Schlagwort-Archive: Roman Polanski

Die neun Pforten

Nach Tanz der Vampire und Rosmaries Baby erzählte Roman Polanski 1999 wieder von phantastischen Dingen. Dabei überlässt er es uns – und nicht dem Spezialeffekt-Team – die seltsamen Dinge rund um dämonische Bücher zu glauben oder alles für Firlefanz zu halten.

Hauptfigur ist der von Johnny Depp recht zurückhaltend gespielte Bücherjäger Dean Corso, der für den etwas zwielichtigen Sammler Boris Balkan (Frank Langella) die zwei letzten Exemplare des satanischen Handbuches „Die neun Tore des Schattenreichs“ suchen und dann mit Balkans Exemplar vergleichen soll.

Auf dieser scheinbar gradlinig erzählten Suche ereignen sich einige seltsame Dinge, die sich jedoch alle auch rational erklären lassen. Wenn da nicht diese ganz kurzen Momente wären in denen die Polanski-Gattin Emmanuelle Seigner engelsgleich zu schweben scheint.

Insgesamt bildet Die neun Pforten eine Oase im US-amerikanischen Mainstream und erinnert etwas an den Eyes Wide Shut, in dem Stanley Kubrick Film auch immer wieder kurze verstörende Momente mitten in seine scheinbar gradlinige Handlung platziert.

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Der Pianist

In seiner Jugend überlebte Roman Polanski das Ghetto in Krakau und die Bombennächte in Warschau, während seine Mutter in Auschwitz umgebracht wurde. Schon immer wollte er über diese schmerzhafte Zeit einen Film drehen, aber das Werk sollte auf keinen Fall autobiographisch sein. Den idealen Stoff fand er in den Erinnerungen des polnischen Pianisten Wladyslaw Szpilman. Dieser hatte seine Erlebnisse bereits 1945 zu Papier gebracht.

Szpilmans schildert auch, wie er kurz vor Ende des Krieges vom deutschen Wehrmachtsoffizier Wilm Hosenfeld gerettet wurde. Doch bis es zu diesem hoffnungsvollen Ende kommt, geht der Leser (und jetzt auch der Kinobesucher) mit Szpilman durch die Hölle. Polanski verkneift sich (im Gegensatz etwa zu Spielberg in Schindlers Liste) bei seiner Verfilmung des Buches jegliche inszenatorischen Mätzchen. In dokumentarisch anmutenden Bildern schildert er wie Szpilmans Familie in das Warschauer Ghetto muss und dort der unglaublich brutalen Willkür der deutschen Besatzer (aber auch der jüdischen Kapos) ausgesetzt ist.

Im Gegensatz zu seiner Familie, die deportiert wird, gelingt es Szpilman, durch die Hilfe eines jüdischen Kollaborateur bei einem Bautrupp unterzukommen. Den Rest des Krieges überlebt er auch durch die Hilfe einiger polnischer Freunde. Es wäre jetzt zynisch zu sagen, dass Polanskis Film mit 150 Minuten etwas lang ist und die zweite Hälfte nicht mehr die Intensität der Szenen im Ghetto erreicht. Richtiger ist sicher, dass es dem Thema absolut angemessen ist, dass Polanski Hollywood-Dramaturgie vermeidet und sich stattdessen darum bemüht. uns Szpilmans Schicksal so nah wie möglich zu bringen. Völlig zu Recht erhielt Polanskis Film 2002 in Cannes die Goldene Palme und Adrien Brody, der danach in Filmen wie King Kong, Predators oder Giallo auftrat, wurde mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

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Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Quentin Tarantinos neunter und maßgeblich vorletzter Film Once Upon a Time … in Hollywood war ein Geniestreich. Nun hat das Filmwunderkind die Romanfassung dazu nachgelegt- ergänzt diese um einige wertvolle Informationen und Innenansichten der Hauptfiguren- und debütiert damit als Autor. In einem Interview bekannte sich Tarantino dazu, ein Fan nachträglich verfasster „Bücher zum Film“ zu sein, da er noch die Zeit vor der VHS-Videokassette erlebt hat, in der Filmfans gezwungen waren, auf dieses Medium zurückzugreifen.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Um es vorwegzunehmen: Vor der Lektüre des Buchs sollte der Film gesehen werden. Tarantino setzt voraus, dass der Leser Figuren und Ereignisse kennt. Im Film ist so gut wie nichts über Charles Manson zu erfahren, obwohl dieser der Dreh- und Angelpunkt in der Geschichte ist. Im Buch gibt es zumindest ein Kapitel über den Sektenführer und späteren Massenmörder, dies beschäftigt sich mit dessen Freundschaft zum Beach-Boy-Mitglied Dennis Wilson und seinen verzweifelten Bemühungen beschäftigt, als Rockmusiker Erfolg zu haben.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Auch die Innenwelt der anderen Hauptfiguren nimmt Tarantino genauer unter die Lupe. Es ist mehr zu erfahren über den abgehalfterten, ehemaligen Westernserienstar Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) mit Alkoholproblemen, über sein Stuntdouble und Saufkumpanen Cliff Booth (Brad Pitt) sowie über Roman Polanskis Gattin Sharon Tate (Margot Robbie). Hierbei bedient Tarantino sich der Sicht des allwissenden Erzählers, der jeden Standpunkt einnehmen und in jede Person hineinsehen kann (zumindest letzteres ist eine Qualität, die dem Medium Film naturgegeben abgeht).

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Tarantinos Romandebüt liest sich wie ein Drehbuch und ist stets im Präsenz geschrieben. Es gibt teilweise überflüssige Anmerkungen zum Verhalten der Protagonisten, sowie natürlich geniale Dialogen. Ein Schwachpunkt ist, dass einige Charaktere und Handlungsstränge buchstäblich ins Leere aufen und nicht wieder aufgegriffen werden. So verwundert es, dass der Werdegang von Cliff Booths Kampfhündin Brandy und deren Verbindung mit Cliff Booth im Buch ausführlich geschildert wird, ansonsten jedoch keine Funktion hat.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Um nicht zu spoilern, werde ich zumindest über die Funktion der Manson-Morde (die ja im Film durch eine simple Hausverwechslung und der Wehrhaftigkeit derer Besitzer vereitelt werden) an dieser Stelle schweigen. Trotz einiger Schwächen muss hervorgehoben werden, dass Tarantinos erster Roman beste Unterhaltung liefert. Seine Beobachtungsgabe und sein Händchen für eindringliche Sequenzen ist auch in Buchform großes Kino und dürfte nicht nur für Fans erfreuen.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Vielleicht der größte Pluspunkt des Buches ist Tarantinos persönlicher Einblick in die Filmwelt und das Hollywood des Jahres 1969. Jede Seite pulsiert nur so von Informationen über echte und hinzugedichtete Filme, Anekdoten und Skandale. Wie immer schreibt Tarantino die Geschichte ein wenig um. Man spürt seine Liebe zum Kino und zum Filmemachen. Es darf sich auch auf Tarantinos Sachbuch über den Film der 70er-Jahre mit dem Titel Cinema Speculation gefreut werden.

Matthias Schäfer

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Der Gott des Gemetzels

Zwei Elfjährige prügeln sich auf einem New Yorker Spielplatz, einem der beiden Jungen werden dabei Zähne ausgeschlagen. Die Eltern des „Opfers“ haben die Eltern des „Übeltäters“ eingeladen, um den Vorfall wie vernünftige Menschen zu klären. Was als friedliche Kaffeerunde mit einem gepflegten Austausch über Zivilisation, Gewalt und die Grenzen der Verantwortlichkeit beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem immer stärker eskalierenden Streit voller Widersprüche und grotesker Vorurteile…

Der Gott des Gemetzels

Das Kino scheint nicht unbedingt der richtige Ort für Geschichten mit kleinem Personal und engen Räumlichkeiten zu sein. Doch Meister-Regisseure, wie etwa Alfred Hitchcock bei “Das Rettungsboot“ oder seinem lange Zeit unterschätzten Kammerspiel-Thriller Rope – Cocktail für eine Leiche – laufen gelegentlich zu Höchstform auf, wenn ihre Ausdrucksmöglichkeiten eingeschränkt werden. So auch Roman Polanski, dessen skandalträchtige Lebensführung immer wieder vergessen lässt, was für ein begnadeter Regie-Handwerker er doch ist.

Der Gott des Gemetzels

Es ist sicher kein uncleverer Schachzug den auf einem erfolgreichen Theaterstück basierenden Film nicht nur in Sachen Personal (vier Darsteller) und Räumlichkeit (eine Wohnung) stark einzuschränken, sondern sich auch bei der Spieldauer (76 Minuten) zurückzuhalten. Die Darsteller Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und der unbedingt mit in diese Liga gehörende John C. Reilly hingegen spielen alles andere als zurückhaltend. Es ist unbegreiflich das hier Oscar-Nominierungen ausgeblieben sind. Alle Darsteller abgesehen vom sich gleichbleibend fies und zynisch gebenden Christoph Waltz zeigen sehr schön wie dünn und brüchig die Fassade aus kultivierter Höflichkeit sein kann. Den ganz großen Supergau zum Schluss verkneift sich Polanski, sondern lässt das Werk mit zwei kleinen Schlusspointen realitätsnah und erinnerungswürdig ausklingen.

Der Gott des Gemetzels

Extras der DVD: Interviews mit den vier Darstellern (32:39 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln); Deutscher Kinotrailer (1:50 min); Darsteller-Infos

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