Schlagwort-Archive: Reinhard Kleist

Süddeutsche Zeitung Bibliothek – Graphic Novels II

2005 veröffentlichten die Bild-Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung zeitgleich die 12-bändige Bild-Comic-Bibliothek und die 20-bändigen Reihe Klassiker der Comic-Literatur – Ausgewählt vom F. A. Z. – Feuilleton. Obwohl hier populäre Titel wie Asterix, Donald Duck, Lucky Luke oder Superman vertreten waren, blieb ein nachhaltiger Erfolg aus.

Süddeutsche Zeitung Bibliothek – Graphic Novels II

Die sechs Jahre später erschienene zehnbändige Süddeutsche Zeitung Bibliothek – Graphic Novels hingegen verkaufte sich so gut, dass sie bereits ein Jahr fortgeführt wurde. 2012 wurden nicht alle zehn Bände gleichzeitig angeboten. Zunächst erschienen fünf Titel, die mit 17 x 25 cm das selbe Format wie die Comics der ersten Edition hatten, und die restlichen Graphic Novel wurden einen Monat später im größeren Format von 22 x 30 cm veröffentlicht.

Süddeutsche Zeitung Bibliothek – Graphic Novels II

Nachdem er bereits 2011 mit Cash – I see a darkness in der ersten Bibliothek vertreten war, eröffnet Reinhard Kleist mit Castro den zweiten SZ-Reigen.  Auch hierbei handelt es sich um eine Comicbiografie. Kleist erzählt vom Fotoreporter Karl Mertens, der Ende der 50er-Jahre nach Kuba kam, um Fidel Castro zu interviewen. Dort verfiel er nicht nur dem Charisma des Revolutionsführers, sondern verliebte sich auch in dessen Mitkämpferin Lara.

Reinhard Kleist: Castro

Dass Mertens ignoriert in seiner blauäugigen Castro-Treue die Spätfolgen der Revolution, wie das Ausschalten von alten Kämpfern. Dies entzweit ihn von Lara, die schließlich nach Miami flüchtet. Dadurch, dass “Castro“ nicht nur von Fidel sondern auch von Mertens und Lara erzählt, entstand eine sehr vielschichtige und alles andere als unkritische Biografie der kubanischen Revolution.

Sandman

1988 reaktivierte der britische Autor Neil Gaiman eine DC-alte Serie namens Sandman. Von wechselnden Zeichnern gestaltet, erzählte er von den Ewigen, einer siebenköpfigen Geschwisterschar, die mächtiger als alle Götter sind, da sie bereits seit Beginn des Universums existieren. Die SZ veröffentlichte nicht den Auftakt der Serie, sondern die Storyline Die Zeit des Nebels. Durch seine schwülstigen Texte und komplizierte Erzählstrukturen macht es Gaiman den Lesern nicht leicht. Er hat sich jedoch eine treue Fan-Gemeinde erarbeitet und ist fast nur noch im Bereich der nicht bebilderten Literatur tätig.

Gott höchstselbst

Die Comics von Marc-Antoine Mathieu begeistern durch ungewöhnliche Ideen, vor allem seine Geschichten mit dem kleinen Angestellten Julius Corentin. In Gott höchstselbst erzählt Mathieu davon, was passieren würde, wenn Gott plötzlich auf die Erde käme. Mathieus Gott ist nur nahezu perfekt, er trägt einen Ohrhörer und jemand gibt ihm möglicherweise Anweisungen. Konsequent wie er ist, vermeidet es Mathieu das Antlitz Gottes darzustellen, was weniger aus religiöser Pietät geschah, sondern damit zusammenhängt, dass dessen Verteidiger Anklage gegen die Welt wegen “visueller Belästigung“ erhoben haben und Gottes Gesicht gesetzlich schützten.

Süddeutsche Zeitung Bibliothek – Graphic Novels II

Keiji Nakazawa war am 6. August 1945 sechs Jahre alt und hat den Abwurf der Atombombe über Hiroshima überlebt. Als zwanzig Jahre später seine Mutter an den Folgen der radioaktiven Verstrahlung starb, beschloss Nakazawa seine Erlebnisse vor und nach dem Bombenabwurf zu Papier zu bringen. Er schrieb und zeichnete er den 900-seitigen autobiographischen Manga-Meilenstein Barfuss durch Hiroshima, von dem in der Ausgabe der SZ-Edition leider nur die ersten beiden von insgesamt vier Kapiteln enthalten sind.

Logicomix

Im Zentrum von Logicomix steht ein, am Tag als England Deutschland den Krieg erklärte gehaltener, Vortrag über die “Rolle der Logik im menschlichen Verhalten“. Der britische Mathematiker und Philosoph Bertrand Russell kam dabei als Logiker zu der Überzeugung, dass er seine pazistische Überzeugung angesichts der Bedrohung Europas durch Hitler nicht aufrechterhalten kann. Logicomix beschäftigt sich mit dem faszinierenden Leben von Russell, doch leider auch erschreckend umfangreich mit den großen Mühen, die die beiden griechischen Autoren auf sich nahmen, um diesen Comic zu vollenden. Da auf dem Cover der SZ-Edition die Namen der Zeichner Alecos Papadatos und Annie Di Donna fehlen, lassen wir hier zum Ausgleich unerwähnt, wer Logicomix geschrieben hat.

Robert Crumbs Genesis

Wer von Robert Crumbs Genesis erwartet, dass sich der Underground-Guru über die ersten 50 Kapitel der Bibel lustig macht, dürfte ganz schön überrascht werden. Auch wenn Crumb nur sehr gelegentlich die für ihn typischen ziemlich nackten Vollweiber zeichnet, besteht kein Grund zur Enttäuschung. Im Vorwort des von der SZ im Großformat veröffentlichten Buchs erklärt Crumb, dass er den “Originaltext der Bibel nach besten Wissen und Gewissen wortgetreu wiedergegeben“ hat und versuchte die “verschlungene Ambivalenz“ des Originaltextes zu belassen. Zu diesem Ansatz passt der klare Zeichenstil Crumbs, der heute gar nicht mehr wie “Underground“ wirkt, sondern schon fast altmeisterlich.

Posy Simmonds: Gemma Bovery

Posy Simmonds Gemma Bovery erschien genau wie ihr danach entstandenen Comic Tamara Drewe, der von Stephen Frears erfolgreich als Immer Drama um Tamara verfilmt wurde, zuerst als Fortsetzungsserie in der englischen Zeitung The Guardian. In beiden Comics verbindet Simmonds die amourösen Irrwege ihrer Charaktere – bei Gemma Bovery sind es Briten, die in Landhäusern in der Normandie leben – mit Motiven aus der Welt der Literatur.

Posy Simmonds: Gemma Bovery

Die auch als Kinderbuch-Illustratorin tätige Engländerin hat für ihre sich an eine erwachsene Leserschaft richtenden Geschichten einen interessanten Stil gefunden. Sie verknüpft Comicelemente mit Prosatexten und Tagebucheintragungen. Jede Seite erzählt ein in sich abgeschlossenes Kapitel und macht gespannt auf den weiteren Verlauf der Geschichte, was ideal für eine Veröffentlichung als Fortsetzungsserie ist, aber auch zur Binge-Lektüre verleitet.

Daniel Clowes: Wilson

Wilson ist eine Graphic Novel von Daniel Clowes, dessen Ghost World mit Steve Buscemi und der jungen Scarlett Johansson recht kultig verfilmt wurde. Zunächst sieht es so aus, als handele es sich um eine Sammlung mit in verschiedenen Stilen gezeichneten Gag-Einseiter, die um einen “Angeber ohne Selbstwahrnehmung“ (Clowes über Wilson) kreisen. Doch langsam aber sicher setzen sich experimentierfreudig gestalteten Einzelseite zu etwas Größerem zusammen. Clowes gelingt das Kunststück eine Ansammlung von für sich betrachtet recht komischen Gags zu einer mitreißenden fast schon epischen Geschichte mit tragischen Untertönen zusammenzufügen.

Manuele Fior: Fünftausend Kilometer in der Sekunde

Bei Manuele Fiors Fräulein Else handelt es sich um eine Adaption von Arthur Schnitzlers 1924 entstandener Novelle. Hierin geht es um eine junge Frau, die sich in einem italienischen Kurort aufhält und sich dort einem älteren Herren nackt zeigen soll, um ihrem Vater einen Kredit zu ermöglichen. Fräulein Else gerät dadurch in ein massives moralisches Dilemma. Fior setzt die Geschichte in stimmungsvolle Aquarellbilder in Szene und garniert diese mit Klimt-Zitaten. Manuele Fiors im Anschluss daran entstandener Comic Fünftausend Kilometer in der Sekunde wurde auf dem Comic Festival in Angoulême zum besten Album gekürt.

Süddeutsche Zeitung Bibliothek – Graphic Novels II

Ein neues Land stammt von Shaun Tan, als der Sohn von japanischen und irisch-englischen Einwanderern in Australien lebt. Sein Comic beginnt damit, dass ein Mann schweren Herzens ein Auswandererschiff besteigt. Da bedrohliche Schatten über seiner Heimat schweben, nimmt er die beschwerliche Reise auf sich. Es dauert sehr lange bis der Mann die Schönheit seiner neuen Heimat zu schätzen weiß.

Shaun Tan: Ein neues Land

Shaun Tan kommt bei Ein neues Land ganz ohne (lesbare) Worte aus und erzählt seine Geschichte durch an alte leicht vergilbte Schwarzweiß-Fotos erinnernde Bilder. Das Werk verblüfft durch den Hyperrealismus der Zeichnungen, aber auch durch surrealistische Verfremdungseffekte. Tan gelang ein auf vielen Ebenen faszinierendes Meisterwerk.

Süddeutsche Zeitung Bibliothek – Graphic Novels 3

Auch die zweite Comic-Edition der SZ bestand wieder aus einer interessanten und abwechslungsreichen Auswahl an lesenswerten Comics aus aller Welt. Die Verkaufszahlungen waren auch diesmal so erfreulich, dass ein Jahr später die Süddeutsche Zeitung Bibliothek – Graphic Novels III folgte, aber nur aus acht Bänden bestand. Die Auswahl war durchwachsener als bei den vorherigen Editionen. Es waren mit From Hell, Stadt aus Glas und Die Sache mit Sorge lediglich drei wirklich gute Graphic Novels und mit  Vallat und Scarface zwei sehr schwache Comics enthalten. Dass mit „Verbrechen“ also „Crime“ ein gemeinsames Thema gewählt wurde, war keine gute Idee, denn gute Graphic Novels lassen sich nur selten einem Genre zuordnen. Wie dem auch sein, bis heute wurde die Süddeutsche Zeitung Bibliothek – Graphic Novels leider nicht fortgeführt.

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Reinhard Kleist: The Secrets of Coney Island

Doch vor allem die großen permanenten Jahrmärkte Steeplechase Park, Dreamland und Luna Park zogen das Publikum an. Hier gab es neben Fahrgeschäften und Imbissständen auch etwas zweifelhafte Attraktionen wie inszenierte Großbrände, ausschließlich von Liliputanern bewohnte Zwergen-Dörfer und gelegentlich wurde schon einmal ein Elefant vor zahlendem Publikum erschossen.

Reinhard Kleist: The Secrets of Coney Island

Anfang der 60er-Jahre wurden die Vergnügungsparks vom sozialen Wohnungsbau verdrängt. Das heutige Coney Island bietet nur noch ein schwaches Glimmern vom einstigen “feurigen Funkel“, das schon Maxim Gorki faszinierte und Reinhard Kleist (Cash, Der Boxer, Der Traum von Olympia) 2007 zu seinem Comic The Secrets of Coney Island inspirierte. Seit er 1994 erstmals New York besuchte, ist Kleist dem morbiden Charme von Coney Island verfallen.

Bereits in seinem Comic Amerika und in dem kleinen Heftchen Steeplechase baute er den bestenfalls noch mit halber Kraft arbeitenden Vergnügungspark ein. Das Kernstück von Kleists aus drei Short Stories bestehenden Comic The Secrets of Coney Island ist zweifelsohne der Trilogie-Auftakt Coopers Show. Hier geht es um einen jungen Mann, der in einer “Magic Show“ als Schwertschlucker auftritt. Doch der eher unscheinbare Coop fühlt sich inmitten der ansonsten in Coney Island ansässigen Freaks etwas fehl am Platz. Hierfür gibt es auch eine Erklärung, doch als Coop schließlich das Geheimnis seiner Herkunft erfährt, kommt es zu einer Tragödie…

Reinhard Kleist: The Secrets of Coney Island

Bevor er in der letzten Geschichte Thunderbolt noch einen Epilog zu Coopers Show nachliefert, erzählt Kleist in Coney Island Angel von seltsamen Erlebnissen, die Mickey Rourke möglicherweise während der Dreharbeiten zu Alan Parkers Angel Heart in einer Bar hatte.

Reinhard Kleist: The Secrets of Coney Island

Coney Island überzeugt sowohl durch Storytelling als auch durch die atmosphärischen Zeichnungen und ist zugleich eine Einladung den einst “Worlds greatest Playground“ genannten Ort zu besuchen, bevor dieser gänzlich verschwindet.

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Reddition # 73//4: Comics & Musik

Die neuste Ausgabe der „Zeitschrift für Graphische Literatur“ ist eine 100-seitige Doppelnummer, deren Konzept sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Das Cover zeigt ein großartiges Jimmy-Hendrix-Gemälde von Timo Wuerz (Black Metal) und die ersten 75% der Reddition beschäftigen sich in Form von 16 Artikeln mit “Rock, Metal und Pop“ im Comic.

Reddition # 73//4: Comics & Musik

Dabei geht es natürlich um das schier unerschöpfliche Thema “Beatles und Comics“. Ebenfalls auf sechs Seiten wird Reinhard Kleist gewürdigt, der sich aktuell mit David Bowie beschäftigt und zuvor Comics zu Nick Cave, Johnny Cash und Elvis schuf.

Reinhard Kleist: Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years

Die Redditon würdigt außerdem comic-affine Künstler wie Bill Sienkiewicz, Frank Margerin, Jamie Delano, Hervé Bourhis oder Ingo Römling und natürlich die Band Kiss. Peter Osteried beschäftigt sich mit dem kurzlebigen Label Marvel Music, in dem sich 1994 die Comic-Größen Neil Gaiman und Dave McKean an Musikern wie Alice Cooper, Bob Marley oder den Stones versuchten.

Reddition # 73//4: Comics & Musik

Wer die Reddition umdreht, hält quasi ein zweites Heft mit einem Cover von Serge Clerc in den Händen. Dieses beschäftigt sich mit Comics zu “Jazz, Soul & Hip-Hop“. Hierin geht es u. a. um die großartigen jazzigen Soundtracks, die Vince Guaraldi für die Peanuts-TV-Serie schuf und natürlich um “Robert Crumb & Die Musik“. Hinzu kommen noch fünf Seiten mit LP-Covern von Comickünstlern wie Morris, Bernie Wrightson, Milo Manara, Peter Puck oder Hugo Pratt, die das gelungene Themenheft perfekt abrunden.

Zu bestellen unter: www.reddition.de

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Reinhard Kleist: Cash – I see a Darkness

Als Reinhard Kleist den Trailer zum Kinofilm Walk the Line sah, hatte er seinen Johnny-Cash-Comic bereits komplett vorgezeichnet und dachte: “Ach du Scheiße, da macht ja einer genau das Gleiche wie ich!“ Auch James Mangold setzt Cashs Auftritt im Gefängnis Folsom, der 1968 dessen Comeback einleitete, als große Klammer für seine Film-Biografie ein.

Reinhard Kleist: Cash - I see a Darkness

Doch insgesamt geht der Film doch in eine komplett andere Richtung. Mangold konzentriert sich auf die Liebesgeschichte mit June Carter und einen wohl eher frei erfundenen Vater-Sohn-Konflikt. Reinhard Kleists erzählerischer Ansatz hingegen geht stärker in die Tiefe, wobei jedoch bedacht werden muss, dass ein Comic episodenhafter als ein (kommerziell orientierter) Film sein darf.

Reinhard Kleist: Cash - I see a Darkness

Als Johnny Cash im Folsom State Prison auftrat, sang er auch ein Stück namens Greystone Chapel. Diesen Song hatte ihm am Tag vor dem Konzert der Gefängnisgeistliche überbracht und es stammte von Glen Sherley, der in Folsom wegen einiger bewaffneter Raubüberfälle einsaß. Diesen Häftling setzt Kleist als Erzähler ein.

Reinhard Kleist: Cash - I see a Darkness

Einen zusätzlichen Reiz erhält der Comic dadurch, dass einige Songs wie I shot a Man in Reno just to watch him die oder A Boy named Sue sehr stimmungsvoll als Comic-Shortstories umgesetzt wurden. Doch all dies wäre nur die halbe Miete, wenn Reinhard Kleist (Der Boxer. Der Traum von Olympia, Starman) nicht ein derart begnadeter Schwarzweiß-Zeichner und Bild-Erzähler wäre.

Reinhard Kleist: Cash - I see a Darkness

Während sich Comic-Biografien (genau wie Comics zum Film) meist darauf konzentrieren die Hauptfiguren möglichst realistisch abzubilden, beschränkt sich Kleist nicht darauf markante Situationen aneinander zu reihen, sondern bietet eine ebenso spannende wie eigene Version.

Reinhard Kleist: Cash - I see a Darkness
Luxus-Edition

Während Kleist kurz danach gemeinsam mit anderen Zeichnern eine Comicbiografie von Elvis schuf, erschien bei der Edition 52 eine sehr schön gestaltete Luxus-Edition von Cash im Hardcover-Format vor. Diese enthält neben einem signierten Druck – als optimalen Soundtrack zur Comic-Lektüre – noch die CD Up Through The Years, 1955-57 (Bear Family) die mit einem von Kleist gestalteten Label versehen wurde.

Cash – I see a Darkness

Cash erschien 2011 auch in der Reihe Süddeutsche Zeitung Bibliothek – Graphic Novels. Diese Ausgabe hat ein anderes Cover als die reguläre und die Luxus-Edition.

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Elvis – Die illustrierte Biografie

Wohl kein anderer Musiker hat eine so vielfältige und abwechslungsreiche Karriere hingelegt wie Elvis Presley. Er war der wild mit den Hüften schwingende Bürgerschreck, der brav seinem Land dienende GI, der Hauptdarsteller unzähliger meist eher einfältiger Hollywood-Filme, der tablettensüchtige Bewohner einer Riesenvilla und ein nicht mehr ganz schlanker Las-Vegas-Entertainer im Glitzeranzug.

Elvis – Die illustrierte Biografie

Bei so vielen unterschiedlichen Lebenssituationen ist es durchaus sinnvoll, eine Elvis-Comic-Biografie von verschiedenen Zeichnern gestalten zu lassen. “Elvis – Die illustrierte Biografie wurde geschrieben und koordiniert von Reinhard Kleist, dessen Comic-Biografie von Johnny Cash bereits zahlreiche Preise erhalten hatte, und von Titus Ackermann, der bei Moga Mobo schon sehr häufig zahlreiche Zeichner äußerst spannend zusammenarbeiten ließ.

Cover der niederländischen Ausgabe

Zum Auftakt erzählt der dänische Zeichner Søren Mosdal von dem bei der Geburt verstorbenen Zwillingsbruder von Elvis und von dessen erster Gitarre. Doch eigentlich wollte er lieber ein Luftgewehr…

Søren Mosdal

Nic Klein zeigt den jungen Sänger bei der Aufnahme seiner ersten Single, für die er noch bezahlen musste. Thomas von Kummant (Die Chronik der Unsterblichen, Gung Ho) gestaltet die erste Begegnung zwischen Elvis und Colonel Parker.

Elvis – Die illustrierte Biografie
Thomas von Kummant

Reinhard Kleist erzählt von der Soldatenzeit sowie vom Tod der Mutter von Elvis, während Isabel Kreitz (Die Sache mit Sorge, Rohrkrepierer: Eine Jugend auf St. Pauli) die erste Begegnung mit Priscilla Beaulieu schildert.

Elvis – Die illustrierte Biografie
Isabel Kreitz

Michael Meier zeigt wie Elvis für zwei Tage verschwand, um das weltweit beste Hotdog zu essen, Tim Dinter (Herr Lehmann) bebildert die Trennung Priscillas vom mittlerweile drogenabhängigen Elvis und Uli Oesterle (Hector Umbra, Vatermilch) zelebriert das “Aloha from Hawaii“-Konzert.

Elvis – Die illustrierte Biografie
Uli Oesterle

Zum Abschluss erzählt Frank Schmolke (Nachts im Paradies, Der Augensammler), davon wie Elvis schließlich endgültig das Gebäude verlassen hat.

Elvis – Die illustrierte Biografie
Frank Schmolke

Das Resultat kann voll überzeugen und wird abgerundet durch einige verspielte Elvis Portraits von Ackermann, Biografien der Zeichner sowie ein Vorwort von Bela B., dessen treffendes Resümee lautet: “Ich liebe Rock´n Roll und ich liebe Comics. Für mich gehörte das immer zusammen. Hier hat sich ein Kreis geschlossen.“

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Reinhard Kleist: Starman – David Bowie’s Ziggy Stardust Years

Nach seinen biografischen Comics zu Johnny Cash, Elvis Presley und Nick Cave hat sich Reinhard Kleist einen weiteren Musiker vorgenommen. Bereits vor eineinhalb Jahren erschien bei Cross Cult unter dem Titel Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume ein Comic, der sich mit jener Zeit in den frühen 70er-Jahren beschäftigt, als David Bowie in der schillernden Rolle von Ziggy Stardust der große Durchbruch gelang.

Reinhard Kleist: Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years

Der detailfreudig von Mike Allred (Madman) in Szene gesetzte Comic konzentriert darauf, jeden Prominenten vorzustellen, den Bowie seinerzeit traf. Auch Kleist gelingen gut erkennbare Portraits von Andy Warhol, Lou Reed oder Iggy Pop, stärker aber noch ist er aber am Menschen David Bowie interessiert.

Reinhard Kleist: Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years
Cover der Luxusausgabe

Eins die zentralen Themen von Kleists Comic ist dessen Beziehung zu seinem lebenslustigen Bruder Terry, der den halbwüchsigen Bowie nach London zu Jazz-Konzerten mitnahm und immer wieder ermutigte seinen eigenen Weg zu gehen. Als David Bowie erfolgreicher wurde, ließ Terrys geistige Gesundheit zunehmend nach und der aufstrebende Star fand nur noch selten Zeit, sich um seinen Bruder zu kümmern.

Reinhard Kleist: Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years

Nachdem er zuvor meist in Schwarzweiß arbeitete, setzte Kleist diesmal sehr stark auf eine passende Kolorierung. Bei der Schilderung der frühen Erlebnisse Bowies kommen nur bräunlich-graue Schmuckfarben zum Einsatz, doch bei der Visualisierung der Texte von Songs wie Five Years oder Major Tom lässt es Kleist so richtig grell krachen. Dabei wird er kongenial unterstützt von Thomas Gilke.

Reinhard Kleist: Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years

Auch die mitreißend eingefangenen Live-Auftritte von Bowie in krassen Kostümen bekommen durch Gilkes kontrastreiche Farbgebung einen gewaltigen Drive.

Reinhard Kleist: Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years

Erwartungsgemäß endet der Comic mit jenem Konzert im Londoner Hammersmith Odeon, auf dem sich Bowie 1973 auch zur Überraschung seiner Spiders-from-Mars-Band von der ihm immer unheimlicher werdenden Kunstfigur Ziggy Stardust verabschiedete.

Reinhard Kleist: Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years
Aus „Berliner Mythen“

Eine kleine Überraschung hingegen ist die Ankündigung am Ende des Albums, die mitteilt, dass sich Kleist in der Fortsetzung LOW mit David Bowie’s Berlin Years beschäftigen wird. Einen Vorgeschmack darauf bietet eine entsprechende Episode aus Kleists Sammelband Berliner Mythen.

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Bowie: Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume

Jeder, der sich in den letzten 50 Jahren mit Musik oder Filmen beschäftigt hat, wird in irgendeiner Form David Bowie begegnet sein. Vielen Deutschen werden vielleicht zuerst die Berliner Jahre einfallen, in denen Bowie Helden aufnahm und später noch einmal zurückkehrte, um sich selbst in Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo zu spielen.

Bowie: Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume

Den US-amerikanischen Comiczeichner Mike Allred (Madman) hingegen fasziniert eine früher Phase von Bowies Karriere. Die Rahmenhandlung seines gemeinsam mit Steve Horton verfassten Comics bildet ein Konzert in London am 3. Juli 1973, in dem David Bowie Abschied von seinem drei Jahre zuvor geschaffenen Alter Ego Ziggy Stardust nahm.

Bowie: Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume

Was danach passierte – wozu auch die Berliner Jahre gehören – handelt Allred unter dem Motto “und viele Geschichten werden noch folgen, zahllose Persönlichkeiten und Masken, die es zu tragen gilt“ auf einigen im Collagen-Stil gestalteten Wimmelbildern ab.

Bowie: Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume

Recht ausführlich hingegen widmet sich der Comic mit den 60er-Jahren und Bowies ersten Gehversuchen als Musiker. Dabei wird fast schon zu akribisch geschildert, wann der junge Bowie welchen Zeitgenossen getroffen hat und welcher Film ihn besonders beeindruckte. Etwas auf der Strecke bleibt dabei der Mensch Davis Bowie.

Bowie: Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume

Doch das detailfreudige Artwork mit den gut erkennbaren Pop-Ikonen fasziniert von Anfang an. Dies und das Vorwort des ebenfalls von Ziggy Stardust faszinierten Neil Gaiman laden dazu ein, wieder in die Welt von Bowie einzutauchen.

Reinhard Kleist: Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years

Eineinhalb Jahre nach dem Erscheinen dieses Comics nahm sich Reinhard Kleist in Starman – David Bowie’s Ziggy Stardust Years der selben Thematik an.

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Reinhard Kleist: Knock Out!

In seiner 2008 erschienenen Autobiografie schrieb der ehemalige Box-Weltmeister Emile Griffith: “Ich muss immer daran denken, wie seltsam das ist… Ich töte einen Mann, und die meisten Leute verstehen das und verzeihen mir. Hingegen, ich liebe einen Mann, und so viele halten das für eine unverzeihliche Sünde, was mich zu einem schlechten Menschen macht. Wenn ich auch nicht im Gefängnis gelandet bin, so war ich trotzdem fast mein ganzes Leben lang eingesperrt.“

Reinhard Kleist: Knock Out!

Dieses Statement fasst recht gut den Inhalt des neuen Comics von Reinhard Kleist (Castro, Der Traum von Olympia) zusammen, der bereits in Der Boxer basierend auf tatsächlichen Ereignissen das Schicksal eines Ringkämpfers in Szene setzte.

Reinhard Kleist: Knock Out!

Die Eckpunkte bei Kleists Comic-Biografie Knock Out! sind der heimtückische Angriff auf Emile Griffith, nachdem dieser 1982 aus einer Homosexuellen-Bar kam, und ein Boxkampf, der zwanzig Jahre zuvor stattgefunden hat. Damals trat Griffith gegen Benny Parret an, der ihn zuvor auch dadurch besiegt hatte, dass er vor dem Kampf Witze über dessen sexuelle Ausrichtung gemacht hatte. Den Rückkampf gewann Griffith durch K. O. in der zwölften Runde. Der stark angeschlagene Parret fiel ins Koma und verstarb 10 Tage später.

Reinhard Kleist: Knock Out!

In Kleists Comic erscheint Emile Griffith der Geist von Parret und er beginnt diesem sein Leben zu erzählen. Griffith stammt aus der Karibik und war eigentlich eine Frohnatur. Er war auch ein talentierter Sänger, Tischtennis-Spieler und Hut-Designer, doch seine dunkle Hautfarbe ließ seinerzeit nur eine Karriere als Boxer zu. Dass er einen Menschen erschlagen hat, machte ihn Zeit seines Lebens zu schaffen. Es wurde nicht besser dadurch, dass Griffith zwar weiter als Profi-Boxer kämpfen, aber seine Homosexualität nicht offen ausleben durfte.

Reinhard Kleist: Knock Out!

Die schwarzweiße Grafik mit der Reinhard Kleist diese Geschichte interessant verschachtelt in Szene gesetzt hat, ist einmal mehr phänomenal. Carlsen feiert Knock Out! durch eine mit interessanten Anhängen versehenen, geschmackvoll aufgemachte Hardcover-Edition.

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Reinhard Kleist: Berlinoir

Eigentlich müsste der regierende Vampir von Berlinoir die Menschen hassen, zumal diese auch noch dafür verantwortlich sind, dass sein Gesicht bei einem Attentat grausam entstellt wurde. Doch Madocles ist nachsichtig: “Sie sind alle so entsetzlich sterblich. Gönnt ihnen ihre kurze kindische Zeit.“ Die ihm unterstellte Generalin Radra sieht dies keinesfalls so und beschließt die Herrschaft über Südberlinoir zu übernehmen. Fortan unterteilt eine Mauer die Stadt in einen kulturell-schillernden Norden und einen industriell-grauen Süden.

Reinhard Kleist: Berlinoir

Berlinoir ist zweifelsohne eine vampirische Hommage an Fritz Langs Film M – eine Stadt sucht einen Mörder, doch Autor Tobias O. Meissner hat sich auch unverkennbar von der jüngeren Geschichte inspirieren lassen. Doch zum Glück ist die Geschichte nicht nur eine politische Parabel, sondern bietet neben allerlei Anspielungen auf Klassiker des deutschen Filmexpressionismus auch noch – quasi als Blade meets Nosferatu – eine äußerst solide konstruierte Schauermär mit einen Helden, der selbst zum Vampir werden muss, um seine scheinbar übermächtigen Gegner zu bezwingen.

Reinhard Kleist: Berlinoir

Berlinoir erschien ab 2003 nach Texten des sehr produktiven Fantasy-Autors Tobias O. Meissner (Die Dämonen) als dreiteilige Hardcover-Serie bei der Edition 52. Im ersten Band Scherbenmund suchte der Zeichner Reinhard Kleist (Castro, Der Boxer, Der Traum von Olympia) Comics noch einen passenden Zeichen- und Farbstil, fand diesen spätestens in der Mitte von Band 2 Mord und inszeniert mit Narbenstadt sehr souverän ein höllisches Finale.

Reinhard Kleist: Berlinoir

Carlsen veröffentlicht eine geringfügig kleinformatigere Gesamtausgabe von Berlinoir. Der Comic wurde hierfür nicht nur neu gelettert, sondern Kleist hat vor allem den ersten Band Scherbenmund noch ausgiebig überarbeitet und um einige komplett neu gezeichnete Seiten ergänzt. Dadurch wirkt Berlinoir wie aus einem Guss und sei allen Freunden von Horror, Mystery und atmosphärischen Comics ans Herz gelegt.

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Reinhard Kleist: Castro

Am Ende seines Comic-Bildbandes Havanna: Eine kubanische Reise schildert Reinhard Kleist wie er fiktive Diskussionen mit dem in Kuba auf allerlei Plakaten allgegenwärtigen Fidel Castro führte. Noch im Flugzeug ruft ihm dessen Foto aus der Parteizeitung entgegnet: “Was hast Du schon gesehen von unserem Land? Was maßt du dir ein Urteil an?! Letztlich bist du nur ein Tourist…“

Reinhard Kleist: Castro

Doch während er im Comic Havanna eher als Beobachter tätig war, traut sich Kleist jetzt ein eigenes Urteil zu. Er erzählt nicht nur die Biografie von Castro, sondern auch von den Auswirkungen seiner Revolution auf die kubanische Bevölkerung.

Reinhard Kleist: Castro

Unterstützung fand er beim Castro-Biografen Volker Skierka, der für den WDR einen viel beachteten Dokumentarfilm über den Maximo Leader produzierte. Im Vorwort schreibt Skierka, dass “die Erzählweise eines Comics Spielräume für fiktive Wahrheiten und Schlussfolgerungen eröffnet, wie sie im Sachbuch nicht erlaubt sind.“

Reinhard Kleist: Castro

In diesem Sinne erfand Kleist den deutschen Fotoreporter Karl Mertens, der Ende der 50er-Jahre nach Kuba kam, um Castro zu interviewen. Dort verfiel er nicht nur dem Charisma des Revolutionsführers, sondern verliebte sich auch in eine von dessen Mitkämpferinnen, namens Lara, Dr. Schiwago lässt grüßen. Mertens steht reichlich unkritisch zu den Spätfolgen der Revolution, wie die durch das US-Embargo ausgelöste Lebensmittelknappheit oder das Ausschalten von alten Kämpfern. Nach und nach entzweit ihn seine fast schon blauäugige Castro-Treue von Lara, die schließlich nach Miami flüchtet.

Reinhard Kleist: Castro

Dadurch, dass Castro nicht nur von Fidel sondern auch von Mertens erzählt, entstand eine sehr vielschichtige und alles andere als unkritische Biografie der kubanischen Revolution. Dass Kleist, der den Comic in eleganter Schwarzweiß-Grafik in Szene setzt, zudem noch ein begnadeter Zeichner ist, muss nach Cash, Der Boxer oder Der Traum von Olympia wohl nicht mehr erwähnt werden.

Süddeutsche Zeitung Bibliothek – Graphic Novels II

Castro erschien 2012 auch als Hardcoverband in der Reihe Süddeutsche Zeitung Bibliothek – Graphic Novels.

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