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Guy Delisle: Pjöngjang

Als Guy Delisle in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang ankommt um bei einem Trickfilmprojekt mitzuarbeiten, wartet am Flughafen ein Fahrer mit einem Blumenstrauß auf ihn. Guy hat sich zuvor informiert und ihm ist klar, dass das Gebinde nicht für ihn ist. Wie jeder Neuankömmling wird er zunächst erst einmal zu einer riesigen Bronzestatur von Kim Il-Sung, des auch nach seinem Tode nach überall präsenten Landesübervaters, gebracht um dort seinen Blumenstrauß ehrfürchtig niederzulegen.

Guy Delisle: Pjöngjang

Auch die restlichen Monate von Guys Aufenthalt in Nordkorea verlaufen äußerst skurril. Er bekommt einen Dolmetscher und einen Führer zugeteilt, die sich ständig in seiner Nähe aufhalten. Guy absolviert neben seiner nicht eben reibungsfreien Arbeit auch noch ein umfassendes propagandistisches Nebenprogramm. So besucht er u. a. das “Museum der imperialistischen Besatzung“, das Greueltaten von US-Soldaten genüsslich dokumentiert, und eine abgelegene atombombensichere Kultstätte mit eigenem Autobahnzubringer, in der all jene Geschenke ausgestellt sind, die der große Kim Il-Sung und sein jetzt herrschender Sohn Kim Jong-Il aus aller Welt erhalten haben. Doch diese Prunkfassaden können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es einem Großteil der nordkoreanische Bevölkerung an fast allem fehlt was das Leben lebenswert macht, obwohl gewaltige Mengen von Hilfsgütern aus aller Welt angeliefert werden.

Nordkorea

Guy Delisle (“Louis fährt Ski“) zeichnete zuvor bereits eine ähnliche Comicreportage über das chinesische „Shenzhen“ und danach die “Aufzeichnungen aus Birma“. Auch in “Pjöngjang“ bringt er seine persönlichen Eindrücke trotz seines äußerst lockeren Zeichenstil – irgendwo zwischen Marjane Satrapis “Persepolis„und Joe Saccos “Palästina“ – und seines immer wieder aufblitzenden Humors ebenso eindringlich wie direkt an den Leser.

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Guy Delisle: Shenzhen

Mit „Shenzhen“ startete Guy Delisle (“Louis fährt Ski“) 2000 seine Comicreportagen-Reihe über die Lebensbedingungen in den Ballungsräumen asiatischer Diktaturen. Er beschreibt wie es ihn für drei Monate zur Überwachung einer Trickfilmproduktion in die etwas nördlich von Hongkong gelegene gesichtslose chinesische Metropole Shenzhen verschlagen hat.

Guy Delisle: Shenzhen

Abgesehen von Arbeit und langweiligen Nächten im Hotel hat Delisle eigentlich eher weniger erlebt. Die ihm unterstellten chinesischen Animatoren lernt er – nicht nur bedingt durch die Sprachbarriere – kaum näher kennen und die Stadt schildert er als trostlos. Einzig Ausflüge nach Kanton und Hongkong bieten etwas Abwechslung bzw. westliche Kultur.

Guy Delisle: Shenzhen

Shenzhen“ ist eine Art Ouvertüre zu Delisles drei Jahre später entstandenen „Pjöngjang“ (bei uns bei ebenfalls bei Reprodukt erschienen), einem deutlich vielschichtigeren und sehr viel souveräner zu Papier gebrachten Bericht über seine Erlebnisse in der nordkoreanischen Hauptstadt. Delisles danach erschienene Comicreportage “Aufzeichnungen aus Birma“ (ebenfalls Reprodukt) hingegen liest sich – da der Autor hier mit Frau und Kind reiste – über weite Strecken eher wie ein heiterer Familienroman. Doch insgesamt zeigen Delisles Comics, dass mit einem lockeren eher karikaturhaften Zeichenstil durchaus ernsthafte Inhalte transportiert werden können.

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Cyril Pedrosa: Auto-Bio

In stimmungsvollen Schwarzweiß-Bildern erzählte Cyril Pedrosa (“Ring Circus“) sein düster-bedrohliches Fantasy-Epos “Drei Schatten“, das 2008 auf dem Comicfestival in Angouleme als Bestes Album prämiert wurde. Doch der auch als Disney-Animator tätig gewordene Zeichner kann aber auch ganz anders, was er mit “Auto-Bio“ beweist.

Cyril Pedrosa: Auto-Bio

In einem ebenso lockeren wie eigenständigen Funny-Stil macht sich Pedrosa auf höchst amüsante Weise darüber lustig, dass es nicht immer einfach ist ein politisch-korrektes-ökologisch-linkes Leben zu führenden. Da das Werk den Titel “Auto-Bio“ trägt, wird der Versuch halbwegs unegoistisch und umweltschonend durchs Leben zu kommen nicht denunziert (aber auch nicht heroisiert).

Cyril Pedrosa: Auto-Bio

Im Zentrum des Geschehens steht der alltägliche Kampf eines ökologisch orientierten Familienvaters, der eine heimliche Schwäche für Cocktail-Würstchen aus der Dose hat. Ständigen Schwankungen unterworfen ist auch das Verhältnis der Hauptfigur zu den Deutschen. Zunächst sind diese schießwütige Fußball-Boches, dann sanftmütige Grüne und “eine Nation mit blühender Kultur“, was jedoch wieder in Frage gestellt wird nachdem der Sohn “Tokio Hotel“ entdeckt hat.


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Guy Delisle: Aufzeichnungen aus Birma

Neben eher lustigen Alben wie “Louis fährt Ski“ oder “Louis am Strand“ ist der im kanadischen Quebec geborene Guy Delisle vor allem für seine Comicreportgen bekannt. Er verarbeitete bereits seine Erlebnisse im chinesischen „Boomtown“ Shenzhen und in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang zu Comicreportagen, wobei es ihm gelang mit simplen Strich komplizierte Verhältnisse darzustellen.

Guy Delisle: Aufzeichnungen aus Birma“Aufzeichnungen aus Birma“ entstand während Delisles Frau in jenem mittlerweile offiziell als Myanmar benannten Land für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen arbeitete. Während sich “John Rambo“ dort kürzlich im Kino ziemlich gewalttätig aufführte, absolvierte Delisle dort als Hausmann und Aufsichtsperson für das Söhnchen Louis eher eine Art “Damenprogramm“. Mit der Intensität seiner Eindrücke aus Pjöngjang – Delisle arbeitet in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang unter Aufsicht der Staatsmacht an einem Trickfilmprojekt – können die oft etwas beliebig wirkenden Impressionen aus Birma – mit Besuchen in Comicläden oder Treffen von Zeichnern – nur selten mithalten.

Guy Delisle: Aufzeichnungen aus Birma

Doch interessant wird es wenn fast schon beiläufig geschildert wird, wie die herrschende Militärjunta urplötzlich die Hauptstadt verlagert oder wenn Delisle nach einem erschreckend naiven Text Illustrationen für eine ihm etwas peinliche Broschüre für HIV-infizierte Kinder anfertigt (“Ich falle tot um, wenn jemand mit dem Buch bei einer Signierstunde auftaucht“) und später erfährt, dass Hilfsorganisationen damit täglich arbeiten. Hier zeigt sich einmal mehr wie gut mit lockerem Strich ernste Themen zu Papier gebracht werden können.


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Fil: Didi & Stulle – Die Gesamtausgabe

1987 veröffentlichte die Berliner Programmzeitschrift ZITTY die ersten drei Geschichten mit den Schweinen Didi & Stulle. Die schwarzweißen Comics stammten von Philip Tägert alias Fil und “schlugen ein, wie eine Bombe, wovon ich aber nichts mitkriegte, denn meine Geschichtslehrerin meinte sie fände sie nicht gut.“

Fil: Didi & Stulle - Die Gesamtausgabe

Daher sollte es knapp 10 Jahre dauern, bis Fil – nachdem er “dutzende hochambitionierte, originelle und spektakuläre“ aber großteils unbeachtet gebliebene Comichefte veröffentlicht hatte – zu Didi & Stulle zurückkehrte.

Fil: Didi & Stulle - Die Gesamtausgabe

Ein Grund dafür war wohl auch ein Zeitschriftenartikel, in dem Fil gelesen hatte, dass die wichtigsten Berliner Comiczeichner seinerzeit angeblich ©Tom und OL waren. Als Fil das erste Comicalbum „Einen drin“ zeichnete, konnte er sich “8 Farben leisten, später mehr“.

Fil: Didi & Stulle - Die Gesamtausgabe

Recht rasch folgten weitere Alben und bis 2011 sind zehn Bände mit den seltsamen Abenteuern der berlinernden Schweine erschienen. Eine bei Reprodukt veröffentlichte, wunderschön aufgemachte, Gesamtausgabe beweist jedoch, dass es noch sehr viel mehr Geschichten mit Didi & Stulle gibt.

Fil: Didi & Stulle - Die Gesamtausgabe

In drei gebundenen Büchern, die in einem Schuber stecken, ist das schwarzweiße Frühwerk enthalten und natürlich auch alle zehn Alben in der chronologisch korrekten Reihenfolge, mit “Bei den Olympischen Spielen“ (Band 10) vor “Im Auftrag der Kanzlerin“ (Band 9).

Fil: Didi & Stulle - Die Gesamtausgabe

Doch damit nicht genug, denn es kommen mit “Die 43 Streiche der Didi und Stulle“, dem beiliegenden Heftchen “Danger in Moskau“ sowie dem extralangen Beziehungsdrama “Die Sache mit Frauke“ auch noch mehr als 100 Seiten zum Abdruck, die bisher nur in ZITTY veröffentlicht wurden.

Fil: Didi & Stulle - Die Gesamtausgabe

Speziell die letzte Geschichte, in der Fil seine Skepsis gegenüber Pärchenbildung zum Ausdruck bringt (“das Einzige was dafür spricht, ist, dass alle anderen Beziehungsmodelle noch beschissener sind“), deutet an, dass er etwas mehr als möglichst schräge Gags präsentieren möchte. In diesem Zusammenhang seien auch Fils Romane “Pullern im Stehen“ und “Mitarbeiter des Monats“ wärmstens empfohlen.

Fil: Didi & Stulle - Die Gesamtausgabe

Doch obwohl die Edition noch um allerlei sehr komische zusätzliche Texte, Comics und Abbildungen ergänzt wurde, ist sie nicht wirklich eine Gesamtausgabe, denn nicht enthalten sind die kleinformatigen Hefte # 6 ½ “Im Schwitzkasten“ und # 5 ½: “In der Patsche“. Besonders schade ist, dass nicht auch noch die ungeniert dahingekritzelte Economy Edition des ersten Bands “Einen drin“ beigelegt wurde.

Fil: Didi & Stulle - Die Gesamtausgabe

Doch auch noch aus einem anderen Grund hat es mit der Gesamtausgabe nicht so richtig geklappt, denn Fil deutet mehr als deutlich an, dass es mit Didi & Stulle weitergeht, “wenn keiner damit rechnet“.

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Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treu

Die jüdische Schauspielerin Channa Maron war in Deutschland nur in zwei kurzen Zeiträumen bekannt. 1931 wurde sie von Erich Kästner höchstpersönlich dazu auserkoren, am Deutschen Theater in Berlin das erste “Pünktchen“ in einer Inszenierung seines Kinderbuchs “Pünktchen und Anton“ zu spielen. Noch im selben Jahr war die Jungdarstellerin in der Anfangsszene von Fritz Langs Film-Klassiker “M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ als jenes Mädchen zu sehen, das den Abzählreim “Warte, warte nur ein Weilchen…“ aufsagte.

Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treu

Channa Maron verließ Deutschland zusammen mit ihrer Mutter, nachdem die Nazis an die Macht kamen. In Israel wurde sie zur bekanntesten Bühnenkünstlerin des Landes und 1970 nach London zu einem Casting für das Musical “Anatevka“ eingeladen. Auf dem Weg dorthin hatte sie eine Zwischenlandung in München und fiel dort einem von palästinensischen Terroristen verübten Sprengstoffattentat zum Opfer. Sie verlor ihr linkes Bein, kehrte aber an die Bühne zurück. Bis zu ihrem Tode im Jahre 2014 engagierte sie sich für ein friedliches Miteinander von Israelis und Palästinensern.

Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treu

Das bewegte Leben von Channa Maron steht im Zentrum eines biographischen Comics, der bei Reprodukt erschienen und zugleich auch der Katalog einer vom Goethe Institut Israel initiierten Ausstellung ist. Hieran sind gleich zwei Künstler beteiligt. Der israelische Illustrator David Polonsky, der am Animationsfilm “Waltz with Bashir“ mitarbeitete, hat zehn Bilder von Channa Maron angefertigt, die diese in ihren größten Rollen zeigen. Kurze Texte erklären sowohl die zugehörigen Inszenierungen, als auch die zeitgleich stattfindenden privaten und politischen Ereignisse.

Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treu

Noch interessanter ist der Ansatz der deutschen Comic-Zeichnerin  Barbara Yelin (“Gift“, “Irmina“), die in Form von jeweils zweiseitigen Comicgeschichten zehn wichtige Abschnitte aus Channa Marons Leben in Szene setzte. Grundlage dieser Erzählungen sind Gespräche, die Barbara Yelin mit Verwandten und Bekannten der Schauspielerin führte.

Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treuDas schön aufgemachte querformatige Buch bietet einen ebenso spannenden wie menschlich anrührenden Einblick in ein sehr bewegtes Künstlerleben, das Channa Maron konsequent  unter dem Motto “Manchmal ist es wichtiger ein Mensch zu sein, als ein Schauspieler“ führte.

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