Alle Beiträge von Heiner Lünstedt

Rotzbub – Der Deix-Film

Dieser vom erfahrenen spanischen Animator Santiago López Jover und dem bayerischen Regisseur Marcus H. Rosenmüller (Wer früher stirbt, ist länger tot, Trautmann, Beste Chance) Film wurde in einigen wenigen deutschen Kinos unter dem nur mäßig originellen Titel Willkommen in Siegheilskirchen gezeigt.

Geboten wird ein faszinierender Exkurs durch die von schrillen Charakteren bevölkerte Bilderwelt von Manfred Deix. Die Produktion des Animationsfilms begann bereits 2013 und der drei Jahre später verstorbene österreichische Cartoonist war an der Konzeption beteiligt.

Die Geschichte spielt 1967 in einer österreichischen Kleinstadt, die nicht ohne Grund Siegheilskirchen heißt. Die Männer, die in dem Kaff das Sagen haben, sind Nationalsozialisten geblieben. Trotzdem eröffnet dort der Hippie Poldi das Café Espresso Jersey und mischt den kleinstädtischen Mief etwas auf.

Ein kleiner Junge, der von allen Rotzbub genannt wird und über großes Zeichentalent verfügt, bringt auf einem gewaltigen Wandgemälde den Ekel über seine Mitbürger zum Ausdruck und gewinnt das Herz des Roma-Mädchens Mariolina.

Bei einem Budget von circa sechs Millionen Euro sollte der Zuschauer keine Pixar-Qualität erwarten. Doch wer sich auf Rotzbub einlässt, wird reich belohnt. Dem Film gelingt es nicht nur die Deix-Karikaturen glaubhaft in Bewegung zu versetzen, sondern es wird zugleich auch eine ebenso komische wie anrührende Geschichte über das Erwachsenwerden erzählt.

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BRZRKR

Es ist kein Wunder, dass dieser Band bei Cross Cult erscheint, denn dort wurde bereits ein 48-seitiges Büchlein mit dem aussagekräftigen Titel If Keanu were your Boyfriend: Der Mann, der Mythos, der Wow! veröffentlicht.

Normalausgabe mit Cover von Dan Mora

Geboten wird “zum Teil Biografie, zum Teil verträumte Erzählung“ mit bedeutenden Weisheiten von Keanu Reeves, wie “Life is good when you have a good sandwich.“ Wer so einen Quatsch herausbringt, wird sich natürlich auch schleunigst um die Rechte eines Comics bemühen, an dem der Wow höchstpersönlich als Autor beteiligt war.

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Es ist erstaunlich, was für Wellen es schlägt, wenn sich ein Hollywood-Star, dazu herablässt einen Comic zu schreiben. Zwar hat Keanu dies nicht ganz alleine gemacht, sondern als Co-Writer wurde ihm ein erfahrener Comic-Macher zur Seite gestellt.

Normalausgabe mit Cover von Dan Mora

Matt Kindt war bereits als Autor, aber teilweise auch als Zeichner für Dark Horse, Valiant und DC tätig. Es ist völlig unklar, wieviel Input bei BRZRKR von Keanu Reeves stammt. Möglicherweise kam von ihm wenig mehr, als die Erlaubnis den Titelhelden mit seinen Gesichtszügen auszustatten.

Second-Printing-Cover von Ron Garney

Doch dies auch auf Variantcover von Lee Bermejo, Dan Mora, Jonboy Meyers, Ron Garney oder Rafael Grampá gefeierte Ereignis genügte, um das im März 2021 bei Boom! Studios veröffentlichte Heft BRZRKR # 1 mit 650.000 verkauften Exemplaren zum Comic-Bestseller dieses Jahrtausends zu machen.

Die Story hingegen dürfte kaum etwas zu dieser Erfolgsgeschichte beigetragen haben, denn das erste Heft zeigt trotz des verdoppelten Umfangs von 43 Seiten wenig mehr als ein von Ron Garney immerhin recht mitreißend in Szene gesetztes Gemetzel. Der Mann mit dem Gesicht von Keanu veranstaltet und überlebt dabei ein Blutbad in einem Land, in dem Spanisch gesprochen wird.

Als Schlusspointe wird noch verraten, dass der Supersoldat bereits seit achtzigtausend Jahren auf der Erde zugange ist. Der Auftakt von Kapitel 2 versucht noch einen draufzusetzten und erzählt wie die Mutter von BRZRKR ihren Sohn unbefleckt empfangen hat und schon nach zwei Monaten zur Welt brachte.

Doch damit haben Matt Kindt und Keanu Reeves ihr Pulver bereits verschossen, zumindest was die ersten vier (von insgesamt zwölf) US-Hefte betrifft, die Cross Cult in drei verschiedenen Editionen (darunter eine limitiere Ausgabe im Überformat von 22 x 32 cm) gebündelt und garniert mit einer aus 24 Covern bestehenden Galerie veröffentlicht.

Limitierte Ausgabe im Überformat mit Cover von Jonboy Meyers

Im weiteren Verlauf der Handlung werden – unter dem Motto “Who Wants to Life Forever“ – Ideen und Erzählstrukturen aus Russell Mulcahys unsterblichem Klassiker Highlander mit Christopher Lambert recycelt. Auch bei BRZRKR gibt es eine attraktive Wissenschaftlerin, die den Helden in der Gegenwart analysiert und dadurch wilde erzählerische Zeitsprünge auslöst.

In kleinen Portionen ist so zu erfahren, wie der Keanu-Charakter in kürzester Zeit zum Muskelprotz heranwuchs und seine Sippe im Alleingang und natürlich in blutigen Kämpfen gegen andere Steinzeit-Völker verteidigte. Die Spannung auf den weiteren Verlauf der vertraut wirkenden Geschichte hält sich in Grenzen.

Dennoch ist BRZRKR nicht nur als Comic ein Erfolg, sondern auch als Blaupause zur weiteren medialen Weiterverarbeitung. Netflix plant einen Film, natürlich mit Keanu in der Hauptrolle und auch eine Anime-Serie ist im Gespräch. Für das Kino ist das Franchise leider ungeeignet, denn es würde zu argen Verständnisproblemen an der Kasse führen, wenn jemand dort “Zwei Karten für BRZRKR!“ verlangt.  

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Kia Asamiya: Batman – Child of Dreams

Bereits 1966 entstand als Nebenprodukt zur TV-Serie mit Adam West ein Batman-Manga, bei dem sich Jiro Kuwata recht viele Freiheiten im Umgang mit dem Dunklen Ritter nahm.

Sehr viel werkgetreuer aber auch ambitionierter geriet 2001 ein Batman-Comic von Kia Asamiya (Silent Möbius), der zuvor bereits Star Wars – Episode I: Die dunkle Bedrohung als Manga adaptiert hatte. Asamiyas mehr als 300 Seiten umfassendes Epos Batman: Child of Dreams kann getrost als Graphic Novel bezeichnet werden.

Hauptfigur ist die junge Japanerin Yuuko Yagi, die ihren Landsleute den Einstieg in die Welt von Batman erleichtern soll. Die Reporterin reist nach Gotham und trifft dort nicht nur auf Batman – nicht zum ersten Mal, wie im Laufe der Geschichte zu erfahren ist -, sondern auch auf einige seiner Gegner, wie natürlich den Joker.

Die zweite Hälfte der Geschichte spielt in Tokyo. Dort werden Yuuko und Bruce Wayne mit den Machenschaften des zwielichtigen Besitzers eines mächtigen Pharmakonzerns konfrontiert, der zugleich ein großer Batman-Fan ist. Auch Catwoman spielt im Finale eine große Rolle, doch vieles ist ganz anders als es anfangs wirkte…

Gleich nach der japanischen Veröffentlichung präsentierte Panini den Batman-Manga in zwei Softcover-Ausgaben und jetzt folgt eine schön aufgemachte Hardcover-Gesamtausgabe. Diese enthält neben einigen Skizzen auch ein kurzes, aber sehr aufschlussreiches Interview mit Kia Asamiya. Hier ist zu erfahren, dass dieser bevor er sich auf den Job einließ, bereits Batman-Klassiker wie The Dark Knight Returns, Year One, Arkham Asylum, The Killing Joke oder The Long Halloween kannte.

Daher ist Child of Dreams sehr viel mehr, als der Versuch im Windschatten der Kinofilme eine Handvoll Yen zu verdienen. Kia Asamiya gelang ein auch heute noch mit Gewinn zu lesender Batman-Comic mit einem interessanten Look, irgendwo zwischen Manga und Tim Burton.

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Head Lopper

Bereits das Cover zu dieser Fantasy-Serie hat einen ungewöhnlichen europäisch anmutenden Look und will so gar nicht zu dem passen, was ansonsten so alles im Hause Image veröffentlich wird.

Auch die klaren reduzierten Comicseiten lassen eher an Donjon von Trondheim und Sfar als an Spawn denken. Außerdem wurde Head Lopper noch mit einer Prise Hellboy und etwas Usagi Yojimbo abgeschmeckt.

Andrew MacLean ist kein Freund großer Worte. Wie ein Mangaka liefert er mitreißende zum raschen Umblättern zwingende Action auf Seiten, die nur aus wenigen Panels bestehen. Das Konzept der Serie ist ähnlich simpel wie die Grafik. MacLean geht es in seiner 2013 im Eigenverlag gestarteten Serie hauptsächlich um “lange Kämpfe, gruselige Atmosphäre und finsteren Humor.“

Titelheld ist der Barbar Norgal, der auf der Insel Barra mit seinem nicht eben kurzen Schwert allerlei Ungetümen den Kopf abschlägt. Für schräge Gags sorgt Norgals ungewöhnliche Begleitung, der zwar blau angelaufene aber dennoch schwatzhafte und hungrige Kopf der Hexe Agatha.

Cross Cult präsentiert in diesen Band nicht nur die sechs Kapitel und den Epilog der ersten Storyline von Head Lopper, sowie eine Vorschau auf den weiteren Verlauf der Serie. Zusätzlich wird auch noch sehr hübsches Bonusmaterial wie ein Skizzenbuch geboten.

Dass die Serie bereits fester Bestandteil der US-Comickultur ist, belegen die ebenfalls enthaltenen Variantcover von Comicgrößen wie Gabriel Bá oder Mike Allred, sowie als Krönung eine von MacLeans großem Vorbild Mike Mignola gezeichneter Norgal.

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Top Gun: Maverick

Am Anfang des Films wundert sich der von Ed Harris dargestellte Admiral Cain darüber, dass Pete „Maverick“ Mitchell keine Karriere als Flottenkommandant oder Senator gemacht hat, sondern immer noch den Rang eines Captains bekleidet. Zugleich fragt sich der Zuschauer, warum der mittlerweile 59-jährige Tom Cruise immer noch jugendlich anmutende Draufgänger spielt, anstatt in Charakterrollen zu glänzen.

Top Gun: Maverick liefert eine mögliche Antwort, denn Cruise ist immer noch überzeugend als tollkühner Flieger, der nicht so recht in den militärischen Betrieb zu passen scheint. Als Maverick sich dafür bedankt, dass bei einer Besprechung dabei sein darf, erklärt ihm ein Offizier, dass es sich um keine Einladung sondern einen Befehl handelte.

Die Fortsetzung zu Tom Cruises 1986 entstandenen ersten Blockbuster Top Gun bezieht ihren Reiz daraus, dass Maverick hier als Ausbilder für einen Haufen junger Draufgänger eingesetzt wird, die er zu einem Team für einen Sondereinsatz zusammenschweißen soll. Es ist sicherlich kein Spoiler, wenn verraten wird, dass die Entscheidung Maverick bei der Mission im verschneiten Ausland nicht mitfliegen zu lassen, nicht endgültig ist…

Wer hier eine formelhafte Fortsetzung des vor 36 Jahren entstandenen Navy-Werbefilms erwartet, wird angenehm enttäuscht. Dank Hochglanz-Optisch sowie eines Soundtracks von Harold Faltermeyer, Lady Gaga und Hans Zimmer ist zwar vieles beim Alten. Doch dank guter Darsteller wie Jennifer Connelly, Miles Teller und Jon Hamm, sowie eines kurzen aber rührenden Auftritt von Val Kilmer, kommt die Mischung aus rasanter Action, überraschenden Humors und glaubhafter Romantik sehr viel ausgereifter daher.  

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Catwoman: Lonely City

Wenn im Vorwort dieser Comic mit Frank Millers Meilenstein The Dark Knight Returns verglichen wird, so beschreibt dies nur sehr unzureichend, was Cliff Chiang (Paper Girls) mit Catwoman angestellt hat. Genau wie Bruce Wayne bei Frank Miller schlüpft hier eine nicht mehr ganz junge Selina Kyle wieder in ihr eng gewordenes Kostüm.

Auch bei Cliff Chiang hat sich Gotham im Laufe der Zeit nicht gerade zu seinem Vorteil verändert, denn Harvey Dent alias Two-Face hat als diktatorischer Bürgermeister eine Polizei-Stadt daraus gemacht. Doch zu einer düsteren Dystopie ist die Geschichte dennoch nicht geworden.

Selina Kyle musste miterleben, wie Bruce Wayne in ihren Armen starb und kehrt nach dem Absitzen ihrer zehnjährigen Haftanstalt in Blackgate in ihre Heimatstadt zurück. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten gelingt es der mittlerweile 55-jährigen Selina recht gut sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Sie findet alte aber auch neue Verbündete und lässt sich ein neues Catwoman-Kostüm anfertigen…

Cliff Chiang erzählt seine mitreißende aber auch humorvolle Geschichte in farbenfrohen Bildern, die im Großformat der zweibändigen Panini-Ausgabe sehr gut zur Geltung kommen.

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Blonde Phantom – Perlen der Comicgeschichte

Die Reihe Perlen der Comicgeschichte des Bildschriften Verlags wächst um einen weiteren sachkundig kommentierten Hardcover-Band. Einmal mehr wird eine kommerziell ausgerichtete Serie präsentiert, die zwar “ernst“ gemeinter Mainstream sein sollte, doch im Eifer des Produktionsdrucks blieb die Logik auf der Strecke.

Blonde Phantom entstand 1946 beim Verlag Timely der kurz darauf in Marvel umbenannt werden sollte. Seinerzeit war dort bereits Stan Lee tätig, der die Serie redaktionell betreute. Schrille Schurken und vollmundige Ankündigungstexte lassen vermuten, dass die Marvel-Ikone so manche der Stories mit Blonde Phantom zu verantworten hatte.

Hauptfigur ist die eher unscheinbare Louise Grant, die als Sekretärin des nicht allzu fähigen Detektivs Mark Mason arbeitet. Sie ist heimlich in ihren Chef verliebt und hilft ihm als Blonde Phantom immer wieder bei seinen Ermittlungen. Neben einer schwarzen Maske trägt Louise als Verkleidung ein knallrotes bauchfreies Abendkleid mit Beinschlitzen. Somit wird hier weniger das Superhelden-Genre bedient als vielmehr “Good Girl Art“ geliefert.

Passend dazu überzeugen in den in diesem Band zum ersten Mal auf Deutsch veröffentlichten Comics sehr viel stärker die erotisch aufgeladenen Zeichnungen als die Geschichten. Diese handeln etwa von einem in Blonde Phantom verliebten Wissenschaftler Ignatius Fowler, der seine Nebenbuhler – also alle Männer – in Tiefschlaf versetzt.

Sehr schön ist auch die Story über einem Schurken, der genau wie etwas später der erste Gegenspieler der Fantastic Four “Der Maulwurf“ heißt. Als dieser im Knast landet, flieht er gleich mit der gesamten Haftanstalt in Richtung Erdinneres. Hinzu kommt eine wirre Zeitreise und ein Auftritt von Frankensteins Monster. Fanboy, was willst Du mehr?     

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Reddition 59: Warren Comics

Eine Ausgabe der Fachzeitschrift Reddition beschäftigte sich 2013 mit einem interessanten Kapitel der US-Comicgeschichte. Während die legendären EC-Comics in den 50er-Jahren ihr Erscheinen aufgrund der Umtriebe einiger selbsternannter Moralapostel wegen angeblicher Jugendgefährdung einstellen mussten, gelang es dem Verleger James Warren Mitte der 60er-Jahre Horror-Comic-Magazine wie Creepy, Eerie oder Vampirella an die Kioske zu bringen.

Diese Hefte erschienen – genau wie das MAD-Magazin des EC-Verlegers William Gaines – im größeren Magazin-Format und zunächst komplett in Schwarzweiß. Dadurch war Warren nicht dem Comics Code ausgesetzt und konnte blutrünstige Geschichten veröffentlichen. James Warrens erstes erfolgreiches Magazin war Famous Monsters of Filmland, in dem unter der Leitung von Forrest J. Ackerman über klassische Horrorfilme berichtet wurde.

Angespornt durch den Erfolg dieser Reihe, den er auch noch mit einer großen Palette von Horror-Merchandise-Produkten flankierte, startete Warren 1964 das Magazin Creepy in dem er schwarzweiße Horror-Stories von zuvor bei EC tätigen Zeichnern wie Joe Orlando, Wally Wood, Al Williamson oder Frank Frazetta veröffentlichte. 1966 bzw. 1969 folgten dann Eerie und Vampirella. Comickünstler wie Richard Corben, Bernie Wrightson, Neal Adams oder Steve Ditko sowie etliche spanische oder auch philippinische Zeichner wirkten im Laufe der Zeit bei diesen Magazinen mit.


Die Reddition bietet zu einem interessanten Schwerpunktthema wieder eine umfassende und vertiefte Berichterstattung. Das Magazin beschreibt das Phänomen der Warren Comics, enthält Porträts der wichtigsten Zeichner wie Frazetta, Wrightson, Corben, Alex Toth oder Gene Colan, schildert Aufstieg und Niedergang des Verlages sowie die Wiedergeburt von Creepy und Eerie bei Dark Horse.

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Alexander Braun: Horror im Comic

„Die Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht, aber es gibt kein Grundrecht für sittliche Belehrung und Bevormundung. Zumal es jedem freisteht, sich abzuwenden, wenn er etwas nicht zur Kenntnis nehmen will. So schräg es auf den ersten Blick klingen mag: Wer das Bedürfnis hat, ästhetisch zu simulieren, wie eine Kettensäge einen menschlichen Körper zerteilt, steht fest auf dem Boden des Rechts. Wer das zu verbieten versucht, tut es weniger.“

Dies schreibt Alexander Braun im Vorwort seines neuen Ausstellungskatalogs, der ein Jahr nach der Veröffentlichung seines ebenso gewichtigen, wie aussagekräftigen Bildbands Will Eisner – Graphic Novel Godfather erschienen ist. Eine dreißigseitige Einleitung geht ganz schön in die Tiefe bei der Beantwortung der Frage, warum sowohl Künstler als auch das Publikum von Schreckensbildern fasziniert sind.

Rembrandt: Die Anatomie des Dr. Tulp

Zur Diskussion gestellt werden dabei Thesen von Immanuel Kant und Jean-Jacques Rousseau über das Böse im Menschen. Zur Abbildung kommen blutige Gemälde von Rembrandt, Goya und Caravaggio, aber auch Szenen aus Tobe Hoopers Horror-Klassiker The Texas Chain Saw Massacre. Dabei stellt Braun die berechtigte Frage, warum Museen die von ihm ausgewählten Gemälde auch für Kinder frei zugänglich zeigen, während Hoopers Film in Deutschland indiziert wurde.

Passend hierzu trägt das erste Kapitel des Buchs, das sich mit den EC-Comics beschäftigt, den Untertitel “Amerikas Weg in die Zensur“. Zum Abdruck kommen hervorragende Reproduktionen der Exponate, der im Dortmunder schauraum: comic + cartoon gezeigten Ausstellung Horror im Comic. Zu bestaunen gibt es neben Comicseiten von Künstlern wie Jack Davis oder Johnny Craig, auch die Originalseiten einer kompletten EC-Story von Graham Ingels.

Enthalten ist aber auch die deutsche Übersetzung des kompletten Protokolls einer Aussage von EC-Herausgeber Bill Gaines. Dieser hatte sich freiwillig gemeldet, um am 21. April 1954 den US-Senatsausschuss davon zu überzeugen, dass die von ihm produzierten durchaus moralischen Horrorcomics keineswegs die Jugend verderben. Gaines hielt vor dem Ausschuss zwar einen Monolog voller guter Argumente, versagte aber im Kreuzverhör und machte die Regierungsbehörden erst durch diesen Auftritt auf seine Comics aufmerksam.

Das Resultat war der Comics Code, der es Gaines unmöglich machte, seine Comics weiterhin an die Kioske zu bringen. Das ebenfalls von ihm verlegte Satiremagazin MAD rettete ihn vor dem Ruin. Es wurde zu einem Riesenerfolg, nachdem es nicht mehr als Comicheft, sondern als Magazin erschien und Gaines sich daher nicht mit den Vorgaben des Comics Code herumärgern musste.

Auch der Verleger James Warren veröffentlichte seine von Künstlern wie Frank Frazetta, Richard Corben oder Bernie Wrightson gezeichneten schwarzweißen Horrorcomics in Zeitschriften. Den ab 1964 bzw. 1967 erscheinenden Warren-Magazinen Creepy und Eerie widmet Alexander Braun ein Kapitel. Ein Großteil des Buchs beschäftigt sich außerdem damit, wo Monster wie Vampire, Werwölfe, Geister oder Zombies ihre Ursprünge haben und in welcher Form sie durch die Comics spukten.

Den Abschluss bilden Kapitel über Fumetti Neri wie Diabolik oder Dylan Dog, sowie besonders extreme Horror-Comics aus Japan. Alexander Braun arbeitet seine Themen nicht stur ab, sondern betritt unterwegs auch interessante Nebenwege und lockert den Text durch Anekdoten auf. Auch Leser, die sich bereits sehr gut mit Horrorcomics auskennen, dürften in diesem Buch so manche Entdeckung machen.

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Die zehn Gebote

1923 drehte Cecil B. DeMilles (Union Pacific) nach 45 deutlich kürzeren Filmen mit Die zehn Gebote seinen ersten Langfilm. Für die Nachstellung der alttestamentarischen Szenen trieb er gewaltigen Aufwand. DeMille brachte u. a. 600 (!) altägyptische Streitwagen auf die Leinwand und die Teilung des roten Meeres ist immer noch eine tricktechnische Meisterleistung über deren Realisierung DeMille sich Zeit seines Lebens ausschwieg. Er erwähnte lediglich einmal er, dass hierzu auch Wackelpudding verwendet wurde.

Aus heutiger Sicht überrascht der Film, weil er nach dem ersten beeindruckend visualisierten Drittel ganz plötzlich das Altertum verlässt und eine gleichnishafte Geschichte über zwei ungleiche Brüder (Kain und Abel) vor dem Hintergrund des San Francisco der damaligen Gegenwart erzählte.

In seinem letzten Spielfilm verfilmte DeMille 1956 noch einmal die Geschichte von Moses und den zehn Geboten. Diesmal sprach er am Anfang des Films in einer Einführung das Publikum direkt an und blieb volle vier Stunden im alten Ägypten. DeMille erzählte auch die (etwas ausgeschmückte) Vorgeschichte über Moses im Bastkörbchen. Aus heutiger Sicht wirkt das (immer wieder gern zu Ostern gezeigte) Werk ein wenig schwerfällig.

Die unter großen Aufwand vor Ort in Ägypten gedrehten Szenen harmonieren nicht immer mit den eher sterilen Aufnahmen aus den Paramount-Studios. Doch Cecil B. DeMille gelangen etliche gewaltige Bilder. Ähnlich wie die Meister der Renaissance (eine Moses-Skulptur von Michelangelo überzeugte DeMille davon dem damals erst dreißigjährigen Charlton Heston die Hauptrolle zu geben) formte er aus den eher schablonenhaften Bibelcharakteren echte Menschen.

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Eine zum fünfzigsten Geburtstag des Films erschienene Special Edition bietet als Bonus den kompletten Stummfilm von 1923 in beachtlicher Bildqualität und ermöglicht eine spannende Wiederbegegnung mit DeMilles letzten und zugleich erfolgreichsten Werk. Im Audiokommentar der Autorin Katherine Orrison ist zu erfahren, dass DeMille sich so stark in das Thema hineingesteigert hatte, dass er die im Film zu sehenden Tafeln mit den zehn Geboten tatsächlich aus dem Stein des Berges Sinai anfertigen ließ und später seiner Kirche vermachte.

Die historischen Unstimmigkeiten des Filmes (damals gab es in Ägypten z. B. noch gar keine Kamele und eigentlich hätte Moses stottern müssen) wurden von DeMille voll bewusst mit Rücksicht auf das Publikum in Kauf genommen. Direkt vor Die zehn Gebote drehte der Meister der großen Bilder und Themen einen gewaltigen Drei-Manegen-Zirkus-Film. Dessen Titel Die größte Schau der Welt hätte auch sehr gut zu DeMilles Bibel-Epos gepasst.

Extras der 50th Anniversary Collection: Cecil B. DeMilles Stummfilmversion von “Die zehn Gebote“ von 1923 in erstaunlich guter Bildqualität und mit Wurlitzerorgel-Musikuntermalung (130 min). Zusätzlich gibt es noch ziemlich ramponierte handkolorierte Schlüsselszenen aus dem Stummfilm (14:57 min), Audiokommentar zum Film von 1956 und zur Stummfilmversion von Katherine Orrison, Autorin von „In Stein gemeißelt“, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln, „Making-of“ (37:26 min), News-Rolle: Premiere von „Die Zehn Gebote“ in New York (2:24 min), „Making-of“ Trailer von 1956 (9:35 min), Trailer von 1966 (0:51 min), Trailer von 1989 (1:32 min)

Mittlerweile liegt Die zehn Gebote auch in 4K Ultra HD vor. Die zugehörige Edition enthält den Film auch noch auf zwei Blu-ray, doch ansonsten keine Extras.

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