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Darwyn Cooke: Parker

Nachdem Donald E. Westlake alias Richard Stark “diesen Mistkerl namens Parker“ erfunden hatte, kam er “nicht umhin, ihn zu mögen“, denn “er war so gradlinig und klar“. Daher musste der Autor niemals darüber nachdenken, was dieser „als nächstes tun würde.“ Der dadurch entstandene an eine Naturgewalt erinnernde Drive ist die Triebfeder der vierundzwanzig Parker-Romanen, die Stark von 1963 bis zu seinem Todesjahr 2008 verfasste.

Darwyn Cooke: Parker

Der Mann ohne Vornamen plant meisterliche Einbruchs-Coups. Wenn er dabei von einem seiner Komplizen betrogen wird, geht er skrupellos seinen Weg der Rache und schreckte auch vor Mord nicht zurück. Es ist den Büchern anzumerken, wie viel Spaß es Richard Stark macht, in die Haut eines Mannes zu schlüpfen, der sich kein bisschen an die Regeln unserer Zivilisation hält und dabei nicht unmoralischer wirkt, als die Menschen mit denen er sich anlegt.

Darwyn Cooke: Parker

Richard Starks erster Parker-Roman The Hunter wurde gleich zweimal verfilmt. 1967 von John Boorman unter dem Titel Point Black. Die Hauptfigur trägt hier allerdings den Namen “Walker“ und wurde von Lee Marvin verkörpert, während Richard Stark eher Jack Palance als Parker bevorzugt hätte. 1999 wurde The Hunter von Brian Helgeland als Payback adaptiert, danach allerdings gnadenlos durch Nachdrehs und Schnitte entschärft. Parker hieß damals „Porter“ und wurde von Mel Gibson verkörpert.

Darwyn Cooke: Parker

Der Comiczeichner Darwyn Cooke (Batman – Ego, DC New Frontier, Before Watchmen: Minutemen) ist ein großer Fan der Bücher von Richard Stark und ihm gelangen sehr stylische Adaption der Parker-Romane. Cookes mit wenigen selbstbewussten Strichen in schwarzweiß und unter dem Einsatz von gelblichen oder blauen Schmuckfarben entstandenen Bilder sind pure Atmosphäre.

Darwyn Cooke: Parker

Oft kommt Cooke dabei ganz ohne Texte aus, doch gelegentlich übernimmt er auch einige besonders markante Prosa-Sequenzen direkt aus den Romanen. Das hochspannnende Resultat stammt aus jenem Niemandsland irgendwo zwischen Roman, Cartoon und Spielfilm, aus dem die besten Comics kommen.

Darwyn Cooke: Parker

Bei uns sind 2013 zwei Parker-Adaptionen von Cooke bei Eichborn erschienen. Doch der 2016 verstorbene Darwyn Cooke hat noch sehr viel mehr zu bieten, wie Schreiber & Leser mit den beiden Hardcover-Bänden seiner „Martini-Edition“ mit allen Parker-Adaptionen eindrucksvoll belegt.

Darwyn Cooke: Parker

Band 1 enthält neben den längeren Roman-Adaptionen The Hunter und Die Gorillas noch einen großartigen Prolog, sowie drei Kurzgeschichten. Dabei erzählt Cooke in einer fortlaufenden Handlung ebenso spannend wie raffiniert, wie sich Parker mit einem mächtigen Syndikat anlegt und abgebrühten Gangster-Bossen das Fürchten lehrt.

Darwyn Cooke: Parker

Hinzu kommen noch ein hochinteressantes Interview, an dem auch der Comic-Autor Ed Brubaker (Gotham Central) beteiligt ist, sowie die von den bisherigen Parker-Filmadaptionen inspirierte Bildergalerie “Starks Hollywood“ mit Porträts von Parker-Darstellern wie Anna Karina, Michel Constantine, Jim Brown, Jason Statham oder Robert Duvall. Es darf sich auf den zweiten Band der Martini-Edition gefreut werden!

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Mystic River

Im Bostoner Arbeiterviertel East Buckingham werden die drei Kinder Jimmy Markum, Sean Devine und Dave Boyle von zwei angeblichen Polizisten wegen einer Bagatelle aufgegriffen. Dave wird „verhaftet“ und in ein Auto gezerrt. Anschließend wird er von den beiden Männern in einem Kellerraum mehrere Tage vergewaltigt.

Mystic River

25 Jahre später wird die 19-jährige Tochter von Jimmy (Sean Penn) brutal ermordet. Bei seinen Ermittlungen findet der jetzt für die Polizei arbeitende Sean (Kevin Bacon) zahlreiche Indizien, die andeuten, dass der psychisch immer noch unter den Folgen der Kinderschändung leidende Dave (Tim Robbins) den Mord begangen hat.

Mystic River

In diesem auch als spannender Thriller funktionierenden Film stellen sich die von Sean Penn und Kevin Bacon verkörperten Figuren immer wieder die Frage, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn sie anstelle von Dave in den Wagen gezerrt worden wären. Doch anstatt mit ihren Freund offen darüber zu reden, verbringen sie so wenig Zeit wie möglich miteinander und ihre Wege kreuzen sich erst wieder durch tragische Umstände.

Mystic River
In seinem zuvor entstandenen etwas konventionelleren (aber durchaus gelungenen) Film Blood Work, der ebenfalls nach einem Drehbuch von Brian Helgeland (Ritter aus Leidenschaft) entstand, spielte Clint Eastwood auch noch die Hauptrolle. Bei Mystic River begnügt er sich 2003 damit den Film mit viel Sinn für atmosphärische Details zu inszenieren. Das Resultat ist ganz sicher eins der gelungensten Werke im abwechslungsreichen Oeuvre Eastwoods.

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Legend

Die Kray-Zwillinge, die in den 50er und 60er Jahren als Gangster das Londoner East End terrorisierten, wurden 1990 bereits von den Zwillingen Gary und Martin Kemp (Spandau Ballet) verkörpert. In Legend spielt in einer Doppelrolle Mad Max Tom Hardy das kriminelle Duo. Hardy hat bereits beeindruckende Hauptrollen im Gangsterfilmen wie Lawless – Die Gesetzlosen oder The Take gespielt.

Legend

Auch der Regisseur und Drehbuchautor Brian Helgeland ist im Genre daheim, denn er hat es in den letzten Jahrzehnten mit Payday – Zahltag, Mystic River und L. A. Confidental um einige interessante Beiträge bereichert. Der US-Amerikaner Helgeland macht aus Legend weniger ein an Tatsachen orientiertes Biopic, sondern einen Gangsterfilm klassischen Zuschnitts. In Filmen wie Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern (1938) oder Die wilden Zwanziger (1939) war James Cagney als eigentlich herzensguter Gangster zu sehen, der vor Charisma nur so strotzte und erst kurz vor dem Abspann doch noch ein böses Ende nahm, während Humphrey Bogart rücksichtslose Ganoven ganz ohne Moral spielte.

Legend
Tom Hardy gelingt das Kunststück sowohl den „guten“ als auch den bösen Kray-Zwilling glaubhaft als völlig unterschiedliche Charaktere zu verkörpern. Sein Ronald „Ronnie“ Kray gefällt sich als schillernde Unterwelt-Größe. Er agiert zwar gelegentlich brutal, doch mit seinem Charme kommt er sehr viel leichter ans Ziel, auch bei Frances, der Liebe seines Lebens. Reginald „Reggie“ Kray hingegen ist in Legend ein völlig unberechenbarer Psychopath, der immer wieder alles zu zerstören droht, was sein Bruder aufgebaut hat.

Legend

Die Nebenrollen sind mit David Thewlis, Christopher Eccleston, Chazz Palminteri, Paul Bettany und Taron Egerton (Kingsman: The Secret Service) exquisit besetzt, doch nur die australische Darstellerin Emily Browning als Frances kann neben dem doppelten Hardy punkten. Auch dank der farbenfrohen Ausstattung und des mitreißenden Swing-Soundtrack sah der britische Gangsterfilm noch nie so elegant aus wie in Legend.

Legend

Die DVD von STUDIOCANAL enthält neben dem 126-minütigen Kinofilm noch Interviews mit allen Beteiligten außer Tom Hardy (insgesamt 29:24 min, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Intertiteln), einen interessanten Bericht über die “Legende der Krays“ (13:31 min), ein Mini-Making-Of (4:04 min), einen kurzen Bericht von der Weltpremiere in London (1:48 min), sowie den englischen Trailer (2:20 min)

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