogar damit, dass er behauptete, für ihn arbeitete jetzt die gesamte Belegschaft von MAD, einem kurzlebigen “satirical Pulp“. Al Feldstein, dem der Humor von Harvey Kurtzman teilweise ein wenig zu elitär und abgehoben war, musste nun komplett neu beginnen.

Alfred E. Neuman Postkarte
Alfred E. Neuman Postkarte

Den Übergang von Kurtzman zu Feldstein markierte auch ein gewisser Alfred E. Neuman. Kurtzman hatte eine Postkarte mit dem zahnlückigen Segelohrträger entdeckt, deren Bildunterschrift “Me Worry“ lautete. Spätere Streitigkeiten um die Rechte an der Figur ergaben, dass dieser sorglose Bengel bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts überall auftauchte, ohne dass sein Ursprung genau dingfest zu machen war. Kurtzman platzierte jedenfalls eine Reproduktion der “What – Me Worry“-Postkarte  auf der Umschlagrückseite von Heft 27. Die Leserschaft und auch Al Feldstein waren von dem putzigen Kerlchen recht angetan. Daher wurde Norman Mingo von Feldstein damit beauftragt aus dem Postkartenmotiv eine Identifikationsfigur für das Magazin zu machen. Seitdem Feldstein das MAD-Magazin übernommen hatte war Alfred E. Neuman dann auf den meisten Titelbildern zu sehen.

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Bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1984 gelang es Feldstein zahllose neue Talente anzuwerben, die alle eine eigene umfangreiche Würdigung verdient hätten: Etwa Don Martin, der ab Heft 29 Wesen mit ganz krummen Füssen durch das Magazin schlurfen ließ, Mort Drucker, der ab Heft 32 seine gefürchtete Film- und TV-Parodien platzierte, Dave Berg (ab Heft 34) mit seinen immer treffenden Alltagsbetrachtungen, Sergio Aragones (ab Heft 76) der schnellste Cartoonist der Welt und Al Jaffee (ab Heft 91) das Bastelgenie mit den dummen Fragen, das mit seinen Fold-Ins dem “Playboy“ und dessen Fold-Outs erhebliche Konkurrenz machte. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll der Kubaner Antonio Prohias, der schon zu Zeiten des kalten Krieges seinen weißen und schwarzen Spion aufeinanderhetzte. Heute wird Spy vs. Spy von Peter Kuper gezeichnet.

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1962 verkaufte Bill Gaines MAD an Premier Industries, die es später an DC weiterveräußerte. Doch Gaines behielt volle Kontrolle über das Heft. Das Magazin florierte und Gaines konnte sich weiterhin locker erlauben auf Werbung zu verzichten und sein komplettes Team immer wieder zu ausgiebigen Reisen in alle Teile der Welt einzuladen. Nach Gaines Tod im Jahre 1992 übernahm im Aufrage von DC Joe Orlando den Job des “Consultant Editor“. Nach und nach gewann er das Vertrauen des MAD-Teams und die Gang von Idioten fällt immer weiterhin aktuell und treffend über den American Way of Life her.

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Auf eine etwas bedenkliche Tendenz muss jedoch noch hingewiesen werden: Zwar kommt MAD immer noch ohne Werbung aus, doch auch Satire kann eine Art von Werbung sein, denn schlimmer als jede schlechte Filmkritik ist es, wenn ein neuer Film nicht in MAD parodiert wird. Seitdem das eigentlich unabhängige Satiremagazin zum Warner-Medienkonzern gehört, der den DC-Verlag kaufte, gibt es einige Liebesdienereien in Richtung des Mutterkonzerns: So erschien die amerikanische MAD-Ausgabe mit der Parodie zu „Batman und Robin“ gleich mit vier (!) Variantcovern zum Film, was sicher mehr mit Promotion als mit Satire zu tun hat und es kam auch ein Sammelband heraus, der nur Verarschungen von Filmen aus dem Hause Warner enthielt. Es bleibt abzuwarten, ob die MAD-Macher in Zukunft die Hand die sie füttert überhaupt noch beißen dürfen?

MAD in Deutschland

Ab 1967 brachte der Williams Verlag MAD auch in Deutschland heraus.

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Die Erscheinungsform war sehr stark an die amerikanische Ausgabe angelehnt.

Chefredakteur war ab Ausgabe 32 Herbert Feuerstein, der 1971 einen Anruf erhielt, der sein Leben “komplett verändern“ sollte. Der Aachener Bildschriftenverlag suchte einen Übersetzter für das Feuerstein bestens bekannte Satire-Magazin MAD. Feuerstein war sofort begeistert und übernahm, zunächst noch gemeinsam mit Lutz Reinecke, der später den Verlag “Zweitausendeins“ gründen sollte, ab Ausgabe 32 die Übersetzung und komplette Konzeption der deutschen Ausgabe von MAD.

Feuerstein Mad
© schuerbeln.de

Auch als mit Klaus Recht ein neuer Geschäftsführer das MAD-Ruder übernahm, konnte sich Feuerstein behaupten und handelte für sich sogar eine Gewinnbeteiligung heraus. Diese kam sehr gut zum Tragen, als in den 80er Jahren die Auflage auf 300.000 Exemplare gesteigert werden konnte. Feuerstein bemühte sich zunehmend darum auch eigene Beiträge zu produzieren. Dazu arbeitete er mit Zeichnern wie I. Astalos oder Dieter Stein zusammen.

 

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In diesem Zusammenhang möchte ich etwas persönlicher werden: In meiner Schulzeit war MAD eine Weile (so zwischen dem zwölften und fünfzehnten Lebensjahr) ganz schön wichtig. Wer das neuste Heft hatte, war einen ganzen Tag lang der Größte. Alle hechelten die Artikel durch, erfreuten sich an Namen wie Kaputnik, Feinbein oder Jeremias Kartoffelkäfer und amüsierten sich über Parodien von Filmen die damals noch kein Mensch kannte. (Ein Freund namens Alfred (E.) Neuwald litt allerdings etwas unter der allgemeinen MAD-Begeisterung).

Mitte der siebziger Jahre hörte ich zufällig, dass der Freund eines Freundes schon mehrmals für MAD getextet hatte und von Herbert Feuerstein zum Dank auch noch zum Essen ausgeführt wurde. Als Film- und MAD-Fan stellte ich prompt einige Einfälle zum Thema “Schade, dass es sowas nur im Kino gibt“ zusammen. Ich erhielt eine freundliche Antwort von Herbert Feuerstein, der darum bat die Texte für einen dreiseitigen Beitrag, der dann von I. Astalos illustriert werden sollte, noch etwas zu ergänzen.

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Nachdem ich dann u. a. noch textete: “In deutschen Sexfilmen sind Schulmädchen immer wohlgeformt wild und willig, aber in Wirklichkeit sind Schulmädchen meist wohlgenährt, wabblig, und würg.“, folgte recht schnell ein Brief mit einem Scheck über 150,- DM (damals ein Menge Geld, jaja) und damit war auch der “Leitspruch des Monats“ für “MAD´s monatlichen Almanach“ (“Wo eine Villa ist auch ein Weg“) abgegolten.

MAD 125

Mein Betrag, der dann in Ausgabe 125 erschien, spornte mich gewaltig an. Ich fühlte mich dadurch auch noch zum Zeichner berufen und lieferte Arbeitsproben für eine Filmparodie auf den James-Bond-Film “Moonraker“ mit der ich Mort Drucker Konkurrenz machen wollte. Außerdem hatte ich noch tolle Ideen für einen Beitrag über “Kaffeekannen der Zukunft.“ Diesmal fiel die Reaktion Feuersteins schon etwas verhaltener aus und ich wandte mich anderen Dingen zu.

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Doch auch ohne meine Mitarbeit hielt das deutsche MAD noch eine ganze Weile durch, wobei Herbert Feuerstein bereits 1991 von Bord ging und im Fernsehen eine lukrative Anstellung als Harald Schmidts nerviger Punchingball fand.  Zeitweilig verkaufte sich das deutsche MAD mit bis zu 300.000 Exemplaren sogar besser als das Mutterblatt zum selben Zeitpunkt in den USA. Doch die Beiträge waren nicht mehr allzu zeitgemäß. Das ganze Heft wirkte zuletzt nur noch lustlos zusammengestellt und schien sich auf alten Erfolgen auszuruhen. Als sich nur noch knapp 30.000 Hefte absetzten ließen, stellte das deutsche MAD 1995 mit Ausgabe 300 (vorerst) sein Erscheinen ein.

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Drei Jahre nachdem MAD in Deutschland eingestellt wurde, fragte Warner an, ob der Dino Verlag Interesse daran hätte einen Neustart mit MAD zu wagen. Ab Oktober 1998 erscheint MAD wieder monatlich und genau wie in den USA hat es auch hierzulande mit seiner sinkenden Auflage zu kämpfen.

50 JAHRE DEUTSCHES MAD

Doch  es ist mehr als erfreulich, dass wir mit einem regelmäßig erscheinenden MAD-Heft und zahlreichen zusätzlichen Veröffentlichungen mit den Werken des üblichen Haufen von Idioten verwöhnt werden.

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Auf dem Comicfestival München 2017 wird 50 JAHRE DEUTSCHES MAD unter anderen mit einer am 22. Mai startenden Ausstellung im Valentin Karlstadt Musäum gefeiert. Zu Gast sind MAD-Zeichner wie Peter Kuper (Spion & Spion) oder Tom Bunk.  In diesem Zusammenhang wird auch Herbert Feuerstein, der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazin MAD mit dem PENG!-Preis für sein Lebenswerk geehrt und diesen am 27. Mai persönlich in der Alten Kongresshalle entgegennehmen.

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