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Das Kabinett des Dr. Parnassus

Wer glaubt Fantasy-Filme sind künftig nur noch mit aufwändigsten Spezialeffekten und in 3D erträglich, erhält von Terry Gilliam eine heilsame Lektion. Während James Cameron den Zuschauer in Avatar zur ziemlich vertraut wirkenden fremden Welt Padora – in zugegebenermaßen so noch nie gesehener technischer Perfektion – aufbrechen lässt, schraubte Gilliam einen sehr eigenwilligen aber nie sperrigen Film zusammen, bei dem er nach eigenen Aussagen erst nach Fertigstellung wusste, worum es eigentlich geht.

Das Kabinett des Dr. Parnassus

So etwas hätte natürlich auch ganz schön in die Hose gehen können, man denke nur an Gilliams letztes Werk Tideland. Doch die im London der Gegenwart angesiedelte Geschichte um die heruntergekommene Wandertheater-Truppe des Doktor Parnassus (Idealbesetzung: Christopher Plummer), der vor 1.000 Jahren einen Pakt mit dem Teufel (gute Wahl: Tom Waits) einging, erstaunt und entzückt. Erinnerungen an Gilliams Meisterwerke Brazil oder 12 Monkeys werden wach, während die junge Lily Cole als Parnassus-Tochter Valentina eine ähnliche Karriere wie einst Uma Thurman nach Die Abenteuer des Baron Münchhausen hinlegen könnte.

Das Kabinett des Dr. Parnassus

Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein tragisches Ereignis maßgeblich zur ganz besonderen Wirkung von Das Kabinett des Dr. Parnassus beitrug. Als die Dreharbeiten noch lange nicht abgeschlossen waren, verstarb Heath Ledger, welcher den mysteriösen Tony spielte, der sich der Truppe von Dr. Parnassus angeschlossen hatte. Zum Glück waren zu diesem Zeitpunkt bereits die in der Londoner Realität spielenden Szenen abgedreht.

Das Kabinett des Dr. Parnassus

Gilliam beschloss per Drehbuch-Überarbeitung, dass Menschen, die die magische Welt hinter Parnassus´ Zirkuswagen betreten, auch ihr Aussehen verändern. Für die “alternativen“ Versionen von Tony konnten – und das auch noch zum Nulltarif! – Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell gewonnen werden. Der Film wurde dadurch nicht nur fertig sondern höchstwahrscheinlich auch noch besser.

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Uli Oesterle: Kopfsachen

In seinem neuen Comic Vatermilch wird Uli Oesterle vom Absturz eines gut situierten Familienvaters in Alkoholsucht und Obdachlosigkeit erzählen. Für diese fiktive, aber zum Teil auch biografische Geschichte über den eigenen Vater erhielt Uli Oesterle 2016 den recht hoch dotierten Comic-Buchpreis der Berthold-Leibinger-Stiftung, der für Graphic Novels in der Entstehung vergeben wird. Vatermilch wird in zwei Bänden voraussichtlich 2019 und 2020 bei Carlsen erscheinen.

Uli Oesterle: Kopfsachen

Um den Lesern die Wartezeit zu verkürzen, wurden Uli Oesterles in unterschiedlichen Publikationen erschienenen Kurzgeschichten neu aufgelegt. In der Anthologie Kopfsachen sind Short Stories aus den Jahren 1999 bis 2016 enthalten. Sein Comicalbum Schläfenlappenphantasien erschien 1999 im Zwerchfell Verlag und  enthielt fünf recht unterschiedliche Kurzgeschichten. Das absolute Highlight ist zweifelsohne Vier Minuten sechsundvierzig. Der (Anti-)Held dieser Story hat seine Freundin an einen Vertreter für Hundebürsten verloren. Aus Frust geht er in seine Stammkneipe und wählt aus der Musikbox ein Stück von Tom Waits. Als er sich gerade so richtig seinem Kummer hingeben will, erscheint ihm der leibhaftige Tom Waits und baut ihn wieder so stark auf, dass sein nächster Musikwunsch ein Lied von Madonna ist.

Uli Oesterle: Kopfsachen

So kurz geschildert mag die Story vielleicht etwas banal klingen, aber Oesterle hat sie sehr souverän und auch eigen erzählt. Die dicken schwarzen Balken an den Seitenrändern mit der Waits-Lyrik sorgen dabei für eine sehr atmosphärische Umrahmung der Kneipenszenen. Ebenfalls recht gelungen ist Der Unsichtbare, die tragische Geschichte eines Durchschnittsmenschen, der von seiner Umwelt nicht wahrgenommen wird und nach seinem Tod einfach unter dem Asphalt verschwindet. Auch die restlichen drei Geschichten um Irrenhaus-Insassen, einen beinlosen Dieb und einen seltsamen Karnevalszwerg verfügen immer wieder über originelle Einfälle und sehr starke Bildsequenzen. Für Kopfsachen wurden diese Kurzcomics sehr einfühlsam von Thomas Gilke (Leroy & Dexter) mit der Schmuckfarbe Blau koloriert.

Uli Oesterle: Kopfsachen

Doch das ist noch längst nicht alles, was in Kopfsachen enthalten ist. Den krönenden Abschluss bildet die erstmals 2000 bei der Edition 52 veröffentlichte albumlange Story Frass. Im Mittelpunkt des tragikomischen Geschehens steht ein Gourmet, dem sein Geschmackssinn abhanden kommt, woraufhin er nur noch sich selbst mag.

Uli Oesterle: Kopfsachen

Sehr gelungen ist auch Oesterles Short Story Forever, die 2003 in den USA in The Dark Horse Book of Hauntings ihre Premiere erlebte und mit einer originellen Schlusspointe im makabren Stil der legendären EC-Comics endet.

Uli Oesterle: Kopfsachen

Dies ist auch bei Getrennte Wege der Fall, einem Comic in dem es zu einer Wiederbegegnung mit Oesterles bekanntester Figur Hector Umbra kommt. Der Sammelband Kopfsachen hat es wirklich in sich.

Uli Oesterle: Kopfsachen

Am 13. Juni 2018 erhielt Uli Oesterle als erster Comic-Künstler den seit 1961 alljährlich verliehenen Schwabinger Kunstpreis. Matthias Wieland hielt eine launige Laudatio und wies darauf hin, dass es bemerkenswert ist, dass Oesterle nicht im Bereich “Malerei und Grafik“ sondern in der Gattung “Literatur“ ausgezeichnet wurde. Es ist erfreulich, dass “Comic“ langsam aber sicher als gleichberechtigte Kunstform anerkannt wird, denn neben Uli Oesterle wurden noch der Kinobetreiber Thomas Kuchenreuther sowie dem Klavierduo Yaara Tal und Andreas Groethuysen mit dem Kunstpreis ausgezeichnet.

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