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Bilder vom Comic Café vom 20.08.2017

Hier einige Impressionen von meinem Comic Café, das am Sonntag den 20. August 2017 im Münchner Werkstattkino stattfand.

Bilder vom Comic Café vom 20.08.2017

Spanisches Comicfestival in A Coruña

“Viñetas desde o Atlántico” findet seit 1998 jährlich im Heimatstadt des Festivalleiters Miguelanxo Prado (Ardalén, Der tägliche Wahn) statt. Wahrzeichen des Orts und des Festivals ist der Herkulesturm, ein aus der Römerzeit stammender Leuchtturm, der im Laufe der Jahrzehnte bereits von etlichen Comic-Künstlern in Szene gesetzt wurde.

COMIC CAFÉ

Zum 20. Jubiläum wurden mehr Künstler denn je zum Festival eingeladen. Eduardo Risso (100 Bullets, Batman) kam aus Argentinien, Dave McKean (Batman – Arkham Asylum, Cages) aus Großbritannien, Cameron Steward (Fight Club 2) aus Kanada und Nob (Dad) aus Frankreich. Doch auch die einheimische Comic-Szene präsentierte sich in beeindruckenden Ausstellungen.

Bilder vom Comic Café vom 20.08.2017

Wir zeigten Impressionen vom möglicherweise schönsten, aber ganz gewiss entspanntesten Comicfestival der Welt.

Die beeindruckenden Sammlungen von Don Rosa und Denis Kitchen   

COMIC CAFÉ

DON ROSA ist einer der beliebtesten Comiczeichner der Welt. Mehr als 20 Jahre lang hat er mit seinen Geschichten um Onkel Dagobert, Donald Duck oder die Panzerknacker den Entenkosmos seines Idols Carl Barks fortgeschrieben. Für seine detailverliebten Duck-Abenteuer wird er vergöttert, mit Onkel Dagoberts Biografie Sein Leben, seine Milliarden hat er sich unsterblich gemacht und einen Eisner-Award gewonnen, den wichtigsten Comicpreis der Welt.

COMIC CAFÉ

Der prachtvolle Bildband I STILL GET CHILLS der Edition Lammerhuber zeigt wie sich der Zeichner in seinem traumhaft abgeschiedenen Anwesen inmitten der weiten Landschaft Kentuckys eingerichtet hat. Rosa lebt inmitten einer der größten Comic-Sammlungen Nordamerikas, White-Castle-Fast-Food-Devotionalien, erstaunlichen Buch-, Film- und CD-Bibliotheken, zahllosen Riesenbildschirmen, exquisiten Vintage Cars und einer Flipper-Sammlung, die neidisch macht.

COMIC CAFÉ

Auch auf dem abgelegenen Anwesen des Underground-Zeichner, Herausgeber, Experten und Agenten DENIS KITCHEN gibt es drinnen wie draußen allerlei zu sehen. Davon konnte ich mich persönlich überzeugen. Neben zahlreichen Originalen von Comic-Legenden wie Will Eisner, Robert Crumb oder Harvey Kurtzman, hortet Kitchen auch Postkarten aus den 20er Jahren, auf denen besoffene Frauen abgebildet sind, betätigt sich als Chauffeur eines Oldtimer-Leichenwagens und versucht sich als skurriler Landschaftsarchitekt.

COMIC CAFÉ

Wir begaben uns auf eine Reise in wahre Comic-Wunderwelten!

Rainer Schneider präsentierte einen seiner Lieblings-Comics

In TORPEDO 1972 erzählt Autor Enrique Sánchez Abulí ein weiteres Kapitel des Killers Luca Torelli, alias „Torpedo“.

COMIC CAFÉ
Abulí & Schneider

Als Zeichner trat hier nun Eduardo Risso (100 Bullets, Batman) in die Fußstapfen von Jodi Bernet. Das Team wird übrigens auch 2019 zum Comicfestival München kommen!

COMIC CAFÉRainer stelle dem Publikum den demnächst bei uns bei Cross Cult erscheinenden Comic Torpedo 1972 vor.

Bilder vom Comic Café vom 20.08.2017

Danach fand wie immer ein gemütliches Beisammensein im Fraunhofer statt.

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Javier de Isusi: Ich habe Wale gesehen

Der 1972 in Bilbao geborene Zeichner und Autor Javier de Isusi hat in seiner spanischen Heimat bereits acht Comic-Geschichten veröffentlicht. Der bei der Edition Moderne erschienene Comic Ich habe Wale gesehen, über eine Freundschaft im Baskenland, ist seine erste Publikation auf Deutsch.

Javier de Isusi: Ich habe Wale gesehen

Im Zentrum der Geschichte stehen drei Männer, denen jeweils ein Kapitel gewidmet wird. Als Bindeglied fungiert Antón, dessen Vater von der baskischen Freiheitsbewegung ETA umgebracht wurde. Als junger Mann, der ein Priesterseminar besuchte, sagte Antón auf der Beerdigung seines Vaters, dass er den Mördern verzeihe. Seitdem wird er von Alpträumen gequält, in denen er immer wieder mit Gewalttaten konfrontiert wird.

Javier de Isusi: Ich habe Wale gesehen

Zur gleichen Zeit als Antón sich entschieden hatte, Priester zu werden, schloss sich sein bester Freund Josu der ETA an. Er wurde verhaftet und landete in einem Gefängnis in der französischen Provinz. Dort lernte er Emmanuel kennen, ein ehemaliges Mitglied der Anti-Terrororganisation GAL, die mit Billigung der spanischen Regierung ab 1983 Morde an wirklichen oder auch vermeintlichen Mitgliedern der ETA begangen hatte. Josu und Emmanuel stellen fest, dass sie sehr viel mehr gemeinsam haben als vermutet…

Javier de Isusi: Ich habe Wale gesehen

Der verschachtelt mit vielen Rückblenden, doch sehr gut nach vollziehbar erzählte Comic endet damit, dass sich Antón und Josu nach 25 Jahren wieder treffen. Der Titel des Comics bezieht sich darauf, dass Antón bei einer Ruderpartie mit Josu behauptete Wale gesehen zu haben. Josu sah diese nicht, hatte aber vielleicht andere eigene Illusionen, an die er glaubte.

Javier de Isusi: Ich habe Wale gesehen

Für seinen Comic über Ideale, Selbstbetrug, Vorurteile und Vergebung griff Javier de Isusi auf tatsächliche Ereignisse zurück. Neben der Geschichte, mit ihren knappen pointierten Dialogen, beeindruckt auch die Gestaltung. Dem Künstler gelingt es sehr gut die Gefühlswelten seiner Figuren mit gelben und grauen Aquarellfarben darzustellen. Es ist zu hoffen, dass weitere Comics von Javier de Isusi, der 2017 auf dem Comicfestival München zu Gast war, den Weg zu uns finden.

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Verlieb dich nicht in mich

Der attraktive und erfolgreiche Drehbuchautor Carlos (Eduardo Noriega) steckt in einer Lebenskrise. Das ändert sich schlagartig, als sich die freche Irene (Michelle Jenner) an seinen Tisch setzt und ihm eröffnet „Du gefällst mir“.

 Verlieb dich nicht in mich

Irene möchte mit ihm spielen und hat dafür ihre eigenen Regeln: Keine Namen, keine Telefonnummern, kein Social Media. Und die wichtigste Regel „Verlieb dich nicht in mich“. Carlos lässt sich auf das Spiel ein, das ihr beider Leben für immer verändern wird…

 Verlieb dich nicht in mich

Wenn dieser spanische Film von zwei Menschen erzählt, die sich spielerisch aufeinander einlassen und dabei scheinbar ziellos durch eine Stadt flanieren, dann lässt das an Richard Linklaters “Before Sunrise“ denken. Der erste Teil, der schildert, wie Carlos und Irene immer offener miteinander reden und dadurch noch stärker voneinander fasziniert sind, ist großes Gefühlskino.

 Verlieb dich nicht in mich

Wenn dann (Achtung Spoiler!) aber auch noch die Lebensabschnittspartner von Carlos und Irene die Leinwand betreten, werden für meinen Geschmack etwas zu sehr die allseits bekannten Klischees der romantischen Filmkomödie, inklusive eines wenig glaubhaften Zufalls, bedient. Doch die beiden Hauptdarsteller sind so sympathisch, dass dies das Gesamtvergnügen kaum trübt.

 Verlieb dich nicht in mich

Die Blu-ray von Pandastorm enthält neben dem 92-minütigen Film als einziges Extra noch den deutschen Trailer. Immerhin gibt es ein Wendecover.

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Paco Roca: Die Heimatlosen

Paco Roca („La Casa„, “Kopf in den Wolken“) beschrieb in “Der Winter des Zeichners“ vor dem Hintergrund der Comicszene das Leben im Spanien Ende der Fünfziger Jahre unter Franco. Seinerzeit ließ es sich materiell gar nicht so schlecht leben, persönliche oder künstlerische Freiheit hingegen war Mangelware. Rocas “Die Heimatlosen“ ist eine interessante Ergänzung zu “Der Winter des Zeichners“, denn hier geht es um jene Spanier, die durch Franco entwurzelt wurden.

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Im Zentrum von Paco Rocas nah an tatsächlichen Ereignissen orientierter Geschichte stehen spanische Soldaten, die den Bürgerkrieg gegen Franco verloren haben, aber dennoch weiter gegen den Faschismus kämpften. Die erste Brigade, die 1944 im von den Nazis befreiten Paris das Rathaus zurück eroberte, bestand überwiegend aus Spaniern. Auch ansonsten kämpften spanische Soldaten an vielen Fronten des Zweiten Weltkriegs gegen die Deutsche Wehrmacht. Doch für sie ging der Krieg 1945 nicht wirklich siegreich zu Ende, denn Franco sollte in Spanien noch bis zu seinem Tode im November 1975 herrschen.

PACO ROCA
PACO ROCA AUF DEM COMICFESTIVAL MÜNCHEN 2015 © Marion Strencioch

Paco Roca hat mit einigen jener Soldaten gesprochen, die nach dem Ende des Krieges nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten und nicht wussten wo sie hingehören. Diese Gespräche haben ihn zur Geschichte seines Comics “Die Heimatlosen“ inspiriert, aber auch zur Rahmenhandlung, die in blassen Bildern davon erzählt, wie Paco Roca als Comicfigur einen verschlossenen alten Mann namens Miquel Ruiz in einem kleinen französischen Ort besucht.

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Nach und nach gewinnt Paco das Vertrauen von Ruiz. Dieser erzählt von seiner Odyssee, die ihn von Alicante nach Marokko, zur Ausbildung nach England und schließlich mitten hinein ins umkämpfte Frankreich führte.

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Diesen Teil seines Comics setzte Roca farbig in Szene und informiert zwischendrin in Form von Landkarten aber auch darüber, wohin es viele Spanier nach Ende des Bürgerkriegs verschlagen hat. Im Finale der Comicgeschichte kommt heraus, wieso Miquel Ruiz ausgerechnet in dem französischen Kaff hängen geblieben ist. Der Grund, warum Miquel Ruiz dort eine Ersatz-Heimat gefunden hat, ist traurig, aber menschlich genauso anrührend wie Paco Rocas gesamter Comic.

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Paco Roca: Der Winter des Zeichners

Paco Rocas („Die Heimatlosen„, „La Casa„) preisgekrönter und bereits als Zeichentrick verfilmter Comic “Arrugas“ (“Kopf in den Wolken“) über die Freundschaft zweier Bewohner eines Altersheims im Schatten einer Alzheimer-Erkrankung, kam bei uns erst sehr viel später heraus. Daher verwundert es, dass es sich bei der ersten deutschen Veröffentlichung des spanischen Comickünstlers um ein sehr stark regional geprägtes Werk handelt.

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Basierend auf tatsächlichen Ereignissen erzählt “Der Winter des Zeichners“ von fünf spanischen Lohn-Zeichnern, die im unfreien Franco-Spanien des Jahres 1957 den Schritt in die Freiheit wagten. Beim auf junge Leser spezialisierten Verlagshaus Bruguera hatte sie zwar ein gesichertes Einkommen, aber keinerlei Rechte an den von ihnen gezeichneten und getexteten Comics. Auch künstlerische Freiheit galt dort nichts, denn es herrschte Angst vor der Zensur. Daher gründete das Quintett ein eigenes Comicmagazin namens “Tio Vivo“, das sich an ein erwachsenes Publikum richtete. Das Projekt scheiterte, weil Brugera seine Beziehungen spielen ließ und Vertriebswege blockierte. Die Zeichner kehrten wieder an ihre ungeliebten Arbeitsplätze zurück oder veröffentlichten nur noch im Ausland. Eine kleine Rolle innerhalb der Geschichte spielt der junge Newcomer Francisco Ibáñez, dessen Serie “Mortadelo y Filemón“ in Deutschland als “Clever & Smart“ ein großer Erfolg wurde.

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Paco Rocas Bilder der Straßen und Bars von Barcelona sowie der Verlagsräumlichkeiten sind ebenso akkurat wie atmosphärisch ausgeführt. Die Figuren, die diese Szenerien bevölkern, wirken hingegen etwas steif und emotionslos. Doch diese Schwäche gleicht Roca durch einen originellen Einfall aus: Um zu verdeutlichen wie zwischen den ineinander verschachtelten Zeitebenen seiner Geschichte die Jahreszeiten wechseln, verwendet er verschiedenfarbiges Papier. Der hoffnungsvolle Frühling des Aufbruchs schimmert rötlich, der Winter in dem die Zeichner zurück in die Verlags-Knechtschaft kehren, ist mit einem kalten Blau unterlegt, während die Erlebnisse im Sommer und Herbst auf gelben bzw. brauen Papier gedruckt wurden.

PACO ROCA
PACO ROCA AUF DEM COMICFESTIVAL MÜNCHEN 2015 © Marion Strencioch

Der Winter des Zeichners“ richtet sich nicht nur an eingefleischte Comicfans. Die mit vielen Zwischentönen versehene Geschichte zeichnet gut nachvollziehbar das Bild eines Nachkriegs-Spaniens in dem relativer Wohlstand und das beständige Aufsuchen von Bars nicht wirklich helfen, damit klarzukommen in einer Diktatur zu leben. Zugleich erzählt Paco Roca wie wichtig es ist eine Sache gewagt zu haben, selbst wenn sie am Ende scheitern wird.

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