Der Riddler: Das erste Jahr

Der Riddler hatte seinen ersten Auftritt in US-Detective Comics #140 vom Oktober 1948; geschaffen von dem Autoren Bill Finger und dem Zeichner Dick Sprang. Er ist auch bekannt und beliebt aus unzähligen Videospielen, Trick- und Realfilmen. Anfangs noch eher als ein Schabernack treibender Irrer charakterisiert, erkannte man später immer mehr wieviel Potential in seinem Genie steckt. So wurde die Origin des Riddlers über die Jahre immer wieder gerne neu erzählt und um weitere Facetten bereichert.

Die Dreharbeiten zum Film The Batman begannen Januar 2020, aber Corona bedingt kam der Film erst 2022 in die Kinos. Schon während der Dreharbeiten entwickelte der Schauspieler Paul Dano, der in dem Film Edward Nashton alias der Riddler verkörperte eine Hintergrund- und Entstehungsgeschichte für seinen Charakter. Dem Regisseurer gefielen diese Ideen und stellte sie DC Comics vor, woraufhin es zum offiziellen Okay für dieses von Dano getextete Riddler-Comic kam.

Geschichte mit dem Titel “Das erste Jahr“ sind immer eine Herausforderung an die Autoren – denn sie werden immer mit Frank Millers Batman – Year One verglichen. Dano meistert diese Hürde problemlos und erzählt eine komplette Lebensgeschichte vom Riddler, von der Mutter, die Edward Nashton in ein Waisenhaus gibt und selbst im Arkham Asylum landet, von der ebenso großen Schüchternheit als auch von seiner Intelligenz.

Edwards Interesse für Rätsel, Zahlen und Puzzels – gepaart mit seinen sozialen Defiziten – lassen ihn trotzdem eine Anstellung bei einem Buchhalter finden. Schnell erkennt er den wahren Sinn der Firma: Geldwäsche und verschiedene politische Persönlichkeiten in Gotham diskret zu bestechen, darunter den Bürgermeister, den Polizeichef und den Bezirksstaatsanwalt. Edward findet bald heraus, dass alles tatsächlich unter der Kontrolle des Gangsters Carmine Falcone steht.

US-Variantcover von Jock

Edwards psychische Gesundheit und sein Selbstwertgefühl verschlechtern sich immer mehr, was sogar dazu führt, dass er Apathie gegenüber jeden in Gotham entwickelt. Eines Abends auf dem Nachhauseweg beobachtet er Batman, wie er einen Kriminellen festnimmt. Edward beginnt, den Vigilanten zu bewundern und seine Aktivitäten zu verfolgen. Schließlich wird er selbst zum maskierten Rächer.

Variantcover von Stevan Subic

Die Zeichnungen von Stevan Subic lehnen sich an Dave McKeans Arbeiten zu Arkham Asylum an, können aber dennoch durch einen eigenen Stil überzeugen. Der Band erscheint unter dem DC-Black-Label. Das Cover der regulären Softcover-Ausgabe stammt von Bill Sienkiewicz, es gibt aber auch eine auf 222 Exemplare limitierte Ausgabe mit einem Titelbild von Subic.

US-Variantcover von Mike Mignola

IIn den USA wurde The Riddler: Year One zunächst in Form von sechs Heften veröffentlich, von denen es zahlreiche weitere Variantcover von Künstlern wie Mike Mignola, Jock, Jorge Fornés oder Jim Lee gab. Bill Sienkiewicz hat zu jedem dieser Hefte ein alternatives Titelbild beigesteuert.    

Norbert Elbers

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Galaxy Quest

Einst waren Jason Nesmith (Tim Allen), Gwen DeMarco (Sigourney Weaver), Alexander Dane (Alan Rickman) und Fred Kwan (Tony Shalhoub) die Stars der TV-Science-Fiction-Serie Galaxy Quest. Die Crewmitglieder der NSEA Protector waren die größten galaktischen Helden Doch nachdem die Serie 1982 abgesetzt wurde, tingeln die Darsteller über SF-Conventions und Baumarkt-Eröffnungen. Dann tauchen die Thermianer vom Klatu Nebel auf. Sie halten die Serie für ein “Dokument der Zeitgeschichte“ und bitten den Commander sie vor mächtigen galaktischen Eroberern zu beschützen.

Das Einzige was diesem Film vielleicht vorzuwerfen wäre, ist dass er in seiner Satire auf den Kult um Star Trek möglicherweise nicht weit genug geht und die Trekker auch als Zielgruppe ansieht. Doch ansonsten sind die Erlebnisse der TV-Darsteller einer abgesetzten Science-Fiction-Serie, die sich durch Auftritte auf Fanversammlungen über Wasser halten und plötzlich mit einer realen galaktischen Bedrohung konfrontiert werden, schon mehr als köstlich.

Hierbei überzeugt weniger der immer etwas blasse Tim Allen (immerhin die Synchronstimme von Buzz Lightyear) als Käpt´n Kirk-Verschnitt, sondern sehr viel stärker die Alien-Ikone Sigourney Weaver, die diesmal ein blondes Dummchen spielt und der Stirb-Langsam-Schurke Alan Rickman als frustrierter Shakespeare-Darsteller von dem die Fans immer nur den Ausspruch „Bei Grabthars Hammer!“ hören wollen. Insgesamt ein großes Vergnügen, dass auch beim wiederholten Betrachten großen Spaß macht.

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R.E.D. 2 – Noch Älter. Härter. Besser

2003 erschien eine Comic-Miniserie von Warren Ellis und Cully Hamner namens Red, die nur aus drei Heften mit wenig mehr als 60 Seiten bestand und vom sich im Ruhestand befindenden CIA-Superkiller Paul Moses erzählte, der ein spektakuläres Comeback feiert. Einige wenige Elemente dieser Geschichte dienten 2010 dem Film R.E.D. – Älter. Härter. Besser als Vorlage in dem Bruce Willis die jetzt Francis „Frank“ Moses heißende Hauptfigur spielte. Der des weitere mit Morgan Freeman, John Malkovich, Helen Mirren Richard Dreyfuss, Brian Cox und Ernest Borgnine spektakulär gut besetzte Film spielte knapp 200 Millionen Dollar ein.

Da war es nicht weiter verwunderlich, dass drei Jahre später ein Sequel folgte, das ebenfalls von Geheimdienst-Rentner erzählt, die es noch einmal richtig krachen lassen. Dieses zeigt im Vorspann einige Bilder aus dem Comic, kostete fast doppelt so viel und spielte nur knapp halb so viel wie der erste Film ein. Die Besetzung wurde jetzt noch um Catherine Zeta-Jones und den 1970 in Süd-Korea geborenen Eastern-Star Byung-hun Lee ergänzt, die zwar für einige amüsante Action-Szenen sorgen, aber nicht wirklich ins “je oller desto doller“-Schema des Filmes passen.

Hauptproblem ist, dass die Action und die Auswahl der internationalen Schauplätze diesmal zwar dank des größeren Budgets spektakulärer ausgefallen ist, Dean Parisot (Galaxy Quest) jedoch sehr viel weniger stylisch und humorvoll inszeniert als sein Vorgänger, der Deutsche Robert Schwentke (Flightplan, Helgoland 513). Schmerzlich fehlt diesmal der im ersten Teil verstorbene Morgen Freeman, während Anthony Hopkins diesmal für ein paar lichte Momente sorgt, jedoch auf dem Gebiet “komische Momente“ locker von in den Schatten gestellt wird.

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R.E.D. – Älter. Härter. Besser

Frank Moses (Bruce Willis) war einmal einer der gefährlichsten Männer der Welt, ein skrupelloser Top-Agent der CIA, für den kein Job zu riskant und kein Geheimnis zu schmutzig war. Doch seit er sich im nicht ganz freiwilligen Vorruhestand befindet, sind die Telefonflirts mit Sarah (Mary-Louise Parker) von der Rentenkasse das Höchste an Aufregung in seinem Leben. Bis eines Abends ein schwer bewaffnetes Killer-Team vor der Tür steht, um ihn aus dem Weg zu räumen…

Basierend auf einer dreiteiligen knapp 70-seitigen Comicserie von Warren Ellis und Cully Hamner entstand eine 60 Millionen Dollar schwere Hollywood-Produktion, die der deutsche Regisseur Robert Schwentke (Flightplan, Helgoland 513) stilsicher (sehr originell sind die immer wieder eingeblendeten Postkarten der ständig wechselnden Locations) und actionreich in Szene setzte. Bruce Willis spielt mit sichtlichem Vergnügen einen Spionage-Pensionär, der gar nicht so ungern wieder damit beginnt Leute zu killen und zugleich seiner Herzensdame immer näherkommt.  

Eine weitere Attraktion sind die zumeist nicht mehr ganz jungen Hauptdarsteller, die es hier in teilweise ungewohnten Rollen richtig krachen lassen. Morgan Freeman ist ja bekanntlich in allen Genres zu Hause aber es verwundert mit wie viel Vergnügen die britische Oscar-Preisträgerin Queen Helen Mirren das Flintenweib gibt, während John Malkovich als nicht mehr völlig zurechnungsfähiger aber sehr wehrhafter CIA-Ruheständler eine Klasse für sich ist. Das Ende des Filmes schließt eine Fortsetzung nicht aus, die dann auch entstand, aber enttäuschte.

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Flightplan

Die Luftfahrtingenieurin Kyle Pratt will nach dem plötzlichen Tode ihres Mannes mit ihrer sechsjährigen Tochter Julia in die USA zurückkehren. Nachdem sie an Bord des Flugzeugs etwas geschlafen hat, ist Julia plötzlich verschwunden. Keiner der Passagiere und Crewmitglieder kann sich an das kleine Mädchen erinnern. Verzweifelt versucht Kyle ihre Tochter zu finden, obwohl deren Namen gar nicht auf der Passagierliste vermerkt ist.

Jodie Foster kämpft auf engstem Raum um ihre kleine Tochter, das hatten wir bereits kurz zuvor in Panic Room von David Fincher, der in Fight Club auch schon ganz ausgiebig Flugängste schürte. Diesmal inszeniert jedoch der deutsche Regisseur Robert Schwentke (R.E.D. – Älter. Härter. Besser, Helgoland 512), der am Anfang des Filmes im winterlichen Berlin Bilder von kalter Pracht findet, um Kyles Trauer damit angemessen illustriert.

Doch auch den dann folgenden Bord-Thriller hat Schwentke ähnlich gut im Griff wie nahezu zeitgleich der Schreckensaltmeister Wes Craven in Red Eye. Wenn das Ende von Flightplan dann vielleicht doch nicht ganz so überraschend oder hyperspannendg daherkommt, liegt das etwas am Drehbuch und natürlich auch an den extrem hochgeschürten Erwartungen, aber ganz gewiss nicht an der Inszenierung und der durchgehend exzellenten Besetzung. Auf alle Fälle ist der Film so spannend, dass ihn garantiert keine Airline der Welt im Bordkino zeigen wird.

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Helgoland 513

Der Auftakt dieser Sky-Serie ist ziemlich großartig: Auf Helgoland kommt ein Kind zur Welt und der Großvater der neuen Insulanerin wird feierlich zur höchsten Klippe der roten Insel begleitet. Dort springt der alte Mann in den Tod, denn es wurde beschlossen, dass die Ressourcen auf Helgoland nur für 513 Bewohner ausreichen.

Während auf dem Festland seit fünfzehn Jahren eine Pandemie tobt, ist es den Inselbewohnern gelungen, die Seuche von Helgoland fernzuhalten. Dass dies aber auch seinen Preis hat, wird sehr anschaulich dargestellt. Nachdem die Mutter noch ein zweites Kind zur Welt bringt, wird in einer öffentlichen Sitzung muss beschlossen, wer als Zweiter die Insel der Seligen verlassen muss…

Diese knallharten Regeln stammen von eine gewissen Beatrice und basieren auf den Berechnungen eines pensionierten Biologielehrers. Martina Gedeck (Der Baader Meinhoff Komplex, Das Leben der Anderen) verkörpert diese ebenso intrigante wie brutale Anführerin als jemand der Eigennutz als Selbstlosigkeit tarnt. Dagegen bleibt Alexander Fehling (Am Ende kommen Touristen) in der zweiten Hauptrolle eher blass, was jedoch recht gut passt zum von ihm verkörperten, moralisch erschreckend flexiblen Inselarzt Marek Storbeck.

Die Schauwerte der Serie sind beträchtlich. Neben den auf Sylt und Borkum gedrehten eher idyllischen Insel-Szenen, ist als Kontrastprogramm ein vor Ort mit viel Freude am Grauen visualisiertes postapokalyptisches Hamburg zu sehen. In malerisch zerfallen Kulissen, irgendwo zwischen Die Klapperschlange und The Walking Dead, kaspert Samuel Finzi in der Hansestadt als Ober-Unterweltler “Der Graf“ zusammen mit einer ganzen Horde von auf bedrohlich getrimmten Gestalten herum.

Eine ganze Weile kommt die komplett von Robert Schwentke (Flightplan, R.E.D. – Älter. Härter. Besser) inszenierte Serie nicht so richtig in Gang. Doch die Überraschung kommt zum Schluss, denn die letzten beiden Episoden erzählen als Rückblende mitreißend und ganz schön gruselig davon, wie die auch geistig etwas schlichte Supermarkt-Angestellte Beatrice die Notlage gnadenlos zu ihren Gunsten ausnutzt. Dank der großartigen Martina Gedeck kann hier durchaus von anderthalb Sternstunden des Privatfernsehens gesprochen werden.

Die DVD-Edition von Polyband enthält auf zwei Scheiben alle sieben Episoden der ersten und – da Sky keine deutschen Serien mehr produziert – wohl auch letzten Staffel von Helgoland 513. Hinzu kommen vier kurze aber sehen informative Dokus: Making Of (4:17 min), Szenenbild (4:59 min), Kostümbild (4:54 min) und Visuelle Effekte (4:54 min).

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John Carpenter: Elvis

Nachdem er mit dem Horrorklassiker Halloween im Kino große Erfolge feierte, machte John Carpenter 1979 etwas völlig anderes. Zum einzigen Mal in seiner Karriere verließ er das Horror-Thriller-Science-Fiction-Genre und drehte ein Biopic bzw. einen aufwändig produzierten TV-Film über das Leben eines Prominenten, dessen letzten Jahre genau genommen auch oft an einen Horrorfilm erinnerten. Der kurz nach dem Tode von Elvis Presley entstandene Film kam bei uns sogar in gekürzter Form in die Kinos.

Dieser Ausflug in völlig andere Bereiche hatte nicht nur für John Carpenter Folgen. Die Titelrolle in Elvis spielte Kurt Russell, der bei den Gesangsnummern vom Country-Sänger Ronnie McDowell gedoubelt wurde. Für seine Darstellung des Kings erhielt Russell eine Emmy-Nominierung. Seine wild entfesselten Tanzbewegungen bei den Musiknummern – vor allem wenn bei Tutti Frutti auch eine noch bayrischen Trachtenkapelle auf der Bühne steht, dürften ZAZ, die Regisseure von Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, in ihrer Spionage-Parodie Top Secret! zu den irrwitzigen Gesangseinlagen von Val Kilmer inspiriert haben.

Bei John Carpenter spielte Kurt Russell anschließend noch in vier Kinofilmen die Hauptrolle, wobei ihn seine Auftritte als “Snake“ Plissken in Die Klapperschlange und Flucht aus L. A. zur Action-Ikone machten. 2022 gelang Baz Luhrmann mit seinem opulenten und ebenfalls überlangen Elvis-Film ein Welterfolg. Carpenters eher brav in Szene gesetztes Biopic kann da nicht wirklich mithalten, doch Luhrmanns Hauptdarsteller Austin Butler verblasst gegen Kurt Russell, dessen Gesichtszüge im Laufe des Films immer mehr mit dem ikonischen Antlitz von Elvis verschmelzen.    

Black Hill bringt hat Carpenters Elvis in zwei Versionen fürs Heimkino veröffentlicht. An der Einzel-DVD dürfte kaum jemand eine Freude haben, denn diese enthält den Film zwar deutsch synchronisiert aber nur in der gekürzten 105-minütigen Kinofassung in grottiger Bildqualität und dies auch noch im Vollbild-Format. Ganz anders die zweite DVD der Deluxe Edition. Diese bietet den Film in der fast eine Stunde (!) längeren TV-Version, leider nur in der Originalfassung, doch dafür mit gutem anamorphen 16:9-Bild!

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Tobi Dahmen: Columbusstraße

Mit Columbusstraße ist Tobi Dahmen eine umfangreiche und in jeder Hinsicht wirklich gewichtige Graphic Novel geglückt. Die Geschichte beginnt etwa zu der Zeit, in welcher Berlin von Jason Lutes, der in seinem Buch den Niedergang der Weimarer Republik beleuchtet, geendet hat.

Entlang einer Familiengeschichte schildert Dahmen die Entstehung und den Untergang von Nazi-Diktatur und Drittem Reich. Er vermittelt durch persönliche Entwicklungen, Veränderungen und Schicksale seiner eigenen Familien aus Düsseldorf und Breslau Einblick in die Geschehnisse dieser Zeit.

Die ersten Passagen nutzt der Autor um die handelnden Personen bekannt und vertraut zu machen. Neben ein paar geäußerten Worten derselben genügen zarte Andeutungen – das minimale Ausrichten eines Bildes, die Korrektur einer Zierfeder – um sich ein Bild von der charakterlichen Ausprägung der Protagonisten machen zu können. Die durch die Diktatur bedingten Änderungen in Verhalten und persönlicher Sichtweise werden im Folgenden ähnlich dezent – stimmig und nachvollziehbar – dargestellt.

Dahmen nutzt persönliche Dialoge und eine zurückhaltende, klare Bildsprache um die ihm wichtigen Informationen zu transportieren: das Arrangement des gehobenen Bürgertums und der Industrie mit dem Nationalsozialismus, die frühe Kenntnis vom Konzentrationslager Dachau und in Summe eine Vielzahl weiterer interessanter geschichtlicher Fakten. Den klaren, fast lakonischen Strich in Weiß-, Grau- und Schwarztönen behält der Autor das gesamte Buch hindurch ebenso bei wie eine weitgehend klassische Anordnung der einzelnen Panels. Beides ist der Erzählung dienlich und öffnet den Blick des Lesers für das „Eigentliche“.

Gerne nimmt der Autor das Schlusspanel einer Sequenz um damit ein Ausrufezeichen zu setzen – oder aber dem Vorhergegangenen eine ganz andere Wendung zu geben. Ein auch gerne verwendetes Stilelement ist der bewusste Widerspruch von Text- und Bildwiedergabe. Exemplarisch stellt Dahmen in der Schilderung der Russlandfeldzüge, an denen zwei Söhne des eingangs vorgestellten Familienoberhaupts teilnehmen, die von ihnen verfasste abwiegelnde, um Normalität und Optimismus bemühte Feldpost nach Hause in deutlichen Gegensatz zu der gezeichneten Realität an der Front. Beim Lesen erzeugt dieses Aufbrechen und in Widerspruch stellen Betroffenheit und Beklemmung und macht die bedrückende Lektüre dennoch – selber erlebtes und erlesenes Paradoxon! – leichter annehmbar.

Überhaupt gelingt Tobi Dahmen über das ganze Buch hinweg der Spagat ausnehmend gut, einerseits die Leserschaft mitzunehmen in die persönliche Familiengeschichte dieser zehn Jahre von 1935 bis 1945, andererseits die objektiven und faktenbasierten Geschehnisse dieser Zeit akkurat und genau wiederzugeben. Ein interessantes und bereicherndes Leseerlebnis auf jeder Seite ist garantiert.

Dieses müsste nicht auf den einzelnen Leser beschränkt sein. Neben dem Inhalt und der Art diesen mitzuteilen, laden ein umfangreiches Glossar wie der angehängte Text-und Bildquellennachweis am Ende des Buchs geradezu ein, die Columbusstraße auch im Geschichts- und Ethikunterricht bei der Behandlung des Themas Nationalsozialismus mit zu verwenden. Es wäre wünschenswert, wenn möglichst viele Lehrkräfte diese Einladung annehmen könnten. Von der Dankbarkeit der Schüler bei einem solchen Schritt kann man sicherlich ausgehen.

Fazit: Was einst Thomas Manns Buddenbrooks für die Literatur war, könnte die Columbusstraße auf dem Feld der deutschsprachigen Graphic Novels werden. Das feinfühlig-pointierte Storytelling, die gelungene zeichnerische Umsetzung, die faktenbasierte Wiedergabe der historischen Dimension und vieles mehr machen das Buch zu einem großen Erzählroman, dem eine möglichst zahlreiche Leserschaft zu wünschen ist. Auf ein weiteres Buch aus seinem Familienkosmos – welches der Autor im Glossar versteckt andeutet – warte ich jedenfalls schon jetzt gespannt.

Uwe Sieber

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Der Schnorchel

Während Frankensteins Fluch 1957 in blutroter Farbenpracht den “Hammer Horror“ einläutete, drehte das britische Studio in einheimischen Studios und im italienischen Alassio einen kleinen aber durchaus feinen Thriller. Etwas seltsam mutete der deutsche Titel Der Schnorchel an, doch auch im Original heißt der Film mit The Snorkel ebenso.

Dabei verwundert, dass eine etwas übergroße mit gleich zwei Schnorcheln versehene Tauchbrille durchaus als mörderisches Accessoire verwendet werden kann. Eins dieser Teile trägt Paul Decker (Peter van Eyck) – nachdem er seine betäubte Frau Madge auf ein Sofa gelegt, alle Fenster und Türen seiner Villa abklebte und die Gaslaternen aufdrehte – um sich in einem Geheimversteck per Schnorchel mit Atemluft zu versorgen.

Der Plan gelingt, die Dame ist tot, die italienische Polizei hält den Mord für einen Unfall und das Kinopublikum wurde zum Komplizen. Zeitnah zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde vielleicht noch etwas darüber grübelte, ob die Tatsache, dass ein blonder deutschstämmiger Darsteller die durch Gas mordende Hauptfigur spielt, irgendwie im Zusammenhang mit dem Holocaust steht. Doch dann beginnt ein hochspannendes Katz-und-Maus-Spiel.

Für Candy Brown (Mandy Miller), Madges dreizehnjährige Tochter aus erster Ehe, besteht kein Zweifel daran, dass ihr gefühlskalter Stiefvater ihre Mutter ermordet hat. Es ist wohl nicht wirklich ein Spoiler, wenn verraten wird, dass gegen Ende des Films Candy in der abgeklebten Villa auf dem Sofa liegt, während ihr Stiefvater erneut mit dem Schnorchel auf Tauchstation geht…

Doch das Drehbuch von Jimmy Sangster, der noch etliche Horrorklassiker schreiben sollte, wie kurz darauf Dracula mit Christopher Lee, hält noch ein paar echte Überraschungen bereits, die Regisseur Guy Green zu einem spannender, aber leider etwas in Vergessenheit geratenen, Thriller verarbeitete. Zum Glück erscheint der Film jetzt erstmals als Heimkino-Edition und das auch noch in vorbildlicher Aufmachung.

Das Bonusmaterial auf der Blu-ray von Anolis Entertainment ist sehr viel umfangreicher als auf dem Backcover oder der Seite des Anbieters angekündigt wird. So gibt es zwei deutschsprachige Audiokommentaren von Rolf Giesen, sowie von Uwe Sommerlad & Volker Kronz, eine deutschsprachige Rekonstruktion des Endes (9:51 min)

Cover A

“Four-Note-Fear“: Musikexperte David Huckvale sitzt am Klavier und informiert über den Komponisten Francis Chagrin (23:18 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln), britischer Kinotrailer (1:54 min), deutsche Titelsequenz (3:55 min), Filmprogramme (1:03 min) und eine Bildergalerie (3:16 min)

Covere B

 Den Film erscheint auch in Form von zwei limitierten Mediabook-Editionen mit verschiedenen Covern und einem 28-seitigem von Rolf Giesen verfassten Booklet.

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Luise Mirdita: Schattenspiel

Als Karlotta aus den Sommerferien in ihre Schule zurückkehrt, denkt sie zunächst: “Eigentlich ist es jedes Jahr das gleiche… Der gleiche Ablauf. Die gleichen Gesichter“ und nachdem sie wieder sehr viel Zeit mit ihrem schüchternen Mitschüler Felix verbringt, muss sie feststellen: “Die gleichen Gemeinheiten.“

Doch nachdem Karlotta Aufnahme in eine Clique von beliebten Mädchen findet, zur Klassensprecherin gewählt wird und zusammen mit einer als Influencerin erfolgreich tätigen alten Freundin Schminktipps online stellt, scheint in ihrem neuen Leben kein Platz mehr für Felix zu sein. Doch so richtig wohl fühlt sie sich dabei nicht.

Dies schlägt sich auch in Karlottas Träumen nieder. In einer Fantasywelt arbeitet sie nicht nur eigene Erlebnisse auf, sondern agiert dort auch als tatkräftige Actionheldin Charlotte. Im gefiederten Mantel und mit längeren Haaren meistert sie gefährliche Missionen. Doch nach einigen Anfangserfolgen, stellt Karlotta fest, dass Charlottes Traumaktionen ihr nicht wirklich dabei helfen die Realität zu meistern.

Auf knapp 300 schwarzweißen 300 Seiten, die der Verlag Schwarzer Turm als übergroßes Paperback veröffentlicht, gelang Luise Mirdita ein ebenso realistisch wie auch fantasievoll erzählter Comic-Tripp. Dabei wechselt sie immer wieder von in kleinteiligen Panels empathisch erzählten Sequenzen zu den in großen Bildern in Szene gesetzten Träumen, wodurch sie zum Binge-Lesen animiert.

Auf dem Comic Salon in Erlangen 2024 wurde Schattenspiel mit dem ICOM Independent Comic Preis als “Bester Kinder- oder Jugendcomic“ ausgezeichnet und dies völlig zu Recht.

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