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Steven Spielberg: München

Während der Olympischen Spiele in München ermordeten 1972 palästinensische Terroristen elf israelische Sportler. Als Reaktion darauf plant der israelische Geheimdienst Mossad die “Operation Zorn Gottes“. In grobkörnigen Bildern und sich entlang hangelnd an Tatsachen und Spekulationen erzählt Steven Spielberg 2005 von Alltagsmenschen, die urplötzlich zu Auftragskillern werden und für die “gerechte Sache“ gezielt mordend durch Europa ziehen.

Steven Spielberg: München

Der junge Geheimdienstoffizier Avner Kaufman (Eric Bana) wird beauftragt mit einem fünfköpfigen Team (Ciarán Hinds, Hanns Zischler, Mathieu Kassovitz und Daniel Craig kurz vor seinem ersten 007-Auftritt) elf Männer zu exekutieren, die für das Attentat verantwortlich sein sollen. Nach und nach machen sich innerhalb der Gruppe Zweifel bezüglich der vom Mossad erhaltenen Informationen breit. Sind die Mordopfer wirklich die Drahtzieher des Olympia-Attentats?

Steven Spielberg: München

Der Verlauf der Geiselname in München fließt in in die Handlung als Rückblenden ein, die Avner um den Schlaf bringen. Spielberg dämonisiert weder die arabischen Charaktere noch rechtfertigte er die israelischen Racheaktionen. Er bringt sogar etwas schrulligen Humor in den Film ein, in dem er Geoffrey Rush als schrulligen Geheimdienstler auftreten lässt und sich über Mossad-Bürohengste (“Wir brauchen Quittungen!“) lustig macht.

Steven Spielberg: München

Wer es gerne realistischer mag, dem sei Kevin MacDonalds oscar-prämierter Dokumentarfilm Ein Tag im September empfohlen. Doch Spielbergs sehr (aber nicht zu) langer Spielfilm ist eine ebenso interessante Reflektion über die damaligen Ereignisse und dabei äußerst spannend und vielschichtig.

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Ralf König: Wie die Karnickel

Der Kontrabassist Horst Bömmelburg (Michael Lott) wird von seiner Langzeitfreundin Vera (Anna Böttcher) verlassen, nachdem sie herausgefunden hat, dass er gelegentlich Pornos guckt. Auch Sigi (Sven Walser), der homosexuellen Nachbarn und Jugendfreund von Horst, hat sich gerade frisch von seinem Langzeitlover Hubert (Heinrich Schmieder) getrennt.

Wie die Karnickel

Gemeinsam versuchen die Neu-Singles die unverhoffte Freiheit zu genießen. Während Horst ein leidenschaftliches Intermezzo mit Operndiva Kriemhild Nastrowa (Andreja Schneider von den Geschwister Pfister) startet, ist Sigis Objekt der Begierde der Möbelpacker Benno (Alfonso Losa). Doch auch mit Vera und Horst ist es noch nicht völlig aus. Ferner ist da aber auch noch ein von Horst heißbegehrte Porno-Superstar namens Kelly Trump…

Wie die Karnickel

Obwohl ihm Sönke Wortmanns Drehbuch zu Der bewegte Mann enttäuscht hatte und die unglaublich schundige Verfilmung von Kondom des Grauens zu einer völligen Katastrophe wurde, hat der Comic-Künstler Ralf König nicht völlig mit dem Medium Film gebrochen.

Wie die Karnickel

2002 schrieb er Wie die Karnickel zuerst als Drehbuch. Der Regie-Newcomer Sven Unterwaldt, der anschließend mit 7 Zwerge – Männer allein im Wald einen großen Erfolg verbuchen konnte, setzte den Film dann unter der Aufsicht von König in München um.

Ralf König: Wie die Karnickel

Sein Drehbuch verarbeitete Ralf König nach Ende der Dreharbeiten zu einem knapp 150-seitigen Comic. Das Resultat gehört ganz gewiss zu Königs besten Arbeiten und es erschien noch vor dem Filmstart bei Achterbahn (hier wurden seinerzeit auch Brösels Werner-Comics veröffentlicht). Knapp zwei Jahre später folgte bei Rowohlt eine überarbeitete Neuausgabe. Hierfür hatte König die kurzen Prosa-Texte der Ur-Version durch Comic-Passagen ersetzt. Außerdem wurde die Geschichte noch durch einen neunseitigen Prolog mit einem Schwank aus der Kindheit von Horst Bömmelburg und Siegfried Purzmann abgerundet.

Wie die Karnickel

Es ist nicht von der Hand weisen, dass Wie die Karnickel gewisse Ähnlichkeiten mit der Verfilmung von Der bewegte Mann aufweist, denn den Erlebnissen des heterosexuellen Horst werden ungefähr gleichviel Raum eingeräumt, wie den schwulen Abenteuern von Sigi. Doch die besseren Pointen hat natürlich Sigi, denn wenn Horst meint: „Immerhin haben wir die Welt überbevölkert“ entgegnet dieser nur: „Wir wären schneller gewesen.“

Wie die Karnickel

Trotzdem ist es ziemlich offensichtlich, dass auf ein möglichst breites Publikum geschielt wurde. Das verwundert ein wenig, denn als Sönke Wortmanns Der bewegte Mann 1994 in die Kinos kam und sechs Millionen Besucher erreichte, meinte König: „Mir war das alles zu zahm und auf Mainstream aus, und ich habe mich von Anfang an nicht genug dagegen gewehrt.“ Insgesamt ist Wie die Karnickel fast genauso gelungen wie Der bewegte Mann, doch auch mangels klangvoller Namen blieb der große Erfolg aus.

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Sönke Wortmann Edition

Kleine Haie erzählt die Erlebnisse von drei höchst unterschiedlichen jungen Männern (optimal besetzt mit Jürgen Vogel, Kai Wiesinger und Gedeon Burkhard), die nach München reisen um an der Otto-Falckenberg-Schauspielschule angenommen zu werden. 1992 gelang dem damaligen Jungregisseur Sönke Wortmann ein entspannter Film, der – auch dank Armin Rohde als „Bierchen“ – heute schon Klassikerstatus genießt.

Sönke Wortmann Edition

Die Sönke Wortmann Edition enthält jedoch nicht nur Kleine Haie sondern auch nahezu alle Filme die der Regisseur zuvor drehte. Die an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen entstandenen Kurzfilme Fotofinish und Drei D belegen, dass Wortmann von Anfang an nicht nur an formalen Experimenten sondern vor allem am Erzählen von originellen Geschichten interessiert war.

Sönke Wortmann Edition

Das erste abendfüllende Werk Eine Wahnsinnsehe entstand 1990 fürs Fernsehen und handelt von einem Polizisten (Wortmanns Stammdarsteller Thomas Heinze), der sich 1968 in eine attraktive Demonstrantin (Barbara Auer) verliebte, aber schließlich daran verzweifelte, dass seine Angebetete alle Modeströmungen von Psychoanalyse bis Bhagwan mitmacht. Der gut gespielte (äußerst überzeugend ist Heinrich Schafmeister als moralisch sehr elastischer Anwalt) und in Szene gesetzte Film leidet etwas unter dem unbefriedigenden, aber immerhin sehr pointierten Ende.

Sönke Wortmann Edition

Ein großer Erfolg wurde schließlich Allein unter Frauen. Der Film erzählt, von Wortmann etwas bieder in Szene gesetzt, ein wenig zu vorhersehbar vom Kampf der Geschlechter, bzw. eines Machos (Idealbesetzung: Thomas Heinze) innerhalb einer Frauen-WG. Der Rest ist (deutsche) Filmgeschichte, auch wenn Wortmanns Blockbustern wie Der bewegte Mann oder Das Wunder von Bern ein wenig der ganz spezielle Charme von Kleine Haie fehlt.

Sönke Wortmann Edition

Extras der Sönke Wortmann Edition: Die DVD zu „Eine Wahnsinnsehe“ enthält einen Audiokommentar von Sönke Wortmann und Thomas Heinze, sowie ein Making Of des Audiokommentars (13:50 min); Die DVD zu „Allein unter Frauen“ enthält einen Audiokommentar von Sönke Wortmann und Thomas Heinze, sowie ein Making Of des Audiokommentars (18:22 min), ein Bericht über die Verleihung des Video Champion 1993 (5:21 min) und den Trailer (1:52 min); Die DVD zu „Kleine Haie“ enthält einen Audiokommentar von Sönke Wortmann und Kai Wiesinger, sowie ein Making Of des Audiokommentars (36:58 min) und nochmals den Bericht über die Verleihung des Video Champion 1993 (5:21 min); Eine vierte DVD enthält den 17-minütigen Kurzfilm „Fotofinish“ von 1986 sowie den 48-minütigen Abschlussfilm „Drei D“ und eine Wortmann-Trailershow mit „Allein unter Frauen“, „Mr. Bluesman“, „Das Superweib“, „St. Pauli Nacht“, „Das Wunder von Bern“, „Deutschland. Ein Sommermärchen“ und „Die Päpstin“

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Donald Duck in München

Das Titelbild dieses Bands stammt vom Münchner Zeichner Jan Gulbransson, der 2012 nach einer Story von Michael Kompa Die Ducks in Deutschland agieren ließ. Im Rahmen dieser zunächst als Fortsetzung im Micky Maus Magazin und anschließend als Album veröffentlichten Geschichte, besuchten Onkel Dagobert, Donald, sowie die Neffen Tick, Trick und Track das Münchner Oktoberfest.

Donald Duck in München

Das Hardcover-Album Donald Duck in München startet jedoch mit einen Wiesn-Besuch der Familie Duck, der bereits in den 80er-Jahren in Szene gesetzt wurde. Die Geschichte erschien unter dem Titel Eiertanz im Alpenland innerhalb der Reihe Abenteuer aus Onkel Dagoberts Schatztruhe und kam erstmals 2004 in Albumform zum Abdruck.

benteuer aus Onkel Dagoberts Schatztruhe

Konzipiert hatte diese Geschichte und die Schatztruhe-Reihe Adolf Kabatek, der als Ehapa-Geschäftsführer maßgeblich für den hiesigen Erfolg der Asterix-Comics verantwortlich war. Die sehr lockereren Zeichnungen des etwas arg konstruierten Abenteuers um eine Maschine, die aus Bananenschalen Eier macht, stammen aus den spanischen Bargadà Studios.

Donald Duck in München

Dies erklärt vielleicht, warum das Münchner Oktoberfest in dieser Geschichte wie eine Dorfkirmes aussieht. Gulbransson und Kompa vermittelten bei Die Ducks in Deutschland eine sehr viel authentischeres Wiesn-Feeling.

Donald Duck in Berlin

Zeitgleich zu Donald Duck in München ist auch ein Band erschienen, der die Ducks in die deutsche Hauptstadt schickt. Donald Duck in Berlin präsentiert aktuelleres Material. Die vier enthaltenen Comics, eins davon stammt aus der Feder von Jan Gulbransson, entstanden  zwischen 2014 und 2019  für das Micky Maus Magazin und die Lustigen Taschenbücher.

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Reddition # 71: Zeitungscomics in Deutschland

Die 71. Ausgabe von Reddition, der “Fachzeitschrift für Graphische Literatur“, beschäftigt sich mit Zeitungscomics in Deutschland. Hierzu bekam das Team des Herausgebers Volker Hamann Einblick in das Archiv der in Frankfurt ansässigen Firma Bulls Deutschland. Daher liegt der Schwerpunkt der Ausgabe auf Comics, die im Westdeutschland der Nachkriegszeit durch Bulls Pressedienst ihren Weg in diverse Zeitungen fanden.

Reddition # 71: Zeitungscomics in Deutschland

Dennoch wird die Reddition durch den interessanten Artikel “Das Jahrhundert der Comicstrips“ von Michael Hein eingeleitet, der sich mit den Ursprüngen der Newspaper Comics beschäftigt. Hein erzählt von jenen sagenhaften Zeiten zu Beginn des letzten Jahrhunderts, als sich Zeitungs-Zaren wie Joseph Pulitzer oder William Randolph Hearst gegenseitig erfolgreiche Zeichner wie Richard Felton Outcault (The Yellow Kid) oder Winsor McCay (Little Nemo) abgeworben haben. Dadurch brachten es einige Comic-Macher zu beträchtlichem Wohlstand, wovon die für Heftserien arbeitenden Zeichner nur träumen konnten.

Reddition # 71: Zeitungscomics in Deutschland

Die Reddition enthält auch noch ein interessantes Interview mit Markus Schindler, der für Bulls Deutschland als Production Manager arbeitet und über die Geschichte und die Zukunftsaussichten der Zeitungscomics in Deutschland informiert. Außerdem gibt es noch zumeist sehr lesenswerte von verschiedenen Autoren verfasste Artikel zu den Comic-Serien Blondie, Terry and the Pirates, Prinz Eisenherz, The Phantom, Rip Kirby, Flash Gordon, James Bond, Modesty Blaise, Hägar, Doonesbury, Star Wars & Star Trek, Calvin und Hobbes und Zits.

Mein Name ist Modesty

Jens R. Nielsen beschäftigt sich mit “Disney bei Bulls“ und Peter Osteried informiert über Superhelden, die in Zeitungsstrips auftraten und dort – abgesehen von Spider-Man nicht dauerhaft Fuß fassen konnten. Im Vorwort weist Hamann darauf hin, dass so mancher Klassiker wie Garfield oder Gary Larsons The Far Side nicht berücksichtig wurde, doch dies ist “vielleicht Anlass für eine Fortsetzung unseres Dossiers“.

Reddition # 71: Zeitungscomics in Deutschland

Auch zu dieser Ausgabe gibt es wieder eine limitierte Extra-Beilage für Abonnenten: Ein ganzseitiger Zeitungsartikel aus der Münchener Abendzeitung vom 13. Mai 1950 über die Entstehung von Comics (und einigen Strips auf der Rückseite) als großformatiges DIN-A-2-Poster, limitiert auf 500 Exemplare!

Zu bestellen unter: www.reddition.de

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Uli Oesterle: Vatermilch

Uli Oesterle (Hector Umbra, Kopfsachen) ist einer der wenigen deutschsprachigen Comic-Künstler, deren Stil unverwechselbar ist. 2016 erhielt er den Förderpreis der Berthold Leibinger Stiftung und es sollte vier Jahre dauern bis der erste Band seiner vorab prämierten vierteiligen Reihe Vatermilch erschienen ist. Doch das Warten hat sich gelohnt.

Uli Oesterle: Vatermilch

Auslöser für das ambitionierte Projekt war 2010 ein “amtlich anmutender Brief“ aus Karlsruhe, der den Münchener Künstler darüber informierte, dass sein Vater Peter Oesterle verstorben ist. Seit 1975 war der Kontakt zum Vater abgebrochen und dieser war zeitweise obdachlos. Bereits zuvor hatte dieser nie “mehr als eine Zigarettenlänge Zeit“ für seinen Sohn gehabt.

Uli Oesterle: Vatermilch

In Vatermilch versucht Oesterle eine Biografie seines Vaters zu erzählen: “Die großen Lücken in seinem Lebenslauf verfugte ich mit Erdichtetem. Jedes einzelne Wort davon ist wahr.“  Peter Oesterle heißt daher im Comic Rufus Himmelstoss und hat einen Sohn namens Viktor, der Comiczeichner ist, Genau wie Oesterle fragt sich dieser, wieviel von seinem Vater in ihm steckt.

Uli Oesterle: Vatermilch

Die daraus resultierende Erzählung ist sehr vielschichtig. Die vielleicht größte Überraschung ist, dass Oesterles sich auf den ersten Blick scheinbar eher für lustige Geschichte eignender, stark karikierender, Stil der Geschichte nicht im Wege steht, sondern diese trotz ihres ernsten – teilweise sehr ernsten – Grundtons zu einer verdammt unterhaltsamen Angelegenheit macht.

Uli Oesterle: Vatermilch

In stilvoll in Grau kolorierten Bildern erzählt Oesterle vom Handlungsreisenden Himmelstoss, der stärker daran interessiert ist, potentielle Kundinnen zu verführen, als ihnen Markisen fürs Eigenheim anzudrehen. Abends lässt es Himmelstoss im Münchener Nachtleben ordentlich krachen. Er verschuldet sich dabei hoch und hat daher weder Zeit noch Geld für Frau und Kind.

Uli Oesterle: Vatermilch

Oesterle fängt sehr stimmungsvoll die Münchener Disko-Szene der 70er-Jahre ein und nutzt diese als schillernden Hintergrund, um seine Hauptfigur als schmarotzenden Blender darzustellen. Dieser kann vielleicht gerade noch sich selbst, aber immer weniger seine Freunde und am allerwenigsten seine Ehefrau täuschen.

Uli Oesterle: Vatermilch

Ein interessanter Kontrast sind die in der Gegenwart angesiedelten violett kolorierten Erlebnisse des Comic-Zeichners Victor, der sich angesichts des schlechten Vorbilds fragt, ob er ein guter Vater ist. Zusätzliche Dramatik entsteht durch einen vom betrunkenen Himmelstoss verursachter Unfall mit tödlicher Folge und Fahrerflucht. Die ermittelnden Polizisten macht zu Oesterle zu interessant charakterisierten Nebenfiguren.

Uli Oesterle: Vatermilch

Das ist eine Menge Holz, selbst für mehr als 100 Comicseiten. Doch Oesterle gelang mit Die Irrfahrten des Rufus Himmelstoss, dem ersten Band von Vatermilch, eine in sich abgeschlossene Comic-Erzählung. Diese ist einzigartig und macht gerade dadurch aber auf die Fortsetzungen gespannt.

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Bilder vom Comic Café vom 09.02.2020

Hier einige Impressionen von meinem Comic Café, das am Sonntag den 9. Februar 2020 im Münchner Werkstattkino stattfand.

Festival international de la Bande dessinée

Zum 47. Mal fand im französischen Angoulême das größte Comicfestival Europas statt.

COMIC CAFÉ

Präsident war diesmal zwar die Japanerin Rumiko Takahashi (Ranma ½), diese  steuerte allerdings abgesehen von einem Plakat nichts zur Veranstaltung bei.

COMIC CAFÉ

Doch mit zahlreichen Ausstellungen. u. a, zu Lewis Trondheim (Donjon), Robert Kirkman (The Walking Dead), Calvo (Die Bestie ist tot), Wally Wood (EC-Comics, MAD), Pierre Christin (Valerian & Veronique) und Yukito Kishiro (Battle Angel Alita) sowie der riesigen Verlags-Messe wurde ein abwechslungsreiches Programm geboten.

COMIC CAFÉ

Wir haben ganz frische Impressionen von der Veranstaltung geboten, die am Wochenende vor dem Comic Café stattfand.

COMICS LESEN!

Fester Bestandteil des Programms ist die Expertenrunde “Comics lesen!“ die sich als Prüfstand für Neuerscheinungen versteht.

Bilder vom Comic Café vom 09.02.2020

Regelmäßig und kontrovers diskutiert Gastgeber Heiner Lünstedt in lockerer Runde über aktuelle Comics. Diesmal waren Karlo Knorr, Michael Khambekar und Rainer Schneider zu Gast.

Dieser Comic stand zur Debatte:

Es ist sehr erfreulich, dass die beeindruckend von Henk Kuijpers in Szene gesetzte niederländische Serie FRANKA bei Finix Comics fortgeführt wird.

Henk Kuijpers: Franka – Das Geheimnis von 1948

Hier die Wertung:

Bilder vom Comic Café vom 09.02.2020

Trickfilmklassiker

Matthias Schäfer präsentierte wieder ausgewählte und besonders lustige Trickfilm-Klassiker.

Bilder vom Comic Café vom 09.02.2020

Danach fand wie immer ein gemütliches Beisammensein im Fraunhofer statt.

COMIC CAFÉ

Der nächsten Termin ist der 15. März 2020.

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Sabrina Schmatz: München 1945 – Band 5: Kriegskinder

Pünktlich zum Comicfestival München 2019 erschien der fünfte Band der Serie München 1945 von der jungen Autorin und Künstlerin Sabrina Schmatz. Die Beziehung zwischen der 21-jährigen Krankenschwester Konstanze Hofer und dem 25-jährigen amerikanische Sanitäter Daniel Stevens wird immer fester – unbeschwerte Tage inklusive. Aber sie wird auf eine harte Bewährungsprobe gestellt.

Sabrina Schmatz: München 1945 – Band 2: Kriegskinder

Wie das Cover vermuten lässt, spielt Roman in der Geschichte eine wichtige Rolle. Roman wurde im Alter von 16 Jahren von der Wehrmacht eingezogen. Für ihn war es dennoch eine Ehre dem Vaterland zu dienen. Für ihn war unumstößlich klar, dass Deutschland den Krieg nur gewinnen konnte. Im Krieg mit der gnadenlosen Realität konfrontiert überdenkt er zwar einige seiner Überzeugungen aber dennoch kämpfte er weiter bis er letztendlich von den Amerikanern in Kriegsgefangenschaft genommen wurde. Nun ist seine Heimat von einer fremden Nation besetzt.

Sabrina Schmatz: München 1945 – Band 2: Kriegskinder

Die Erlebnisse des Krieges für ihn und seine Altersgenossen (Kriegskinder) haben ihn geprägt und lassen ihn nicht mehr los. Sie bestimmen sein Handeln auch im Jetzt. Aus Angst vor Übergriffen durch die Besatzer besorgt er sich einen Revolver.

Sabrina Schmatz: München 1945 – Band 2: Kriegskinder

Die Situation eskaliert völlig, als ein amerikanischer Soldat, den er von früher kennt, Roman provoziert. Nun beginnt für Konstanze die ganze Schwere der Nachkriegszeit – die sie bis dahin versuchte zu verdrängen.

Sabrina Schmatz: München 1945 – Band 2: Kriegskinder

Die Geschichte wird weiterentwickelt und die agierenden Personen müssen Veränderungen durchleben. Schmatz hat 2017 den ICOM Independent Comic Preis in der Kategorie “Herausragendes Artwork“ für ihre Serie erhalten, völlig zu Recht.

Norbert Elbers

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Frank Schmolke: Nachts im Paradies

In seinem ersten Comic-Album Trabanten erzählte Frank Schmolke von Menschen, die sich im Abseits der Gesellschaft befinden. Auch in seinem neusten Werk zeigt Schmolke seine Heimatstadt München nicht gerade von ihrer besten Seite. Basierend auf eigenen Erlebnissen schildert er, was der Taxifahrer Vincent während des ja eigentlich für hohe Umsätze sorgenden Oktoberfests erlebt.

Frank Schmolke: Nachts im Paradies

Frank Schmolke hat selbst eine Weile als Taxifahrer gearbeitet und tat es immer wieder, wenn “Auftragsflauten oder finanzielle Krisen“ herrschten. Die ersten Skizzen zu Nachts im Paradies sind im Taxi entstanden. Schmolke sieht Ähnlichkeiten zwischen Taxifahren und Zeichnen: “Das Suchen einer Fahrtroute ist ähnlich dem Ziehen einer Linie mit dem Stift. Der Fahrgast ist wie ein weißes Stück Papier. Vorerst neutral. Während der Fahrt füllt sich das Blatt mehr und mehr. Bis zum Ende der Fahrt entsteht so ein Bild des Fahrgastes.“

Frank Schmolke: Nachts im ParadiesSchmolkes Comic-Erzählung ist zwar mit klaren schwarzen Linien gezeichnet, doch sind die Bilder wie skizzenhaft geblieben. Es wirkt fast so, als wenn Schmolkes Zeichengeschwindigkeit ähnlich hoch war, wie das Umblätter-Tempo, das er seinen Lesern durch die spannende Erzählung aufzwingt. Die Bilder scheinen sich schmuck- und schnörkellos auf das Wesentliche zu beschränken, entfalten ihre volle Wirkung jedoch erst durch das Großformat, das die Edition Moderne der Veröffentlichung dankenswerterweise spendiert hat.

Frank Schmolke: Nachts im Paradies

Bemerkenswert ist auch, dass Nachts im Paradies, obwohl Schmolke einige selbsterlebte Sequenzen in die 350-seitige Geschichte eingebaut hat, kein Episoden-Comic geworden ist. Die Story vom Taxifahrer Vincent, der sich um seine 16-jährige Tochter sorgt, aber auch nicht gerade als Vorbild taugt, hat Schmolke mitreißend und emotional aufwühlend zu Papier gebracht. Es gibt wenige Comics, die einen so stark mitten ins Geschehen hineinziehen wie dieser!

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Sabrina Schmatz: München 1945 # 4: Geständnisse

Ging es im ersten Band von München 1945 weniger um den vergangenen Krieg und die moralische Aufarbeitung, so werden ernste Themen und fürchterliche Taten und deren Bewertung und Folgen seit dem zweiten Band immer unvermeidlicher. Der historische Kontext scheint immer mehr an Eigendynamik und Präsenz zu gewinnen. Gleichzeitig intensiviert sich auch die Beziehung zwischen Konstanze “Stanzi“ Hofer und dem amerikanischen Sanitätssoldaten Daniel „Dan“ Stevens – romantische Szenen an der Isar inklusive. Sicherlich ist beides für die Geschichte ein großer Gewinn.

Sabrina Schmatz: München 1945 # 4: Geständnisse

Einen nicht ganz einfachen Kontext hat sich da die junge Autorin und Künstlerin Sabrina Schmatz ausgesucht, als sie ihre Liebesgeschichte genau an das Ende des Zweiten Weltkriegs gelegt hat. Krieg bedeutet, dass man auch Stellung beziehen muss zu politischen und moralischen Grundsatzfragen des menschlichen Daseins. Das Dritte Reich ist eben kein Thema, das man leicht behandeln kann.

Sabrina Schmatz: München 1945 # 4: Geständnisse

Liebevoll und prägnant charakterisiert Schmatz die handelnden Personen. Ihre poetischen Bleistift-Zeichnungen wirken skizzenhaft, passen einfach zu Zeit und Stimmung, geben Dynamik und Lebendigkeit. Mit Photoshop bearbeitet Schmatz ihre Bilder noch ein wenig nach. Das verleiht Tiefe.

Sabrina Schmatz: München 1945 # 4: Geständnisse

Schmatz hat 2017 den ICOM Independent Comic Preis in der Kategorie „Herausragendes Artwork“ für ihre Serie erhalten. Zu Recht. Der extreme Kontrast – auf der einen Seite ein verheerender Krieg mit all seinen Grausamkeiten – und auf der anderen Seite die beginnende Liebesgeschichte zweier Menschen – ist ein sehr geschicktes (wenn auch nicht einfaches) Setting.

Sabrina Schmatz: München 1945 # 4: Geständnisse

Der fünfte Band soll zum Comicfestival 2019 in München erscheinen. Ganz schön lange Zeit, wenn man den düsteren und Unheil andeutenden Cliffhanger bedenkt

Norbert Elbers

Klappenbroschur • 64 Seiten • € 8,00 • Verlag Schwarzer Turm

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