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Das Teleskop

Jean Van Hamme schrieb das Szenario zu “Das Teleskop“ 2009 im Alter von 70 Jahren. Im Gegensatz zu seiner Erfolgsserie “Largo Winch“ steht hier kein dynamischer halbwegs junger Mann im Zentrum der Geschichte, sondern ein Quintett älterer Herren. Alle fünf sind um die 60 Jahre alt und haben die meisten ihrer Lebensträume nicht verwirklichen können. Doch das Träumen haben sie trotzdem nicht aufgegeben.

Das Teleskop

Daher beobachten sie durch immer wieder eine junge Frau namens Jo durch ihr Teleskop. Diese empfängt gelegentlich Herrenbesuch in ihrem geräumigen Apartment. Doch oft tänzelt sie auch kaum bekleidet am Fenster herum und ist sich dabei der Aufmerksamkeit ihrer Spanner voll bewusst. Sie lädt die fünf Herren sogar in ihre Wohnung ein, was sich zunächst ganz nett anlässt. Doch dann kommt es zu Handgreiflichkeiten mit Jos “Sponsoren“, einem skrupellosen Spekulanten, der plötzlich auftaucht und recht schnell beleidigt abzieht. Die fünf Freunde versuchen gemeinsam einzuspringen, doch die an Luxus gewöhnte Jo hat deren limitierte Barschaften schnell aufgebraucht. Daher bleibt nur noch der Weg in die Kriminalität…

Das Teleskop

Der Grundton, der sich langsam von einer Komödie zum Wirtschafts-Thriller entwickelnden Story, ist humorvoll. Doch es ist auch zu spüren, dass Van Hamme seinen Hauptfiguren viel Sympathie entgegenbringt und sie nur sehr sanft verspottet. Im Finale wird es schließlich ähnlich spannend wie bei “Largo Winch“. Die Geschichte regt auch zum Nachdenken an, da sich Van Hamme nicht verkneift sie mit einer Prise Gesellschaftskritik zu würzen. Auch den Zeichnungen des Holländers Paul Teng (“Shane“) ist anzumerken, dass hier jemand schon sehr viel Erfahrung mit dem Medium Comic hat. “Das Teleskop“ ist eine souverän erzählte Comicgeschichte wie sie so nur in Frankobelgien gedeihen kann.

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Jean-Claude Denis: Auf nach Matha

Ziemlich überraschend wurde 2012 der bei uns kaum bekannte Jean-Claude Denis in Angoulême zum Festivalpräsidenten gewählt. Im nächsten Jahr erfreute er die Besucher des 40. Festival International de la Bande Dessinée mit einer sehr schönen Werkschau. Hier konnte sein durchaus eigenständiger Strich irgendwo zwischen Ligne Claire und École Marcinelle aber auch seine Meisterschaft als Aquarellmaler bewundert werden.

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Wer diese liebevoll präsentierte Ausstellung besuchte, die auch die Liebe des Zeichners zur Popmusik thematisierte, und den freundlich-bescheidenen Jean-Claude Denis in Angoulême erlebte, fragte sich zwangsläufig warum dessen Werk bei uns so unterrepräsentiert ist. 1984 veröffentlichte Taschen den Band “Die sieben Todsünden“ und in den Neunziger Jahren erschienen bei Carlsen drei Bände von Dennis’ 8-teiliger Serie Luc Leroi, seltsamerweise unter dem Titel Luc Lamarc. Doch jetzt hat sich Eckart Schott der Sache angenommen, dessen Engagement als Comicverleger gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Schott veröffentlichte nicht nur dessen aktuelle zweiteilige Serie “Auf nach Matha“ als schöne Hardcover-Gesamtausgabe, sondern holte auch noch Jean-Claude Denis zum Comicfestival nach München.

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JEAN CLAUDE DENNIS AUF DEM COMICFESTIVAL MÜNCHEN 2015 © Marion Strencioch

Dennis’ in schönen klaren Bildern erzählte Geschichte “Auf nach Matha“ ist ganz gewiss kein großes Spektakel. Doch für die Hauptfigur, den 16-jährigen Antoine, ist jener Sommer-Urlaub, den er erstmals nicht mit seinen Eltern verbringt, ein entscheidender Lebensabschnitt. Gegen den Willen seines Vaters fährt er mit seinen Freunden – und vor allem mit der von ihm heiß begehrten Christelle – nach Matha auf einen Campingplatz. Er lernt es sich durchzusetzen und sieht am Ende der Geschichte erstmals seiner Zukunft gelassen entgegen. Dieser mit autobiographischen Elementen versetzte Comic lebt zwar auch vom liebevoll dargestellten Zeitgeist der 60er Jahre und von der damaligen Popkultur, ist aber zugleich auch wunderbar zeitlos.

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Mathias erzählt 1: Die Zaubertrommel

Der 1933 geborene Marcel Uderzo ist der sechs Jahre jüngere Bruder des legendären Comickünstlers Albert Uderzo. Er assistierte diesem bei einigen Asterix-Alben, zeichnete aber auch Flugzeuge für die Comic-Serie “Tanguy und Laverdure“ und setzte diese Arbeit auch fort, nachdem Albert Uderzo von Jijé als Hauptzeichner abgelöst wurde. Anfang der Achtziger Jahre startete Marcel Uderzo nach Texten von Michel Clatigny alias Moloch mit eine eigene Serie namens „Mathias“.

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Diese wurde auch bei uns zeitnah veröffentlicht. Die beiden ersten Alben erschienen bei Ehapa dem Titel “Matti erzählt“. Der erste Band “Die Zaubertrommel“ kam 1982 an die Kioske und das zweite Album “Die magische Maske“ folgte 1985. Den dritten und zunächst letzten Band veröffentlichte in Deutschland 1989 unter dem Titel “Die Abenteuer von Matthias: Die Götter des Sees“ der holländische Verlag Arboris.

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Der Titelheld der Serie ist ein junger Mann, der um 1750 Frankreich verlassen hat um nach Kanada aufzubrechen ist. Dort erlebte er zahlreiche Abenteuer mit Trappern, französischen Soldaten, Bären und Indianer-Mythen. Mathias kehrte jedoch in sein heimatliches Dorf in der Normandie zurück und erfreut dort die Kinder, indem er von seinen Erlebnissen erzählt.

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Marcel Uderzo auf dem Comicfestival in Angoulême

Als Autor kann Moloch dem großen René Goscinny nicht das Wasser reichen, zu unübersichtlich sind seine Abenteuergeschichten erzählt und viel zu plump kommen die gar nicht so zahlreichen Gags daher. Marcel Uderzos Zeichnungen hingegen sind bei “Mathias“ ähnlich gut gelungen wie die Arbeiten seines Bruders bei Asterix oder Umpah-Pah. Trotzdem hat Marcel Uderzo ab 2015 seine Mathias-Alben noch einmal komplett überarbeitet und etwas arg grell schimmernd am Computer neu kolorieren lassen.

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Aus alt mach neu

Das ursprünglich auf 44 Comicseiten erzählte erste Comic-Album “Die Zaubertrommel“ hat jetzt einen Umfang von 54 Seiten. Salleck Publications hat die von Marcel Uderzo sehr liebevoll editierte Hardcover-Ausgabe übernommen und bringt auch die weiteren Alben heraus.

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Aus “Le Maître des bisons“ © Marcel Uderzo

Aktuell erscheint in dieser Form in Frankreich unter dem Titel “Le Maître des bisons“ sogar ein viertes Album mit Mathias, das bei uns ebenfalls von Salleck veröffentlicht wird.

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