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Max & Luzie Integral

Mehr als 40 Jahre hat es gedauert, doch jetzt erscheint eine der besten deutschen Comicserien endlich in einer den großartigen Zeichnungen von Franz Gerg angemessenen Edition. Bei Max & Luzie handelt es sich zwar um einen Werbecomic der Allianz Versicherung, doch die turbulenten Abenteuer, die die beiden Titelhelden, bei denen es sich um Kinder handelt, zusammen mit dem kauzigen Kieks auf ihren Zeitreisen erleben, sind alles andere als plumpe Reklame.

Vielmehr bemühte sich Monika Sattrasai, die die Serie als Herausgeberin betreute und von der die in den Heften enthaltenen Sachartikel stammen, darum auf 16 Seiten ebenso abenteuerliche, wie auch spannende, lustige und historisch korrekte Geschichte zu erzählen. Sattrasai wechselte sich beim Texten mit dem Autorenduo Doris Ertel-Zellner und Reinhold Zellner ab.

Dabei entstanden erstaunliche Geschichten, die Franz Gerg zu grafischen Höchstleistungen anspornten. Durch seine dynamischen und perspektiv oft überraschenden Bilder wäre er in Frankobelgien zu einen der Stammzeichner des Spirou-Magazins geworden. Die Hefte mit Max & Luzie hingegen, wurden zwar in Auflagen von bis zu 500.000 Exemplaren gedruckt, erreichten jedoch nur Leser, die einen Alianz-Versicherungsvertreter kannten.

In der bundesdeutschen Comicszene fand die Serie daher kaum Beachtung, erfreute aber in der DDR einige Mosaik-Fans, für die Max, Luzie und Kieks Artverwandte der ebenfalls durch Raum und Zeit reisenden Digedags und Abrafaxe waren. Vielleicht ist es auch daher der umtriebige Leipziger Verlag Kult Comics, dem es gelungen ist, eine Gesamtausgabe von Max & Luzie zu starten.

Franz Gerg auf dem Comicfestival München 2021

Angekündigt sind sechs gebundene Sammelbände mit insgesamt 48 Heften der Serie. Dabei bleiben die ersten 19 Ausgaben von Max & Luzie (erst einmal?) unberücksichtigt und die Veröffentlichung startet mit dem zwanzigsten Heft In der französischen Revolution von 1989 und endet in Band Sechs mit Bei Dschingis Khan, dem 68. und “letzten in der klassischen Art gemachten Max & Luzie-Comic“. Der 2001 vor dem gescheiterten Relaunch veröffentlicht wurde.

Der Integral-Reihe von Max & Luzie ist ein großer Erfolg zu wünschen, auch weil dann vielleicht auch noch die restlichen Comics erscheinen werden. Die Qualität des enthaltenen Comicmaterials und die interessanten reich bebilderten Sachartikel machen Hoffnung darauf, dass die großartige Serie in dieser adäquaten Form endlich komplett erscheint. Es ist dabei sicher hilfreich, wenn Fans von Max & Luzie direkt beim Verlag ein Exemplar der auf 99 Exemplare limitierten Variantcover-Ausgabe mit zwei exklusiven, von Franz Gerg signierten Exlibris bestellt.

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Franz Gerg: Max & Luzie

1982 bei einer Autofahrt durch München hörte Friedrich Niendieck im Radio den Slogan “Hoffentlich Allianz versichert!“ Der Verleger stoppte an der nächsten öffentlichen Telefonzelle und rief den Werbeleiter der Allianz an. Niendieck hatte mit einem kleinen Team vor zwei Jahren das Konzept für einen Comic entwickelt, der Kinder für Geschichte begeistern konnte, doch es konnte noch kein Interessent für Max & Luzie gefunden werden.

Franz Gerg: Max und Luzie

Das änderte sich schnell, denn im Februar 1983 erschien das erste Heft, in dem die Kinder Max und Luzie zusammen mit dem kauzigen Kieks ins alte Ägypten reisten. Die Auflage betrug 250.000 Exemplare und die Hefte gingen an Allianz-Versicherungsvertreter, die diese zur Kundenbindung einsetzten. Max & Luzie wurde zu einem Erfolg und das 16-seitige Comicheft erreichte 1994 mit einer Auflage von einer halben Million eine Marke, die nur noch von Asterix getoppt wurde.

Franz Gerg: Max und Luzie

Bis 2002 erschienen 74 Hefte mit den Zeitreise-Abenteuern von Max und Luzie. Hauptverantwortlich war Franz Gerg, der 1961 in Bad Tölz geboren wurde, studierte drei Jahre an der Berufsfachschule für Grafik und Werbung in München und begann dann als Werbegrafiker zu arbeiten. Ab 2004 gehört Gerg zum Künstlerteam des Sparkassen-Werbecomics KNAX und zeichnete außerdem bis 2007 den Comic Eddie Erdmann für die Kinderzeitschrift Eddie des Fertighausbauers SchwörerHaus.

Franz Gerg: Max und Luzie

Obwohl Gerg zweifelsohne einer der besten Comic-Zeichner Deutschlands ist, blieb er bisher weitestgehend unbekannt, da er fast ausschließlich Werbe-Comics zeichnet, diese jedoch auf einem international konkurrenzfähigen Niveau. Mit dem voluminösen Buch Max & Luzie – Ein Comic macht Geschichte erhält Gerg endlich die Würdigung, die er schon lange verdient hat.

Franz Gerg: Max und Luzie

Das 250-seitige Buch enthält zahlreiche Beispiele von Gergs Zeichenkunst und auch Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Werbe-Comics. Herausgeber Siegmund Riedel konnte aber auch 48 Comic-Künstler dazu bewegen Hommagen zu Max & Luzie zu zeichnen. Vertreten sind u. a. Werke von Willi Blöß (Künstler-Biografien), Ulf S. Graupner (Das UPGrade), Eric Heuvel (Die Suche), Bernd Kissel (Die Känguruh-Comics), Alfred Neuwald (Karl der Kleine) und Andreas Pasda (Mosaik), die sich alle vor der Virtuosität von Frank Gerg verbeugen.

Mehr als 40 Jahre hat es gedauert, doch jetzt erscheint eine der besten deutschen Comicserien bei Kult Comics endlich in einer den großartigen Zeichnungen von Franz Gerg angemessenen Edition.

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