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Lena und die drei Frauen

Mit Lenas Reise gelang dem Autor Pierre Christin (Valerian und Veronique) und dem Texter André Juillard (Doppel 7) 2006 ein kleines Comic-Meisterwerk. Die Geschichte beginnt als melancholisch und entschleunigt erzählte Reise einer jungen Frau, die sich – ausgehend von Ostberlin – auf dem Landweg immer weiter nach Osten fortbewegt.

Lena und die drei Frauen

Bei den detailreichen Bildern konnte Juillard auf Fotodokumentationen des sehr reiselustigen Pierre Christin (siehe auch dessen von Philippe Aymond in Szene gesetzte Autobiografie Ost-West) zurückgreifen. Lena trifft auf ihrer Reise allerlei seltsame Menschen, von denen sie etwas erhält, oder denen sie etwas übergibt. Keiner dieser Zeitgenossen war Lena völlig unsympathisch, dennoch (Vorsicht, Spoiler!) befand sie sich auf einem Rachetrip.

Lena und die drei Frauen

Am Ende von Lenas Reise deutet sich an, dass die Protagonistin in Australien vielleicht doch etwas Glück und Ruhe findet. Doch in einem 2009 erschienenen Album schicken Christin und Juillard die junge Frau auf eine neue Mission. Es hat sechs Jahre gedauert, bis Lena und die drei Frauen auch bei uns veröffentlicht wurde. Obwohl Lenas Reise bei Carlsen noch lieferbar ist, hat sich der rührige Salleck Verlag der Fortsetzung angenommen.

Lena und die drei Frauen

Die Geschichte ist leider aktueller denn je. Unter sanften Druck des französischen Geheimdienstes infiltriert Lena im nahen Ost eine islamistische Terror-Organisation. Sie soll dort drei junge Frauen mit westlichen Lebensgewohnheiten vertraut machen, und reist anschließend mit ihnen nach Paris, damit sie dort einen Anschlag verüben können.

Lena und die drei Frauen

Christin vermeidet Schwarzweißmalerei in seiner Geschichte und stellt die drei als Attentäter vorgesehenen Frauen und deren Umfeld als sehr unterschiedlich motivierte Individuen dar. Am Ende der Geschichte – so viel sei verraten – ist Lena sich unsicher, ob sie Stolz oder Scham für das empfinden soll, was sie getan hat. Unter dem Titel Léna dans le brasier (Lena in der Flamme) ist in Frankreich gerade ein dritter Band dieser großartigen Reihe angekündigt.

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Daniel Ceppi: Unterwegs

1977 startete der Schweizer Daniel Ceppi seine Comicserie “Stéphane Clément, chroniques d’un voyageur“ von der bis 2010 dreizehn Alben erschienen sind. Bei uns brachte Carlsen die Reihe ab 1984 unter dem recht passenden Titel “Unterwegs“ heraus. Es wurden jedoch nur die ersten sieben Alben veröffentlicht, daher ist es erfreulich, dass comicplus+ eine auf 1000 Exemplare limitierte Gesamtausgabe in sechs Hardcover-Bänden herausbringt.

Daniel Ceppi: Unterwegs

„Das Wespennest“, das erste Comic-Album von “Unterwegs“, ist ein in der Schweiz angesiedelter Krimi. Die Hauptfigur Stephan Clément zieht es in die Ferne, doch dazu fehlt ihm das nötige Kleingeld. Daher lässt er sich von einem Kumpel dazu überreden ein Juwelier-Geschäft zu überfallen. Das soll eine ganz gefahrlose Angelegenheit werden, läuft jedoch gnadenlos schief. Stephan kriecht in einem Kaff nahe der italienischen Grenze unter, trifft dort jedoch ausgerechnet auf die Verkäuferin des überfallenen Juwelier-Ladens, die ihn wieder erkennt. Nach vielen Verwicklungen gelingt Stephan die Flucht. Zusammen mit der jungen Alice, der es in ihrem Dorf zu eng geworden ist, bricht er nach Istanbul auf.

Daniel Ceppi: Unterwegs

Die nun folgende Comic-Erzählung führt Stephan in den Iran, nach Afghanistan, Pakistan und Indien. Ceppi hat diese Route auch bereist, doch sein Comic ist natürlich nicht autobiographisch, sondern Ceppi versteht die Erzählung als “Echo seiner Reisen“. Innerhalb der Geschichte reift nicht nur die Comicfigur, sondern auch der Künstler Ceppi. Die ersten drei Alben sind zunächst in Frankreich bei Les Humanoïdes Associés in schwarzweiß erschienen. Die Zeichnungen waren unübersehbar von Ceppis Idol Jacques Tardi (“Elender Krieg“) beeinflusst, doch bereits für den zweiten Band „Die tödliche Quelle“ wurde er auf dem Festival in Angoulême als bester Szenarist ausgezeichnet.

Daniel Ceppi: Unterwegs

Danach wechselte Ceppi in Frankreich einige Male seinen Verleger, zeichnete neue Abenteuer mit Stephan, aber auch die alten „Unterwegs“-Alben noch einmal neu und kolorierte diese. Dadurch kommt es bei der Lektüre der Gesamtausgabe zu einigen stilistischen Sprüngen, die jedoch den Lesegenuss kaum trüben. Da Ceppi viele der von ihm beschriebenen Situationen wirklich erlebt hat, vermittelt der Comic Eindrücke aus einer Zeit, als man nicht nur einfach kurz “mal weg war“, sondern wirklich in eine andere Welt abtauchte, ohne ständig mit daheim in Kontakt zu stehen.

Daniel Ceppi: Unterwegs

Für Herausgeber Eckart Sackmann ist “Unterwegs“ durch die authentisch vermittelte Atmosphäre sogar ein Vorläufer der sogenannten Reportage-Comics, wie etwa „Palästina“ von Joe Sacco: “In den frühen Alben steht noch der Abenteuercharakter der Erzählung im Vordergrund; später aber schildert Ceppi die Erlebnisse des Stephan Clément zunehmend vor dem Hintergrund von Politik und Gesellschaft.“

Daniel Ceppi: Unterwegs

Für die Gesamtausgabe von comicplus+ sprechen auch die interessant zusammengestellten Anhänge mit Illustrationen, Cover-Abbildungen und Fotos von den “Unterwegs“-Schauplätzen.

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