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MADs Meisterwerke: Spion & Spion

2015 erschien in den USA unter dem Titel “Spy vs. Spy: An explosive Celebration“ ein beeindruckendes Buch über Antonio Prohias‘ legendäre wortlose Spion-Comics aus MAD. Sergio Aragones gedachte in einer vierseitigen Comic-Biografie seinem 1998 verstorbenen Freund Prohias, 150 ausgewählte Spy vs. Spy Comics wurden eigens für das Buch aufwändig koloriert und von prominenten Comic-Künstlern wie Jim Lee, Bill Sienkiewicz, Darwyn Cooke, Tom Bunk oder den Hernandez Brothers kamen Hommage-Zeichnungen zum Abdruck.

MAD Meisterwerke: Spion & Spion

All dies und noch viel mehr enthält ein noch großformatigeres 350-seitiges Buch von Panini. Hier sind nicht nur die 150 kolorierten Comic-Seiten enthalten, sondern das Spion & Spion Gesamtwerk von Prohias. Zudem werden noch einige Beispiele gezeigt von “Spion & Spion“-Seiten,die von Duck Edwing oder auch Prohias geschrieben und von Bob Clarke gezeichnet wurden. Natürlich kommen auch einige der aktuell von Peter Kuper in einem komplett anderen aber dennoch sehr explosiven Stil gezeichneten Doppelseiten mit den Kämpfen der beiden Spione zum Abdruck.

MAD Meisterwerke: Spion & Spion

Doch es ist nicht nur die Bebilderung, die für dieses Buch spricht. Was sich in der Kurzbiografie von Sergio Aragones nur andeutet, beschreibt Fabiola Santiago in einem Textbeitrag etwas ausführlicher. Der gebürtige Kubaner Antonio Prohias (1921 – 1998) war der beliebteste politische Karikaturist seines Landes. Doch als nach der Revolution Fidel Castro in einer seiner Reden einen Cartoon von Prohias als Beispiel für konterrevolutionäre Umtriebe anprangerte war dieser seines Lebens nicht mehr sicher. Da die Arbeitsbedingungen in Kuba unerträglich, ja sogar lebensgefährlich wurden, verließ Prohias Kuba 1960.

MAD Meisterwerke: Spion & Spion

Wie Prohias schließlich bei MAD landete, das ist dann eine schon eher komische Geschichte. In einem weiteren Text in diesem Buch erinnert sich seine seinerzeit als Dolmetscherin fungierenden Tochter Maria Rosa daran, wie sie 1960 gemeinsam mit ihrem Vater in New York das MAD-Büro aufsuchte. Man betrachtete Prohias‘ Spion & Spion -Comics wohlwollend, hatte jedoch kein Interesse daran und verwies ihn an andere Publikationen. Daraufhin begann Prohias seine Probezeichnungen zu zerreißen, da er sie eigens für MAD angefertigt hatte und Spion & Spion entweder dort oder gar nicht erscheinen sollte.

MAD Meisterwerke: Spion & Spion
Der erste Spion-Comic von 1981 in der Neukolorierung

Dies überzeugte, Prohias verließ die Redaktion mit einer Anzahlung von 800 Dollar und im Januar 1961 erschien der erste Comic mit Spion & Spion in MAD.

MAD Meisterwerke: Spion & Spion

Peter Kuper wird  zum Comicfestival München 2017 kommen. Im Jüdischen Museum München wird vom 23.5. bis 28.5 im Studienraum eine kleine Ausstellung mit Werken von Kuper gezeigt.  Alle Besucherinnen und Besucher des Comicfestivals erhalten gegen Vorlage des Festival-Tickets freien Eintritt ins Jüdische Museum. Dort findet am 25. 5. ein von Paul Gravett geführtes Künstlergespräch mit Peter Kuper statt.

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MAD

MAD, das „vernünftigste Magazin der Welt“, hat unsere Kulturlandschaft nicht nur veralbert und kommentiert, sondern sie sogar stärker geprägt und auch verändert als jeder andere Comic. 

MAD Don Martin

Die Anfänge: Geschichten aus der Bibel und aus der Gruft

Es wird immer wieder gerne behauptet MAD wäre vom EC-Verlag herausgebracht worden, weil es durch drastische Zensurmaßnahmen in den USA nicht mehr möglich war Horrorheftchen wie “Tales from the Crypt“ zu veröffentlichen. Doch genaugenommen ist MAD eher eine Fortsetzung des Horrors der EC-Comics mit komischen Mitteln.

Max Gaines
Max Gaines

Um dies zu belegen muss etwas weiter ausgeholt werden. Max Gaines, der Vater des MAD-Gründers, war, übrigens ähnlich wie der Duck-Master Carl Barks, ein Mensch der es in allen möglichen Bereichen versuchte, dort immer wieder scheiterte und schließlich in der Comic-Branche landete. Wobei in den depressiven dreißiger Jahren von einer “Comic-Branche“ noch gar nicht die Rede sein konnte. Comics gab es eigentlich nur als tägliche Strips in den Tageszeitungen und als farbige Beilage am Wochenende. Max Gaines fragte sich nun, ob es nicht auch möglich wäre diese Beilagen auch ohne die störende Zeitung direkt am Kiosk zu verkaufen.

Famous Funnies
Er kam mit einer Firma namens Eastern Color Printing ins Geschäft. Dort wurden Unmengen von Comicheften als Gratiswerbegeschenke für Firmen produziert. Doch seltsamerweise hatte bisher niemand daran gedacht diese Hefte zu verkaufen. Gaines überzeugte die Firma indem er auf einige dieser Gratis-Hefte einen Preisaufdruck von 10 Cents stempelte. Da sich die Hefte prima verkauften, erhielt Gaines den Auftrag für Eastern ein Serie neuer Comichefte zusammenzustellen. Hierfür erfand Gaines auch noch ganz nebenbei das noch heute gültige Format für US-Comichefte. Im Mai 1934 erschien die erste Ausgabe von “Famous Funnies“ und diese 64-seitigen Farbhefte hatten sofort Erfolg. Gaines wurde für seine Bemühungen nicht gerade belohnt, denn eines Tages fand er ohne Angaben von Gründen seine Bürotür plötzlich verschlossen vor. Doch Gaines blieb in der Comicbranche und fand sofort wieder Arbeit. Er verlegte ein Heft namens “Popular Comics“, das ebenfalls Zeitungsstrips veröffentlichte und damit noch mehr Erfolg als “Famous Funnies“ hatte.

Popular Comics

Max Gaines tätigte auch Geschäfte mit DC, angeblich ist die Idee ein “Superman“-Comicheft  herauszubringen auch mit auf seinem Mist gewachsen. Gemeinsam mit DC entstanden arbeitete er an den “All American“ (AA) –Comics mit Helden wie Flash, Hawkman und später auch Wonder Woman. 1944 gründete Gaines schließlich als Tochter von DC und AA seinen eigenen Verlag namens E.C. Dieses Kürzel stand für “Educational Comics“ (also “Erzieherische Comics“), denn auch in den vierziger Jahren waren die Comics vielen Erziehern ein Dorn im Auge.

Picture Stories from the Bible

Daher verlegte Gaines Comics, die Wissen vermitteln sollten. Produkte wie diese trafen zwar nicht unbedingt den Geschmack der Zielgruppe, denn die Kinder benötigten mindestens 10 Ausgaben von “Picture Stories from the Bible“ um diese bei ihren Freunden gegen ein einziges Batman-Heft einzutauschen. Für das Image des Medium Comics waren Produkte wie “Picture Stories from Science“ jedoch ganz gewiss nicht schlecht und dem E. C. -Verlag ging es recht gut. Doch eine Katastrophe sollte alles ändern: 1947 kam Max Gaines bei einem Bootsunglück ums Leben und seine Witwe bat ihren damals 25-jährigen Sohn das Geschäft zu übernehmen.

Reddition
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Im Gegensatz zu seinem Vater hatte es William M. Gaines nicht so mit Geschichten aus der Bibel. Er war eher ein Fan von spannenden und pointierten Radiohörspielen. Daher setzte er auf Kriminal-Comics. Gemeinsam mit dem gleichaltrigen Zeichner Al Feldstein, der eigentlich Teenie-Comics im Stile von Archie für EC zeichnen sollte, schuf er mit der Serie “Crime Suspense Stories“ ein erstes Highlight des Verlages. Zeichner wie Jack Davies, Graham Ingels, Bernard Krigstein und Wallace Wood setzten die Geschichten von Gaines und Feldman in beeindruckendes Artwork um.

Crime Suspense Stories

Es ging dabei meist um Kriminalfälle, die sich nicht in einer ominösen Unterwelt sondern in der Familie oder am Arbeitsplatz abspielten, also in einer dem Leser vertrauten Umgebung. Ganz wichtig war hierbei auch die überraschende Wendung am Ende der Geschichte, die in der Tradition großer amerikanischer Short Story-Autoren wie O. Henry stand und zu ECs Markenzeichen wurde.

Tales from the Crypt

1950 versuchten sich Gaines und Feldstein an zwei Horror-Stories namens “Crypt of Terror“ und “Vault of Horror“, die beide von einem gewissen modrigen Cryptkeeper anmoderiert wurden. Diese Geschichten wurden zunächst in zwei Ausgaben der EC-Krimi-Comicreihen “Crime Patrol“ und “War Against Crime“ versteckt. Doch Gaines und Feldstein waren so sehr vom Erfolg ihrer Stories überzeugt, dass sie gleich mit den Heftreihen “The Crypt of Terror“ (später umbenannt in “Tales from the Crypt“) und “The Vault of Horror“ starteten, ohne abzuwarten wie solche Sammlungen von Horror-Geschichten vom Publikum aufgenommen wurden. Der Erfolg sollte ihnen recht geben und Bill Gaines änderte den Verlagsnamen in “Entertaining Comics“.

Two-Fisted Tales
Schon bald mussten 10 andere Comichefte geopfert werden um diese gegen ein EC-Horrorcomic einzutauschen und ein Schriftsteller wie Stephen King gibt unumwunden zu, dass diese Comicreihen der Hauptinspirationsquelle seiner ersten Schreibversuche waren. (Später sollte er mit dem Film “Creepshow“ den E. C.-Comics Respekt erweisen). Gaines gelang es weitere talentierte Zeichner um sich zu versammeln und ermutigte diese dazu in ihrem eigenen Stil zu zeichnen. So entstanden neben den Horror-Heften auch Science Fiction-Comics, für die sogar eine anerkannte Genregröße wie Ray Bradbury schrieb (nachdem er sich zuvor darüber beschwert hatte, das Gaines einige seiner Stories plagiert hatte), und sehr realistische Kriegscomics. Diese Serien namens “Two-Fisted Tales“ und “Frontline Combat“ boten gut recherchierte Stories und glorifizierten den Krieg kein bisschen. Diese Hefte betreute ein gewisser Harvey Kurtzman.

Frontline Combat

Als sich Kurtzman eines Tages bei Gaines darüber beschwerte, das Al Feldstein mehr Gehalt bezieht als er, wies ihn Gaines darauf hin, dass Feldstein ja schließlich auch fünf Heftserien betreute, während Feldstein “nur“ für die beiden Serien mit Kriegscomics verantwortlich war. Zuvor war es Kurtzman bereits gelungen humoristische Comics u. a. inmitten von Marvels Superhelden-Heften unterzubringen und ähnliches war ihm auch schon bei EC gelungen. Gaines bot daher Kurtzman eine Gehaltserhöhung von 50% an, wenn dieser ihm in kürzester Zeit ein wirklich komisches Comicheft zusammenstellen würde. Kurtzman schlug den Titel “Tales calculated to drive you Mad“ vor.

MAD unter Kurtzman

Ab 1952 erschien MAD in Form eines Comicheftes. Die ersten drei Hefte enthielten jeweils 4 Stories, die alle von Harvey Kurtzman getextet und von Jack Davis, Wally Wood und Bill Elder gezeichnet wurden.

MAD

Den Auftakt machte die Geschichte “Hoohah!“ in der sich Kurtzman ausgiebig über den E. C.s Flaggschiff “The Crypt of Terror“ lustig machen konnte, denn er hat sich immer nur sehr widerwillig für E.C.s Horrorheftchen gearbeitet. Auch viele der meisten Geschichten in den ersten drei MAD-Heften parodierten andere E.C.-Comicreihen und der Erfolg hielt sich zunächst noch in Grenzen. Dies sollte sich ab der vierten Ausgabe ändern.

MAD

Hierfür zeichnete Wally Wood in beeindruckenden Wimmelbildern unter dem Titel “Superduperman!“ die erste direkte Parodie auf eine populäre Comicreihe, die nicht aus dem Hause E.C. stammt (wenn die Tarzan-Verarsche “Melvin!“ aus Heft 2 ignoriert wird). Gaines war zunächst skeptisch, denn er beschäftigte für seine Rechtsangelegenheiten den selben Anwalt wie DC, der Verlag bei dem Superman erscheint. Daher riet der Jurist Gaines in MAD auf eindeutige Parodien populärer Figuren zu verzichten, um sich dadurch lästige Schadensersatzklagen vom Hals zu halten. Kurtzman blieb jedoch stur, denn ohne die Möglichkeit sich auch über andere Comic-Reihen lustig machen zu dürfen, sah er keine Zukunft für MAD. Er fand einen Anwalt, der empfahl ganz einfach mit dem Parodieren weiterzumachen.

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Zum Glück für die gesamte westliche Kulturlandschaft hat sich Gaines im Sinne von Kurtzman entschieden und MAD verulkte in den nächsten Heften Comic-Reihen wie “Prinz Eisenherz, “Archie“ und auch die Disney-Comics blieben nicht verschont. Der “Maus“-Zeichner Art Spiegelman meint, das MAD die sechziger Jahre genauso stark geprägt hat “wie Gras und LSD“. Bewusstseinserweiternd war MAD schon, denn der respektlose Umgang mit Autoritäten, Ikonen und Klischees machte Schule und es selbsternannten Meinungsmachern und Moralaposteln nicht mehr so leicht Punkte bei der Bevölkerung zu machen. (Wenn man allerdings einmal den leidigen Rummel hierzulande um die Rechtmäßigkeit von Asterix-Parodien betrachtet, sieht es so aus, als wenn wir im Humor-Verständnis immer noch weit hinter den Amis der fünfziger Jahre herhinken).

Seduction of the Innocent
Doch ganz so weit waren auch die USA im April 1954 noch nicht. Zeitgleich mit der zehnten Ausgabe von MAD erschien Fredric Werthams Buch “Seduction of the Innocent“, das anhand von zahlreichen Illustrationen aus EC-Heften nachzuweisen versucht, dass Comics für die Verführung und Verrohung junger Menschen verantwortlich sind. Der “Erfolg“ des Buches war so gross, dass prompt Comic-Verbrennungen organisiert wurden. Etwas Öl in diese Feuer goss Gaines selber noch als er ebenso treffend wie verletzend ausführte: “Dr. Wertham das harmlose Vergnügen an einer Horror Story begreiflich zu machen, ist ebenso schwierig wie einer frigiden alten Jungfrau die Freuden der Liebe zu erklären.“

Comics Code

Auch Gaines Erklärungen, dass die Cover der EC-Comics durchaus noch schrecklicher und blutiger hätten ausfallen können, überzeugte nicht so recht. Nach und nach musste Gaines alle seine erfolgreichen Horror-Comicreihen einstellen, da diese ohne den Siegel des neu formulierten Comics Code von den meisten Händlern nicht mehr verkauft wurden.

MAD 20

MAD hingegen war bisher der Öffentlichkeit nur einmal unangenehm aufgefallen (bzw. in den Klassenzimmern gar nicht aufgefallen) als der Umschlag der Nummer 20 genau wie ein Schulheft gestaltet war. Um Kurtzman, dem ein lukrativer Job bei einem anderen Verlag angeboten wurde, zu halten schlug Gaines vor MAD künftig im Magazinformat herauszubringen. Kurtzman war begeistert und begann sofort den Markt abzuchecken. Er fand heraus, dass bei einem Magazin farbige Seiten nicht unbedingt erforderlich waren und trotzdem der Preis von 10 Cents auf 25 Cents angehoben werden konnte. Außerdem musste ein Magazin sich überhaupt nicht mit dem Comics Code herumärgern. Ein weiterer Vorteil war, dass nachdem schon so ziemlich jede populäre Comicreihe ihr Fett abbekommen hatte, jetzt noch zusätzlich alle möglichen Unarten des American Way of Life verulkt werden konnten.. Dafür war verzichtete MAD künftig auf Handlettering und setzte stattdessen Maschinensatz ein um den Magazin-Charakter und die Bedeutung des gedruckten Wortes zu betonen. Das MAD-Magazin entfernte sich also etwas vom Medium Comic und sprach dadurch ein größeres Publikum an.

MAD 24

So erschien im Sommer 1955 als Ausgabe 24 “The new MAD“ und die Legende will wissen, dass bereits die Arbeiter in der Druckerei Tränen lachten. Trotz des großen Erfolges brauchte der qualitätsbewusste Kurtzman deutlich länger zum Zusammenstellen des Magazins und MAD erschien meist nicht wie geplant alle zwei Monate sondern nur vierteljährlich. Dies machte die weitere Zusammenarbeit mit Gaines, dessen Verlag immer mehr den Bach runterging, nicht gerade leichter. Mit einem Angebot vom Hugh Hefner, dem Herausgeber des Playboys, in der Hinterhand forderte Kurtzman auch noch volle Kontrolle über das von ihm gegründete MAD-Magazin. Für seine Weiterarbeit forderte er, dass MAD ihm künftig zu 51% gehören solle. Gaines war entsetzt. Er entschied sich Kurtzman gehen zu lassen und seinem loyalen Freund Al Feldstein zum MAD-Herausgeber zu machen.

Harvey Kurtzman

Kurtzman brachte kurz darauf für Hugh Hefner das Satire-Magazin “Trump“ heraus. Trotz guter Resonanz und Verkaufszahlen stellte Hefner das Blatt bereits nach zwei Ausgaben wegen der hohen Produktionskosten wieder ein. Dies hinderte Kurtzman nicht daran gemeinsam mit Will Elder die prachtvoll gestaltete Serie “Little Annie Fanny“ für den Playboy zu gestalten. Von 1960 bis 1965 produzierte Kurtzman gemeinsam mit dem späteren Monty Python-Mitglied Terry Gilliam das Magazin “Help!“. Hier wurden die ersten Werke der späteren Underground-Stars Robert Crumb (“Fritz the Cat“) und Gilbert Sheldon (“Freak Brothers“) veröffentlicht. Bis zu seinem Tode im Jahre 1993 lehrte Kurtzman als Dozent für graphische Kunst an der New York School of Visual Arts.

Die übrige Gang von Idioten

Viele der Künstler des alten Teams hatten das Magazin gemeinsam mit Kurtzman verlassen und Hugh Hefner promotete sein neues Satire-Blatt im “Time Magazin“ sogar damit, dass er behauptete, für ihn arbeitete jetzt die gesamte Belegschaft von MAD, einem kurzlebigen “satirical Pulp“. Al Feldstein, dem der Humor von Harvey Kurtzman teilweise ein wenig zu elitär und abgehoben war, musste nun komplett neu beginnen.

Alfred E. Neuman Postkarte
Alfred E. Neuman Postkarte

Den Übergang von Kurtzman zu Feldstein markierte auch ein gewisser Alfred E. Neuman. Kurtzman hatte eine Postkarte mit dem zahnlückigen Segelohrträger entdeckt, deren Bildunterschrift “Me Worry“ lautete. Spätere Streitigkeiten um die Rechte an der Figur ergaben, dass dieser sorglose Bengel bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts überall auftauchte, ohne dass sein Ursprung genau dingfest zu machen war. Kurtzman platzierte jedenfalls eine Reproduktion der “What – Me Worry“-Postkarte  auf der Umschlagrückseite von Heft 27. Die Leserschaft und auch Al Feldstein waren von dem putzigen Kerlchen recht angetan. Daher wurde Norman Mingo von Feldstein damit beauftragt aus dem Postkartenmotiv eine Identifikationsfigur für das Magazin zu machen. Seitdem Feldstein das MAD-Magazin übernommen hatte war Alfred E. Neuman dann auf den meisten Titelbildern zu sehen.

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Bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1984 gelang es Feldstein zahllose neue Talente anzuwerben, die alle eine eigene umfangreiche Würdigung verdient hätten: Etwa Don Martin, der ab Heft 29 Wesen mit ganz krummen Füssen durch das Magazin schlurfen ließ, Mort Drucker, der ab Heft 32 seine gefürchtete Film- und TV-Parodien platzierte, Dave Berg (ab Heft 34) mit seinen immer treffenden Alltagsbetrachtungen, Sergio Aragones (ab Heft 76) der schnellste Cartoonist der Welt und Al Jaffee (ab Heft 91) das Bastelgenie mit den dummen Fragen, das mit seinen Fold-Ins dem “Playboy“ und dessen Fold-Outs erhebliche Konkurrenz machte. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll der Kubaner Antonio Prohias, der schon zu Zeiten des kalten Krieges seinen weißen und schwarzen Spion aufeinanderhetzte. Heute wird Spy vs. Spy von Peter Kuper gezeichnet.

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1962 verkaufte Bill Gaines MAD an Premier Industries, die es später an DC weiterveräußerte. Doch Gaines behielt volle Kontrolle über das Heft. Das Magazin florierte und Gaines konnte sich weiterhin locker erlauben auf Werbung zu verzichten und sein komplettes Team immer wieder zu ausgiebigen Reisen in alle Teile der Welt einzuladen. Nach Gaines Tod im Jahre 1992 übernahm im Aufrage von DC Joe Orlando den Job des “Consultant Editor“. Nach und nach gewann er das Vertrauen des MAD-Teams und die Gang von Idioten fällt immer weiterhin aktuell und treffend über den American Way of Life her.

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Auf eine etwas bedenkliche Tendenz muss jedoch noch hingewiesen werden: Zwar kommt MAD immer noch ohne Werbung aus, doch auch Satire kann eine Art von Werbung sein, denn schlimmer als jede schlechte Filmkritik ist es, wenn ein neuer Film nicht in MAD parodiert wird. Seitdem das eigentlich unabhängige Satiremagazin zum Warner-Medienkonzern gehört, der den DC-Verlag kaufte, gibt es einige Liebesdienereien in Richtung des Mutterkonzerns: So erschien die amerikanische MAD-Ausgabe mit der Parodie zu „Batman und Robin“ gleich mit vier (!) Variantcovern zum Film, was sicher mehr mit Promotion als mit Satire zu tun hat und es kam auch ein Sammelband heraus, der nur Verarschungen von Filmen aus dem Hause Warner enthielt. Es bleibt abzuwarten, ob die MAD-Macher in Zukunft die Hand die sie füttert überhaupt noch beißen dürfen?

MAD in Deutschland

Ab 1967 brachte der Williams Verlag MAD auch in Deutschland heraus.

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Die Erscheinungsform war sehr stark an die amerikanische Ausgabe angelehnt.

Chefredakteur war ab Ausgabe 32 Herbert Feuerstein, der 1971 einen Anruf erhielt, der sein Leben “komplett verändern“ sollte. Der Aachener Bildschriftenverlag suchte einen Übersetzter für das Feuerstein bestens bekannte Satire-Magazin MAD. Feuerstein war sofort begeistert und übernahm, zunächst noch gemeinsam mit Lutz Reinecke, der später den Verlag “Zweitausendeins“ gründen sollte, ab Ausgabe 32 die Übersetzung und komplette Konzeption der deutschen Ausgabe von MAD.

Feuerstein Mad
© schuerbeln.de

Auch als mit Klaus Recht ein neuer Geschäftsführer das MAD-Ruder übernahm, konnte sich Feuerstein behaupten und handelte für sich sogar eine Gewinnbeteiligung heraus. Diese kam sehr gut zum Tragen, als in den 80er Jahren die Auflage auf 300.000 Exemplare gesteigert werden konnte. Feuerstein bemühte sich zunehmend darum auch eigene Beiträge zu produzieren. Dazu arbeitete er mit Zeichnern wie I. Astalos oder Dieter Stein zusammen.

 

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In diesem Zusammenhang möchte ich etwas persönlicher werden: In meiner Schulzeit war MAD eine Weile (so zwischen dem zwölften und fünfzehnten Lebensjahr) ganz schön wichtig. Wer das neuste Heft hatte, war einen ganzen Tag lang der Größte. Alle hechelten die Artikel durch, erfreuten sich an Namen wie Kaputnik, Feinbein oder Jeremias Kartoffelkäfer und amüsierten sich über Parodien von Filmen die damals noch kein Mensch kannte. (Ein Freund namens Alfred (E.) Neuwald litt allerdings etwas unter der allgemeinen MAD-Begeisterung).

Mitte der siebziger Jahre hörte ich zufällig, dass der Freund eines Freundes schon mehrmals für MAD getextet hatte und von Herbert Feuerstein zum Dank auch noch zum Essen ausgeführt wurde. Als Film- und MAD-Fan stellte ich prompt einige Einfälle zum Thema “Schade, dass es sowas nur im Kino gibt“ zusammen. Ich erhielt eine freundliche Antwort von Herbert Feuerstein, der darum bat die Texte für einen dreiseitigen Beitrag, der dann von I. Astalos illustriert werden sollte, noch etwas zu ergänzen.

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Nachdem ich dann u. a. noch textete: “In deutschen Sexfilmen sind Schulmädchen immer wohlgeformt wild und willig, aber in Wirklichkeit sind Schulmädchen meist wohlgenährt, wabblig, und würg.“, folgte recht schnell ein Brief mit einem Scheck über 150,- DM (damals ein Menge Geld, jaja) und damit war auch der “Leitspruch des Monats“ für “MAD´s monatlichen Almanach“ (“Wo eine Villa ist auch ein Weg“) abgegolten.

MAD 125

Mein Betrag, der dann in Ausgabe 125 erschien, spornte mich gewaltig an. Ich fühlte mich dadurch auch noch zum Zeichner berufen und lieferte Arbeitsproben für eine Filmparodie auf den James-Bond-Film “Moonraker“ mit der ich Mort Drucker Konkurrenz machen wollte. Außerdem hatte ich noch tolle Ideen für einen Beitrag über “Kaffeekannen der Zukunft.“ Diesmal fiel die Reaktion Feuersteins schon etwas verhaltener aus und ich wandte mich anderen Dingen zu.

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Doch auch ohne meine Mitarbeit hielt das deutsche MAD noch eine ganze Weile durch, wobei Herbert Feuerstein bereits 1991 von Bord ging und im Fernsehen eine lukrative Anstellung als Harald Schmidts nerviger Punchingball fand.  Zeitweilig verkaufte sich das deutsche MAD mit bis zu 300.000 Exemplaren sogar besser als das Mutterblatt zum selben Zeitpunkt in den USA. Doch die Beiträge waren nicht mehr allzu zeitgemäß. Das ganze Heft wirkte zuletzt nur noch lustlos zusammengestellt und schien sich auf alten Erfolgen auszuruhen. Als sich nur noch knapp 30.000 Hefte absetzten ließen, stellte das deutsche MAD 1995 mit Ausgabe 300 (vorerst) sein Erscheinen ein.

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Drei Jahre nachdem MAD in Deutschland eingestellt wurde, fragte Warner an, ob der Dino Verlag Interesse daran hätte einen Neustart mit MAD zu wagen. Ab Oktober 1998 erscheint MAD wieder monatlich und genau wie in den USA hat es auch hierzulande mit seiner sinkenden Auflage zu kämpfen.

50 JAHRE DEUTSCHES MAD

Doch  es ist mehr als erfreulich, dass wir mit einem regelmäßig erscheinenden MAD-Heft und zahlreichen zusätzlichen Veröffentlichungen mit den Werken des üblichen Haufen von Idioten verwöhnt werden.

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Auf dem Comicfestival München 2017 wurde 50 JAHRE DEUTSCHES MAD unter anderen mit einer Ausstellung im Valentin Karlstadt Musäum gefeiert. Zu Gast waren MAD-Zeichner wie Peter Kuper (Spion & Spion) oder Tom Bunk.  In diesem Zusammenhang wurde auch Herbert Feuerstein, der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazin MAD mit dem PENG!-Preis für sein Lebenswerk geehrt.

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