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Garth Ennis: War Stories

In seiner Jugend faszinierten den Iren Garth Ennis (Preacher, Hellblazer) britische Kriegs-Comics sehr viel stärker als die US-Hefte von Marvel oder DC. Als Autor feierte Ennis in den letzten Jahrzehnten zwar große Erfolge im Superhelden-Genre, doch verstanden hat er nie, warum selbst erwachsene Menschen so begeistert von kostümierten Rächern sind.

Garth Ennis: War Stories

Ganz gegen den Comic-Trend erzählte Ennis zwischendrin auch immer wieder Kriegsgeschichten, in denen seine drastische Darstellung von Gewalt sehr viel weniger ein Fremdkörper war, als in der ziemlich sterilen Welt der Superhelden. Dies geschah sowohl im Rahmen der Serien The Boys oder Punisher als auch in eigenständigen Comics wie Sara – Tod aus dem Hinterhalt.

Garth Ennis: War Stories

Wann immer Ennis ein Angebot in Richtung “Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg“ erhält, dann lässt er “alles stehen und liegen und unterschreibt sofort“. Ganz im Gegensatz zu kontinentaleuropäischen Serien wie Buck Danny, Dan Cooper oder Tanguy & Laverdure ist Ennis in seinen Geschichten nicht nur daran interessiert, Kampfflugzeuge so imposant  wie möglich zu präsentieren, sondern er versucht auch zu vermitteln, dass es kein Spaß ist, in den Krieg zu ziehen.

Enemy Ace: War in Heaven

Ennis ließ klassische britische Comic-Soldaten wie Battler Britton, Johnny “Red” Redburn oder Colonel Dan Dare von der Interplanet Space Fleet auf die Comic-Bühne zurückkehren. DCs im Ersten Weltkrieg kämpfenden deutschen Jagdflieger Hans von Hammer konfrontierte Ennis in Enemy Ace: War in Heaven mit der Schlacht um Stalingrad und dem Grauen im Konzentrationslager Dachau.

Garth Ennis: War Stories

Von 2001 bis 2017 schrieb Ennis die Serie War Stories und erzählte auf jeweils circa 50 Seiten in sich abgeschlossene an realen Ereignissen orientierte Geschichten, die teilweise recht blutrünstig, aber auch sehr sorgfältig recherchiert sind. Im Zentrum stehen meist britische Frontsoldaten, die versuchen auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs halbwegs anständig und vor allem am Leben zu bleiben. Die zugehörigen Zeichnungen stammen von einigen der hochkarätigsten britischen Zeichnern.

Johann’s Tiger

Der Auftakts von War Story (unter diesem Titel veröffentlichte Speed Comics bei uns alle acht bei DC Vertigo erschienenen Geschichten der Serie) handelt von der Besatzung eines deutschen Wehrmacht-Panzers vom Typ Tiger.

Garth Ennis: War Stories

Hauptfigur ist der Kommandant Johann Kleist, der alles dransetzt, damit seine Männer in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten und nicht den Russen in die Hände fallen.

Garth Ennis: War Stories

Ein verantwortungsbewusst handelnder Soldat ist Kleist aber dennoch nicht, denn er hat zahllose Untaten an der Ostfront begangen, die ihn bis in den Schlaf verfolgen. Für sich selbst sieht Kleist keine Zukunft mehr.

Garth Ennis: War Stories

Diese Geschichte vom nahezu unbesiegbaren, doch menschlich verrohten, deutschen Soldaten und seinem den feindlichen Panzern überlegenen Kriegsgerät (eins der Leitmotive in War Stories) setzte Chris Weston (Fantastic Four: First Family) zusammen mit Gary Erskine (Garth Ennis‘ Dan Dare) mitreißend in Szene.

D-Day Dodgers

Die zweite War Story ist ein Highlight der Serie. Erzählt wird von einer irischen Einheit, die 1943 von Reggio di Calabria in Richtung Norden aufbrach und immer wieder von Einheiten der Wehrmacht angegriffen wurde.

Garth Ennis: War Stories

Die Männer kämpften auf verloren Posten, denn als 1944 am D-Day alliierte Truppen in der Normandie landeten, bekamen diese nicht nur die volle Aufmerksamkeit der Presse und Öffentlichkeit, sondern auch ein Großteil des Nachschubs landete jetzt in Frankreich.

Garth Ennis: War Stories

Für die angeblich im sonnigen Italien faulenzenden D-Day-Drückeberger, von denen über 100.000 verwundet oder getötet wurden, blieb nur noch Spott übrig, dem diese durch Sarkasmus begegneten. Aus Trotz sangen die Männer nach der Melodie von Lili Marleen die Ballade der D-Day Dogers und beschrieben ihre ach so tolle Zeit mit Freibier, Vino und Mädels in Neapel, Florenz oder Rimini.

Garth Ennis: War Stories

Ennis lässt seinen Comic mit dem satirischen Liedtext enden und John Higgins – vor allem bekannt als Kolorist des Comic-Meilensteins Watchmen – zeichnet dazu ganzseitige Bilder von gefallenen alliierten Soldaten. Doch auch die zuvor erzählte Story vom unerfahrenen britischen Second Lieutnant Ross, der sich – nachdem er seinen Dienst in Italien angetreten hat – über den kernigen irischen Sergenat Major Dunn, aber vor allem über seinen Vorgesetzten Captain Lovatt wundert.

Garth Ennis: War Stories

Letzterer verbringt als “ganz beträchtlich enttäuschter Katholik“ einen Großteil seiner Zeit in einer Dorfkirche und schießt betrunken auf  den hölzernen Jesus am Kreuz. Solche Geschichten schreibt nur das Leben (oder Garth Ennis)!

Screaming Eagles

Die dritte War Story zeichnete Dave Gibbons in jenen ausgereiften Stil, der dazu beitrug, dass Watchmen durch Nachdrucke oder eine gelungene TV-Serie immer noch sehr präsent ist.

Garth Ennis: War Stories

Ennis wählte Gibbons für die Visualisierung einer Geschichte aus, in deren Zentrum US-Sergeant Brewer und drei seiner Kameraden stehen. Diese sind die einzigen Überlebenden einer Kompanie, die am D-Day in der Normandie landete und sich bis ins KZ Dachau durchkämpfte.

Garth Ennis: War Stories

Die kleine Truppe erhält den Auftrag ein Landhaus in Süddeutschland in Augenschein zu nehmen, um zu prüfen, ob es sich als Hauptquartier für General Bledding eignet. Neben geraubten Kunstschätzen finden Brewer und seine Männer im feudalen Anwesen gut gefüllte Speisekammern, sowie einen Weinkeller mit edelsten Tropfen vor.

Garth Ennis: War Stories

Auch bei der weiblichen Bevölkerung findet die kleine Truppe Anklang und lässt es sich einige Tage gut gehen, bevor sie schließlich einen Anschiss von der Generalität bekommen. Doch das letzte Wort hat Brewer…

Garth Ennis: War Stories

Ähnlich wie John Higgins bei D-Day Dogers setzt auch Gibbons die besonders schrecklichen Kriegs-Erlebnisse der vorrückenden US-Soldaten in ganzseitigen Bildern um. Dabei handelt es sich um Rückblenden, die die ansonsten eher feucht-fröhlich verlaufende Geschichte kontrastieren. Auch hier erzählt Ennis von tapferen Soldaten, die für arrogante Offiziere “den Arsch hinhalten“ müssen. Im Gegensatz zu General Bledding wird wohl jeder Leser Brewer und seinen Männern einige unbeschwerte Tage voller Suff und Vandalismus gönnen…

Nightingale

Erzähler bei der vierten War Story ist der Erste Offizier des Zerstörers HMS Nightingale. Das britische Kriegsschiff gehört zu einer kleinen Flotte, die im Rahmen der Nordmeergeleitzüge einen in Richtung Russland fahrenden Versorgungkonvoi beschützen soll.

Garth Ennis: War Stories

Nachdem die Nightingale ein deutsches U-Boot zerstört hat, erhält die Besatzung einen Funkruf. Angeblich ist das deutsche Schlachtschiff Tirpitz auf Angriffskurs und daher wird dem Konvoi befohlen sich aufzulösen. Dies hat zur Folge, dass die jetzt ungeschützten Frachtschiffe von der deutschen Marine versenkt werden. Bei der Meldung mit der Tirpitz handelte es sich jedoch um eine Fehleinschätzung der Admiralität.

Garth Ennis: War Stories

Garth Ennis gelingt es, sowohl den Alltag an Bord der Nightingale zu schildern, als auch den Frust der Mannschaft nach dem Scheitern der Mission. Obwohl die Seeleute nicht für die Zerstörung der Frachtschiffe verantwortlich waren, verfolgt die Katastrophe den Ersten Offizier bis in den Schlaf, einen jungen Matrosen treibt sie sogar in den Selbstmord. Bei einer weiteren Schutzmission im Mittelmeer erhält die Mannschaft der Nightingale schließlich eine Chance, die Scharte auszuwetzen…

Garth Ennis: War Stories

Die Bilder der rauen See und der dort stattfindenden Gefechte steuerte David Lloyd bei, der mit J for Jenny noch eine weitere War Story illustrieren sollte. Lloyd hat mit Alan Moores V for Vendetta einen der ganz großen Comic-Klassiker illustriert. Wenn es darum geht, wiedererkennbare Charaktere zu zeichnen, ist Lloyd ganz gewiss nicht die erste Wahl, doch seine selbstkolorierten, impressionistisch anmutenden Bilder vermitteln genau die richtige Atmosphäre.

Garth Ennis: War Stories

Auf 56 Seiten erzählt Ennis nicht viel weniger als Wolfgang Petersen in seinem mehr als seinem 140-minütigen Film Das Boot. Für Ennis ist Nightingale eins der Highlights seiner Karriere: “Wenn ein Comic zeigen soll, was ich kann, dann ist es dieser.“

The Reivers

Eine besonders wilde in Afrika spielende Geschichte eröffnet die zweite Staffel von War Stories. Diese und die folgenden drei Geschichten sind die letzten, die bei DC Vertigo erschien sind und bei uns von Speed veröffentlicht wurden. Für diese vier Comics hat Terry Marks extrem hässliche Titelbilder angefertigt,

Garth Ennis: War Stories

Das ist ziemlich schade, denn das Artwork von The Reivers zählt zu den Höhepunkten der Serie. Die Zeichnungen stammen von Cam Kennedy, der für Dark Horse seinerzeit auch etliche Star-Wars-Comics anfertigte.

Garth Ennis: War Stories

Genau wie Cam Kennedy ist auch die Hauptfigur von The Reivers Schotte. Lieutnant Nixon führt beim Special Air Service einen wilden Haufen an, der mit Geländewagen durch die Wüste braust. Die Einheit ist darauf spezialisiert das Afrikakorps aufzumischen, deutsche Flugzeuge am Boden zu zerstören und dabei eine versaute Version von Lili Marleen zu schmettern.

Garth Ennis: War Stories

Nixon ist in den Krieg gezogen, um die Tradition seiner die Highlands plündernden schottischen Vorfahren fortzuführen. Doch als er einen deutschen General durch ein quer über die Straße gespanntes Stahlseil köpfen will, geht das total in die Hose…

Garth Ennis: War Stories

The Reivers überzeugt weniger durch eine ausgefeilte Story, sondern vor allem durch die Rasanz und die Ironie, mit der Kennedy die Action in Szene setzt.

J for Jenny

Der Titel deutet es schon an, denn genau wie zuvor schon die War Story Nightingale setzte David Lloyd auch die sechste Kriegsgeschichte in Szene, während Terry Marks wieder ein äußerst hässliches Cover zum Comic beisteuerte

Garth Ennis: War Stories

David Lloyd, der Zeichner des Comic-Klassikers V for Vendetta , bereichert erneut eine der besten Geschichten von Ennis durch den wilden Stil seines selbstkolorierten Artworks. Die Story spielt diesmal nicht auf hoher See, sondern hoch oben im Himmel.

Garth Ennis: War Stories

Hauptfigur ist Flight Lieutnant Ronald Page, der Ehefrau und Kinder bei einem Bombenangriff der Luftwaffe verloren hat. Daher hat er als Pilot eines britischen Bombers keine Probleme damit, wenn zivile Ziele zerstört werden.

Garth Ennis: War Stories

Page geht sogar so weit, darauf zu hoffen, dass seine Bomben ein Waisenhaus zerstören und er teilt dies per Funk auch seiner Mannschaft mit. Dies führt zu Problemen mit dem eher pazifistisch gesinnten Co-Piloten Stark…

Garth Ennis: War Stories

Neben V for Vendetta sind seine beiden Beiträge zu War Stories der Höhepunkt im Comic-Schaffen von David Lloyd. Durch den von Ennis sehr sauber herausgearbeiteten moralischen Konflikt, das realistisch geschilderte militärische Umfeld und die bis hin zum überraschenden Ende sehr spannende Geschichte, ist J for Jenny ein Höhepunkt der Serie.

Condors

Die siebte War Story spielt 1939 im letzten Jahr des Spanischen Bürgerkriegs. Vier Soldaten haben sich in einen Bombenkrater geflüchtet. Obwohl sie Gegner sind, gönnen sich die Männer etwas Ruhe und tauschen Erfahrungen aus.

Garth Ennis: War Stories
Über Terry Marks hässliches Cover schweigen wir diesmal

Joachim Reinert ist Pilot der Luftwaffe und kämpft mit der Legion Condor auf der Seite Francos, genau wie der in der IRA aktive Ire Thomas Kilpatrick. Der britische Sozialist Billy Gardner hingegen, ist bei den Internationalen Brigaden aktiv, die versuchen zu verhindern, dass Spanien faschistisch wird.

Garth Ennis: War Stories

Doch die teilweise erschütternden Kriegs-Erlebnisse der drei Soldaten verblassen gegen die erschütternde Schilderung des Spaniers Juan-Miguel Martinez. Dieser musste miterleben, wie 1937 die Stadt Guernica von der Legion Condor ohne Rücksicht auf Verluste gnadenlos plattgemacht wurde. Als der Morgen anbricht, ziehen die Männer in vier verschiedene Richtungen ab, und der Krieg geht weiter…

Garth Ennis: War Stories

Durch die vier verschiedenen Erlebnisse seiner Protagonisten, die in Rückblenden geschildert werden, beschreibt Ennis die Motivationen der am Spanischen Bürgerkrieg beteiligten Seiten sehr plastisch. Zugleich wird klar, dass dieser schreckliche und äußerst blutig ausgetragene Konflikt nur das Vorspiel zu einem noch sehr viel schlimmeren Krieg ist.

Garth Ennis: War Stories

Einmal mehr hat Ennis Glück mit seinem Zeichner, der eine verwandte Seele ist. Der gebürtige Spanier Carlos Ezquerra ist Co-Schöpfer der britischen Comic-Ikone Judge Dredd und hat dadurch reichlich Erfahrung mit der Inszenierung von Gewalttaten. Ezquerra sollte noch weitere Kriegsgeschichten von Ennis in Szene setzten, etwa bei dessen Game-Adaption World of Tanks oder innerhalb der Reihe Battlegrounds.

Archangel

Bei der achten War Story handelt es sich um die am konventionellsten erzählte Geschichte der Reihe. Der Comic handelt von einem unerfahrenen jungen Mann, der sich einer großen Herausforderung stellen muss, dabei über sich hinauswächst und – nachdem er dem Tod ins Auge blickte – beschließt sein Privatleben zu überdenken…

Garth Ennis: War Stories

Doch immerhin benutzte Ennis ein interessantes Kapitel des Zweiten Weltkriegs als Grundlage für seine klischeehafte Story. Jamie McKenzie (bei Speed „Jamie MacKenzie“) von der Royale Air Force ist bei seinem Vorgesetzten in Ungnade gefallen und wird zu einem Himmelfahrtskommando verdonnert.

Garth Ennis: War Stories

Er wird auf ein sogenanntes CAM ship (catapult aircraft merchant ship) versetzt und soll von dort aus mit einem per Katapult gestarteten Marine-Jagdflugzeug Versorgungsfrachter beschützen, die in Richtung Russland unterwegs sind. McKenzie kann seine Maschine nicht wieder auf einem Schiff landen, die einzige Möglichkeit zu überleben, besteht darin, die nordrussische Hafenstadt Archangelsk zu erreichen.

Garth Ennis: War Stories

Recht gut zur Geschichte, die einem mittelprächtigen Kriegsfilm als Vorlage dienen könnte, passt das grundsolide Artwork von Gary Erskine (Garth Ennis‘ Dan Dare), der bereits gemeinsam mit Chris Weston die War Story Johann’s Tiger in Szene setzte.

Garth Ennis: War Stories

2020 kehrte Jamie McKenzie in Out of the Blue zurück. Garth Ennis erzählte ein weiteres Abenteuer des mittlerweile verheirateten Piloten. Als Zeichner fungierte diesmal Keith Burns, mit dem Ennis auch den klassischen britischen Comic-Piloten Johnny “Red” Redburn wiederbelebte.

War Stories bei Avatar Press

Die ersten Kriegsgeschichten von Garth Ennis erschienen zwischen 2001 und 2003 bei DC Vertigo unter dem Titel War Story. Erst 2014 ging es bei Avatar Press weiter. Für diesen Verlag hatte Ennis zuvor die Erfolgsserie Crossed gestartet,  Kieron Gillen veröffentlicht bei Avatar die umstrittene Reihe Über und Alan Moore ist dort mit seinen Reihen Cinema Purgatorio oder Neonomicon vertreten.

War Stories bei Avatar Press

Das Problem bei Avatar Press sind jedoch die dort tätigen Zeichner, die es nicht mit der britischen Elite aufnehmen konnte, die zuvor für War Story tätig waren. Der von Matt Martin und Keith Burns in Szene gesetzte Auftakt Castles in the Sky kann dabei noch am ehesten bei den Vertigo-Ausgaben mithalten. Das liegt aber auch daran, dass die Geschichte eines jungen US-Soldaten, der 1943 nach England abkommandiert wird, von Ennis recht sensibel mit einer Love Story verknüpft wird.

War Stories bei Avatar Press

Der 19-jährige College-Boy Leonard Wesmore verlässt sein Provinzstädtchen um von Großbritannien aus mit einem Bomber nach Deutschland zu fliegen. Er lernt die Witwe Paula kennen, doch deren Sohn versucht zu verhindern, dass seine Mutter eine Beziehung zu einem US-Soldaten eingeht. Der Junge fragt sich, wo die amerikanischen Truppen waren, als sein Vater gefallen ist.

War Stories bei Avatar Press

Wenig hilfreich bei den Balzversuchen sind zunächst die offiziellen “Instructions for American Servicemen in Britain“, die Leonard mit auf den Weg gegeben wurden. Doch zum Eisbrecher taugt die Broschüre schließlich doch noch.

Garth Ennis War Stories
60 Jahre später wurde diese Broschüre zum Bestseller

Als Paula in jenem Leitfaden schmökert, findet sie es ziemlich amüsant, dass die US-Truppen darauf eingestimmt werden, dass die Briten sich “little about size“ kümmern und es in ganz London keinen einzigen Wolkenkratzer gibt.

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Wie sich Leonard und die 10 Jahre ältere Paula langsam aber sicher näherkommen, ist ein guter – aber auch nötiger – Kontrast zu den Luftkämpfen, die mit sehr viel weniger Kunstfertigkeit in Szene gesetzt wurden, als dies zuvor David Lloyd in der War Story J for Jenny gelang.

War Stories bei Avatar Press

Die restlichen sieben War Stories illustrierte alle Tomas Aira in einem sehr sterilen Stil, der oft an Amateur-Zeichnungen denken lässt und durch die halbwegs stimmige Computer-Kolorierung auch nicht wirklich gerettet wird. Children of Israel spielt 1973 in Israelin den umkämpften die Golanhöhen.

War Stories bei Avatar Press

The Last German Winter beschreibt das Schicksal einer deutschen Mutter, die mit ihren beiden Kindern aus den Ostgebieten vor der anrückenden Roten Armee flüchtet und nicht sicher ist, ob sie einer kleinen Gruppe von Wehrmachtssoldaten trauen kann. Ennis gelang hier eine durchaus spannende Geschichte, die von Aira jedoch leider sehr unzureichend bebildert wurde.

War Stories bei Avatar Press

Das trifft auch auf die restlichen War Stories Our Wild Geese Go, Tokyo Club, Send a Gunboat, Vampire Squadron und Flower of My Heart zu. Avatar Press veröffentlichte die War Stories jeweils als aus drei Heften bestehende Miniserien. Die ersten fünf War Stories sind anschließend auch noch in Form von zwei Sammelbänden erschienen.

War Stories bei Avatar Press

Besonders albern sind die zugehörigen Good Girl Nose Art & Battle Damage Variant-Cover von Matt Martin, die selbst die schlimmsten Vertigo-Titelbilder von Terry Marks noch kunstvoll erscheinen lassen.

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Y: The Last Man

Eine seltsame Seuche tötet alle Lebewesen mit einem Y-Chromosom. Folglich sterben 2,9 Milliarden Männer. Die einzige Ausnahme sind das männliche Kapuzineräffchen Ambersand und sein Herrchen, ein junger Mann namens Yorick.

Y: The Last Man

Dessen Mutter Margaret ist die Landwirtschaftsministerin der USA, wird aber durch die Seuche als ranghöchste Politikerin zur US-Präsidentin, während sich ihre Tochter Hero einer höchst dubiosen Amazonen-Sekte anschließt. Dort meldet sie sich freiwillig den letzten Mann zu töten: Ihren Bruder Yorick.

Y: The Last Man

Mit Y – The Last Man schien dem mittlerweile eingestellten DC-Erwachsenenlabel Vertigo 2002 endlich der große Wurf gelungen zu sein, der das Zeug hätte das Loch zu stopfen, dass dort nach der Einstellung von Garth Ennis Preacher entstanden ist. Die Zeichnungen von Pia Guerra sind ähnlich wie Steve Dillons realistisch-schlichtes Artwork bei Preacher auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär, während die Geschichte von Brian K. Vaughan (Saga, Ex Machina, Die Löwen von Bagdad, We stand on Guard) sofort fasziniert.

Y: The Last Man

Wer sich auf den entfernt an Stephen Kings The Stand erinnernden Comic einlässt, wird ihn so schnell nicht mehr aus der Hand legen und der Fortsetzung entgegenfiebern. Nachdem zuvor der sich leider aus dem Comicgeschäft zurückgezogene Speed Verlag die Serie veröffentlichte, hat Panini übernommen. Dort wurde Y: The Last Man zunächst komplett in 10 Softcover-Bänden und anschließend auch noch als Deluxe-Edition in vier Hardcover-Büchern veröffentlicht.

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2020 Visions

1997 startete beim DC-Imprint Vertigo eine 12-teilige Reihe, in der der britische Autor Jamie Delano (Hellblazer, Crossed) seine Vision der im Jahr 2020 herrschende Zustände präsentierte. Der Dantes Verlag hatte die originelle Idee diese Comics 2020 erstmals in Deutschland zu veröffentlichen, so dass Delanos prophetische Fähigkeiten überprüft werden können.

2020 Visions

Die Serie besteht aus vier voneinander unabhängigen Geschichten, die von verschiedenen Zeichnern illustriert wurden. Die Stories verbreiten jene Freude am Erschaffen von wilden apokalyptischen Welten, die das Markenzeichen von Comics wie Judge Dredd aus dem britischen Magazin 2000 AD sind, für das auch Delano tätig war.

2020 Visions

Bei La Tormenta, der zweiten Story in diesem Band, holt Warren Pleece optisch leider nur sehr wenig heraus, aus Delanos origineller Vision eines Floridas, das sich von den USA abspaltete und – nachdem Fidel Castro 2003 gestorben war – sich Kuba einverleibte.

2020 Visions

Den von Delano in seiner Einleitung recht plastisch beschriebenen Horror mit von mit Alligatoren bevölkerten Rentner-Wohnsiedlungen, sucht der Leser in Pleeces Bildern vergeblich.

2020 Visions

Ein echter Leckerbissen, allerdings mit einem ganz schön bitteren Geschmack, hingegen ist die Story Lebensgier. Das liegt jedoch eher an den Bildern als an Delanos gar nicht so weit von unserer Realität entfernten Schilderung, eines durch Virenepidemien kollabierenden New Yorks.

2020 Visions

Als Zeichner konnte der schottische Ausnahme-Künstler Frank Quitely gewonnen werden, dem danach mit Werken wie All-Star Superman oder Jupiter’s Legacy der große Durchbruch gelang. Bei Lebensgier überzeugt nicht nur die Inszenierung eines New Yorks kurz vor dem Untergangs, sondern auch Quitelys Fähigkeit die zunächst sehr unansehnlich und unangenehm erscheinenden Hauptfiguren im Verlauf der Geschichte immer sympathischer wirken zu lassen.

2020 Visions

Ein zweiter Band wird mit Deserteur von James Romberger und Repromann von Steve Pugh die restlichen beiden 2020 Visions enthalten. Bemerkenswert ist, dass der Dantes Verlag – genau wie bei seiner Edition von Alan Moores Cinema Purgatorio – wieder einen umfangreichen Anhang mit interessanten  Erklärungen und Hintergrundinfos zu den einzelnen Storys angefügt hat.

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The Unwritten

Der jugendliche Zauberlehrling Tommy Taylor ist die Hauptfigur einer Fantasy-Serie für jugendliche Leser, deren Erfolg sogar Harry Potter weit hinter sich gelassen hat. Doch der letzte Roman der erfolgreich verfilmten Reihe lässt auf sich warten, da Autor Wilson Taylor spurlos verschwunden ist. Daher konzentriert sich die Aufmerksamkeit der zahllosen Fans auf Taylors Sohn Tom, der als Vorlage für den Romanhelden diente und schmerzhaft feststellen muss, dass Literatur und das wahre Leben mehr gemein haben, als allgemein angenommen wird…

The Unwritten

Aus Liverpool kamen nicht nur die Beatles sondern auch der gefeierte Comicautor Mike Carey (HellblazerX-Men: Der letzte Mensch, Das Puppenhaus) wurde 1959 dort geboren. In seiner für das DC-Label Vertigo konzipierte Serie The Unwritten geizt er nicht mit literarischen Anspielungen und Querverweisen. So spielen die Schauplätze von Romanen und die Stätten an denen diese entstanden sind eine wichtige Rolle. Vorlage für Hauptfigur Tom(my) Taylor war A. A. Milnes Sohn Christopher Robin, der Zeit seines Lebens darunter litt, dass sein Vater ihn als Besitzer der Plüschfiguren um Winnie Puuh literarisch verewigt hatte.

The Unwritten

Doch was Mike Carey dem Leser auftischt ist keine verquaste Ansammlung von Klugscheißereien, sondern eine handfest in Szene gesetzte sehr spannende und abwechslungsreiche Erzählung. Was zunächst als sensible Schilderung des Schicksals eines Prominentensöhnchens beginnt, wird dann – vor dem Hintergrund jener Schweizer Villa in der Mary Wollstonecraft Shelley 1818 Frankenstein verfasste – zur Splatter-Orgie.

The Unwritten

Zum Abschluss dieses Sammelbandes, der die ersten fünf von Peter Gross (American Jesus, Das Puppenhaus) in Szene gesetzten Hefte der Serie enthält, lässt Carey auch noch Mark Twain und Rudyard Kipling gegen eine gemeingefährliche literarische Weltverschwörung antreten. The Unwritten ist eine Comic-Wundertüte, die prall gefüllt ist. Die 71 US-Hefte der von 2009 bis 2015 erschienenen Serie wurden bei Panini in 8 Sammelbänden veröffentlicht.

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Marnie

Zwar steht der 1964 entstandene Psycho-Thriller Marnie im Schatten von Alfred Hitchcocks direkt zuvor gedrehten Meisterwerken Psycho und Die Vögel. Während dieser beiden Filme die Pop-Kultur weiterhin unverändert beeinflussen, wird Marnie eher als Nebenwerk betrachtet. Die Geschichte erzählt von einem Verleger, der sich in eine Kleptomanin verliebt und nach der Hochzeit versucht herauszufinden, warum seine Braut frigide ist.

Marnie

Die arg konstruierte Erklärung für die Defekte der Titelfigur, ließen Marnie seinerzeit etwas albern wirken. Doch die Art, wie Hitchcock seine Geschichte erzählt, ist zeitlos mitreißend und spannend. Eine etwas pikante Note bekommt der Film, der von einem finanziell unabhängigen Mann handelt, der eine labile Frau von sich abhängig macht, dadurch, dass Hitchcock seine Hauptdarstellerin Tippi Hedren, die er durch Die Vögel zum Star machte, begehrte und wohl auch sexuell bedrängt hatte.

Marnie

Dennoch gelang hier ein Film über eine trotz ihrer Probleme und Defekte sehr starken Frau. Gegen die großartig agierende Tippi Hedren verblasst sogar ihr charismatische Co-Star Sean Connery, der damals gerade den ersten James-Bond-Film Dr. No abgedreht hatte. Da sich der finanzielle Erfolg in Grenzen hielt, mochte Hitchcock Marnie nicht besonders.

Marnie

Im Nachwort zur Neuauflage seines hervorragenden Buches Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? äußert der französische Regisseur Francois Truffaut die Vermutung, Hitchcock hätte sich von seinem „Hofkomponisten“ Bernard Herrmann getrennt, weil er ihm die Schuld gab für „eine gewisse Trostlosigkeit“, die für ihn von Marnie ausging.

Marnie

Tatsache ist jedenfalls, dass sich Hitchcock nach diesem Film von Herrmann trennte und dessen bereits fertiggestellten Soundtrack zu seinem nächsten Film Der zerrissene Vorhang nicht verwendete. Dabei war es auch die sehr passenden (ein wenig an dessen Musik zu Vertigo erinnernden) Melodien von Herrmann, die Marnie zu Hitchcocks letztem wirklich durchgehend gelungenen Werk machten

Marnie

Eine optimale Heimkino-Edition des Films steht noch aus, denn die Blu-ray-Veröffentlichung ist leider arg grobkörnig ausgefallen. Immerhin überzeugt das Bonusmaterial mit einer knapp einstündigen Doku zum Film.

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Vertigo

James Steward spielt den Polizisten John „Scottie“ Ferguson, der unter Höhenangst leidet und daher seinen Dienst quittiert. Ein Freund bittet ihn daraufhin seine Ehefrau Madeleine (Kim Nowak) zu observieren, da diese sich in letzter Zeit sehr seltsam benimmt.

Vertigo

Scottie verliebt sich in die blonde Dame. Aufgrund seiner Phobie kann er jedoch nicht verhindern, dass sie sich von einem Turm in den Tod stürzt. Er trifft eine ähnlich aussehende rothaarige Frau, die er dazu zwingt, dieselben Kleider und dieselbe Frisur wie die Tote zu tragen, was kein gutes Ende nimmt…

Vertigo

Für einen 1958 entstandenen Mainstreamfilm präsentiert Alfred Hitchcock mit Vertigo eine erstaunlich durchgeknallte, scheinbar unvorteilhafte Hauptrolle für einen großen Filmstar. Ganz offensichtlich ist James Steward als Scottie davon besessen, ein Verhältnis mit einer Toten einzugehen. Hitchcock verwendet sehr viel Zeit darauf, Stewards Charakter dabei zu zeigen, wie er fast schon fetischistisch Schuhe und Kleider aussucht.

Vertigo

Der frustrierende Grundton des Filmes wird durch kurze humoristische Einschübe mit Barbara Bel Geddes („Miss Ellie“ aus Dallas) nur ganz leicht aufgehellt. Seine konsequente Erzählweise, die ausdrucksstarke Bildsprache und Bernard Herrmanns meisterlicher Soundtrack machen Vertigo zu Hitchcocks Meisterwerk.

Vertigo

Extras der Blu-ray: Audiokommentar von Regisseur William Friedkin, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln;  „Besessen von Vertigo: Hitchcocks Meisterwerk zu neuem Leben erweckt“, eine 29-minütige Dokumentation über die Dreharbeiten und die Restaurierung des Filmes; „Die Komplizen: Hitchcocks Mitarbeiter“, Bericht über Saul Bass, Edith Head, Bernard Herrmann und Alma Hitchcock (54:49 min); Hitchcock/Truffaut (14:17 min), Filmende für das Ausland (1:52 min); Die Archive von Vertigo – 414 Storyboard-Entwürfe und Fotos; Zwei US-Kinotrailer: Die Vorschau von 1958 (2:28 min) und der Trailer zur Aufführung der restaurierten Fassung von 1996 (1:23 min); 100 Jahre Universal – Die Ära Lew Wasserman (8:50 min)

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Die Löwen von Bagdad

Während eines amerikanischen Luftangriffs im Frühjahr 2003 fielen auch Bomben auf den Zoo von Bagdad. Dadurch entkam ein Rudel Löwen und versuchte inmitten der Kriegswirren zu überleben. Den Autor Brian K. Vaughan (Y: The Last Man, Ex Machina, Saga, We stand on Guard) inspirierte dieses Ereignis am Rand des Golfkriegs zu einer Graphic Novel, die ein Stück Zeitgeschichte aus einer ungewöhnlichen Perspektive schildert.

Die Löwen von Bagdad

Zwar lassen die Hauptfiguren gelegentlich an das Ensemble aus Disneys Der König der Löwen denken, doch Vaughan gelang es seine Raubkatzen plastisch zu charakterisieren, ohne sie allzu stark zu vermenschlichen. Die Odyssee, die der Löwe Zill gemeinsam mit seinem Sohn Ali, seiner Gefährtin Noor und der nicht mehr ganz jungen Safa antritt, weckt Erinnerungen an Richard Adams´ ähnlich glaubhaft geschildertes Kaninchen-Abenteuer Watership Down – Unten am Fluss.

Die Löwen von Bagdad

Doch auch die aufwändig kolorierten Zeichnungen des Kanadiers Niko Henrichon (Meta-Baron) können überzeugen. Er vermittelt sowohl die animalische Unschuld der Hauptcharaktere wie auch die Schrecken des Kriegs, die durch detailreiche Bilder für den Leser ebenso bedrohlich wie für die Löwen wirken. Vaughan und Henrichon gelang mit Die Löwen von Bagdad – nicht nur bezogen auf die fast nur an Superhelden-Geschichten interessierte US-Comicbranche – eine außergewöhnlich mitreißende Erzählung.

Die Löwen von Bagdad

Zeitnah zur US-Veröffentlichung erschien bei Panini bereits 2007 eine Softcover-Edition von Die Löwen von Bagdad. 2021 folgte im Überformat von 19 x 28 cm eine gebundene Deluxe Edition. Diese enthält neben zahlreichen sehr aussagekräftigen Skizzen von Niko Henrichon auch noch zwei Texte, mit denen Brian K. Vaughan 2003 und 2004 den Verantwortlichen bei DC Vertigo sein Konzept schmackhaft machte. Besonders interessant ist dabei die Charakterisierung der vier Löwen, die verschiedene Strömungen innerhalb der irakischen Gesellschaft verkörpern sollen. Doch auch wenn dieses Konzept bei der Lektüre kaum durchschimmert, gelang dennoch eine  mitreißende Fabel über Krieg und Freiheit.

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Alfred Hitchcock – Sämtliche Filme

Bereits 2005 erschien bei Taschen ein Buch von Paul Duncan, das den Titel Alfred Hitchcock – Sämtliche Filme trug. Das 190-seitige broschierte Buch bot einen recht guten ersten Überblick über Werk und Leben des Suspense-Meisters, ging jedoch kaum in die Tiefe. Fast keine Wünsche offen, lässt hingegen die 2019 erscheinende, gebundene Neuauflage, die sich sehr eingehend mit allen Hitchcock-Filmen beschäftigt.

Alfred Hitchcock – Sämtliche Filme

Im ersten Drittel des Buchs kommt noch einmal Duncans Text von 2005 zum Abdruck, die oft die Dreharbeiten zeigende Bebilderung ist jedoch sehr viel prächtiger ausgefallen. Garniert wurde der Text mit markanten Aussprüchen des Meister-Regisseurs wie “Eigenplagiare sind Stil“, “Das Kino ist kein Stück Leben, sondern ein Stück Kuchen“ oder “Mann kann bei einem Film mit Charles Laughton nicht Regie führen. Das Beste, was man sich erhoffen kann, ist Schiedsrichter zu sein.“

Alfred Hitchcock – Sämtliche Filme

So weit so gut, doch noch besser ist der Rest des Buchs, denn hier werden auf über 400 Seiten alle 53 Hitchcock-Filme von Irrgarten der Leidenschaft (1925) bis Familiengrab (1976) gewürdigt. Die fundierten Texte stammen von verschiedenen Autoren und sind teilweise der Taschen-Reihe Die Filme des Jahrzehnts entnommen. Zum Abdruck kommen – soweit noch vorhanden – Filmplakate und markante Szenenbilder.

Alfred Hitchcock – Sämtliche Filme

Einziges Manko des Buchs ist, dass auch bei Filmen mit interessanter Farbgebung, wie Sklavin des Herzens, Cocktail für eine Leiche oder Vertigo, viel zu häufig nur schwarzweiße Fotos zum Abdruck kommen. Ansonsten handelt es sich um ein perfekt zusammengestelltes Buch mit schön designten Schutzumschlag, Leseband, und großem Gebrauchswert.

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Francois Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?

Im November 1966 erschien in Frankreich unter dem Titel Le Cinéma selon Hitchcock das wohl beste und aufschlussreichste Buch, das jemals über die Kunst des Filmemachens geschrieben wurde. Autor war kein Geringerer als der Regisseur und ehemalige Filmjournalist Francois Truffaut, der Alfred Hitchcock seit 1962 (damals bekam er einen Rohschnitt von Die Vögel zu sehen) immer wieder interviewen durfte.

Francois Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?

Erst 1973 wurde das Buch unter dem Titel Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? in Deutschland veröffentlicht, zunächst bei Hanser, später bei Heyne. Leider war das Werk seinerzeit längst nicht so reich bebildert wie die französische und amerikanische Ausgabe. Statt 472 gab es nur 226 Fotos. 1983 ergänzte der ein Jahr später verstorbene Truffaut sein Buch noch einmal um ein Vorwort und ein Nachwort, dass sich mit Hitchcocks letzten Filmen beschäftigte, die in der ursprünglichen Ausgabe nicht berücksichtigt wurden.

Francois Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?

Diesmal ist die Bebilderung mit 580 Fotos noch üppiger und auch diesmal dauert es eine ganze Weile, bis das Buch in dieser Form auch endlich bei uns vorliegt. Bei aller Freude über dies üppig aufgemachte Buch, das noch um ein informatives Nachwort von Robert Fischer ergänzt wurde, darf nicht vergessen werden, dass auch die spartanischere Taschenbuchausgabe durchaus ihren Zweck erfüllte.

Francois Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?

Zu Zeiten als Hitchcock seine Meisterwerke wie Das Fenster zum Hof und Vertigo nicht aufführen ließ, machte das Buch neugierig auf diese Filme. Wer die Filme dann endlich zu sehen bekam, wurde niemals enttäuscht und sah sie auch ein wenig als Insider. Dies liegt an den zwar zurückhaltenden, aber immer auf den Punkt kommenden Fragen, die Truffaut seinem Idol stellte.

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Hellblazer 1: Die giftige Wahrheit

Alle paar Jahrzehnte scheint es bei langlebigen Serienfiguren vonnöten, dem Helden einen Relaunch zu verpassen, um die Figur nicht hinter dem schnöden Zeitgeist herhinken zu lassen. Das geht meist einher mit einer Rückbesinnung auf das Wesentliche, erweitert durch aktuelle An- und Einsichten.

Hellblazer 1: Die giftige Wahrheit

Dieses Schicksal hat jetzt erneut die Figur des Trenchcoat-Magiers John Constantine (Hellblazer) ereilt – und ist dem aktuellen Autor Simon Oliver vortrefflich misslungen. Natürlich war die Latte hoch gehängt, trotzdem, was hätte er sich bei dieser Fülle an Möglichkeiten nicht alles aus den Fingern saugen können.

Hellblazer 1: Die giftige Wahrheit
Der Zeichner Moritat gestaltete die ersten vier Kapitel des vorliegenden Tradepapers und er hat seine hellen Momente, kann mich allerdings insgesamt nicht überzeugen. Für das Artwork der beiden letzten Kapitel ist Pia Guerra (Y – The Last Man) verantwortlich, mit gewohntem elegant schönem Strich, die Schwächen der Geschichte kann sie natürlich nicht ausmerzen.

Hellblazer 1: Die giftige Wahrheit
Der Constantine der 80er und 90er Jahre offenbarte sich dem Leser durch sein Denken und Handeln als egoistischer Drecksack. Der neue Hellblazer wird zwar als solcher beschimpft, seine realen Taten erschöpfen sich allerdings vorwiegend in zweideutigem Grinsen und sympathischem Augenzwinkern. Sicher, er ist auch nach dem Rebirth gerissen und smart, aber die Person der Schöpfer Alan Moore, Jamie Delano und Garth Ennis war darüber hinaus ein gnadenloser Zyniker und Alkoholiker, der weit mehr als nur coole Sprüche klopfte.

Hellblazer 1: Die giftige Wahrheit

Jetzt glänzt Constantine als glattgebügelter Magie-Wischiwaschi, der mitnichten an seine Herkunft aus dem Horror-Genre erinnert. Gerne würde ich der Serie Erfolg wünschen, alleine mir fehlt der Glaube. Seufz.

Rainer Schneider

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