Archiv der Kategorie: BUCH

Lesenswerte Bücher

Dirk Kurbjuweit: Der Ausflug

Ich kannte von Dirk Kurbjuweit bisher nur seine durch die Bank sehr lesenswerten Texte für den Spiegel, wie etwa seine Beiträge zur täglichen Online-Bestandaufnahme Die Lage am Morgen. Doch er verfasste auch Sachbücher und zehn Romane. Kurbjuweits Der Ausflug ist eine Art deutscher Backwood-Thriller in der Tradition von James Dickeys Flussfahrt, der erfolgreich von John Boorman als Beim Sterben ist jeder der Erste verfilmt wurde.

Auch bei Kurbjuweit begeben sich vier Städter in die Provinz, um dort Wassersport zu betreiben. Es handelt sich dabei um Amalia, ihren Bruder Bodo, sowie ihre alten Schulfreunde Gero und Josef. Kurbjuweit lässt offen, ob sich die von ihm als seht trostlos beschriebene Gegend, in der das Quartett ein Kanu gemietet haben, in Ostdeutschland befindet. Recht bald wird klar, dass Josef dunkle Hautfarbe hat. In einer Dorfkneipe wird ihm der Besuch der Toiletten verwehrt und das N-Wort ist auch zu hören.

Dass Josef als Reaktion darauf draußen vor der Kneipe vom Heck eines Pick-ups pinkelt, scheint der Auslöser für eine immer weiter eskalierende Welle der Feindseligkeit zu sein. Die Freunde reagieren zunächst verwundert und leicht belustigt. Die anfangs beschworene Solidarität bröckelt jedoch, denn schließlich richtet sich die Aggressionen ja ausschließlich gegen Josef…

Durch interessant in Szene gesetzte Rückblenden verwandelt Kurbjuweit die anfangs recht homogen wirkende Gruppe in vier Individuen mit menschlichen Abgründen. Dabei drückt er kontinuierlich auf die Spannungs-Tube und beweist schlüssig, dass es auch in der bundesdeutschen Realität nicht an Monstern mangelt.

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John Grisham: Der Polizist

1989 erschien mit Die Jury der erste Roman von John Grisham, der vom jungen Anwalt Jake Brigance handelt, der einen des Mordes angeklagten Schwarzen verteidigt. Nachdem Carl Lee Haileys zehnjährige Tochter von zwei Rednecks vergewaltigt wurde, tötet der nicht an einen gerechten Prozess glaubende Vater die bereits verhafteten Täter. Zwölf Geschworene entscheiden darüber, ob Hailey zum Tode verurteilt werden soll. Die Verhandlung erhitzt die Gemüter in der fiktiven Kleinstadt Clanton, Mississippi. Dort marschieren Bürgerrechtler und der Ku-Klux-Klan auf…

John Grisham: Der Polizist

Als Joel Schumacher (Batman Forever) das Buch sieben Jahre später ebenso erfolgreich wie werkgetreu mit Matthew McConaughey, Sandra Bullock und Samuel L. Jackson verfilmte, waren es vor allem europäische Kritiker, die dem Film vorwarfen, dass hier – sechszehn Jahre von Quentin Tarantinos Django Unchained – antirassistisch motivierte Selbstjustiz propagiert wurde. Grisham schrieb nach Die Jury im Jahrestakt weitere Justizthriller wie Das Komplott oder Forderung und sollte dabei – ähnlich wie Stephen King zu seiner fiktiven Stadt Castle Rock – immer wieder nach Clanton zurückkehren. Nachdem Jake Brigance in Grishams Roman Die Erbin einen zweiten Auftritt hatte, war er auch die in Der Polizist die zentrale Figur.

John Grisham: Der Polizist

Da Die Jury im Original A Time to Kill heißt, nannte Grisham seinen dritten Jake-Brigance-Roman A Time for Mercy. Es geht erneut um ein Schwurgericht, sowie um Vergewaltigung und Brigance macht sich wieder sehr unbeliebt in Clanton, weil er ein hoffnungsloses Mandat angenommen hat. Er verteidigt den sechszehnjährigen Drew Gamble, der den allseits beliebten Deputy Sheriff Stuart Kofer erschossen hat. Da der Polizist ein Verhältnis mit Drews obdachloser Mutter Josie begonnen hatte, ließ er diese mit ihren beiden Kinder in seinem Haus wohnen. Doch der trunksüchtige Stu verprügelt Josie regelmäßig und misshandelt Drews Schwester Kiera. Als es eines Abends besonders schlimm wurde, griff Drew zur Waffe…

John Grisham: Der Polizist

Mit fast 700 Seiten ist Der Polizist ein ganz schöner Wälzer, der sich vor allem an Grisham treue Leser richtet. So gibt es Wiederbegegnungen mit liebgewonnenen skurrilen Südstaaten-Charakteren wie den Anwälten Harry Rex Vonner und Lucien Wilbanks oder dem Richter Omar Noose. Außerdem beschreibt Grisham einmal mehr recht ausführlich, was es gerade bei Claude’s zu essen oder in Dells Coffee Shop zu tratschen gibt und besucht zusammen mit den Lesern Gottesdienste in unterschiedlichen Kirchengemeinden. Doch neben einer dichten Atmosphäre baut er auch große Spannung auf und vermittelt dabei einmal mehr die Erkenntnis, dass nur demjenigen Gerechtigkeit widerfährt, der durch einen gewieften Anwalt vertreten wird.

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100 Filme der 2010er

Der nach Jahrzehnten gegliederte Kino-Canon des Taschen Verlags wird nach reiflicher Überlegung des Herausgeber Jürgen Müller und seines Teams um einen achten Band erweitert. Diesmal trägt das 880-seitige Buch nicht den Titel Filme der 20er oder Die besten Filme der 90er, sondern präsentiert werden 100 Filme der 2010er.

100 Filme der 2010er

Doch dies stimmt nicht ganz, denn den Reigen der 100 ausgewählten Werke, die zwischen Anfang 2011 und Ende 2020 in die Kinos kamen, eröffnet die Würdigung eines zusätzlichen Films. Ein sehr ausführliches und reich bebildertes Essay setzt als Einleitung zu einem Lobgesang auf Once Upon A Time … in Hollywood an.

100 Filme der 2010er

Obwohl er im Jahre 1969 spielt hat Quentin Tarantinos neunter Kinofilm für Jürgen Müller und Philipp Bühler auch sehr viel mit dem Zustand des heutigen Kinos zu tun. Auch damals musste sich der in großen Sälen projizierte Film gegen neuen Medien behaupten. Dazu gehört nach wie vor das Fernsehen, aktuell kommen aber auch die häufig in Kinoqualität produzierten Serien hinzu, die und um die Uhr verfügbar sind.

100 Filme der 2010er

Das Konzept des Buchs ist gleichgeblieben und das ist gut so. Das Cover zeigt ein im Pop-Art-Stil verfremdetes Foto von Joaquin Phoenix als Joker. Zu jedem der chronologisch, gelisteten Filme kommt ein oft erstaunlich einfallsreich gestaltetes Plakatmotiv zum Abdruck und es folgen mehr oder weniger pointierte Texte der zehn Autoren.

Bereits die Aufnahme der Brachial-Komödie Brautalarm von 2011 ins Buch überrascht, doch der Film zeigt, dass vulgärer Klamauk keine Domäne der Männerwelt ist. Erstaunlich gut weg kommen in Sammel-Rezis die Avengers– Filme und die (bisher?) letzte Star-Wars-Trilogie.

100 Filme der 2010er

Platz finden auch der Animationsfilm mit Coco: Lebendiger als das Leben und Soul, der Experimentalfilm mit Boyhood sowie – nicht nur durch Parasite oder Toni Erdmann – das Weltkino. Es ist sehr schade, dass erst in einem Jahrzehnt wieder ein neuer Band dieser Reihe erscheinen wird.

Filme der Jahrzehnte

Die Wartezeit könnte jedoch vertrieben werden, durch Neuauflagen der oftmals schon lange vergriffenen Bände, die sich mit den Filmen des letzten Jahrhunderts beschäftigen.

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Es war einmal in Hollywood – Film und Roman

Zwei Jahre nach der Premiere von Es war einmal in Hollywood erschien Quentin Tarantinos Romanfassung seines neunten Kinofilms.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Herausgekommen ist sehr viel mehr als ein “Buch zum Film“, sondern Tarantino liefert zahlreiche Details über seine Protagonisten und über das Hollywood der späten 60er-Jahre nach. Hier einige Anmerkungen zu den 24 Kapiteln des Buchs.

KAPITEL EINS: “Nennen Sie mich Marvin“

Es war einmal in Hollywood – Film und Roman

Der Roman beginnt mit dem Treffen zwischen dem Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und Marvin Schwarz (Al Pacino), das im Gegensatz zum Film im Büro des Agenten und nicht in einem Restaurant stattfinden. Beim Gespräch geht es weniger darum, wie sich Dalton sich für eine Filmrolle mit einem Flammenwerfer vertraut machte. Stattdessen wuchert Tarantino hier mit Anekdoten aus der Filmwelt. So ist zu erfahren, dass es Marvin Schwarz gelungen war, Sergio Leone davon zu überzeugen in Für ein paar Dollar mehr, anstelle eines betrunkenen Lee Marvins, einen “zwischenzeitlich mal trockenen Lee Van Cleef“ zu verpflichten. Im Roman beschreibt Schwarz noch gnadenloser den künftigen Verlauf von Rick Daltons Karriere, der in den USA nur noch jämmerliche Schurkenrollen spielen wird. Als einziger Ausweg bleiben ihm nur noch Auftritte in Italo Western. Angesichts dieser düsteren Aussicht beginnt Dalton vor Schwarz (nicht wie im Film erst nach dem Gespräch in Gegenwart von Cliff Booth) zu weinen und sich seiner Tränen zu schämen. Dies entlockt Schwarz die schöne Bemerkung: “Gar nichts muss Ihnen leidtun. Sie sind Schauspieler. Schauspieler müssen einen Zugang zu ihren Gefühlen haben.“

KAPITEL ZWEI: “Ich bin neugierig (Cliff)“

Die hier geschilderten Dinge kommen im Film gar nicht vor und liefern viele interessante Details zu Cliff Booth, dem Kumpel, Stuntdouble und Hausmeister von Rick Dalton. Während Cliff auf seinen Boss wartete, bändelt er im Vorzimmer des Büros von Marvin Schwarz mit dessen Sekretärin Fräulein Himmelsteen an. Zugleich wird geschildert, wie Cliff, der im Zweiten Weltkrieg “Zeuge der krassen Extreme der Menschheit geworden war“, Hollywood-Filme danach nichts mehr abgewinnen konnte. Stattdessen fand er Gefallen an fremdsprachigen Filmen, die er für sehr viel interessanter und überraschender hält. Hier scheint Tarantino Cliff dazu zu benutzen, um mit seinen umfassenden Filmwissen zu wuchern. So lobt er etwa die Filme von Akira Kurosawa, den Darsteller Jean-Paul Belmondo, aber auch Bernhard Wickis Die Brücke, während er über die Werke von Francois Truffaut durchaus fundiert ablästert…

KAPITEL DREI: “Gielo Drive“

Der film- und welterfahrene Cliff kann nicht verstehen, dass für Rick eine Welt untergeht, wenn er in Italien dreht. Dort gibt es die „beste Pasta und Pizza der Welt“, außerdem kann Rick „italienische Ladys knallen“,

Kapitel Vier: Brandy, Du bist ein feines Mädchen

Ein ganzes Kapitel mit 15 Seiten hat Tarantino Brand, dem Hund von Cliff gewidmet.

xx

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A.I. – Künstliche Intelligenz

Ewig lange plante der Meisterregisseur Stanley Kubrick diesen Film. Er hielt Steven Spielberg für den richtigen Regisseur und drehte stattdessen Eyes Wide Shut. Bei A. I. sollte Kubrick nur als Produzent fungieren. Spielberg hingegen wollte den Film lieber mit Kubrick als Regisseur produzieren. Doch nach Kubricks Tod schob Spielberg alle anderen Projekte beiseite und machte sich daran das Werk zu realisieren.

A.I. – Künstliche Intelligenz

Kubrick wollte für die Hauptrolle einen wirklich funktionierenden Roboter-Jungen haben. Spielberg, der über ebenso viel Erfahrung mit mechanischen Kreaturen wie mit Kindern verfügte hielt Haley Joel Osment, der in The Sixth Sense brillierte, für die ideale Besetzung der Rolle des künstlichen Jungen David.

A.I. – Künstliche Intelligenz

Der fertige Film zerfällt in drei sehr unterschiedliche Teile. Das eher unspektakulärste (und möglicherweise beste) erste Drittel erzählt, wie David eine menschliche Familie bekommt von dieser aber schließlich in der Wildnis ausgesetzt wird. Der Mittelteil ist knalliger und purer Spielberg. Hier lernt David den Liebesroboter Gigolo Joe (Jude Law) kennen und bricht zu einer Odyssee auf. Dem Betrachter gehen dabei angesichts der unglaublichen Tricks und Bilder manchmal die Augen über.

Das sehr rührselige Ende mit Außerirdischen, die an Unglaubliche Begegnung der dritten Art erinnern, hingegen wird von vielen Zuschauern als eher überflüssig empfunden. A. I. ist auf alle Fälle kein glatter stromlinienförmiger Mainstream, sondern steht in seinen (gar nicht so wenigen) guten Momenten durchaus in der Tradition Kubricks.

A.I. – Künstliche Intelligenz

Extras der DVD:  “Making of“, eine 12-minütige Dokumentation über die Dreharbeiten, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln), Die Schauspielkunst: Berichte über Haley Joel Osment / David (9:08 min) und Jude Law (6:00 min), Das Design: Von der Zeichnung zum Set (7:20 min) und Kostüme (5:30 min), Die Beleuchtung (4:25 min), Spezialeffekte (7:45 min), Die Roboter (13:44 min), ILM: Fünf Berichte über die Tricks (insgesamt 23:51 min), Sound Design (6:43 min) und Musik (5:43 min), Abschließende Worte von Steven Spielberg und DVD-Credits (2:28 min), Galerie mit 99 Storyboards, 187 Entwürfen und 107 Fotos, Zwei US-Kinotrailer (1:45 min und 2:13 min),  Filmographien zu Haley Joel Osment (2 Texttafeln), Jude Law (3 Texttafeln), Steven Spielberg (3 Texttafeln) und Kathleen Kennedy (10 Texttafeln)

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Filme der Jahrzehnte

Aktuell wurde der nach Jahrzehnten gegliederte Kino-Canon des Taschen Verlags gerade mit dem Band 100 Filme der 2010er fortgeführt. Dies ist sehr löblich, doch leider sind einige der sieben zuvor erschienenen Bände schon lange vergriffen und werden hoch gehandelt. Hier wäre eine Neuauflage mehr als wünschenswert.

Filme der Jahrzehnte

Beim ersten Band Filme der 20er sprengten Jürgen Müller und sein 12-köpfiges Team etwas den Rahmen und sich widmeten auch der Frühzeit des Kinos. Unter den achtzig im Buch gewürdigten Filmen befindet sich daher auch Die Ankunft eines Zuges im Bahnhof von La Ciotat von den Gebrüder Lumière. Dieser nur eine Minute dauernde Film riss die Zuschauer 1895 wirklich von den Sitzen, da sie befürchteten die gefilmte Eisenbahn würde mitten ins Kino rasen.

Filme der Jahrzehnte

Auf dem Cover des Buches befindet sich ein schon zur Ikone gewordenes Foto von Marlene Dietrich aus Der blaue Engel, während der einleitende Text mit Fotos aus Murnaus Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens bebildert wurde. Dies belegt die starke Position des deutschen Films in den Anfangsjahren des Kinos. So stammen über ein Drittel der besprochenen Filme aus Deutschland oder wurden von deutschen Regisseuren inszeniert. Erst in den folgenden Jahrzehnten – und den zugehörigen Büchern von Taschen – dominiert Hollywood.

Filme der Jahrzehnte

Das Cover von Filme der 30er ziert (natürlich) ein Bild von Vivien Leigh als Scarlett O´Hara aus Vom Winde verweht. Jürgen Müller und Jörn Hetebrügge bebildern ihren einleitenden Text jedoch mit Standbildern aus Fritz Langs M – Eine Stadt sucht einen Mörder. Zwischen diesen beiden Extremen – also zwischen US-amerikanischen Studiofilm und individuellem europäischen Kino – können die meisten der über 100 besprochenen Filme eingeordnet werden. Reich bebildert liefern die vierzehn Co-Autoren interessante und treffende Analyse.

Filme der Jahrzehnte

Erfreulich ist dabei die abwechslungsreiche Auswahl. Walt Disneys Schneewittchen und die sieben Zwerge steht gleichberechtigt neben Marcel Carnés Hafen im Nebel oder Chaplins Moderne Zeiten. Doch auch das Horrorkino findet reichlich Berücksichtigung. Die beiden ersten Frankenstein-Filme von James Whale sind ebenso enthalten wie Dracula mit Bela Lugosi oder der ebenfalls von Tod Browning stammende Freaks.

Filme der Jahrzehnte

Die meisten Einträge verzeichnet natürlich das magische Kinojahr 1939. Hier entstanden neben Vom Winde verweht auch noch Die wilden Zwanziger, Sein Mädchen für besondere Fälle, Der Zauberer von Oz und Ringo – Höllenfahrt nach Santa Fe sowie die Lubitsch-Klassiker Ninotschka und Rendezvous nach Ladenschluss. Beim Blättern in diesem liebevoll zusammengestellten Buch erschließen sich Zusammenhänge und es werden angenehme Erinnerungen erweckt.

Filme der 40er

Das Cover von Filme der 40er zeigt (natürlich) eine Szene mit Humphrey Bogart und Ingrid aus Casablanca, dem wohl besten Produkt aus Hollywoods Studiosystem. Den einleitenden Exkurs zieren Abbildungen aus dem wohl beeindruckendsten Regie-Debüt aller Zeiten: Citizen Kane von Orson Welles, der im Buch auch mit Der Glanz des Hauses Amberson, Die Lady von Shanghai und als Darsteller in Der dritte Mann vertreten ist.

Große Freiheit Nr. 7

Auch das Horrorkino ist wieder gut dabei mit Klassikern wie Der Wolfsmensch, Katzenmenschen oder aber auch Abbott und Costello treffen Frankenstein. Ansonsten wird in der Auswahl der vorgestellten Filme versucht nicht nur Hollywood abzufeiern.  Auch UFA-Werke wie Münchhausen, Große Freiheit Nr. 7, Unter den Brücken oder Die Feuerzangenbowle und Tatis Schützenfest finden Berücksichtigung in diesem ebenso sinnvollen wie sinnlichen Buch.

Filme der 50er

Das Cover von Filme der 50er ziert ein poppig angerichtetes Motiv aus dem heute kaum noch beeindruckenden Klassiker Verdammt in alle Ewigkeit, während sich der einleitende Exkurs sehr ausführlich (und sehr berechtigt) mit Alfred Hitchcocks wohl bestem Film Vertigo beschäftigt. Den Reigen der 89 aufgenommenen Filme eröffnen dann Das Ding aus einer anderen Welt und Der Untertan. Neben Prestige- oder Monumentalwerken aus Hollywood wie die Filme mit James Dean oder Die zehn Gebote findet sich auch Raum für “kleinere“ Filme aus aller Welt oder Trashperlen des phantastischen Films.

Filme der 50er

Bei der Bildauswahl überrascht, dass das (ansonsten hervorragend zusammengestellte) Bildmaterial zu so manchem in Farbe gedrehten Film wie etwas bei Hitchcocks Fenster zum Hof oder Billy Wilders Das verflixte 7. Jahr nur in Schwarzweiß abgedruckt wurde, während die Fotos aus Ishiro Hondas erstem Godzilla-Film farbig (bzw. handkoloriert) sind obwohl das Werk nur in Schwarzweiß in die Kinos kam. Insgesamt macht auch dieser Bildband Appetit darauf, sich so manchen Klassiker noch mal (oder endlich einmal!) anzusehen.

Filme der 60er

Auf dem Titelbild von Filme der 60er ist Audrey Hepburm im Charade zu sehen und ein , reich bebilderter Eintrag zu ihrem wohl bekanntesten Werk Frühstück bei Tiffany eröffnet das Buch. Das Jahrzehnt mit dem der Band sich beschäftigt, brachte uns die Spaghetti-Western, sowie die immer noch in voller Blüte stehende James-Bond-Reihe und natürlich mit Easy Rider den Start in ein neues Hollywood.

Filme der 60er

Enthalten ist auch Das Dschungelbuch, dessen Premiere der kurz zuvor verstorbenen Walt Disney leider nicht mehr erleben konnte. Doch viele Siebenjährige, die den Zeichentrickfilm 1967 im Kino sahen,  fanden mit Balu. Mogli, Baghira und Shanti Freunde fürs Leben.

Filme der 70er

Bei Filme der 70er besteht trotz Star Wars, Einer flog über das Kuckucksnest, Eraserhead, Der Pate, Der weiße Hai, Chinatown, Taxi Driver, The Rocky Horror Picture Show und zahllosen weiteren Filmen kein Zweifel daran, welcher Film das Jahrzehnts überstrahlt.

Filme der 70er

Sowohl das Cover als auch die einleitende Textstrecke zieren Bilder aus Stanley Kubricks unbequemen Kultfilm Uhrwerk Orange. Doch ansonsten ist auch diesmal wieder Vielfalt angesagt. In der Auswahl befinden sich neben den zuvor genannten üblichen Verdächtigen auch Mein Name ist Nobody, Supervixens Eruption von Russ Meyer, Brust oder Keule mit Louis de Funés oder Bruce Lee – Der Mann mit der Todeskralle.

Filme der 70er

Von diesem Buch gibt es unter dem Titel Die besten Filme der 70er auch eine abgespeckte kleinformatigere Hardcover-Edition, deren das Cover Liza Minnelli in Cabaret ziert. Dieses Buch ist mit 350 Seiten nur halb so umfangreich, ist mit 9,95 Euro aber auch deutlich preiswerter als die großformatige Ausgabe ist.

Filme der 80er

Auf dem Cover von Filme der 80er ist ein durch den Pop-Art-Raster gejagtes Fotos aus John Hustons Die Ehre der Prizzis mit Jack Nicholson und Kathleen Turner, an den sich heute wohl kaum noch jemand erinnern wird. Das Buch wird mit einem reich bebilderten Essay zu Blade Runner eröffnet und geht anschließend auf immer wieder gerne gesehene Klassiker wie Jäger des verlorenen Schatzes oder Harry und Sally ein.

Filme der 80er

Auch zu dieser Edition existiert mit Die besten Filme der 80er eine abgespeckte kleinformatigere Hardcover-Edition mit einem Umfang von 350 statt 800 Seiten. Auf dem Cover ist Al Pacino als Scarface zu sehen.

Filme der 90er

Bei den in Filme der 90er aufgenommenen Werken fällt es schwer von Klassikern zu sprechen. Zumindest bei mir sind die Erinnerungen an die Erstbegegnung im Kino mit Filmen wie Verrückt nach Mary, Face Off oder Basic Instinct noch halbwegs frisch sind.

Filme der 90er

Bei manchen Filmen wie Pulp Fiction oder From Dusk Till Dawn trifft die arg strapazierte Etikette Kultfilm zu. Schon beim ersten Sichten antiquiert bis überflüssig wirkten hingegen Tom-Hanks-Vehikel wie Apollo 13, Forrest Gump oder Philadelphia (warum wird eigentlich ein Film aufgenommen, vom dem zu lesen ist: “Als Film über Schwule und Aids versagt er völlig“?). Überraschend ist die (auf dem zweiten Blick durchaus nachvollziehbare) Berücksichtigung von Davis Lynchs Twin Peaks – Fire walk with me.

Filme der 90er

Auch von dieser Ausgabe gibt es eine deutlich abgespeckte kleinformatige Hardcover-Edition mit 350 anstatt 800 Seiten. Das Cover von Die besten Filme der 90er zeigt eine Szene mit Jodie Foster aus Das Schweigen der Lämmer. Die Aufteilung berücksichtigt diesmal Filme von 1990 – 1999 und nicht von 1991 bis 1999. Scheinbar wahllos wurden durchaus bedeutende Filme wie Sieben, Terminator 2, Fight Club oder Die Commitments weggelassen.

Filme der 2000er

Filme der 2000er beschäftigt sich mit 120 ausgewählten Filmen. In der Einleitung verknüpft Jürgen Müller die Besonderheiten des Kino-Jahrzehnt mit einem als besonders “typisch“ empfundenen Film verknüpft. Dass es sich hierbei mit No Country for Old Men von den Coen Brothers um einen nicht von jedermann geliebten Film handelt, belegt nicht nur die Fixierung der Buchreihe auf das Hollywood-Kino sondern auch die erfrischende Subjektivität bei der Zusammenstellung des Kanons.

Filme der 2000er - Bibliotheca Universalis

Fünf Jahre nach der Erstveröffentlichung erfolgt innerhalb von Taschens Bibliotheca Universalis eine kompakte, nicht einmal halb so große, aber ungekürzte Neuausgabe in deutscher Sprache.

100 Filme der 2010er

Jürgen Müller hat auf diese Art mittlerweile mehr als ein Jahrhundert Filmgeschichte abgehandelt und Anfang 2021 erschien 100 Filme der 2010er.

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Christian Keßler: Hollywood Blackout

„Die Arbeit an dem Buch hat mir ein wenig die seelentötende Zeit des ersten Corona-Jahres erleichtert, mit all seinen Widrigkeiten, seinen Entmutigungen und seiner lausigen Einsamkeit. Kunst ist niemals ein Allheilmittel, sie bläst das Böse nicht fort. Aber sie macht es erträglich, sie kleidet es ein in all das, was sein kann, wenn wir es zulassen. Und sie bleibt bei uns, sie wird ein machtvoller Teil von uns, wenn sie uns berührt. Deshalb – bleibt zuversichtlich, bleibt aufrecht, bleibt mutig. Und bleibt vor allen Dingen gesund. Wohlsein Euch allen!“

Christian Keßler: Hollywood Blackout

Es ist ganz gewiss kein Spoiler, wenn ich meine Rezension mit dem letzten wirklich zu Herzen gehenden Absatz aus Christian Keßlers neuen Buch beginne. Der gute Mann neigt ansonsten eher nicht zu Pathos und seine in Büchern wie Wurmparade auf dem Zombiehof nachzulesenden Filmanalysen sind oft amüsanter als die von ihm beschriebenen Trashfilme. Doch schon in Endstation Gänsehaut, seiner umfassenden Würdigung des Horror-Kinos, war Keßlers Liebe zum Genre-Kino überdeutlich zu spüren.

Christian Keßler: Endstation Gänsehaut

Dies ist bei Hollywood Blackout ebenfalls der Fall. Hier beschäftigt sich Keßler mit „Sternstunden des amerikanischen Noir-Kinos“ die zwischen 1941 und 1961 entstanden sind. Auch diesmal ist es ihm gelungen, neugierig auf Filme zu machen, die heute kaum noch bekannt sind und von vielen potentiellen Zuschauern gemieden werden, weil sie in Schwarzweiß gedreht wurden. Doch gerade der Einsatz von Licht und Schatten anstelle von pseudo-realistischer Technicolor-Farbigkeit macht den besonderen Reiz dieser von menschlichen Abgründen erzählenden Filme aus.

Frau ohne Gewissen

Keßler beschäftigt sich mit circa 300 Filmen der Schwarzen Serie. Darunter befinden sich natürlich auch anerkannte Meisterwerke wie Filme wie Billy Wilders Frau ohne Gewissen oder Fritz Langs Gefährliche Begegnung. Doch es ist zu spüren, dass der Autor mehr Spaß daran hat, sich mit vergessen Filmschätzen zu beschäftigen, anstatt zum x-ten Mal die Meisterschaft eines Alfred Hitchcock zu feiern, dessen Werke keine Aufnahme ins Buch fanden. Für Keßler sind die Helden des “Genies aus London“ zu puritanisch, denn sie atmen selten “den Abgrund der Schlangengrube“, den er mit dem Film Noir verbindet.

Frau ohne Gewissen

Da die Filme in chronologisch Reihenfolge besprochen werden, können auch historische Zusammenhänge vermittelt werden und gezeigt werden, wie Karrieren von Künstlern, die sozial engagierte Filme drehten, in den 50er-Jahren durch die Hexenjagd von Senator Joseph McCarthy tragisch endeten. Einmal mehr gelingt es Keßler, der für besonders abscheuliche Noir-Charaktere die schöne Bezeichnung “Schmierseppel“ erfunden hat, beim Leser Vorfreude auf Filme zu erwecken, von deren Existenz er zuvor nichts wusste.

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Griechische Sagen

Parallel zu den Veröffentlichungen von opulenten Artbooks zu DC– und Marvel-Comics hat sich der Taschen Verlag auch die Urväter der Superhelden Vorgenommen. Ein schön aufgemachter Band beschäftigt sich auf 336 Seiten mit den Göttern und Helden der griechischen Mythologie.

Griechische Sagen

Enthalten sind 47 Sagen mit legendären Gestalten wie Herakles, Medea, Odysseus, Ikarus, Perseus oder den Argonauten, die von knapp 30 Meistern ihres Fachs wie Walter Crane, Arthur Rackham, William Russell Flint oder Virginia Frances Sterrett illustriert wurden. Hinzu kommen noch Vignetten, die Cliford Harper extra für diese Ausgabe zeichnete.

Griechische Sagen

Doch auch inhaltlich wird einiges geboten, denn die Texte stammen vom ehemaligen Gymnasiallehrer Gustav Schab. Nachdem dieser 1837 eine Stelle als Dorfpfarrer in der Schwäbischen Alp antrat, begann er das zweite Gebot massiv zu missachten, denn er hatte durchaus andere Götter, mit denen er sich intensiv beschäftigte.

Griechische Sagen

Als eine Art Kombination aus Martin Luther und den Gebrüdern Grimm begann er damit, die griechischen Mythen in eine allgemein verständliche Form zu bringen. Nicht zu Unrecht meinte Schwab, dass die “innere lebendige Kraft“ dieser Geschichten so groß ist, dass sie nicht abhängig sind, “von der vollendeten Kunstgestalt zu der die größten Dichter sie verarbeitet“ haben.

Griechische Sagen

Für Schwab genügte “die schlichteste Darstellung“ damit die Geschichten “ihre Größe auch vor denjenigen entfalten, für welche die Kunstform eher ein Hemmnis, als eine Förderung des Verständnisses“ ist. Der Erfolg gab ihm recht, denn seine dreibändige Sammlung Die schönsten Sagen des klassischen Altertums wurde immer wieder und immer reicher illustriert neu aufgelegt. Höhepunkt dieser Erfolgsgeschichte ist Taschens schöner Bildband.

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Hollywood Babylon

Kenneth Anger wurde 1927 in Santa Monica, Kalifornien geboren, also in unmittelbarer Nähe von Hollywood. Zeit seines Lebens hat er Skandalgeschichten rund um die Filmstadt gesammelt und diese im Buch Hollywood Babylon zusammengetragen. Das Werk erschien zunächst 1959 in Frankreich und erst 1975 in den USA. Die Fortsetzung (die bei uns in einer 2006 erschienenen Neuauflage von Hollywood Babylon gleich mitgeliefert wird) folgte 1985 und ein dritter Band ist seit Jahren angekündigt.

Hollywood Babylon

Aus heutiger Sicht verwundern nicht nur die scheinbar wahllos im Buch platzierten unterstrichenen Worte (die den Leser im Zeitalter des Internets oft virtuell zur Maus greifen lassen). Es wirkt auch etwas seltsam, wenn Anger über die Hollywood-Klatschtanten Louella Parsons und Hedda Hopper sowie über das Schmierblatt Confidential herzieht, zugleich aber ähnlich respektlos über Prominente und ihre Blowjobs lästert. Ferner will die reichhaltige und äußerst interessante Bebilderung nicht immer zu den Texten passen. Wo ist z. B. der Bericht über die “liebe Rabenmutter“ Joan Crawford und was war da zwischen Cary Grant und Randolph Scott?

Hollywood Babylon

Die Kapitel des Buches scheint Anger nach Lust und Laune geschrieben zu haben. Mal geht es äußerst oberflächlich zu (z. B. in den sehr kurzen Kapiteln zu Alfred Hitchcock oder Erich von Stroheim) und gelegentlich wird es richtig spannend (wenn etwa die seltsamen Hausorgien vom sehr viel weniger bekannten Lionel Atwill geschildert werden). Recht interessant ist auch das abschließende Kapitel des zweiten Bandes über Ronald Reagan. Hier fragt sich Anger wie der “durchaus sympathische Star“ und eher liberale Präsident des Filmschauspieler-Verbandes zum welt- und umweltpolitisch katastrophalen US-Präsidenten werden konnte.

Hollywood Babylon

Fazit: Statt eines ähnlich gelagerten dritten Bandes sollte Anger vielleicht eine ergänzte und überarbeitete Neuausgabe erwägen. Auf alle Fälle aber ist Hollywood Babylon ein gewaltiger Schmöker, der ebenso viel Schwächen wie ein Hollywoodstar hat, zugleich aber Appetit macht auf wirklich große Kinofilme.

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Stephen King: Billy Summers

Mit über 700 Seiten ist das neue Buch von Stephen King ein ganz schöner Brocken. Doch der Leser bekommt sehr viel mehr geboten als nur einen einzigen straight erzählten Roman. Titel-„Held“ ist ein ehemaliger US-Soldat, der als Killer arbeitet. Seinen Auftragsgebern gaukelt Billy Summers vor, er hätte ein simples Gemüt. Doch der literarisch interessierte Präzisionsschütze versucht sein schlechtes Gewissen dadurch zu beruhigen, dass er nur schlechte Menschen tötet, die dies seiner Meinung nach verdient haben.

Stephen King: Billy Summers

In der ersten Hälfte des Buchs erzählt King davon, wie Summers einen letzten Auftrag annimmt und vorbereitet. In Red Bluff, einer Kleinstadt in den Südstaaten, soll einem Mörder und Vergewaltiger der Prozess gemacht werden. Da unklar ist, wann die Verhandlung stattfindet, zieht Summers erst einmal inkognito in das Städchen und gibt sich als Schriftsteller aus. Zunächst nur als Tarnung, doch mit immer größerer Begeisterung, beginnt er damit, seine Audiobiografie zu schreiben.

Stephen King: Billy Summers

Der auf mehreren Ebenen erzählte Auftakt besteht zu einem Großteil aus der von Summers immer mitreißender niedergeschriebener Schilderung seiner tragischen Jugendjahre, beschreibt aber auch, wie sich der Killer immer mehr mit einigen Kleinstädtern anfreundet. Dies fesselt durchaus, eine Straffung durch ein Lektorat hätte aber auch nicht geschadet. Doch nachdem Summers auf den Angeklagten geschossen hat und sich auf der Flucht befindet, entwickelt sich der Roman in eine überraschende Richtung. Direkt vor dem Versteck von Summers wird die 21-jährige Alice Maxwell von ihren Vergewaltigern aus dem Auto geworfen. Summers nimmt sich der jungen Frau an und ein ebenso spannender wie faszinierender Road Trip beginnt…

Stephen King: Billy Summers

Ganz ohne fantastische Elemente kommt Stephen King auch in Billy Summers nicht aus. Diese stehen im Zusammenhang mit seinem Klassiker Shining und bereichern die Story nicht wirklich. Doch insgesamt gelang King ein spannend erzählter Thriller voller glaubhafter Charaktere, wobei er eher auf psychologischen Tiefgang als auf permanente Hochspannung setzt. Auch dank seiner Liebe zu interessanten Details, wobei King auch einige Spitzen gegen Trump abfeuert, bleibt die Geschichte jederzeit glaubhaft.

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