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Stephen King: The Stand

In einem geheimen Militärlabor wurde eine biologische Waffe namens “Captain Trips“ entwickelt. Das gefährliche Grippevirus bricht aus und verbreitet sich weltweit. 99,4 % der Menschheit kommen qualvoll zu Tode und in den USA leben nur noch einige tausend Menschen. Während der dämonische Randall Flagg seine kriminelle Gefolgschaft in Las Vegas versammelt, brechen einige Individualisten – getrieben von seltsamen Träumen – zu einer idyllischen Kleinstadt in Nebraska auf um von dort aus den Widerstand zu organisieren…

Stephen King: The Stand
1978 erschien mit “The Stand – Das letzte Gefecht“ Stephen Kings vierter Roman. Neben “Es“ enthält “The Stand“ wohl die erinnerungswürdigsten Charaktere und spannendsten Situationen, die King jemals zu Papier brachte. Zwölf Jahre später wurde eine um 400 Seiten erweiterte Version des zuvor auch nicht gerade dünnen Buchs, veröffentlicht. Im Vorwort des dicken Wälzers erzählt Stephen King, wie ihn seinerzeit die Verlags-Buchhalthaltung vorrechnete, dass sich ein durch den großen Umfang des Buchs bedingter hoher Ladenpreis nicht rechnen würde. Widerwillig fügte sich King und verglich die von ihm gekürzte Buch mit einem Cadillac, “dessen Chromteile man entfernt und dessen Farbe man bis aufs stumpfe Metall abgeschmirgelt“ hatte.

Stephen King: The Stand
Illustrationen von Bernie Wrightson

Daher war Stephen King froh, als er das Buch 1990 noch einmal überarbeiten konnte. Er brachte nicht nur fast alle Chromteile wieder an, sondern ergänzte das Buch auch noch um zwölf Illustrationen von Bernie Wrightson. Dieser hatte bereits eine Comic-Adaption des von King geschriebenen Kinofilms “Creepshow“ gezeichnet und dessen Buch „Das Jahr des Werwolfs“ illustriert. Wrightsons Bebilderung fehlt leider in Heynes Neuauflage der Langfassung von “The Stand“, die dank größer Schrift jedoch deutlich lesefreundlicher ist.

Das Jahr des Werwolfs

Nicht unerwähnt bleiben sollen noch zwei interessante Adaptionen. 1994 entstand ein vierteiliger TV-Film nach einem Drehbuch von Stephen King, der auch eine kleine aber markante Nebenrolle übernahm. Regie führte Mick Garris, der sich durch die King-Verfilmung “Sleepwalkers“ für den Job qualifizierte und danach, z. B. in “Riding the Bullet“, immer wieder zum King of Horror zurückkehrte. “The Stand“ überzeugt durch die hochkarätige Besetzung (u. a. Gary Sinise, Molly Ringwald und Rob Lowe), die aufwändige Inszenierung sowie vor allem durch die wirklich spannende Geschichte und dürfte die beste TV-Verfilmung eines Buchs von Stephen King sein.

Mick Garris

Ebenso bemerkenswert ist die aus 31 Heften bestehende Comic-Adaption aus dem Hause Marvel, die 2008 gestartet wurde. Im Gegensatz zu der immerhin sechsstündigen TV-Miniserie adaptierte der Autor Roberto Aguirre-Sacasa für den Comic nahezu komplett die verlängerte Version der epischen Romanvorlage. Diese setze der Zeichner Mike Perkins in fotorealistisch gestalteten und meist sehr breiten Panels in Szene. Zur Zeit wird wieder an einer Verfilmung von “The Stand“ gearbeitet, wobei unklar ist, ob diese ins TV oder ins Kino kommen soll.

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Shining

Jack Torrance, ein ehemaliger Lehrer und erfolgloser Schriftsteller, übernimmt mit seiner Frau und seinem siebenjährigen Sohn über die Winterpause den Job als Hausmeister in dem luxuriösen aber abgelegenen Hotel „Overlook“ in Colorado. Dabei stört es Jack nicht weiter, dass sich dort Jahre zuvor ein entsetzlicher Vorfall ereignete, als der frühere Hausmeister seine gesamte Familie ermordete. Jack Torrance sieht vielmehr die Gelegenheit, endlich sein lange geplantes Buch zu schreiben. Doch die geheimen Kräfte des Hauses ergreifen Besitz von ihm…

Shining
Ob es wirklich ein so cleverer Schachzug war einen immer etwas aufgedreht wirkenden Darsteller wie Jack Nicholson in einer Rolle einzusetzen in der er ganz langsam irre wird, sei einmal dahingestellt. Doch wie alle Filmen von Stanley Kubrick besticht auch “Shining“ durch die sorgfältige Machart. Abgesehen von einigen wenigen (natürlich beeindruckend realisierten) Außenaufnahmen, die in einem Nationalpark in Montana entstanden, wurde der Film komplett in den englischen Elstree Studios gedreht. Dies ermöglichte Kubrick völlige künstlerische Kontrolle und hyperrealistische Bilder, die auch den Horror in der Geschichte glaubhaft machen. Stephen King, der Autor der Romanvorlage, hingegen war nicht sonderlich begeistert. King lässt sich in den Dokumentationen zum Film überhaupt nicht blicken. Er realisierte 1997 seine eigene Version und schrieb das Drehbuch zur TV-Miniserie “Stephen Kings Shining“.

Shining
Ursprünglich hatte Stanley Kubrick verfügt, dass “Shining“ auf DVD nur im Vollbildformat (was dem vollen Format des Kameranegativs entspricht) und ohne besondere Extras (nur die Doku von Kubricks Tochter Vivian von den Dreharbeiten war bereits auf der alten DVD-Edition enthalten) erscheinen soll. Doch nach Kubricks Tod erschien doch noch eine aufgemotzte Special Edition mit einem hübschen neuen Cover. Allerdings ist wieder nur die um über 20 Minuten kürzere Version enthalten, von der Kubrick verfügt hat, dass ausschließlich diese in Europa gezeigt werden soll. Neben “Eyes Wide Shut“ erscheinen auch “2001 – Odyssee im Weltraum“, “Uhrwerk Orange“ und “Full Metal Jacket“ im Breitbild–Format und mit jeweils einer Bonus-DVD.

Shining
Bonusmaterial: Audiokommentar vom Steadicam-Erfinder Garrett Brown und vom Historiker John Baxter, ohne deutsche Untertitel; Dokumentation von Vivian Kubrick: „Making-of Shining“ (33:33 min), wahlweise mit Audiokommentar und wie alle übrigen Extras mit deutschen Untertiteln ; „Hinter den Kulissen: Stanley Kubricks Overlook Hotel“ (30:22 min); „Die Visionen von Stanley Kubrick“ (17:15 min); „Wendy Carlos, Komponistin“ (7:31 min); US-Kinotrailer (1:29 min)

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Stephen King: Basar der bösen Träume

Mit diesem Buch legt Stephen King seine sechste Sammlung von Kurzgeschichten vor. Enthalten sind 20 Stories, die King zuvor bereits in US-Magazinen oder als e-book vorab veröffentlichte, daher werden im Impressum auch 16 Übersetzer genannt. Es fällt auf, wie stark sich King seit seiner ersten 1980 veröffentlichten Story-Sammlung “Nachtschicht“ weiter entwickelt hat.

Stephen King: Basar der bösen Träume

Die Anthologie eröffnet die Geschichte “Raststätte Mile 81“, die von einem mörderischen Auto erzählt und ein wenig in der Tradition von Kings klassischen Werke wie “Christine“ oder “Trucks“ steht, weil King sich hier stärker an Horror-Filmen als am wirklichen Leben orientiert. Doch im Gegensatz zu vielen von Kings Romanen, mündet diese durchaus spannende Geschichte in ein originelles Finale.

Stephen King: Revival

In vielen der Geschichten lässt Stephen King aber auch Lebenserfahrung mit einfließen, am stärksten vielleicht in “Der kleine grüne Gott der Qual“. Nachdem King 1999 von “einem Kerl in einem Van“ angefahren wurde, folgten einige Jahre sehr mit sehr schmerzhafter Physiotherapie und langsamer Genesung. Auch davon erzählt er in der Geschichte, betont aber in seiner Einleitung, dass die Geschichte zwar der Versuch ist “mit etwas abzuschließen“, er jedoch nicht Schriftsteller geworden ist “um seine Lebensbeichte abzulegen“, sondern vor allem um zu unterhalten.

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Überhaupt ist es sehr erfreulich, dass King zu jeder seiner Geschichten eine kleiner aber oft sehr erhellende Einleitung verfasst hat. Dadurch werden schwächere Beiträge wie zwei (möglicherweise auch unter der deutschen Übersetzung leidende) Lyrik-Versuche, oder eine ohne Baseball-Grundkenntnisse kaum verständliche Geschichte erträglich. Doch ansonsten enthält das Buch nur wenige Aussetzer, sondern mit “Kleiner böser Junge“, dem humoristischen “Feuerwerksrausch“ oder der etwas arg unverhohlen für Amazons Kindle werbenden Story “Ur“ einige der besten Kurzgeschichten Kings. Es ist erfreulich, dass er auch dieses Feld weiterhin unermüdlich beackert!

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Stephen King: Revival

Stephen King erzählt in “Revival“ von einem frommen Prediger, der – nachdem seine Frau und sein kleiner Sohn bei einem Autounfall grausam zu Tode kamen – vom Glauben abfällt. Charles Jacobs hält daraufhin vor seiner methodistischen Gemeinde in Neuengland eine Hass-Predigt, in der er Gott verflucht und versucht dessen Grausamkeit durch zahlreiche Beispiele zu belegen. Jacobs wird daraufhin von seiner Gemeinde verstoßen.

Stephen King: Revival

Der ohnehin für elektrische Spielereien anfällige Jacobs mutiert danach zum erstaunlich erfolgreichen Wunderheiler auf Jahrmärkten und füllt als Erweckungsprediger riesige Zelte. Das sich dabei ansammelnde Vermögen steckt er in ein ganz großes ziemlich perverses Experiment…

Stephen King: Revival

Doch das ist nur der halbe und nicht unbedingt beste Teil der Geschichte, denn die Hauptfigur ist Jamie Morton, der Spross einer vielköpfigen Familie. Dieser erlebt Charles Jacobs zunächst als engagierten Land-Geistlichen und trifft ihn später auf einem Jahrmarkt wieder. Durch dessen elektrische Tricks kommt Jamie von seiner Heroin-Sucht los, doch wie viele der von Jacobs‘ behandelten Menschen, leidet er auch unter unberechenbaren Nebenwirkungen.

Stephen King: Revival
Cover der US-Ausgabe

Das Buch begleitet Jamie auf seinem Weg vom Sohn aus wohlbehüteten Haus zum drogensüchtigen Musiker bis hin zum halbwegs verantwortungsbewussten Menschen. Dieser mit sehr viel Einfühlungsvermögen geschilderte Teil ist das Herzstück von “Revival“ und Jamie Morton dürfte unter den vielen Charaktere sein, die Stephen Kings Bücher bevölkern, einer der plastischsten sein. Während (Vorsicht Spoiler!) wie so oft bei King, das große Finale eher klein bis albern geriet, ist der Weg dahin eine mit vielen originellen Episoden und interessanten Überlegungen garnierte Zeitreise durch die letzten fünf Jahrzehnte.

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Stephen King: Finderlohn

In gewisser Weise schrieb Stephen King mit “Finderlohn“ eine Fortsetzung seines Romans “Mr. Mercedes“. Es ist recht nett, die sehr sympathischen Charaktere, wie den pensionierte Polizist Bill Hodges sowie dessen unorthodoxe Helfer Jerome und Holly, wieder zu treffen. Doch ohne diese “Altlast“, die zudem auch noch eine auf eine weitere Fortsetzung zulaufende Storyline beinhaltet, wäre “Finderlohn“ höchstwahrscheinlich ein besseres Buch geworden.

Stephen King: Finderlohn

Eine der beiden Hauptfiguren ist der junge Peter Saubers, der eines Tages einen großen Koffer findet. Neben einer nicht unerheblichen Menge Bargeld enthält dieser einen noch sehr viel größeren Schatz. Der die Öffentlichkeit scheuende und seit knapp 20 Jahren nicht mehr veröffentlichende Schriftsteller John Rothstein wurde 1978 bei einem Raubüberfall ermordet. Entwendet wurden neben den daheim aufbewahrten Barschaften etliche Notizbücher, in denen Rothstein auch seine drei legendären Romane um Jimmy Gold fortgeführt hat.

Stephen King: Finderlohn
US-Ausgabe

Der Mörder ist ein gewisser Morris Bellamy, dessen Lieblingsbücher die beiden ersten Romane mit Jimmy Gold sind. Dass Rothstein seinen Helden im dritten Buch völlig demontierte, hat Bellamy dem Autor nicht verziehen und er hofft, dass sich unter den geraubten Manuskripten noch weitere Bücher mit Jimmy Gold befinden. Dies ist der Fall, doch zum Lesen kommt Bellamy nicht mehr, denn nachdem er seine Beute versteckt hat, wird er für ein anderes Delikt eingesperrt. Doch 35 Jahre später bekommt es Peter Saubers mit dem immer noch sehr gewaltbereiten Bellamy zu tun, der unbedingt “seine“ Manuskripte wieder haben will…

Stephen King: Finderlohn
Britische Ausgabe

Wie in viele Geschichten von Stephen King geht es hier auch um die Kunst des Erzählens und darum, wem die Figuren eines Buches wirklich gehören, dem Autor oder dem Leser? In gewisser Weise ist “Finderlohn“ auch eine Variation von Kings 1987 entstandenen Buch “Sie“ (“Misery“), denn auch hier steht ein fanatischer Literatur-Fan, der gewaltsam gegen seinen Lieblingsautor vorgeht, im Zentrum des Geschehens. Besonders gelungen ist das erste Drittel des Romans, in dem äußerst spannend in zwei verschiedenen sich immer mehr annähernden Zeitebene, die unweigerlich miteinander kollidierenden Geschichten von Peter Saubers und Morris Bellamy erzählt werden. Auch die nicht eben rosigen sozialen Verhältnisse in den USA spielen in der Geschichte eine wichtige Rolle. Der konventioneller aufgebaute Rest des Romans hält zwar die Spannung aufrecht, konzentriert sich dabei aber auch zu häufig auf die Schilderung von Ereignissen, die nur bedingt mit der Haupthandlung zusammenhängen. Dennoch freue ich mich auf “Mind Control“, das Ende der Trilogie um den noch sehr aktiven Pensionär Bill Hodges.

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MAD

MAD, das „vernünftigste Magazin der Welt“, hat unsere Kulturlandschaft nicht nur veralbert und kommentiert, sondern sie sogar stärker geprägt und auch verändert als jeder andere Comic. 

MAD Don Martin

Die Anfänge: Geschichten aus der Bibel und aus der Gruft

Es wird immer wieder gerne behauptet MAD wäre vom EC-Verlag herausgebracht worden, weil es durch drastische Zensurmaßnahmen in den USA nicht mehr möglich war Horrorheftchen wie “Tales from the Crypt“ zu veröffentlichen. Doch genaugenommen ist MAD eher eine Fortsetzung des Horrors der EC-Comics mit komischen Mitteln.

Max Gaines
Max Gaines

Um dies zu belegen muss etwas weiter ausgeholt werden. Max Gaines, der Vater des MAD-Gründers, war, übrigens ähnlich wie der Duck-Master Carl Barks, ein Mensch der es in allen möglichen Bereichen versuchte, dort immer wieder scheiterte und schließlich in der Comic-Branche landete. Wobei in den depressiven dreißiger Jahren von einer “Comic-Branche“ noch gar nicht die Rede sein konnte. Comics gab es eigentlich nur als tägliche Strips in den Tageszeitungen und als farbige Beilage am Wochenende. Max Gaines fragte sich nun, ob es nicht auch möglich wäre diese Beilagen auch ohne die störende Zeitung direkt am Kiosk zu verkaufen.

Famous Funnies
Er kam mit einer Firma namens Eastern Color Printing ins Geschäft. Dort wurden Unmengen von Comicheften als Gratiswerbegeschenke für Firmen produziert. Doch seltsamerweise hatte bisher niemand daran gedacht diese Hefte zu verkaufen. Gaines überzeugte die Firma indem er auf einige dieser Gratis-Hefte einen Preisaufdruck von 10 Cents stempelte. Da sich die Hefte prima verkauften, erhielt Gaines den Auftrag für Eastern ein Serie neuer Comichefte zusammenzustellen. Hierfür erfand Gaines auch noch ganz nebenbei das noch heute gültige Format für US-Comichefte. Im Mai 1934 erschien die erste Ausgabe von “Famous Funnies“ und diese 64-seitigen Farbhefte hatten sofort Erfolg. Gaines wurde für seine Bemühungen nicht gerade belohnt, denn eines Tages fand er ohne Angaben von Gründen seine Bürotür plötzlich verschlossen vor. Doch Gaines blieb in der Comicbranche und fand sofort wieder Arbeit. Er verlegte ein Heft namens “Popular Comics“, das ebenfalls Zeitungsstrips veröffentlichte und damit noch mehr Erfolg als “Famous Funnies“ hatte.

Popular Comics

Max Gaines tätigte auch Geschäfte mit DC, angeblich ist die Idee ein “Superman“-Comicheft  herauszubringen auch mit auf seinem Mist gewachsen. Gemeinsam mit DC entstanden arbeitete er an den “All American“ (AA) –Comics mit Helden wie Flash, Hawkman und später auch Wonder Woman. 1944 gründete Gaines schließlich als Tochter von DC und AA seinen eigenen Verlag namens E.C. Dieses Kürzel stand für “Educational Comics“ (also “Erzieherische Comics“), denn auch in den vierziger Jahren waren die Comics vielen Erziehern ein Dorn im Auge.

Picture Stories from the Bible

Daher verlegte Gaines Comics, die Wissen vermitteln sollten. Produkte wie diese trafen zwar nicht unbedingt den Geschmack der Zielgruppe, denn die Kinder benötigten mindestens 10 Ausgaben von “Picture Stories from the Bible“ um diese bei ihren Freunden gegen ein einziges Batman-Heft einzutauschen. Für das Image des Medium Comics waren Produkte wie “Picture Stories from Science“ jedoch ganz gewiss nicht schlecht und dem E. C. -Verlag ging es recht gut. Doch eine Katastrophe sollte alles ändern: 1947 kam Max Gaines bei einem Bootsunglück ums Leben und seine Witwe bat ihren damals 25-jährigen Sohn das Geschäft zu übernehmen.

Reddition
Empfehlenswert ist zum Thema auch die REDDITION 62

Im Gegensatz zu seinem Vater hatte es William M. Gaines nicht so mit Geschichten aus der Bibel. Er war eher ein Fan von spannenden und pointierten Radiohörspielen. Daher setzte er auf Kriminal-Comics. Gemeinsam mit dem gleichaltrigen Zeichner Al Feldstein, der eigentlich Teenie-Comics im Stile von Archie für EC zeichnen sollte, schuf er mit der Serie “Crime Suspense Stories“ ein erstes Highlight des Verlages. Zeichner wie Jack Davies, Graham Ingels, Bernard Krigstein und Wallace Wood setzten die Geschichten von Gaines und Feldman in beeindruckendes Artwork um.

Crime Suspense Stories

Es ging dabei meist um Kriminalfälle, die sich nicht in einer ominösen Unterwelt sondern in der Familie oder am Arbeitsplatz abspielten, also in einer dem Leser vertrauten Umgebung. Ganz wichtig war hierbei auch die überraschende Wendung am Ende der Geschichte, die in der Tradition großer amerikanischer Short Story-Autoren wie O. Henry stand und zu ECs Markenzeichen wurde.

Tales from the Crypt

1950 versuchten sich Gaines und Feldstein an zwei Horror-Stories namens “Crypt of Terror“ und “Vault of Horror“, die beide von einem gewissen modrigen Cryptkeeper anmoderiert wurden. Diese Geschichten wurden zunächst in zwei Ausgaben der EC-Krimi-Comicreihen “Crime Patrol“ und “War Against Crime“ versteckt. Doch Gaines und Feldstein waren so sehr vom Erfolg ihrer Stories überzeugt, dass sie gleich mit den Heftreihen “The Crypt of Terror“ (später umbenannt in “Tales from the Crypt“) und “The Vault of Horror“ starteten, ohne abzuwarten wie solche Sammlungen von Horror-Geschichten vom Publikum aufgenommen wurden. Der Erfolg sollte ihnen recht geben und Bill Gaines änderte den Verlagsnamen in “Entertaining Comics“.

Two-Fisted Tales
Schon bald mussten 10 andere Comichefte geopfert werden um diese gegen ein EC-Horrorcomic einzutauschen und ein Schriftsteller wie Stephen King gibt unumwunden zu, dass diese Comicreihen der Hauptinspirationsquelle seiner ersten Schreibversuche waren. (Später sollte er mit dem Film “Creepshow“ den E. C.-Comics Respekt erweisen). Gaines gelang es weitere talentierte Zeichner um sich zu versammeln und ermutigte diese dazu in ihrem eigenen Stil zu zeichnen. So entstanden neben den Horror-Heften auch Science Fiction-Comics, für die sogar eine anerkannte Genregröße wie Ray Bradbury schrieb (nachdem er sich zuvor darüber beschwert hatte, das Gaines einige seiner Stories plagiert hatte), und sehr realistische Kriegscomics. Diese Serien namens “Two-Fisted Tales“ und “Frontline Combat“ boten gut recherchierte Stories und glorifizierten den Krieg kein bisschen. Diese Hefte betreute ein gewisser Harvey Kurtzman.

Frontline Combat

Als sich Kurtzman eines Tages bei Gaines darüber beschwerte, das Al Feldstein mehr Gehalt bezieht als er, wies ihn Gaines darauf hin, dass Feldstein ja schließlich auch fünf Heftserien betreute, während Feldstein “nur“ für die beiden Serien mit Kriegscomics verantwortlich war. Zuvor war es Kurtzman bereits gelungen humoristische Comics u. a. inmitten von Marvels Superhelden-Heften unterzubringen und ähnliches war ihm auch schon bei EC gelungen. Gaines bot daher Kurtzman eine Gehaltserhöhung von 50% an, wenn dieser ihm in kürzester Zeit ein wirklich komisches Comicheft zusammenstellen würde. Kurtzman schlug den Titel “Tales calculated to drive you Mad“ vor.

MAD unter Kurtzman

Ab 1952 erschien MAD in Form eines Comicheftes. Die ersten drei Hefte enthielten jeweils 4 Stories, die alle von Harvey Kurtzman getextet und von Jack Davis, Wally Wood und Bill Elder gezeichnet wurden.

MAD

Den Auftakt machte die Geschichte “Hoohah!“ in der sich Kurtzman ausgiebig über den E. C.s Flaggschiff “The Crypt of Terror“ lustig machen konnte, denn er hat sich immer nur sehr widerwillig für E.C.s Horrorheftchen gearbeitet. Auch viele der meisten Geschichten in den ersten drei MAD-Heften parodierten andere E.C.-Comicreihen und der Erfolg hielt sich zunächst noch in Grenzen. Dies sollte sich ab der vierten Ausgabe ändern.

MAD

Hierfür zeichnete Wally Wood in beeindruckenden Wimmelbildern unter dem Titel “Superduperman!“ die erste direkte Parodie auf eine populäre Comicreihe, die nicht aus dem Hause E.C. stammt (wenn die Tarzan-Verarsche “Melvin!“ aus Heft 2 ignoriert wird). Gaines war zunächst skeptisch, denn er beschäftigte für seine Rechtsangelegenheiten den selben Anwalt wie DC, der Verlag bei dem Superman erscheint. Daher riet der Jurist Gaines in MAD auf eindeutige Parodien populärer Figuren zu verzichten, um sich dadurch lästige Schadensersatzklagen vom Hals zu halten. Kurtzman blieb jedoch stur, denn ohne die Möglichkeit sich auch über andere Comic-Reihen lustig machen zu dürfen, sah er keine Zukunft für MAD. Er fand einen Anwalt, der empfahl ganz einfach mit dem Parodieren weiterzumachen.

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Zum Glück für die gesamte westliche Kulturlandschaft hat sich Gaines im Sinne von Kurtzman entschieden und MAD verulkte in den nächsten Heften Comic-Reihen wie “Prinz Eisenherz, “Archie“ und auch die Disney-Comics blieben nicht verschont. Der “Maus“-Zeichner Art Spiegelman meint, das MAD die sechziger Jahre genauso stark geprägt hat “wie Gras und LSD“. Bewusstseinserweiternd war MAD schon, denn der respektlose Umgang mit Autoritäten, Ikonen und Klischees machte Schule und es selbsternannten Meinungsmachern und Moralaposteln nicht mehr so leicht Punkte bei der Bevölkerung zu machen. (Wenn man allerdings einmal den leidigen Rummel hierzulande um die Rechtmäßigkeit von Asterix-Parodien betrachtet, sieht es so aus, als wenn wir im Humor-Verständnis immer noch weit hinter den Amis der fünfziger Jahre herhinken).

Seduction of the Innocent
Doch ganz so weit waren auch die USA im April 1954 noch nicht. Zeitgleich mit der zehnten Ausgabe von MAD erschien Fredric Werthams Buch “Seduction of the Innocent“, das anhand von zahlreichen Illustrationen aus EC-Heften nachzuweisen versucht, dass Comics für die Verführung und Verrohung junger Menschen verantwortlich sind. Der “Erfolg“ des Buches war so gross, dass prompt Comic-Verbrennungen organisiert wurden. Etwas Öl in diese Feuer goss Gaines selber noch als er ebenso treffend wie verletzend ausführte: “Dr. Wertham das harmlose Vergnügen an einer Horror Story begreiflich zu machen, ist ebenso schwierig wie einer frigiden alten Jungfrau die Freuden der Liebe zu erklären.“

Comics Code

Auch Gaines Erklärungen, dass die Cover der EC-Comics durchaus noch schrecklicher und blutiger hätten ausfallen können, überzeugte nicht so recht. Nach und nach musste Gaines alle seine erfolgreichen Horror-Comicreihen einstellen, da diese ohne den Siegel des neu formulierten Comics Code von den meisten Händlern nicht mehr verkauft wurden.

MAD 20

MAD hingegen war bisher der Öffentlichkeit nur einmal unangenehm aufgefallen (bzw. in den Klassenzimmern gar nicht aufgefallen) als der Umschlag der Nummer 20 genau wie ein Schulheft gestaltet war. Um Kurtzman, dem ein lukrativer Job bei einem anderen Verlag angeboten wurde, zu halten schlug Gaines vor MAD künftig im Magazinformat herauszubringen. Kurtzman war begeistert und begann sofort den Markt abzuchecken. Er fand heraus, dass bei einem Magazin farbige Seiten nicht unbedingt erforderlich waren und trotzdem der Preis von 10 Cents auf 25 Cents angehoben werden konnte. Außerdem musste ein Magazin sich überhaupt nicht mit dem Comics Code herumärgern. Ein weiterer Vorteil war, dass nachdem schon so ziemlich jede populäre Comicreihe ihr Fett abbekommen hatte, jetzt noch zusätzlich alle möglichen Unarten des American Way of Life verulkt werden konnten.. Dafür war verzichtete MAD künftig auf Handlettering und setzte stattdessen Maschinensatz ein um den Magazin-Charakter und die Bedeutung des gedruckten Wortes zu betonen. Das MAD-Magazin entfernte sich also etwas vom Medium Comic und sprach dadurch ein größeres Publikum an.

MAD 24

So erschien im Sommer 1955 als Ausgabe 24 “The new MAD“ und die Legende will wissen, dass bereits die Arbeiter in der Druckerei Tränen lachten. Trotz des großen Erfolges brauchte der qualitätsbewusste Kurtzman deutlich länger zum Zusammenstellen des Magazins und MAD erschien meist nicht wie geplant alle zwei Monate sondern nur vierteljährlich. Dies machte die weitere Zusammenarbeit mit Gaines, dessen Verlag immer mehr den Bach runterging, nicht gerade leichter. Mit einem Angebot vom Hugh Hefner, dem Herausgeber des Playboys, in der Hinterhand forderte Kurtzman auch noch volle Kontrolle über das von ihm gegründete MAD-Magazin. Für seine Weiterarbeit forderte er, dass MAD ihm künftig zu 51% gehören solle. Gaines war entsetzt. Er entschied sich Kurtzman gehen zu lassen und seinem loyalen Freund Al Feldstein zum MAD-Herausgeber zu machen.

Harvey Kurtzman

Kurtzman brachte kurz darauf für Hugh Hefner das Satire-Magazin “Trump“ heraus. Trotz guter Resonanz und Verkaufszahlen stellte Hefner das Blatt bereits nach zwei Ausgaben wegen der hohen Produktionskosten wieder ein. Dies hinderte Kurtzman nicht daran gemeinsam mit Will Elder die prachtvoll gestaltete Serie “Little Annie Fanny“ für den Playboy zu gestalten. Von 1960 bis 1965 produzierte Kurtzman gemeinsam mit dem späteren Monty Python-Mitglied Terry Gilliam das Magazin “Help!“. Hier wurden die ersten Werke der späteren Underground-Stars Robert Crumb (“Fritz the Cat“) und Gilbert Sheldon (“Freak Brothers“) veröffentlicht. Bis zu seinem Tode im Jahre 1993 lehrte Kurtzman als Dozent für graphische Kunst an der New York School of Visual Arts.

Die übrige Gang von Idioten

Viele der Künstler des alten Teams hatten das Magazin gemeinsam mit Kurtzman verlassen und Hugh Hefner promotete sein neues Satire-Blatt im “Time Magazin“ sogar damit, dass er behauptete, für ihn arbeitete jetzt die gesamte Belegschaft von MAD, einem kurzlebigen “satirical Pulp“. Al Feldstein, dem der Humor von Harvey Kurtzman teilweise ein wenig zu elitär und abgehoben war, musste nun komplett neu beginnen.

Alfred E. Neuman Postkarte
Alfred E. Neuman Postkarte

Den Übergang von Kurtzman zu Feldstein markierte auch ein gewisser Alfred E. Neuman. Kurtzman hatte eine Postkarte mit dem zahnlückigen Segelohrträger entdeckt, deren Bildunterschrift “Me Worry“ lautete. Spätere Streitigkeiten um die Rechte an der Figur ergaben, dass dieser sorglose Bengel bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts überall auftauchte, ohne dass sein Ursprung genau dingfest zu machen war. Kurtzman platzierte jedenfalls eine Reproduktion der “What – Me Worry“-Postkarte  auf der Umschlagrückseite von Heft 27. Die Leserschaft und auch Al Feldstein waren von dem putzigen Kerlchen recht angetan. Daher wurde Norman Mingo von Feldstein damit beauftragt aus dem Postkartenmotiv eine Identifikationsfigur für das Magazin zu machen. Seitdem Feldstein das MAD-Magazin übernommen hatte war Alfred E. Neuman dann auf den meisten Titelbildern zu sehen.

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Bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1984 gelang es Feldstein zahllose neue Talente anzuwerben, die alle eine eigene umfangreiche Würdigung verdient hätten: Etwa Don Martin, der ab Heft 29 Wesen mit ganz krummen Füssen durch das Magazin schlurfen ließ, Mort Drucker, der ab Heft 32 seine gefürchtete Film- und TV-Parodien platzierte, Dave Berg (ab Heft 34) mit seinen immer treffenden Alltagsbetrachtungen, Sergio Aragones (ab Heft 76) der schnellste Cartoonist der Welt und Al Jaffee (ab Heft 91) das Bastelgenie mit den dummen Fragen, das mit seinen Fold-Ins dem “Playboy“ und dessen Fold-Outs erhebliche Konkurrenz machte. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll der Kubaner Antonio Prohias, der schon zu Zeiten des kalten Krieges seinen weißen und schwarzen Spion aufeinanderhetzte. Heute wird Spy vs. Spy von Peter Kuper gezeichnet.

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1962 verkaufte Bill Gaines MAD an Premier Industries, die es später an DC weiterveräußerte. Doch Gaines behielt volle Kontrolle über das Heft. Das Magazin florierte und Gaines konnte sich weiterhin locker erlauben auf Werbung zu verzichten und sein komplettes Team immer wieder zu ausgiebigen Reisen in alle Teile der Welt einzuladen. Nach Gaines Tod im Jahre 1992 übernahm im Aufrage von DC Joe Orlando den Job des “Consultant Editor“. Nach und nach gewann er das Vertrauen des MAD-Teams und die Gang von Idioten fällt immer weiterhin aktuell und treffend über den American Way of Life her.

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Auf eine etwas bedenkliche Tendenz muss jedoch noch hingewiesen werden: Zwar kommt MAD immer noch ohne Werbung aus, doch auch Satire kann eine Art von Werbung sein, denn schlimmer als jede schlechte Filmkritik ist es, wenn ein neuer Film nicht in MAD parodiert wird. Seitdem das eigentlich unabhängige Satiremagazin zum Warner-Medienkonzern gehört, der den DC-Verlag kaufte, gibt es einige Liebesdienereien in Richtung des Mutterkonzerns: So erschien die amerikanische MAD-Ausgabe mit der Parodie zu „Batman und Robin“ gleich mit vier (!) Variantcovern zum Film, was sicher mehr mit Promotion als mit Satire zu tun hat und es kam auch ein Sammelband heraus, der nur Verarschungen von Filmen aus dem Hause Warner enthielt. Es bleibt abzuwarten, ob die MAD-Macher in Zukunft die Hand die sie füttert überhaupt noch beißen dürfen?

MAD in Deutschland

Ab 1967 brachte der Williams Verlag MAD auch in Deutschland heraus.

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Die Erscheinungsform war sehr stark an die amerikanische Ausgabe angelehnt.

Chefredakteur war ab Ausgabe 32 Herbert Feuerstein, der 1971 einen Anruf erhielt, der sein Leben “komplett verändern“ sollte. Der Aachener Bildschriftenverlag suchte einen Übersetzter für das Feuerstein bestens bekannte Satire-Magazin MAD. Feuerstein war sofort begeistert und übernahm, zunächst noch gemeinsam mit Lutz Reinecke, der später den Verlag “Zweitausendeins“ gründen sollte, ab Ausgabe 32 die Übersetzung und komplette Konzeption der deutschen Ausgabe von MAD.

Feuerstein Mad
© schuerbeln.de

Auch als mit Klaus Recht ein neuer Geschäftsführer das MAD-Ruder übernahm, konnte sich Feuerstein behaupten und handelte für sich sogar eine Gewinnbeteiligung heraus. Diese kam sehr gut zum Tragen, als in den 80er Jahren die Auflage auf 300.000 Exemplare gesteigert werden konnte. Feuerstein bemühte sich zunehmend darum auch eigene Beiträge zu produzieren. Dazu arbeitete er mit Zeichnern wie I. Astalos oder Dieter Stein zusammen.

 

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In diesem Zusammenhang möchte ich etwas persönlicher werden: In meiner Schulzeit war MAD eine Weile (so zwischen dem zwölften und fünfzehnten Lebensjahr) ganz schön wichtig. Wer das neuste Heft hatte, war einen ganzen Tag lang der Größte. Alle hechelten die Artikel durch, erfreuten sich an Namen wie Kaputnik, Feinbein oder Jeremias Kartoffelkäfer und amüsierten sich über Parodien von Filmen die damals noch kein Mensch kannte. (Ein Freund namens Alfred (E.) Neuwald litt allerdings etwas unter der allgemeinen MAD-Begeisterung).

Mitte der siebziger Jahre hörte ich zufällig, dass der Freund eines Freundes schon mehrmals für MAD getextet hatte und von Herbert Feuerstein zum Dank auch noch zum Essen ausgeführt wurde. Als Film- und MAD-Fan stellte ich prompt einige Einfälle zum Thema “Schade, dass es sowas nur im Kino gibt“ zusammen. Ich erhielt eine freundliche Antwort von Herbert Feuerstein, der darum bat die Texte für einen dreiseitigen Beitrag, der dann von I. Astalos illustriert werden sollte, noch etwas zu ergänzen.

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Nachdem ich dann u. a. noch textete: “In deutschen Sexfilmen sind Schulmädchen immer wohlgeformt wild und willig, aber in Wirklichkeit sind Schulmädchen meist wohlgenährt, wabblig, und würg.“, folgte recht schnell ein Brief mit einem Scheck über 150,- DM (damals ein Menge Geld, jaja) und damit war auch der “Leitspruch des Monats“ für “MAD´s monatlichen Almanach“ (“Wo eine Villa ist auch ein Weg“) abgegolten.

MAD 125

Mein Betrag, der dann in Ausgabe 125 erschien, spornte mich gewaltig an. Ich fühlte mich dadurch auch noch zum Zeichner berufen und lieferte Arbeitsproben für eine Filmparodie auf den James-Bond-Film “Moonraker“ mit der ich Mort Drucker Konkurrenz machen wollte. Außerdem hatte ich noch tolle Ideen für einen Beitrag über “Kaffeekannen der Zukunft.“ Diesmal fiel die Reaktion Feuersteins schon etwas verhaltener aus und ich wandte mich anderen Dingen zu.

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Doch auch ohne meine Mitarbeit hielt das deutsche MAD noch eine ganze Weile durch, wobei Herbert Feuerstein bereits 1991 von Bord ging und im Fernsehen eine lukrative Anstellung als Harald Schmidts nerviger Punchingball fand.  Zeitweilig verkaufte sich das deutsche MAD mit bis zu 300.000 Exemplaren sogar besser als das Mutterblatt zum selben Zeitpunkt in den USA. Doch die Beiträge waren nicht mehr allzu zeitgemäß. Das ganze Heft wirkte zuletzt nur noch lustlos zusammengestellt und schien sich auf alten Erfolgen auszuruhen. Als sich nur noch knapp 30.000 Hefte absetzten ließen, stellte das deutsche MAD 1995 mit Ausgabe 300 (vorerst) sein Erscheinen ein.

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Drei Jahre nachdem MAD in Deutschland eingestellt wurde, fragte Warner an, ob der Dino Verlag Interesse daran hätte einen Neustart mit MAD zu wagen. Ab Oktober 1998 erscheint MAD wieder monatlich und genau wie in den USA hat es auch hierzulande mit seiner sinkenden Auflage zu kämpfen.

50 JAHRE DEUTSCHES MAD

Doch  es ist mehr als erfreulich, dass wir mit einem regelmäßig erscheinenden MAD-Heft und zahlreichen zusätzlichen Veröffentlichungen mit den Werken des üblichen Haufen von Idioten verwöhnt werden.

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Auf dem Comicfestival München 2017 wird 50 JAHRE DEUTSCHES MAD unter anderen mit einer am 22. Mai startenden Ausstellung im Valentin Karlstadt Musäum gefeiert. Zu Gast sind MAD-Zeichner wie Peter Kuper (Spion & Spion) oder Tom Bunk.  In diesem Zusammenhang wird auch Herbert Feuerstein, der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazin MAD mit dem PENG!-Preis für sein Lebenswerk geehrt und diesen am 27. Mai persönlich in der Alten Kongresshalle entgegennehmen.

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A Good Marriage

Mit seiner Novellensammlung “Frühling, Sommer, Herbst und Tod“ lieferte Stephen King 1982 gleich drei Vorlagen zu Spielfilmen, die in zwei Fällen (“Stand by Me“ und “Die Verurteilten“) außergewöhnlich gelungen verfilmt wurden (während Bryan Singers “Der Musterschüler“ sein Thema verfehlte und eher albern geriet). 1990 folgte die deutlich schwächere ebenfalls vierteilige Novellensammlung “Four Past Midnight“. Kings dritte Novellensammlung “Zwischen Nacht und Dunkel“ von 2010 hingegen war wieder eine Wundertüte voller mittellanger Geschichten.

A Good Marriage

“Eine gute Ehe“ ist der durchaus krönende Abschluss des Buchs. Stephen King versetzt sich in dieser Story sehr einfühlsam in Darcy Anderson, die feststellen muss, dass ihr Ehemann Bob ein düsteres Geheimnis vor ihr versteckt. Diese 120-seitige Geschichte schließt den Sammelband ab und vier Jahre später adaptierte King sie für einen Kinofilm, den Peter Askin (“Company Man“) in Szene setzte. Joan Allen (“Face/Off“, “Das Bourne Ultimatum“) überzeugt in der Rolle einer Frau, die nach 27 Ehejahren von ihrem Mann zwar etwas genervt ist, jedoch nicht ahnt, dass sie einen Serienkiller geheiratet hat…

A Good Marriage

Das Hauptproblem des Films dürfte sein, dass Anthony LaPaglia (“Frasier“) als Ehemann nur bedingt bedrohlich rüber kommt. Richtig spannend wird „A Good Marriage“ erst zum Ende hin, wenn der großartige Stephen Lang (“Avatar“, “Terra Nova“) als zwar schon pensionierter aber immer noch sehr hartnäckiger Ermittler ins Spiel kommt. Stephen King wird seinerzeit gewusst haben, warum die Grundidee von “Eine gute Ehe“ nicht für einen seiner langen Romane verwendete, sondern daraus eine Novelle machte. Als Kinofilm jedenfalls ist die Geschichte leider nur bedingt abendfüllend.

A Good Marriage

Die DVD von Concorde Film enthält neben dem 97-minütigen Film noch entfallene und verpatzte Szenen (16:41 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln), sowie den deutschen Trailer (1:49 min) und den US-Trailer (1:47 min)

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Stephen King: Mr. Mercedes

Mit „Christine“ und „Der Buick“ – Stephen Kings anderen „Autobüchern – hat „Mr. Mercedes“ wenig gemeinsam, denn übersinnliche Elemente wie fluchbeladene Alltagsgegenstände sucht der Leser diesmal vergebens. King bemüht sich sein Buch fest in der Realität zu verankern. Dies zeigt sich bereits im ersten Kapitel, in dem King mit viel Einfühlungsvermögen einige Frühaufsteher beschreibt, die hoffen bei einer städtischen Jobbörse endlich wieder einen Job zu finden. Mitten hinein in diesen traurigen Haufen von Arbeitssuchenden fährt am Ende des Kapitels „Mr. Mercedes“ mit seinem Benz. Nachdem der Psychopath etliche Menschen überfahren hat, kann er dank deutscher Wertarbeit unerkannt in seiner gestohlenen wuchtigen Nobelkarosse entkommen.

Stephen King: Mr. Mercedes
Hardcover-Cover

 

Die Hauptfigur des Buches ist der pensionierte Polizist Bill Hodges, dem es während seiner aktiven Zeit nicht gelang „Mr. Mercedes“ zu schnappen. Er wird jedoch vom Killer beobachtet und durch einen anonymen Brief provoziert. Eigentlich beabsichtigte Brady Hartsfield alias „Mr. Mercedes“ den immer depressiver werdenden Hodges durch Psycho-Tricks, wie manipulative Mails, in den Selbstmord zu treiben. Dies war ihm zuvor bereits bei der Besitzerin des Todes-Mercedes gelungen, die sich Vorwürfe machte, weil Hartsfield so einfach an die Schlüssel ihrer Wagens gekommen war. Doch bei Hodges erreicht „Mr. Mercedes“ genau das Gegenteil, denn dieser setzt alles dran um den Killer zu schnappen. Doch auch Hartsfield hat sich noch lange nicht zur Ruhe gesetzt.

Stephen King: Mr. Mercedes
Softcover-Cover

„Mr. Mercedes“ zeigt, dass Stephen King keine Fantasy- oder Horror-Gimmicks braucht um ein spannendes und mitreißendes Buch zu schreiben. Auch der Alltag und insbesondere das Internet bieten genügend Abgründe. Das Buch fesselt über die volle Länge von 600 Seiten. Einmal mehr gelangen King interessante Charaktere sowohl im guten wie auch im bösen, sowie diesmal sogar ein an Spannung kaum zu überbietendes Finale

Bereits ein Jahr nach “Mr. Mercedes“ erschien mit “Finderlohn“ eine Art Fortsetzung und das Buch “Mind Control“ vollendet schließlich die Trilogie um Bill Hodges.

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John Carpenters Christine

Ganz über die Klasse von Brian De Palmas „Carrie“ verfügt John Carpenters „Christine“ nicht. Doch genau wie bei der sieben Jahre zuvor entstandenen Stephen-King-Verfilmung ist auch hier ein Remake völlig unnötig, denn der Film über einen tödlichen 1958er Plymouth Fury mit rot-weißer Speziallackierung ist stylisch und gut besetzt. „Christine“ kann auch heute noch überzeugen, amüsieren und gepflegten Grusel verbreiten.

John Carpenters Christine

Daher ist es sehr erfreulich, dass dieser Film endlich auch auf Blu-ray erscheint und zumindest die Originalfassung, aber leider nicht die deutsche Synchronisation, in guter das Wohnzimmer aus allen fünf Ecken beschallener Tonqualität zu hören ist. Zudem wird auch noch einiges an Bonusmaterial präsentiert. So gibt es 25 Minuten lang entfallene Szenen in mäßiger Bildqualität zu bestaunen sowie einige interessante Dokumentationen.

John Carpenters Christine

Der Höhepunkt ist jedoch zweifelsohne der Audiokommentar, auf dem John Carpenter gemeinsam mit dem Hauptdarsteller Keith Gordon zu hören ist. Für Carpenter waren anscheinend die Dreharbeiten zu „Christine“ eine seiner positivsten Erfahrungen als Filmemacher. Der mittlerweile auch als Regisseur tätige Gordon war fast immer am Set anwesend und lernte viel von Jon Carpenter. Zum Glück gibt es zum Audiokommentar auch Untertitel, denn mit Originalfassung in DTS-HD 5.1 und den dazu eingeblendeten Statements von Carpenter und Howard ist die Wiederbegegnung mit „Christine“ ein echtes Erlebnis!

John Carpenters Christine

Bonusmaterial der Blu-ray: Audiokommentar von John Carpenter und Keith Gordon, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln, entfallene Szenen (25:20 min), Doku über das Auto (28:55 min), Bericht über die Musik (7:17 min)

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Manchmal kommen Sie wieder

Viel zu spät erkennt Jim Norman, daß die Rückkehr in seine Heimatstadt eine zweite Tragödie herausfordert. Vor mehr als 20 Jahren mußte er mit ansehen, wie sein Bruder von Halbstarken in einem Tunnel erstochen wurde. Die Flucht der Mörder konnte er vereiteln und ein heranbrausender Zug zermalmte sie. Jetzt muß er als Lehrer hilflos miterleben, wie drei seiner Schüler auf mysteriöse Weise sterben. Ihre Plätze in der Klasse nehmen die eigentlich schon seit 20 Jahre toten Halbstarken ein. Diese Mörder von einst haben noch eine Rechnung offen…

Manchmal kommen sie wieder

Die Vorlage für diesen Film stammt aus Stephen Kings Kurzgeschichten-Sammlung “Nachtschicht“ und eigentlich sollte die Story bereits 1985 ein Teil des Episoden-Films “Katzenauge“ werden. Doch Produzent Dino De Laurentiis fand, dass die Geschichte genügend Potential für einen eigenen Film hat. Dieser entstand 1991 und lief in den USA im Fernsehen, während er bei uns sogar im Kino gezeigt wurde. „Manchmal kommen Sie wieder“ war immerhin so erfolgreich, dass 1996 und 1998 zwei direkt für den Videomarkt produzierte Fortsetzungen entstanden, wobei letztere die Geschichte auf eine US-Militärbasis in der Antarktis verlegte.

Manchmal kommen Sie wieder

Wie dem auch sei, der erste Film von 1991 ist ein solider kleiner Grusler, der eine spannende Geschichte sehr solide und mit guten Darstellern erzählt. Während Brooke Adams aus David Cronenbergs “Dead Zone“ bereits “Stephen King Erfahrung“ mitbrachte, war Tim Matheson aus Filmen wie “Ich glaub mich tritt ein Pferd“, Steven Spielbergs “1941“ und natürlich dem Klassiker “Das turbogeile Gummiboot“ eher als Komödiant bekannt.

Manchmal kommen Sie wieder

Koch Media präsentiert “Manchmal kommen Sie wieder“ stylisch in einer schwarzen Blu-ray-Hülle und wahlweise im Format 16:9 oder 1:2,35. Bonusmaterial: Galerie mit 23 Bildern, Deutscher Trailer (2:20 min), US-Trailer (2:29 min), Wendecover

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