Schlagwort-Archive: Volker Reiche

Die Disney-Anthologien

Die Egmont Comic Collection erfreut uns mit fünf schön aufgemachten Büchern zu den populärsten Figuren aus dem Hause Disney. Unter dem Motto “Kleiner Held – Comic-Gigant“ beschäftigt sich natürlich einer der Anthologie-Bände mit der Micky Maus.

Die Disney-Anthologien

Enthalten sind dreizehn Comic-Geschichten von meisterlichen Zeichnern. Floyd Gottfredsons immer noch sehr beeindruckende Strips aus den 30er Jahren wurden teilweise hochkant abgedruckt. Paul Murrys Adaption der Micky-Maus-Episode Der Zauberlehrling aus dem Disney-Film Fantasia ist etwas lustlos ausgefallen, sehr viel besser gelungen ist seine Geschichte, in der die Maus in das Kostüm des Superhelden Der rote Rächer schlüpft.

Die Disney-Anthologien
© 2018 Disney Enterprises, Inc.

Natürlich werden die italienischen Disney-Comics gebührend berücksichtigt. Romano Scarpa ist gleich mit zwei Geschichten vertreten, während in einer Geschichte von Giorgio Pezzin und Giampero Ubezio Micky Maus aber auch Goofy gleich zweimal vertreten sind.

Die Disney-Anthologien

Bei der Anthologie zu Donald Duck kann natürlich aus dem Vollen geschöpft werden. Doch es ist schwer nachvollziehbar, dass die Zusammenstellung nur einen sehr klein reproduzierten Onepager von Al Taliaferro enthält und gar nichts von Don Rosa, der aber in der Onkel-Dagobert-Anthologie zum Zuge kommt. Dafür wird Carl Barks mit den zwei 10-seitigen Geschichten Die fabelhafte Hasenpfote und Der Fluch des Albatros, sowie dem Abenteuer Der goldene Helm gebührend gewürdigt.

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Ansonsten sind noch Jack Bradbury, Tony Strobl, Romano Scarpa, Luciano Bottaro, Massimo De Vita, Maximino, Daan Jippes, Freddy Milton, Vicar, William Van Horn, Daniel Branca, Giorgio Cavazzano und Arild Midthun vertreten. Auch der deutsche Zeichner Volker Reiche (Strizz) ist mit der Story Ritterliche Zeiten dabei. Ein Höhepunkt ist die vom Finnen Kari Korhonen geschriebene Geschichte Das Bildnis des Donald Duck, die von 12 Zeichnern in Szene gesetzt wurde, die sich auch selbst karikiert haben!

Die Disney-Anthologien

Eine schöne runde Sache ist das Buch zu Goofy. Enthalten sind unter dem Motto „Vom Sidekick zum Star“19 Comics aus 9 Jahrzehnten. Die Figur trat bereits in einem Zeichentrickfilm von 1932 auf und trug zunächst auch im Comic den Namen Dippy Dawg. Die ersten Comics zeichnete Floyd Gottfredson, von dem in der Anthologie zwei Geschichten enthalten sind, wobei die längere Story Ihr erster Fall in Schwarzweiß zum Abdruck kommt.

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Natürlich wird auch Supergoof gewürdigt, der mit zwei Geschichten vertreten ist und in den 60er Jahren parallel zur Hochzeit der Marvel Comics entstand. In seinem ersten von Paul Murry gezeichneten Auftritt ist Supergoof noch nicht mit übernatürlichen Kräften ausgestattet, sondern Goofy zieht Cape und Longjohns (Ganzkörperunterwäsche) an, weil er sich für unbesiegbar hält. Erst nach und nach entwickelte sich ein eigener kleiner Superhelden-Kosmos mit Super-Erdnüssen, die Goofy in seiner Mütze versteckt, und dem superschlauen Neffen Alfons als jugendlichem Sidekick.

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Wenn es um das gesamte Disney-Universum geht, dann dürfte eher Minnie Maus die “First Lady“ sein. Doch den Bereich Comic dominiert die Entendame Daisy, die zunächst Donna Duck hieß und ihren ersten Auftritt 1937 im Zeichentrickfilm Don Donald hatte. Den Namen Daisy erhielt sie erst drei Jahre später im Cartoon Mr. Duck Steps Out. Bereits kurz danach – am 4. November 1940 – trat sie auch erstmals im Comic auf, in einem von Al Taliaferros Zeitungsstrips.

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Den Auftakt der Anthologie bilden dann auch einige von Taliaferros kunstvollen Short Stories aus dem Jahre 1940, die von den ersten Begegnungen zwischen Daisy und Donald erzählen. Natürlich sind auch Comics von Carl Barks enthalten, der einige schöne Storys über die Rivalität von Donald und Gustav Gans beim Wettbalzen um Daisy geschrieben hat. Bemerkenswert ist auch ein Auszug “Aus Daisy Ducks Tagebuch“. In dieser Reihe bemühte sich der US-Verlag Dell 1960 eher vergeblich darum, Comichefte auch für Mädchen interessant zu machen. Ein Jahrzehnt später versuchte sich Daisy als Superheldin Phantomime die Feministin und auch ansonsten enthält der Band einige schöne Beispiele dafür, wie die Disney-Comics sich an aktuellen Trends orientieren.

Die Disney-Anthologien

Onkel Dagobert ist die einzige Figur dieser Anthologie-Reihe, die nicht im Kino debütierte. Daher beschäftigt sich auch einer der Texte des Buchs damit, wie Disney versuchte auch aus Dagobert Duck einen Filmstar zu machen, was nicht ganz einfach war. Der große Carl Barks erfand den geizigen Milliardär 1947 für die Geschichte Die Mutprobe. Da er sich anfangs noch gar nicht ähnlich sah, fehlt diese Story in der Anthologie.

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Stattdessen sind mit Der zählende Papagei, Die Kunst, Geld auszugeben und Der arme reiche Mann drei der schönsten Barks-Geschichten mit Dagobert enthalten. Bemerkenswert sind auch die Zeitungsstrips Eine Woche mit Onkel Dagobert von 1951, in denen Al Taliaferro entgegen seiner sonstigen Gewohnheit eine von einem Kollegen geschaffene Comic-Figur auftreten ließ. Natürlich darf in diesem Buch auch nicht Don Rosa fehlen, denn dieser hat mit Onkel Dagobert: Sein Leben, seine Milliarden eine umfangreiche Biographie der reichsten Ente der Welt zu Papier gebracht.

Die Disney-AnthologienDie jeweils 430-seitigen Anthologien zu Micky, Donald, Goofy, Daisy und Onkel Dagobert sind eine interessant zusammengestellte Mischung aus Texten und Comic-Geschichten. Cover und Rückseiten gestaltete mit Ulrich Schröder einer der besten Disney-Zeichner. Für die Bände spricht auch, dass sie ein durchgehendes Motiv auf dem Buchrücken haben. Im Egmont Shop kann auch ein kompletter Satz mit allen fünf Anthologien im Schuber erworben und dabei sogar insgesamt 25 Euro gespart werden.

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Volker Reiche: Kiesgrubennacht

Der sechste Beitrag zu Suhrkamps Comicreihe ist zur Abwechslung einmal keine Adaption einer literarischen Vorlage sondern eine autobiographische Geschichte. Volker Reiche (Snirks Café) arbeitet das äußerst problematische Verhältnis zu seinem Vater auf, den er bereits 1973 wegen dessen Nazi-Vergangenheit und einer ominösen nächtlichen Erschießungsaktion in einer Kiesgrube zur Rede stellen wollte. Der 40 Jahre danach entstandene Comic zeigt auch wie ihm dies damals total misslang und zugleich auch endgültig von seinem Vater entfremdet hat.

Volker Reiche: Kiesgrubennacht

Reiches Vater war während des Zweiten Weltkrieges Kriegsberichterstatter. Obwohl er das Grauen an den Fronten erlebte, versuchte er sich als “Dichter des Führers“ und produzierte Nazi-Lyrik. Das Kernstück des Comics sind Volker Reiches Erinnerungen an seine Jugend in der Nachkriegszeit. Der Vater war ein unberechenbarer Familientyrann, der die Mutter mit Faustschlägen züchtigte und in den Alkoholismus trieb. Als die Ehe schließlich in die Brüche ging, waren Reiche und dessen vier Geschwister nicht unglücklich darüber, dass der Vater aus ihrem Leben verschwand. Später erfuhr Reiche, dass er danach viele weitere Frauen unglücklich gemacht hatte.

Volker Reiche: Kiesgrubennacht

Doch Reiches Jugend war nicht nur freudlos, ein absoluter Lichtblick waren die Micky-Maus-Hefte mit den grandiosen Entengeschichten aus der Feder von Carl Barks. Dies Lesevergügen führte dazu, dass Volker Reiche auch Donald-Duck-Comics zeichnete. Mit Kiesgrubennacht gelang ihm ein unglaublich vielschichtiger Comic, der nicht nur markante Kapitel aus Reiches Jugend nacherzählt, sondern diese auch noch auf eine recht originelle Art interpretiert. Hierzu setzt Volker Reiche das Bestiarium aus seinem Comic-Strip Strizz ein. Er zeigt auch, wie er seine zu Papier gebrachten Erinnerungen mit dem selbstsüchtigen Kater Herrn Paul sowie den sehr viel einfühlsameren Hunden Tassilo und Müller diskutiert. Diese Einschübe befremden zunächst ein wenig, geben dem Werk jedoch eine zusätzliche Tiefe und machen die Geschichte dreidimensional.

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Deutsche Comicforschung 2016

Der zwölfte Band der seit 2005 alljährlich erscheinenden Reihe “Deutsche Comicforschung“ informiert wieder zuverlässig über Gebiete, die in Comicfachpresse und in Fachbüchern bisher gar nicht oder nur sehr unzureichend behandelt wurden.

Deutsche Comicforschung 2016

Die einmal mehr sehr interessant konzipierten und bebilderten Beiträge des Buchs sind wieder chronologisch angeordnet. Zunächst geht es zurück ins Mittelalter, wo – und das hat Tradition in der Buchreihe – die Comicforscher um Eckart Sackmann wieder eine Bilderzählung entdeckt haben, die mit etwas guten Willen als Comic bezeichnet werden kann. So sind in der Kölner Basilika St. Ursula 24 Bildertafeln aus dem Jahre 1456 zu sehen, die auch gereimte Texte enthalten.

Deutsche Comicforschung 2016
Comic von Friedrich Schiller

Nicht völlig neu, ist die Information, dass Friedrich Schiller humoristische Bildergeschichten zu Papier brachte, doch Dietrich Grünewald hat sich im zweiten Beitrag des Jahrbuchs sehr ausführlich mit den “Avanturen des neues Telemachs“ des deutschen Nationaldichters beschäftigt. Sackmann hingegen widmet sich in einem weiteren Beitrag der insgesamt knapp 8 Meter langen Bilderzählung “Die sieben Raben“ von Moritz von Schwindt, die Mitte des 19. Jahrhunderts entstand.

Deutsche Comicforschung 2016

Die restlichen Beiträge stammen aus einer Zeit als es den Begriff Comic bereits gab. Ein Artikel beschreibt die vor dem Ersten Weltkrieg in Stuttgart erschienene Zeitschrift “Die Kinderwoche“, in der unter dem Titel “Plim und Plum“ eine Art Jugendstil-Variante zu Wilhelm Buschs “Plisch und Plum“ veröffentlicht wurde. Ebenfalls auf Wilhelm Busch beruft sich der in einem weiteren Bericht beschriebene englische Zeitungsstrip “Big und Little Willie“, der sich ab 1914 im “Daily Mirror“ über den Deutschen Kaiser und den Kronprinzen lustig machte.

Deutsche Comicforschung 2016
Micky-Maus-Comic vom deutschen Zeichner Frank Behmak

Bemerkenswert sind auch die Erkenntnisse im Kapitel “Frühe Micky Maus Zeitungsstrips in Deutschland“. Hier ist zu erfahren, dass in Deutschland bereits 1930 erste Comics mit Walt Disneys Zeichentrick-Figuren erschienen sind und das auch noch in der kommunistischen “Arbeiter Illustrierte Zeitung.“ Interessant ist auch, dass die “Kölnische Illustrierte Zeitung“ ein Jahr später sogar einen Micky-Maus-Strip aus der Feder des deutschen Zeichners Frank Behmak veröffentlichte. Doch auch im Dritten Reich waren Comics nicht, wie gerne behauptet wird, völlig verpönt, sondern Sackmann belegt im reich bebilderten Bericht “Die Braune Post – Die Nazis und die Sprechblase“, dass in einer nationalsozialistischen Sonntagszeitung etliche eigens dafür konzipierte deutsche Comics zum Abdruck kamen.

Deutsche Comicforschung 2016
Wilhelm Eigener

Dass der deutschen Comic-Kultur höchstwahrscheinlich ein großes Talent verloren gegangen ist, davon erzählt ein Artikel über neun großformatige farbig kolorierte Original-Seiten, die der Comicsammler Joachim Knüppel in einem Hamburger Antiquariat kaufte. Diese Seiten entstanden in den 50er Jahren und erzählen eine in Afrika spielende Abenteuergeschichte. Wilhelm Eigner hat diese in einem nahezu perfekten Stil gezeichnet, der sehr viel ansprechender ist, als fast alles was deutsche Verlage seinerzeit an Eigenproduktionen herausbrachten. Doch Eigner stellte das Comic-Zeichnen ein, denn er fand schnell Arbeit als Illustrator, was sicher gut für ihn, aber sehr schade für die deutsche Comic-Landschaft war. Helmut Kronthaler widmet sich im nächsten Buch-Beitrag einem ab 1959 erschienenen Fortsetzungs-Comic über das Leben des Südtiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer.

Deutsche Comicforschung 2016
DDR-Comic Artikel aus dem Comics Journal

Interessant ist auch Guido Weißhahns Artikel über die Comic-Aktivitäten des ostdeutschen Museumspädagogen Paul Thiel, der versuchte sich in der DDR vorurteilsfrei mit westlichen Comics zu beschäftigen. Thies beschäftigte sich seinerzeit aber auch mit DDR-Comics und ein Artikel von ihm über „Mosaik“ erschien sogar 1979 im einflussreichen US-amerikanischen Fachblatt  „The Comics Journal“.

Tom Bunk

Den Abschluss des Buchs bildet der Artikel “Deutsche Underground-Comics – Versuch einer Annäherung“. Wie der Titel schon andeutet, ist dies nur (aber auch immerhin!) der erste Schritt der Annäherung an eine quirlige Zeichner-Szene, die teilweise sehr erfolgreich versuchte, deutschsprachige Varianten zu den subversiven Comics von Robert Crumb oder Gilbert Sheldon zu schaffen. Zahlreiche Zeichner aus diesem Umfeld wie Volker Reiche, Tom Bunk, Gerhard Seyfried, Brösel oder Gabriel Nemeth sind heute noch tätig. Eckart Sackmanns Bericht deutet an, dass hier Stoff für ein ganzes und nicht unbedingt dünnes Buch wäre.

Die 2016er Ausgabe des Jahrbuchs “Deutsche Comicforschung“ hingegen deutet an, dass es auch in Zukunft noch genügend hochinteressanten Stoff für weitere Ausgaben gibt.

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COMIX Sonderausgabe zu CHARLIE HEBDO

COMIX erscheint seit 2010 mehr oder weniger monatlich. Das in Zeitungsform veröffentlichte Blatt präsentiert eine Mischung aus zumeist einheimischen Comics und Fachartikeln. Ein gewisser Informations- und Unterhaltungswert kann dem gelegentlich gratis im Comicshop oder auch immer mal wieder an Bahnhofskiosken verkauften Magazin nicht abgesprochen werden.

COMIX Charlie Hebdo

Doch zu wirklich großer Form lief COMIX erst nach dem Anschlag auf die Charlie Hebdo Redaktion auf. In einer Auflage von 20 000 Exemplaren wurde eine 16-seitige Gratiszeitung mit französisch übersetzten Beiträgen von deutschen Comic-Künstlern wie Flix (Schöne Töchter), Isabel Kreitz (Rohrkrepierer), Reinhard Kleist (Der Boxer) oder Volker Reiche (Snirks Café) gedruckt. Diese wurde auf dem 42. Comicfestival in Angoulême überall ausgelegt.

COMIX Charlie HebdoEine sehr sinnvolle Ergänzung zu dieser Aktion ist die Ausgabe 47 von COMIX. Diese enthält nicht nur noch sehr viel mehr Beiträge deutscher Zeichnungen zum Thema Je suis Charlie als zuvor in der französischen COMIX-Ausgabe zum Abdruck kamen, sondern auch noch einige sehr sinnvolle Ergänzungen hierzu. Der Charlie-Zeichner Luz schildert, wie er den 7. Januar 2015 er- und überlebte. Art Spiegelman (Maus) bringt in einem Interview zum Ausdruck, dass er es unerträglich findet, dass die New York Times die Charlie-Titelbilder nicht abdruckte, jedoch kein Problem damit hatte einen Gastbeitrag von Marine Le Pen zu veröffentlichen. Enthalten sind auch einige sehr schöne Beiträge aus einer SPIROU-Sonderausgabe.

COMIX Sonderausgabe zu CHARLIE HEBDO

Der Höhepunkt der COMIX-Ausgabe sind die deutsch übersetzten Texte, Cartoons und Comics aus der jetzt schon legendären Charlie Hebdo Ausgabe vom 14. Januar 2015. Hierdurch ist ein direkter Vergleich zwischen  Charlie-Satire und den hiesigen humoristischen Zuständen möglich.

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Volker Reiche: Snirks Café – Das Voodoohuhn von Curaçao

Die Produktivität von Volker Reiche bleibt erstaunlich. Zwanzig Jahre hat er die Traditionsserie Mecki für die Hörzu gezeichnet und acht Jahre (davon sechs Jahre lang werktäglich!) garnierte er die F.A.Z. mit seinen Strizz-Strips. Danach überraschte er mit dem voluminösen autobiographischen Comic Kiesgrubennacht, in dem er seine nicht nur glückliche Jugend im Nachkriegsdeutschland schilderte.

Volker Reiche: Snirks Café - Das Voodoohuhn von Curaçao

Snirks Café: Das Voodoohuhn von Curaçao weist genau wie Kiesgrubennacht Schnittstellen zu Strizz auf, ist jedoch wieder ausschließlich im komischen Bereich angesiedelt. Hauptfigur ist der 28-jährige Kilian Fischer, der sich jedoch „Snirk“ nennt, weil er eine noch nicht genau definierte Firma namens Snirks Café gründen möchte. Er hofft das Startkapital von seinem Opa zu bekommen, doch dieser will davon nichts wissen, sondern schickt Kilian auf einen Trip in die Karibik. Dort soll dieser seinen verschollenen Vater ausfindig machen. Mit auf die Reise geht Opas bester Kumpel Kurti, der keine große Lust hat zu reden und stattdessen lieber zeichnet. Der rundliche Kurti ist der heimliche Held der Serie und eine Figur von rührender Naivität und beneidenswerter Ehrlichkeit. Ein unvergesslicher Moment des Comics erzählt ganz ohne Worte wie Kurti seine Perücke einem nicht zum Nestbau talentierten Vogel als Brutstätte stiftet.

Volker Reiche: Snirks Café - Das Voodoohuhn von Curaçao

Auf sehr lustigen farbigen 77 Seiten, die vom 11. Februar bis zum 11. Juli 2014 in der F.A.Z. abgedruckt wurden (und gegen Ende innerhalb der Geschichte die Spiele der Fußball-WM kommentierten), erzählt Volker Reiche wie sich die Familie Fischer mit Hilfe des Voodoohuhns Martina wiederfindet. Dabei bleibt noch einiges im Argen, doch dies könnte in der folgenden Serie Snirk & Strizz aufgeklärt werden, in der Kilian Fischer in der Firma Leo & Co mit seinem alten Schulfreund Strizz zusammenarbeiten muss. Doch ob es diese noch geben wird erscheint nach der Einstellung des regelmäßigen Comic-Strips in der F. A. Z. mehr als fraglich.

Hier ist Snirks FAZ-Auftritt online zu finden

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42. Comicfestival in Angoulême

Wie regelmäßig in den letzten Jahren habe ich auch diesmal das französische Festival de la Bande Dessinée d’Angoulême besucht.

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Meine Eindrücke von der im Schatten des Pariser Anschlages auf die Redaktion von Charlie Hebdo stehenden größten europäischen Comicfestival wurden in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht und sind mittlerweile auch online zu lesen.

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Die CHARLIE HEBDO Ausstellung in Angouleme zeigt wenig mehr als die schönsten Geschmacklosigkeiten von Wolinski, Cabut & Co.. Doch dass ein ganzes Land nach dem Anschlag verkündet hat, Charlie zu sein, wirkt plötzlich gar nicht mehr pathetisch. Die allwöchentlich an den Zeitungskiosken ausgehängten plakativ-provokanten Titelbilder sind tatsächlich ein nicht mehr wegzudenkendes Stück Frankreich.

COMIX Charlie Hebdo

Das deutsche Fachblatt COMIX druckte eine Sonderausgabe mit französisch übersetzten Je suis Charlie Beiträgen von deutschen Comic-Künstlern wie Flix, Isabel Kreitz, Reinhard Kleist oder Volker Reiche.

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Die langen Schlangen vor dem Cité de la BD hingen auch mit den verschärften Einlasskontrollen zusammen.

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Doch das Festival-Leben ging weiter und das Stadtbild wurde um ein von Philippe Druillet entworfenenes tolles Wandgemälde erweitert.

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Herausragend war die Werkschau von Jiro Taniguchi (Vertraute Fremde), der eine beeindruckende Menge von höchst unterschiedlichen Geschichten in die Welt gesetzt hat. So stark wie wohl kein anderer japanischer Zeichner fühlt er sich dem frankobelgischen Comic verbunden.

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Die dritte große Ausstellung des Festivals war die Werkschau des erwartungsgemäß nicht anwesenden Festival-Präsident Bill Watterson. Dessen Serie Calvin und Hobbes ist immer noch äußerst beliebt, obwohl sie bereits 1995 eingestellt wurde.

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Watterson steuerte zum Festival ein eigens dafür geschaffenenes Plakat-Motiv bei.

Riad Sattoufs „Der Araber von morgen“ wurde als bestes Comic-Album des Jahres prämiert.

Der Araber von Morgen

Der aus Syrien stammende Zeichner und Filmregisseur (“Jungs bleiben Jungs“) hat auch für Charlie Hebdo gearbeitet.

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Auf dem Rückweg vom Comicfestival war ich noch am Ort des CHARLIE HEBDOT Anschlags in Paris. Wie viele, viele Menschen habe ich dort zwischen zahlreichen frischen Blumensträußen und Kränzen auch einen Zeichenstift niedergelegt.

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