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Darwyn Cooke: DC New Frontier

“Je nachdem, wie man die Story sieht, könnte es ein Liebesbrief an eine vergangene Zeit sein oder eine allegorische Betrachtung zeitgenössischer Probleme oder einfach eine große Keilerei oder ein historisches Melodram mit detailliert geschilderten Charakteren. Die Wahl sollte wie immer beim Leser liegen.“

Darwyn Cooke: DC New Frontier

Mit diesen treffenden Worten beschreibt Darwyn Cooke (Batman: Ego, Before Watchmen: Minutemen, The Spirit, Parker) im Nachwort der jetzt auch bei uns vorliegenden Prachtausgabe seines 2004 erschienenen Meisterwerks DC New Frontier, das bei uns zwei Jahre später unter dem Titel Neue Horizonte in zwei Teilen bei Panini veröffentlicht wurde.

Darwyn Cooke: DC New Frontier

Da Cooke in seine Geschichte tatsächliche historische Ereignisse, sowie wie fingierte Zeitungsartikel einarbeitet und davon erzählt, wie unsere Welt aussehen würde, wenn es tatsächlich Superhelden gäbe, drängt sich ein Vergleich mit Watchmen, dem ähnlich konzipierten Comic-Meilenstein von Alan Moore und Dave Gibbons, geradezu auf. Doch bei Cooke werden die DC-Superhelden durchweg positiv dargestellt, denn sie kämpfen optimistisch für eine bessere Zukunft. Daher haben sie kein Interesse daran, nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Dienst der US-Regierung zu stehen.

Darwyn Cooke: DC New Frontier

Die einzige Ausnahme – und da ähnelt DC New Frontier Frank Millers Batman: The Dark Knight Returns – ist Superman. Einer der Höhepunkte in Cookes 400-seitigen Epos zeigt, wie  der Stählerne inmitten des Indochina-Kriegs versucht Wonder Woman zur Rede zu stellen, weil diese einige gefangene und misshandelte Frauen befreite, diese aber nicht davon abhielt, sich an ihren Peinigern zu rächen.

Darwyn Cooke: DC New Frontier

Doch die Amazonen-Kriegerin, die Cooke einen halben Kopf größer als Superman zeichnet, denkt im Gegensatz zu diesem, nicht daran sich an Vorschriften zu halten, die sie davon abhalten sollen sich einzumischen, “außer es handelt sich um einen dreckigen Sabotageakt, den unsere Regierung billigt.“ Sie beendet das Streitgespräch mit den Worten; “Da ist die Tür, Außerirdischer!“

Darwyn Cooke: DC New Frontier

Doch auch wenn Superman, Wonder Woman und natürlich Batman großartige Auftritte haben, so stehen sie doch nicht im Zentrum von Cookes Geschichte. Sehr viel stärker interessiert ihn der kritische Blick, mit dem der auf der Erde gestrandete J’onn J’onzz alias Martian Manhunter sein neues Umfeld beäugt, das Kriegstrauma vom im Laufe der Geschichte zur Green Lantern werdenden Hal Jordan, sowie Barry Allen, der sein Flash-Kostüm an den Nagel hängen will, weil seine Heldendienste in der McCarthy-Ära anscheinend nicht mehr erwünscht sind.

Darwyn Cooke: DC New Frontier

Hinzu kommen noch jede Menge DC-Charaktere, wie der Regierungsdagent King Faraday, Colonel Rick Flag, Ace Morgan und die Challengers from Beyond oder Cooke Lieblingsfigur, der hartgesotenen Detektiv Slam Bradley. Alle diese nur DC-Insidern bekannten Figuren haben ihre großen Momente in einer Geschichte, deren wirklich großes Finale an Roland Emmerichs Independence Day denken lässt. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass Darwyn Cookes ungebremste Fabulierfreude noch von seiner Zeichenkunst übertroffen wird.

Darwyn Cooke: DC New Frontier

New Frontier, der Titel des Comics, bezieht sich auf eine Rede von John F. Kennedy, deren Text Cooke im letzten Kapitel mit seinen Zeichnungen illustriert hat. Thematisch zum Comic passen sprach der US-Präsident 1960 von “einer neuen  Grenze unbekannter Möglichkeiten und Gefahren“. Kennedy sah jenseits dieser Grenze “unbekannte Bereiche der Wissenschaft und des Weltraums, ungelöste Probleme von Frieden und Krieg“.

Darwyn Cooke: DC New Frontier

Paninis im Überformat von 22 x 33 cm erschienene Absolute Edition trägt diese Bezeichnung völlig zu Recht. Neben dem noch um einige zuvor nicht veröffentlichte Seiten ergänzten Comic gibt es noch einen Anhang. Dieser enthält auf über 100 Seiten zahlreiche Skizzen und Comics, wie ein auf Kuba spielendes Solo-Abenteuer von King Faraday.  In einem reich bebilderten Text benennt Cooke seine Inspirationsquellen und weist auf versteckte Anspielungen hin.

Darwyn Cooke: DC New Frontier

Hinzu kommt noch der Comic Justice League: The New Frontier Special. Dieser entstand 2008 um eine im Rahmen der Reihe DC Universe Animated Original Movies entstandene Verfilmung zu promoten, der es in 75 Minuten recht gut gelingt, einige der schönsten Momente des Comics in bewegte Bilder umzusetzen.

Justice League: The New Frontier

Cooke war aktiv an der Verfilmung beteiligt und nutze das Promoheft, um eine große Auseinandersetzung zwischen Batman und Superman in Szene zu setzten, von der in DC New Frontier nur erzählt wird. Hinzu kommen noch zwei von Cooke geschriebene Stories mit Robin und  Wonder Woman, die von J. Bone und David Bullock, dem Regisseur des Animationsfilms, in Szene gesetzt wurden. Schöner kann ein Meisterwerk nicht abgefeiert werden!

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Darwyn Cooke: Batman – Ego

Im Internet wimmelt es nur so von Listen zum Thema: „Die besten Batman-Storys aller Zeiten“. Neben den üblichen bekannten Verdächtigen taucht aber auch immer wieder ein Titel aus dem Jahr 2000 auf, der es erst jetzt geschafft hat, in deutscher Übersetzung auch hierzulande in die Regale zu kommen.

Darwyn Cooke: Batman – Ego

Ego ist das erste Werk von Darwyn Cooke (DC New Frontier, Before Watchmen: Minutemen, Parker) für DC und darin umspannt er den Mythos von Batman in ganzer Breite und Tiefe. In diesem zeitlosen Epos fängt Cooke auf sehr poetische, aber auch eindrucksvolle Weise das Wesen des Dunklen Ritters ein. Seinen Kampf mit inneren Dämonen stellt er sowohl in einprägsamen Worten als auch in wunderbaren Bildern dar.

Darwyn Cooke: Batman – Ego

Der im Jahr 2016 im Alter von nur 53 Jahren verstorbene Cooke ist ein Ausnahmekünstler. Er gewann 13 Eisners, acht Harvey Awards und fünf Joe Shuster Awards. Er arbeitete für Marvel, IDW, aber vor allem für DC Comics. Hier in dem Buch Batman: Ego und andere Geschichten sind: Batman: Ego, Catwoman: Selina’s Big Score, Harley Quinn Holiday Special 1, Material aus Gotham Knights 23 & 33 (zwei Geschichten aus der Batman: Black And White-Reihe) und Solo 1 & 5. Geschichten voller Kraft, verrückten Mischungen aus Super-Energie und atmosphärischer Dichte, Action und stillen Momenten.

Darwyn Cooke: Batman – Ego

Der Klassiker Selina’s Big Score (Batman: Selinas großer Coup) aus dem Jahr 2002 erzählt von Catwomans Rückkehr nach Gotham City. Sie sucht ihren alten Hehler Leonard „Swifty“ Burgess auf. Bei ihm hat sie ein Paket deponiert, das ihr erst einmal über die Runden hilft. Aber sie ist auf der Suche nach einem ganz großen Ding, um wieder sich ein Leben zu ermöglichen, das sie früher geführt hat. Über Swifty lernt sie Chantel kennen – eine Prostituierte, die die Gespielin von Frank Falcone ist. Chantel weiß zu berichten, dass 24 Millionen Dollar Schmutzgeld mit dem Zug nach Kanada gebracht werden sollen um dort Heroin zu kaufen. Chantel will dieses Wissen nutzen, um ihre Situation zu verbessern, sie möchte ihr altes Leben hinter sich lassen und mit dem Geld auch für ihr Kind und ihre kranke Mutter sorgen. Selina versteht sie nur zu gut, denn sie war auch einmal in derselben Situation. Damals trat plötzlich und unvorhersehbar ein Mann in ihr Leben, der ihr half, all das hinter ihr zu lassen: James Stark. Ein Mann, der als eiskalter Killer und berüchtigter Meisterdieb gilt.

Darwyn Cooke: Batman – Ego

Er erschoss vor vielen Jahren einen Freier von Selina. Er nahm sie mit und lehrte sie alles, was er weiß. Aber bei einem großen Diamantenraub verrät sie ihn und setzt sich mit der Beute ab. Jetzt ist der Augenblick gekommen, wieder mit ihm Kontakt aufzunehmen und ihn um Hilfe für diesen großen Coup zu bitten. Er holt noch einen dritten Mann mit ins Boot: Jeff, einen jungen Draufgänger.

Darwyn Cooke: Batman – Ego

Das Trio, bei dem keiner weiß, ob er dem anderen trauen kann, macht sich an die Planung. Alles läuft glatt, bis auf die Tatsache, dass die Falcones hinter Chantels Verrat kommen. Das Trio weiß von alledem nichts und so laufen die Vorbereitungen für den großen Coup weiter. Auch die Folcones, die nun aus Chantel die Wahrheit herausgepresst haben treffen ihrerseits Maßnahmen um den Raub ihres Geldes zu vereiteln. Aber es kommt alles ganz anders als sie gedacht haben….

Darwyn Cooke: Batman – Ego

In der Geschichte gibt es ein Wiedersehen mit Slam Bradley, jenem knallharten Hardboiled Detective aus US-Detectiv Comics #1 aus dem Jahr 1937, geschaffen von Jerry Siegel und Joe Shuster. Selten habe ich eine so spannende und fesselnde Geschichte gelesen – die Charakterisierungen der auftretenden Personen sind klar und überzeugend. In Vorwort zu diesem Buch verneigt sich Amanda Conner vor dem Menschen Darwyn Cooke und dessen Leistungen, während dieser im Nachwort erzählt, was ihm selbst seine Geschichten bedeuten.

Norbert Elbers

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