Archiv der Kategorie: BUCH

Lesenswerte Bücher

Filmjahr 2021/2022

Seit 2002 veröffentlicht der Schüren Verlag alljährlich seinen lexikalisch geordneten Rückblick zum vergangenen Filmjahr. Kernstück sind Kurzbesprechungen zu allen in deutschen Kinos gestarteten Filmen, hinzu kommen noch ausgewählte TV-Produktionen, wie etwa alle Beiträge zur Tatort-Reihe. Mittlerweile werden auch alle Einträge bewertet, von 5 Sternen für “herausragend, ein Meisterwerk“ bis hin zu “ärgerlich, anstößig eine Zumutung“.

Eine ausführliche Würdigung erfahren zudem noch die “20 besten Kinofilme des Jahres 2021“. Dies ist eine gute Möglichkeit, sich über Filme zu informieren, die vielleicht übersehen wurden. So schaffte es diesmal Mads Mikkelsen als in Thomas Vinterbergs Der Rausch ständig unter Strom stehender Pädagoge auf das Titelbild des Buchs. Zu den 20 “besten Filmen“ zählen außerdem neben natürlich Nomadland auch Lieber Thomas und Dune.  

Frankenstein – Die ultimative Monster-Collection

Doch das Jahrbuch beschränkt sich nicht darauf Filme zu beurteilen. Aufnahme fand auch die Rubrik “15 bemerkenswerte Serien“ mit interessanten Texten zu TV-Produktionen wie Nine Perfect Strangers, Foundation oder Inside Job. Hinzu kommen auf insgesamt 544 Seiten noch eine Übersicht über herausragende Heimkino-Veröffentlichungen wie Frankenstein – Die ultimative Monster Collection, Crazies oder Dune – Der Wüstenplanet, die mit dem “Silberling“ ausgezeichnet wurden, ein monatlich gegliederter Rückblick auf das Filmjahr 2021, Nachrufe und Infos zum deutschen Film. Wollen wir hoffen, dass uns diese Reihe in den nächsten Filmjahre erhalten bleibt.

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Tarzan bei den Affen

Es ist höchst bedauerlich, dass im Windschatten der schönen aber leider nur mäßig erfolgreichen Verfilmung von John Carter die zugehörigen Mars-Romane von Edgar Rice Burroughs nicht endlich einmal in einer sorgfältig editierten deutschen Ausgabe veröffentlich wurden. Doch immerhin erschien 2012 zeitgleich bei Walde+Graf eine interessante Zusammenstellung mit Romanen rund um die berühmteste Figur von Rice Burroughs.

Ein poppig aufgemachter Schuber enthält drei Paperbacks mit Abenteuergeschichten, die neue und alte Fans des Dschungelkönigs Tarzan gleichermaßen erfreuen dürften. Den Reigen eröffnet natürlich der Klassiker Tarzan bei den Affen, der 1912 in den USA im All-Story Magazine erschien. Auch dank der guten Übersetzung von Ruprecht Willnow ist in dieser Origin-Geschichte zu spüren, was für ein mitreißender Erzähler Edgar Rice Burroughs war.

Die Seiten quellen über vor abenteuerlichen Geschehnissen. Lord und Lady Greystoke erleben eine Meuterei, werden an der afrikanischen Küste ausgesetzt, behaupten sich eine kurze Weile als Robinsons bevor sie sterben und ihr Neugeborenes von einem Affenstamm adoptiert wird. Bei der Lektüre kommt immer wieder großes Bedauern darüber auf, dass es zwar so viele aber keine WIRKLICH werkgetreue Verfilmung dieser immer noch unglaublich spannenden Geschichte gibt.

Die beiden anderen Bücher enthalten – als deutsche Erstausgaben! –  ebenfalls wunderbare Geschichten von Edgar Rice Burroughs und! In Tarzan und die Schiffbrüchigen (erschien 1940 als Tarzan and the Castaways zur Zeit des Zweiten Weltkrieges) bekommt es der Herr des Dschungels mit bösen Deutschen zu tun.

Tarzan und der Verrückte erschien als Tarzan and the Madman erst 1964, also lange nach dem Tod von Burroughs. Der Titelheld musste hier gegen einen gefährlichen Doppelgänger antreten. Abgerundet wird diese schöne Edition noch durch das sehr lesenswerte Essay Der Affenmensch und wie er sich zur Sprache brachte von Georg Seeßlen.

Es war zu hoffen, dass dies zum Auftakt einer Gesamtausgabe der Werke von Edgar Rice Burroughs werden könnte. Doch Heyne brachte alle drei Bücher noch einmal als knapp 700-seitiges Taschenbuch heraus und damit hatte es sich dann leider auch schon.

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Die Bilderwelt des Walter Trier

Nicht jedem wird der Name Walter Trier etwas sagen, doch das von ihm gestaltete Titelbild zu Erich Kästners Emil und die Detektive ist allgemein bekannt. Es ziert sowohl die neuste Auflage des Kinderbuch-Klassiker als auch eine Briefmarke der Deutschen Bundespost. Das markante gelbe Bildmotiv wird im aktuellen Flix-Comic Das Humboldt-Tier zitiert und Isabel Kreiz konterte es für ihre Emil-Adaption.

Doch Walter Trier feierte auch vor dem Erscheinen des Titelbildes bereits große Erfolge. Ihm wurde sein Talent bereits quasi in die Wiege gelegt, als er 1890 in Prag geboren wurde, denn seine Eltern legten großen Wert darauf, die Kreativität ihres Nachwuchses zu fördern. Nachdem es Trier weder an der Prager Kunstgewerbeschule noch an der dortigen Kunstakademie lange ausgehalten hatte, zog es den noch nicht einmal Achtzehnjährigen nach München. Dort gelang es ihm in die äußerst begehrte Klasse von Franz von Stuck aufgenommen zu werden und bereits 1909 Karikaturen im satirischen Magazin Simplicissimus zu veröffentlichen.

Weitere Infos zum bewegten Leben von Walter Trier finden sich in meinem Artikel, der in der demnächst erscheinenden Ausgabe der Fachzeitschrift Comixene veröffentlicht wird. Wer mehr über den 1951 in Kanada verstorbenen Walter Trier wissen möchte, ist aber auch bei Favoriten Presse bestens aufgehoben. Neben der bitterbösen Flugschrift Nazi-German in 22 Lessons liegt dort auch Antje Maria Warthorsts hochinteressante Trier-Biografie vor. Ebenso empfehlenswert ist der gerade als preiswerte Neuauflage erschienene Prachtband Die Bilderwelt des Walter Trier, der ebenfalls von Warthorst herausgebracht wurde, die auch online über den Künstler informiert: www.walter-trier.de

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Werner Enke: Es wird böse enden

Anno 1967 gelang es Werner Enke in der Rolle des Schwabinger Lebenskünstlers Martin die von der jungen Uschi Glas verkörperte Barbara auf seine Bude und sein Bett zu locken. Doch obwohl der Film Zur Sache, Schätzchen hieß, wollten sich Enke und die Regisseurin May Spils jegliche Eindeutigkeiten verkneifen und die weitere Handlung verlief dann eher platonisch.

Martin kam aber dennoch durchaus zur Sache und zeigte Barbara seine “Filmproduktion“, die aus etlichen Daumenkinos mit animierten Strichmännchen bestand. Der Held eines dieser Minidramen war ein Boxer namens “der schlaffe Haro“, der viele Jahre später zur zentrale Figur in einer sehr viel komplexeren Geschichte wurde.

Den Titel seines 2003 erschienenen Buchs Es wird böse enden entnahm Enke ebenfalls aus dem Film Zur Sache, Schätzchen, aber auch dem Zitatenschatz seiner Großmutter. Enkes Buch besteht aus ganzseitigen Illustrationen, die sehr schlicht gezeichnete Strichmännchen in allen möglichen Lebenslagen zeigen. Jede Zeichnung enthält nicht nur eine meist auch etwas philosophische Pointe (Ich tue nicht nichts, wenn ich nichts tue.) oder Alltagsbeobachtung (Du bist natürlich eingeladen! Haste Geld dabei?), sondern ist zugleich mehr als ein Cartoon.

Die einzelnen Gags sind auch Teil eines faszinierenden Kosmos, der sich dem Leser recht schnell erschließt und trotz des simplen Zeichenstils sehr komplex ist. Gegen Ende des Buches zeigt Enke auf einer Doppelseite noch einmal das ganze Universum seiner Geschichten mit dem ABC-Kino, dem Modern Art Museum, der Kneipe Die Säge und mit Heiduks Laden, der trotz des Schildes “Einbrechen verboten“ immer wieder ausgeraubt wird. Es ist richtig schade, wenn Haro und der Leser diese Welt schließlich verlassen müssen.

In Zeiten wie diesen ist ein Buch, das Müßiggang und “in den Tag hineinleben“ lobt (Ich tue schon seit langem gar nichts. Und auch das wird mir langsam zu viel.) und vor blindem Aktionismus (Soll ich die ganzen alten Akten vernichten lassen? Aber nicht, ohne dass von Allem vorher eine Fotokopie angefertigt worden ist.) warnt, wichtiger denn je. Daher ist es es sehr erfreulich, dass mittlerweile eine Neuauflage von Es wird böse enden erschienen ist, der auch noch ein Daumenkino mit dem Film Der Hammerwerfer beiliegt.

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Fürst der Füchse – Das Leben des Rolf Kauka

Zeit seines 83 Jahre andauernden Lebens hat es Rolf Kauka vermieden seine Memoiren zu Papier zu bringen. Eine detailverliebte Biografie von Bodo V. Hechelhammer liefert gute Gründe, warum der 2000 verstorbene Vater von Fix und Foxi nicht daran interessiert war, zu erzählen, was er vor 1945 getan hatte.

Kauka war begeisterter Hitlerjunge und glühender Anhänger der Nationalsozialisten. Er machte Karriere in der deutschen Wehrmacht und wurde mit zahlreichen Orden ausgezeichnet. Nach dem Kriege kam es bei Kauka zu keinem Umdenken.

Laut Hechelhammer belog Kauka die alliierten Ermittlern bezüglich seiner braunen Vergangenheit so, “dass sich regelrecht die Balken bogen.“ Diese Taktik trug Früchte, denn “keine der konsultierten Behörden konnte belastende Informationen ermitteln.“ So ist es kein Wunder, dass die erste Comicserie, die Rolf Kauka 1953 herausbrachte, den Titel Till Eulenspiegel trug. Kurz darauf debütierten in dieser Reihe zwei Füchse und der Rest ist deutsche Comicgeschichte.

Natürlich erzählt Hechelhammer auch von der in Lupo modern veröffentlichten, völlig verunglückten Asterix-Übersetzung Siggi und Barbarras. Wer jedoch weitere Details über die Entstehung von Kaukas Comics erfahren möchte, dem sei die Reddition 56: Dossier Rolf Kauka oder die Kataloge Fix & Foxi – Rolf Kaukas großer Welterfolg und Fix & Foxi – Die Entdeckung von Spirou, Lucky Luke und den Schlümpfen empfohlen.

Siggi und Babarras

Doch wer mehr über den Erfolgsmenschen Kauka wissen möchte, der seinen Verlag – aber auch seine Ehefrauen und seine Kinder – mit harter Hand führte, der wird von Bodo V. Hechelhammer sehr gut bedient. Zwar ist etwas zu häufig zu erfahren, welcher heute gar nicht mehr so prominente Gast auf welcher Party anwesend war und wie gut sich Kaukas Pferde auf den Rennbahnen schlugen. Dabei wird aber auch sehr deutlich, mit welchem Tricks Kauka gearbeitet hat und welchen Preis er für seinen Erfolg zahlte.

Eine gnadenlose Abrechnung ist das Buch dennoch nicht, denn bei aller Kritik schwingt auch Bewunderung für einen Mann mit, der sich schon sehr früh als Naturschützer verstanden hatte und auch engagierte. Als Kauka seinen Alterswohnsitz, eine Südstaaten-Plantage, kräftig aufforstete, meinte er hierzu: “Es ist so viel Papier verschwendet worden für Fix und Foxi, jetzt kann ich davon wieder etwas zurückführen.“         

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John Grisham: Der Verdächtige

John Grisham ließ in Der Polizist den Anwalt Jake Brigance aus seinem 1989 entstandenen Erstlingswerk Die Jury zurückkehren und setzte den Buchhändler Bruce Cable sowohl in Das Original als auch in Das Manuskript als Hauptfigur ein. Im Nachwort zu Der Verdächtige schreibt Grisham, dass er viel an Lacy Stoltz aus Bestechung gedacht hat und “sie immer gerne nochmal in ein Abnteuer schicken wollte.“

Die ledige Anwältin arbeitet in Florida bei einer unterbudgetierten Rechtsaufsichtsbehörde, die die dortigen Justiz-Organe kontrollieren soll. Nachdem Lacy in Bestechung gegen eine Richterin ermittelte, die auf der Lohnliste einer geheimnisvollen kriminellen Organisation stehen soll, bekam sie es in Der Verdächtige mit einem “serien-mordenden Richter“ zu tun.

Mit der Figur des seine Opfer immer mit einem Nylonseil und einem Seemannsknoten ermordenden Ross Bannick verlässt Grisham das Genre des gut recherchierten oft eine soziale Botschaft vermittelnden Gerichtsthrillers. Spätestens, wenn klar wird, dass Richter Bannick teilweise mehrere Jahrzehnte wartet, bis er jemanden tötet, der ihm einst Ärger bereitet hat, betritt der Bestseller-Autor das mythologische Reich von hochintelligenten Serial-Killern wie Hannibal Lecter oder Norman Bates.

Der Spannung tut so manches Klischee jedoch keinen Abbruch. Neben Lacy Stoltz steht mit Jeri Crosby eine weitere starke Frauenfigur im Zentrum des Buchs. Jeris Vater wurde vor 20 Jahren von Ross Bannick ermordet und seitdem versucht seine Tochter gerichtsfeste Beweise gegen den Richter zu finden. Grisham gelang wieder ein äußerst mitreißender Roman, dessen Geschichte nicht immer glaubwürdig ist. Doch wer sich darauf einlässt, dem wird ein Finale geboten, in dem beide Hauptfiguren ganz oben auf The Judge’s List (so der Originaltitel) stehen, das an Hochspannung alles in den Schatten stellt, was Grisham bisher geschrieben hat.

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Dirk Kurbjuweit: Der Ausflug

Ich kannte von Dirk Kurbjuweit bisher nur seine durch die Bank sehr lesenswerten Texte für den Spiegel, wie etwa seine Beiträge zur täglichen Online-Bestandaufnahme Die Lage am Morgen. Doch er verfasste auch Sachbücher und zehn Romane. Kurbjuweits Der Ausflug ist eine Art deutscher Backwood-Thriller in der Tradition von James Dickeys Flussfahrt, der erfolgreich von John Boorman als Beim Sterben ist jeder der Erste verfilmt wurde.

Auch bei Kurbjuweit begeben sich vier Städter in die Provinz, um dort Wassersport zu betreiben. Es handelt sich dabei um Amalia, ihren Bruder Bodo, sowie ihre alten Schulfreunde Gero und Josef. Kurbjuweit lässt offen, ob sich die von ihm als seht trostlos beschriebene Gegend, in der das Quartett ein Kanu gemietet haben, in Ostdeutschland befindet. Recht bald wird klar, dass Josef dunkle Hautfarbe hat. In einer Dorfkneipe wird ihm der Besuch der Toiletten verwehrt und das N-Wort ist auch zu hören.

Dass Josef als Reaktion darauf draußen vor der Kneipe vom Heck eines Pick-ups pinkelt, scheint der Auslöser für eine immer weiter eskalierende Welle der Feindseligkeit zu sein. Die Freunde reagieren zunächst verwundert und leicht belustigt. Die anfangs beschworene Solidarität bröckelt jedoch, denn schließlich richtet sich die Aggressionen ja ausschließlich gegen Josef…

Durch interessant in Szene gesetzte Rückblenden verwandelt Kurbjuweit die anfangs recht homogen wirkende Gruppe in vier Individuen mit menschlichen Abgründen. Dabei drückt er kontinuierlich auf die Spannungs-Tube und beweist schlüssig, dass es auch in der bundesdeutschen Realität nicht an Monstern mangelt.

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John Grisham: Der Polizist

1989 erschien mit Die Jury der erste Roman von John Grisham, der vom jungen Anwalt Jake Brigance handelt, der einen des Mordes angeklagten Schwarzen verteidigt. Nachdem Carl Lee Haileys zehnjährige Tochter von zwei Rednecks vergewaltigt wurde, tötet der nicht an einen gerechten Prozess glaubende Vater die bereits verhafteten Täter. Zwölf Geschworene entscheiden darüber, ob Hailey zum Tode verurteilt werden soll. Die Verhandlung erhitzt die Gemüter in der fiktiven Kleinstadt Clanton, Mississippi. Dort marschieren Bürgerrechtler und der Ku-Klux-Klan auf…

John Grisham: Der Polizist

Als Joel Schumacher (Batman Forever) das Buch sieben Jahre später ebenso erfolgreich wie werkgetreu mit Matthew McConaughey, Sandra Bullock und Samuel L. Jackson verfilmte, waren es vor allem europäische Kritiker, die dem Film vorwarfen, dass hier – sechszehn Jahre von Quentin Tarantinos Django Unchained – antirassistisch motivierte Selbstjustiz propagiert wurde. Grisham schrieb nach Die Jury im Jahrestakt weitere Justizthriller wie Das Komplott oder Forderung und sollte dabei – ähnlich wie Stephen King zu seiner fiktiven Stadt Castle Rock – immer wieder nach Clanton zurückkehren. Nachdem Jake Brigance in Grishams Roman Die Erbin einen zweiten Auftritt hatte, war er auch die in Der Polizist die zentrale Figur.

John Grisham: Der Polizist

Da Die Jury im Original A Time to Kill heißt, nannte Grisham seinen dritten Jake-Brigance-Roman A Time for Mercy. Es geht erneut um ein Schwurgericht, sowie um Vergewaltigung und Brigance macht sich wieder sehr unbeliebt in Clanton, weil er ein hoffnungsloses Mandat angenommen hat. Er verteidigt den sechszehnjährigen Drew Gamble, der den allseits beliebten Deputy Sheriff Stuart Kofer erschossen hat. Da der Polizist ein Verhältnis mit Drews obdachloser Mutter Josie begonnen hatte, ließ er diese mit ihren beiden Kinder in seinem Haus wohnen. Doch der trunksüchtige Stu verprügelt Josie regelmäßig und misshandelt Drews Schwester Kiera. Als es eines Abends besonders schlimm wurde, griff Drew zur Waffe…

John Grisham: Der Polizist

Mit fast 700 Seiten ist Der Polizist ein ganz schöner Wälzer, der sich vor allem an Grisham treue Leser richtet. So gibt es Wiederbegegnungen mit liebgewonnenen skurrilen Südstaaten-Charakteren wie den Anwälten Harry Rex Vonner und Lucien Wilbanks oder dem Richter Omar Noose. Außerdem beschreibt Grisham einmal mehr recht ausführlich, was es gerade bei Claude’s zu essen oder in Dells Coffee Shop zu tratschen gibt und besucht zusammen mit den Lesern Gottesdienste in unterschiedlichen Kirchengemeinden. Doch neben einer dichten Atmosphäre baut er auch große Spannung auf und vermittelt dabei einmal mehr die Erkenntnis, dass nur demjenigen Gerechtigkeit widerfährt, der durch einen gewieften Anwalt vertreten wird.

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100 Filme der 2010er

Der nach Jahrzehnten gegliederte Kino-Canon des Taschen Verlags wird nach reiflicher Überlegung des Herausgeber Jürgen Müller und seines Teams um einen achten Band erweitert. Diesmal trägt das 880-seitige Buch nicht den Titel Filme der 20er oder Die besten Filme der 90er, sondern präsentiert werden 100 Filme der 2010er.

100 Filme der 2010er

Doch dies stimmt nicht ganz, denn den Reigen der 100 ausgewählten Werke, die zwischen Anfang 2011 und Ende 2020 in die Kinos kamen, eröffnet die Würdigung eines zusätzlichen Films. Ein sehr ausführliches und reich bebildertes Essay setzt als Einleitung zu einem Lobgesang auf Once Upon A Time … in Hollywood an.

100 Filme der 2010er

Obwohl er im Jahre 1969 spielt hat Quentin Tarantinos neunter Kinofilm für Jürgen Müller und Philipp Bühler auch sehr viel mit dem Zustand des heutigen Kinos zu tun. Auch damals musste sich der in großen Sälen projizierte Film gegen neuen Medien behaupten. Dazu gehört nach wie vor das Fernsehen, aktuell kommen aber auch die häufig in Kinoqualität produzierten Serien hinzu, die und um die Uhr verfügbar sind.

100 Filme der 2010er

Das Konzept des Buchs ist gleichgeblieben und das ist gut so. Das Cover zeigt ein im Pop-Art-Stil verfremdetes Foto von Joaquin Phoenix als Joker. Zu jedem der chronologisch, gelisteten Filme kommt ein oft erstaunlich einfallsreich gestaltetes Plakatmotiv zum Abdruck und es folgen mehr oder weniger pointierte Texte der zehn Autoren.

Bereits die Aufnahme der Brachial-Komödie Brautalarm von 2011 ins Buch überrascht, doch der Film zeigt, dass vulgärer Klamauk keine Domäne der Männerwelt ist. Erstaunlich gut weg kommen in Sammel-Rezis die Avengers– Filme und die (bisher?) letzte Star-Wars-Trilogie.

100 Filme der 2010er

Platz finden auch der Animationsfilm mit Coco: Lebendiger als das Leben und Soul, der Experimentalfilm mit Boyhood sowie – nicht nur durch Parasite oder Toni Erdmann – das Weltkino. Es ist sehr schade, dass erst in einem Jahrzehnt wieder ein neuer Band dieser Reihe erscheinen wird.

Filme der Jahrzehnte

Die Wartezeit könnte jedoch vertrieben werden, durch Neuauflagen der oftmals schon lange vergriffenen Bände, die sich mit den Filmen des letzten Jahrhunderts beschäftigen.

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Es war einmal in Hollywood – Film und Roman

Zwei Jahre nach der Premiere von Es war einmal in Hollywood erschien Quentin Tarantinos Romanfassung seines neunten Kinofilms.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Herausgekommen ist sehr viel mehr als ein “Buch zum Film“, sondern Tarantino liefert zahlreiche Details über seine Protagonisten und über das Hollywood der späten 60er-Jahre nach. Hier einige Anmerkungen zu den 24 Kapiteln des Buchs.

KAPITEL EINS: “Nennen Sie mich Marvin“

Es war einmal in Hollywood – Film und Roman

Der Roman beginnt mit dem Treffen zwischen dem Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und Marvin Schwarz (Al Pacino), das im Gegensatz zum Film im Büro des Agenten und nicht in einem Restaurant stattfinden. Beim Gespräch geht es weniger darum, wie sich Dalton sich für eine Filmrolle mit einem Flammenwerfer vertraut machte. Stattdessen wuchert Tarantino hier mit Anekdoten aus der Filmwelt. So ist zu erfahren, dass es Marvin Schwarz gelungen war, Sergio Leone davon zu überzeugen in Für ein paar Dollar mehr, anstelle eines betrunkenen Lee Marvins, einen “zwischenzeitlich mal trockenen Lee Van Cleef“ zu verpflichten. Im Roman beschreibt Schwarz noch gnadenloser den künftigen Verlauf von Rick Daltons Karriere, der in den USA nur noch jämmerliche Schurkenrollen spielen wird. Als einziger Ausweg bleiben ihm nur noch Auftritte in Italo Western. Angesichts dieser düsteren Aussicht beginnt Dalton vor Schwarz (nicht wie im Film erst nach dem Gespräch in Gegenwart von Cliff Booth) zu weinen und sich seiner Tränen zu schämen. Dies entlockt Schwarz die schöne Bemerkung: “Gar nichts muss Ihnen leidtun. Sie sind Schauspieler. Schauspieler müssen einen Zugang zu ihren Gefühlen haben.“

KAPITEL ZWEI: “Ich bin neugierig (Cliff)“

Die hier geschilderten Dinge kommen im Film gar nicht vor und liefern viele interessante Details zu Cliff Booth, dem Kumpel, Stuntdouble und Hausmeister von Rick Dalton. Während Cliff auf seinen Boss wartete, bändelt er im Vorzimmer des Büros von Marvin Schwarz mit dessen Sekretärin Fräulein Himmelsteen an. Zugleich wird geschildert, wie Cliff, der im Zweiten Weltkrieg “Zeuge der krassen Extreme der Menschheit geworden war“, Hollywood-Filme danach nichts mehr abgewinnen konnte. Stattdessen fand er Gefallen an fremdsprachigen Filmen, die er für sehr viel interessanter und überraschender hält. Hier scheint Tarantino Cliff dazu zu benutzen, um mit seinen umfassenden Filmwissen zu wuchern. So lobt er etwa die Filme von Akira Kurosawa, den Darsteller Jean-Paul Belmondo, aber auch Bernhard Wickis Die Brücke, während er über die Werke von Francois Truffaut durchaus fundiert ablästert…

KAPITEL DREI: “Gielo Drive“

Der film- und welterfahrene Cliff kann nicht verstehen, dass für Rick eine Welt untergeht, wenn er in Italien dreht. Dort gibt es die „beste Pasta und Pizza der Welt“, außerdem kann Rick „italienische Ladys knallen“,

Kapitel Vier: Brandy, Du bist ein feines Mädchen

Ein ganzes Kapitel mit 15 Seiten hat Tarantino Brand, dem Hund von Cliff gewidmet.

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